8 - Kognitive Prozesse Flashcards
Kognition
allgemeiner Begriff für alle Formen des Wissens und Denkens -> Inhalte und Prozesse
Kognitive Psychologie
Intelligenz, Sprache, Denken und Problemlösen, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung
Kognitionswissenschaft
interdisziplinäres Gebiet, liegt im Schnittfeld von:
o Philosophie, Neurowissenschaft, Linguistik, Kognitive Psychologie, Künstliche Intelligenz/Informatik
Methodische Grundlagen zur Untersuchung mentaler Prozesse
o 1868 von niederländischem Physiologen F. C. Donders (1818-1889)
o „Geschwindigkeit geistiger Prozesse“ -> erdachte Reihe experimenteller Aufgaben
o Unterschiede im Zeitverbrauch zwischen einzelnen Aufgaben -> unterschiedliche geistige Schritte für erfolgreiche Aufgabenbearbeitung
o Donders fundamentale Erkenntnis: Geistige Extraschritte führen oft dazu, dass die Aufgabenbearbeitung mehr Zeit erfordert
Liegt großem Teil der kognitionspsychologischen Forschung bis heute zugrunde (v.a. Arbeiten mit Reaktionszeiten)
Serielle und parallele Prozesse
- Serielle Prozesse finden nacheinander statt
- Parallele Prozesse finden gleichzeitig statt
- Oft Verwendung von Reaktionszeiten, um herauszufinden, ob Prozesse seriell oder parallel ablaufen
- Zentrale Herausforderung kognitionspsychologischer Forschung: Erfinden von Anordnungen und Anforderungen, die im Experiment die Beschaffenheit des Prozesses offenlegt
- Entscheidung zwischen seriell und parallel oft durch Bestimmung des Ausmaßes, in dem mentale Ressourcen beansprucht werden
o Annahme: begrenzte Verarbeitungsressourcen, die auf verschiedene mentale Aufgaben verteilt werden müssen -> für Verteilung sind Aufmerksamkeitsprozesse verantwortlich
Kontrollierte und automatische Prozesse
Nicht alle Prozesse nehmen Ressourcen in gleichem Ausmaß in Anspruch:
o Kontrollierte Prozesse erfordern Aufmerksamkeit
Oft schwierig mehr als einen kontrollierten Prozess gleichzeitig auszuführen
o Automatische Prozesse erfordern im Allgemeinen keine Aufmerksamkeit
Lassen sich häufig ohne Interferenzen neben anderen Aufgaben ausführen
o Kontrollierte Prozesse können mit genügender Übung automatisiert werden
(Aufmerksamkeit verantwortlich für
- Verteilung der mentalen Ressourcen
- Selektion der mentalen Ressourcen)
Ganor-Stern et al., 2007: Physisch größere von zwei Zahlen umkreisen
o Liste A: Missverhältnis zwischen physischer und numerischer Größe (z.B. 61 (groß) – 67)
o Liste B: Passung zwischen physischer und numerischer Größe (z.B. 61 – 67 (groß) )
o Probanden brauchten für Liste A länger als für Liste B (-> da automatisches Zurückgreifen auf Bedeutung der Zahl, auch wenn nicht benötigt bzw. gewollt)
Satzbedeutung und Äußerungsbedeutung
- Satzbedeutung: einfache Bedeutung der zu einem Satz zusammengefassten Wörter (Was wird gesagt?)
- Äußerungsbedeutung: unbegrenzte Anzahl von Bedeutungen, die ein Sprecher kommunizieren kann, indem er einen Satz geeignet verwendet (Was wird damit gemeint?)
H. Paul Grice (1975): Kooperationsprinzip
Anweisung an Sprecher, Äußerungen so zu produzieren, dass sie für inhaltliche Ausrichtung des jeweils laufenden Gesprächs und seine Randbedingungen angemessen sind
-> Vier Maximen als Erweiterung des Kooperationsprinzips
Vier Maximen als Erweiterung des Kooperationsprinzips
- Maxime der Quantität
• Beitrag so informativ wie nötig, aber nicht informativer als nötig - Maxime der Qualität
• Sicherung des Wahrheitsgehalts der Äußerung - Maxime der Relation
• Beitrag soll relevant sein - Maxime der Art und Weise
• Kurz halten, geordnet und klar sprechen
Herbert Clark (1996): drei Quellen von Hinweisen, auf die sich Urteile über gemeinsamen Wissenshintergrund gründen
o Gruppenmitgliedschaft
o Sprachliche Kohärenz: Informationen aus früheren (Abschnitten von) Gesprächen
o Physische Kohärenz: unmittelbare Gegenwart von Objekten oder Situationen
-> Beurteilung des gemeinsamen Wissenshintergrund hängt oft von Fähigkeit der Gedächtnisprozesse ab, Informationen bereitzustellen
Spoonerismus
Vertauschung der Anfangslaute von zwei oder mehreren Wörtern in einem Satz oder einem Satzteil, wobei ein veränderter Sinn entsteht
-> Mischung aus Schüttelreim und Freud’schem Versprecher
Äußerung muss auf verschiedenen Ebenen geplant werden -> Versprecher können auf jede dieser Ebenen zurückgehen
o Inhaltswörter auswählen, die Gedanken am besten entsprechen: Bei zwei Wörtern „Fisch“ und „Barsch“ Vermischung zu „Bisch“
o Ausgewählten Wörter an richtigen Stellen in Äußerung einsetzen: „den Herd auf den Topf stellen“
o Laute einsetzen, welche die Wörter bilden, die geäußert werden sollen: An falsche Stelle: „hinksländig“, „Griemgras“
SLIP – Technik
= spoonerism of laboratory-induced predisposition
o Probanden sollen Listen von Wortpaaren, die als Modelle für die phonetische Struktur des angezielten Versprechers dienen, leise lesen
Schirm – Rast, Schaft – Reck, Schilf – Rost, …
Anschließend Vorlesen von Wortpaaren wie Rock – Schaum
Unter Einfluss der vorangegangenen Paare manchmal Schock – Raum
o Methode, um Faktoren zu untersuchen, die Wahrscheinlichkeit für Sprachfehler beeinflussen
Spoonerismus wahrscheinlicher, wenn Vertauschung der Anfangsbuchstaben wieder zu existierenden Wörtern führt
• Kognitive Prozesse sind schon während Äußerung darauf gerichtet, potenzielle Fehler zu entdecken und zu verbessern
Was versuchen Theorien der Sprachproduktion momentan vorherzusagen?
Theorien der Sprachproduktion versuchen momentan vorherzusagen, wie sich Äußerungen von Menschen in Bezug auf Laute, Wörter und Struktur im Laufe der Zeit entwickeln
o Relative Frequenz von Lauten an einer bestimmten Stelle
o Zeitreihe der Wörter einer Äußerung
Wort (Kuh) unwahrscheinlicher, wenn vorher assoziiertes Wort (Milch)
o Wenn vorher passiver Satz gehört, auch eher Entscheidung für Satz im Passiv
Galati & Brennan, 2010: Einfluss von angenommenem gemeinsamen Nenner aufs Sprechen
o Studierende sehen Cartoon: Coyote versucht erfolglos Road Runner einzufangen
o Studierende erzählten anderem, der Cartoon nicht gesehen hatte, den Inhalt
o Danach erzählten sie Inhalt nochmal derselben Person (A) und einer neuen (B)
o Hypothese: Gemeinsame Basis mit A veranlasst Erzähler, lockerer mit Sprache umzugehen
o Mehrmals wiederholte Wörter (Dynamit, Fallschirm) wurden aus Aufnahme herausgeschnitten und neuer Gruppe vorgelegt, die relative Klarheit der verschiedenen Versionen beurteilen sollte
o Ausführungen durchweg weniger klar, wenn an Person A gerichtet
Sprechen wird von angenommenem gemeinsamen Nenner beeinflusst
Lexikalische Ambiguität
Mehrdeutigkeit von Wörtern (Schloss)
Disambiguierung
Eindeutig machen von Mehrdeutigem
Strukturelle Ambiguität
Mehrdeutigkeit von Strukturen (Die Schwester von Anna und Till…)
Ausgewogene und einseitige Mehrdeutigkeit
Ausgewogen: Beide Bedeutungen werden gleich häufig verwendet (Ball)
Einseitig: Eine Bedeutung ist häufiger als die andere (Ton)
-> Gehirn reagiert auf diese beiden Arten von Mehrdeutigkeit unterschiedlich
Was passiert bei Ambiguitäten?
Bei Ambiguitäten unmittelbare und sehr effiziente Anwendung von Kontextinformationen
fMRT-Scan während ausgewogenen/eindeutigen Mehrdeutigkeiten: Mason & Just, 2007
o 12 Teilnehmer lasen Sätze während fMRT-Scan
o Sätze enthielten ausgewogene oder einseitige Mehrdeutigkeiten oder es waren passende Kontrollsätze (Maria beobachtete den Ball vs. Tanzball)
o Bestätigte Hypothese: Auswählen zwischen verschiedenen Bedeutungen –> Mehrdeutige Sätze lösen andere Muster der Gehirnaktivität aus als Kontrollsätze
o Probanden müssen sich bei einseitigen Mehrdeutigkeiten von ihren Interpretationen erholen, sodass diese andere Gehirnaktivitäten nach sich ziehen als ausgewogene Mehrdeutigkeiten –> ebenfalls bestätigt
Propositionen
Zentrale gedankliche Inhalte von Äußerungen
o Die Katze sitzt auf der Matte: SITZEN-AUF (Katze, Matte)
o Die Katze sah die Maus unter das Sofa rennen:
SEHEN (Katze, RENNEN (Maus, UNTER (Maus, Sofa)))
-> Bedeutungsrepräsentation beginnt mit Propositionen
- Probleme beim exakten Erinnern: „Die Katze jagte die Maus.“ – JAGEN (Katze, Maus) – „Die Katze jagte die Maus.“ Vs „Die Maus wurde von der Katze gejagt.“
- Zusätzliche Probleme: Füllen von Informationslücken durch eigene Propositionen – „Inferenzen“ (logische Annahmen)
Ratcliff & McKoon, 1978: Propositionen
o „Das Mausoleum, in dem der Zar aufgebahrt war, überragte den Platz.“
o Mausoleum und Platz weit auseinander, aber sollten in Gedächtnis zu Proposition zusammengefügt werden: ÜBERRAGEN (Mausoleum, Platz)
o Probanden lesen Wortlisten und sagen, ob einzelne Wörter im zuvor gelesenen Satz vorgekommen waren
o Reaktion „Mausoleum ist in Satz vorgekommen“ erfolgte schneller, wenn Mausoleum direkt nach Platz kam, als wenn Vorgängerwort aus einer anderen Proposition stammte
-> Begriffe Mausoleum und Platz wurden im Gedächtnis zusammen repräsentiert
Wichtigste Funktionen der sprachlichen Verstehensprozesse
Extraktionen von Propositionen -> exakte Form, aus der Propositionen gewonnen wurden, geht schnell verloren -> schwer sich wortwörtlich zu erinnern
Inferenzen
- Hörer füllen Informationslücken oft mit Inferenzen (=logischen Annahmen)
- Anzahl der möglichen Inferenzen nach Äußerung ist unbegrenzt
- Das Modell, das Leser für die komplette Textsituation entwickeln, beeinflusst, welche Annahmen sie enkodieren
Sue Savage-Rumbaugh (1998): Forschungen, die fundierte Einblicke in sprachliche Fähigkeiten von Schimpansen (Bonobos) erlauben
o Zwei Bonobos erwarben Bedeutung von Symbol „spontan“ durch Beobachtung anderer, die mit Symbolen kommunizierten
o Verstanden etwas gesprochenes Englisch; konnten sich kein Regelsystem aneignen
o Aspekte menschlicher Sprachkompetenz können auch bei anderen Spezies auftreten
In 1920ern: Psychologen versuchten Schimpansen Sprache zu lehren
o Schimpansen besitzen keinen angemessenen Vokaltrakt, daher
Stark vereinfachte amerikanische Gebärdensprache (ASL)
Plastische Symbole auf Magnettafel bedienen
o Einwand: gelegentliche Kombinationen von Gesten oder Symbolen keine sinnhaltige Art der Sprachverwendung und Erwartungseffekt
Die menschliche Sprache
- Sprachstruktur: Einmaligkeit der menschlichen Sprache durch Möglichkeit, unbegrenzt viele Botschaften mit begrenzter Anzahl von Wörtern hervorzubringen
o Mensch als einzige Spezies biologisch in der Lage, derart komplexe Regeln zu lernen - Heute: Erforschung bestimmter Aspekte menschlicher Sprache, die innerhalb Kompetenz anderer Spezies liegen könnten
Sprache, Denken, Kultur: Edward Sapir (1941/64) und sein Schüler Benjamin Lee Whorf (1956)
o Sprachliche Gewohnheiten der Gemeinschaft prädisponieren bestimmte Interpretationen
o Hypothese des linguistischer Relativismus erfuhr am meisten Aufmerksamkeit: Sprachstruktur eines Menschen hat Auswirkungen auf seine Weltsicht
Linguistischer Relativismus
Sprachstruktur eines Menschen hat Auswirkungen auf seine Weltsicht
Studien zu linguistischem Relativismus
- Unterschiedliche Anzahl an Grundfarbwörtern in verschiedenen Sprachen
o Englisch: 11, Sprache der Dani: 2 (hell/dunkel)
o Studie: In Ähnlichkeitsbewertung von Himba-Sprechern (blau/grün=1 Wort) deutlicher Einfluss der kategoriellen Struktur ihrer Sprache - Piraha-Stamm: drei Ausdrücke für Zahlen: wenig, etwas mehr, viele
o Schwierigkeiten, sich Quantitäten für kurze Zeit einzuprägen - Forschung: Fausey & Boroditsky, 2001
o Englisch und spanisch Sprechende sehen sich Unfallvideo an und sollen beschreiben
o Englisch: 75% bilden Sätze, aus denen unfallverursachende Person hervorging
o Spanisch: Nur 60% Sätze mit unfallverursachender Person
o 2. Experiment: neue Gruppe englisch und spanisch Sprechender sieht Videos
o 10 Minuten später Gedächtnistest: Person erkennen, die in Unfall verwickelt war
o Richtige Person: Englisch = 79%, Spanisch = 74%
o Erklärung: Angewohnheit im Englischen, Unfallverursacher hervorzuheben
Visuelle Kognition
- Geschichte ist voller Beispiele berühmter Entdeckungen, die offenbar auf Grundlage mentaler Vorstellungsbilder gemacht wurden
- Forschung: Shepard & Cooper, 1982
o Studierenden wird „R“ und dessen Spiegelbild gezeigt, die um Winkel von 0 bis 180 Grad rotieren –> entscheiden, ob normales R oder Spiegelbild
o Reaktionszeit verlängerte sich proportional zum Winkel
o Schlussfolgerung: Probanden lassen R vor geistigem Auge rotieren -> mentaler Rotationsprozess scheint Prozess der physikalischen Rotation sehr ähnlich - Studie: Ganis et al., 2004
o Probanden lernen Reihe von Strichzeichnungen gewöhnlicher Objekte auswendig
o fMRT-Scans, während sie entweder dieselben Zeichnungen betrachteten oder visuelle Vorstellungen davon hervorriefen
o Bei jeder Zeichnung beantworteten sie einfach Frage („Hat es kreisförmige Teile?“)
o Ergebnis: Bei Wahrnehmung und Vorstellung sind fast dieselben Hirnareale aktiv, Hirnareale für Vorstellung sind denen der Wahrnehmung untergeordnet - Studie: Franklin & Tversky, 1990
o Probanden lesen Beschreibungen, in denen Anordnung von Objekten um Betrachter herum anschaulich beschrieben wurde
o Leser konnten anschließend schneller angeben, welches Objekt sich in der Szene vor ihnen befand als hinter ihnen (wie im echten Leben)
o Schlussfolgerung: Verbale Erfahrung kann in visuelle und räumliche Erfahrung umgewandelt werden (= mithilfe der Vorstellung kann man sich selbst in eine Szene hinein projizieren)
Newell & Simon, 1972: Ein Problem ist definiert durch…
- einen Anfangszustand – die unvollständige Information oder die unbefriedigende Zustandslage, von der man ausgeht
- einen Zielzustand – die Information oder der Zustand in der Welt, die man erreichen will
- eine Menge von Operatoren – die Schritte, die man unternimmt, um sich vom Anfangszustand auf den Zielzustand hin zu bewegen
o Zusammen definieren diese drei Teile den Problemraum
Problem: Diskrepanz zwischen vorhandenen und benötigten Wissen
Wohldefiniertes Problem
Anfangszustand, Zielzustand und Operatoren sind alle eindeutig spezifiziert –> Aufgabe: Herausfinden wie man zulässige, bekannte Operatoren zum Einsatz bringt, um zur Lösung zu gelangen
Schlecht definiertes Problem
Anfangszustand, Zielzustand und/oder Operatoren können unklar und vage spezifiziert sein –> Aufgabe: So weit wie möglich herausarbeiten, wie Problem genau beschaffen ist (Anfang? Ziel? Mittel?)
Algorithmus
Schrittweises Verfahren, das bei einem bestimmten Problemtyp immer die richtige Lösung liefert –> eher bei wohldefinierten Problemen (da Anfang und Ziel eindeutig)
Heuristiken
Strategien oder „Faustregeln“ (wenn Algorithmen nicht verfügbar) -> eher bei schlechtdefinierten Problemen
Wie kann man Schritte des Problemlösens untersuchen?
Methode des lauten Denkens (fortlaufende Verbalisierung der Gedanken = Introspektion)
Funktionale Fixierung
Geistige Blockade, die sich negativ auf Problemlösung auswirkt, indem sie das Erkennen einer neuartigen Funktion eines Objekts hemmt, dass zuvor mit anderer Funktion assoziiert war
Verbesserung des Problemlösens
- Schwierigkeit eines Problems besteht darin, dass mentale Anforderungen für seine Lösung die Verarbeitungsressourcen überlasten
- Wichtiger Schritt zur Verbesserung des Problemlösens:
o Geeignete Repräsentation des Problems, so dass jeder Operator im Rahmen der vorhandenen Verarbeitungsressourcen auch zum Einsatz kommen kann
Einzelne Komponenten des Lösungswegs üben, sodass sie mit der Zeit weniger Ressourcen benötigen
Neuen Weg finden, über das Problem nachzudenken
Überwindung von „funktionaler Fixierung“
Kreativität
- Fähigkeit, Ideen oder Produkte hervorzubringen, die sowohl neu als auch den Umständen angemessen sind
- Einschätzung von Kreativität durch Aufgaben, die divergentes als auch konvergentes Denken messen
Divergentes Denken
Fähigkeit, eine Reihe ungewöhnlicher Lösungen für ein Problem hervorzubringen –> fluides (schnelles) und flexibles Denken
o z.B. „Nennen sie möglichst viele Dinge, die viereckig sind.“ -> Bewertungsdimensionen:
Flüssigkeit: zusammengenommene Zahl voneinander unterscheidbarer Ideen
Einzigartigkeit: Zahl von Ideen, auf die niemand sonst in angemessener Stichprobe gekommen ist
Ungewöhnlichkeit: Zahl von Ideen, auf die (bspw.) nicht mehr als 5% einer Stichprobe gekommen sind
Bewertungsdimensionen bei Aufgaben zu divergentem Denken
- Flüssigkeit: zusammengenommene Zahl voneinander unterscheidbarer Ideen
- Einzigartigkeit: Zahl von Ideen, auf die niemand sonst in angemessener Stichprobe gekommen ist
- Ungewöhnlichkeit: Zahl von Ideen, auf die (bspw.) nicht mehr als 5% einer Stichprobe gekommen sind
Konvergentes Denken
Fähigkeit, verschiedene Informationsquellen zu bündeln, um ein Problem zu lösen; Einsicht, über den Tellerrand blicken
o Z.B. Wort-Assoziations-Test: „Mit welchem Wort weisen die drei Begriffe einen Zusammenhang auf? Fisch, Mine, Rausch“
Einschätzungen von Kreativität
- Einschätzung von Kreativität durch Aufforderung etwas zu entwerfen/zu produzieren
o Beurteilungen über Kreativität sind sehr reliabel (sogar bei eigenen Entwürfen)
Slivia, 2008 –> Test für divergentes Denken mit Studierenden
o Bspw. Generierung ungewöhnlicher Verwendungszwecke für Messer
o Danach Auswählen der zwei kreativsten eigenen Antworten
o Anschließend wurden Antworten durch drei Beurteiler geprüft
o Übereinstimmungen zwischen Probanden und Beurteilern recht hoch
o Studierende, die sich selbst als kreativ und aufgeschlossen beschrieben, schnitten beim Identifizieren ihrer kreativsten Antworten am besten ab
o Schlussfolgerung: Kreative Menschen sind in doppelter Hinsicht talentiert: Bessere Ideen und bessere Einschätzung ihrer Ideen
Welche Motivation haben hochkreative Personen?
Hochkreative Personen -> intrinsische (innere, aus sich selbst entstehende) Motivation
Deduktives Schließen
= Logische Gewissheit
- Syllogimsus
- Effekt glaubhaftigkeitsbasierter Urteilsneigung (belief-bias effect)
- Wason’sche Auswahlaufgabe
Deduktives Schließen wird beeinflusst von:
- spezifischem Weltwissen: Effekt glaubhaftigkeitsbasierter Urteilsneigung (aus Erfahrung heraus vernünftiges Modell für deduktive Schlüsse -> gültige Schlüsse; aus Erfahrung heraus kein vernünftiges Modell für deduktive Schlüsse -> ungültige Schlüsse)
- den kognitiven Ressourcen
Syllogimsus
-> Aristoteles
Prämisse 1: Alle Bohnen in diesem Sack sind weiß
Prämisse 2: Diese Bohnen sind aus diesem Sack.
Schlussfolgerung: Diese Bohnen sind weiß.
Effekt glaubhaftigkeitsbasierter Urteilsneigung
= belief-bias effect
o Beurteilung von Schlüssen als gültig, für die sich in Erfahrungswelt ein vernünftiges Modell konstruieren lässt
o Zurückweisung von Schlüssen ungültig, bei denen eine entsprechende Modellkonstruktion nicht möglich ist
Wason’sche Auswahlaufgabe
Logische Leistungen sind bei lebensweltlichen Aufgaben meist besser als bei abstrakten
Induktives Schließen
= Wahrscheinlichkeit
- Form des logischen Schließens, bei der mithilfe verfügbarer Anhaltspunkte wahrscheinliche, aber nicht sichere Schlussfolgerungen erzeugt werden
Prämisse 1: Diese Bohnen sind aus diesem Sack.
Prämisse 2: Diese Bohnen sind weiß.
Schlussfolgerung: Alle Bohnen in diesem Sack sind weiß.
- Im täglichen Leben beruht großer Teil unserer Problemlösefähigkeit auf induktivem Schließen
- Analoges Problemlösen
- Generalisierung
- Mentale Voreinstellung
Analoges Problemlösen
Herstellung von Analogie zwischen Merkmalen der aktuellen Situation und Merkmalen vorangegangener Situationen
Generalisierung
allgemeine Problemlöseroutine
Mentale Voreinstellung
Schon bestehender Zustand des Geistes, der Gewohnheit oder der Werthaltung, der unter bestimmten Bedingungen die Qualität und Geschwindigkeit der Wahrnehmung und des Problemlösens erhöhen kann
o Kann Qualität der Geistestätigkeit jedoch auch hemmen oder trüben, wenn alte Wege des Denkens und Handelns in neuen Situationen nicht mehr produktiv sind
Bsp. Bauchentscheidungen
Urteilen und Entscheiden
- Urteilen: Prozess, in dessen Verlauf wir Meinungen bilden, zu Schlussfolgerungen gelangen und Ereignisse und Menschen kritisch bewerten -> Meinungen
- Entscheiden: Prozess des Wählens zwischen Alternativen, der Auswahl und Zurückweisung vorhandener Möglichkeiten -> konkrete Verhaltensweisen und Handlungen
- Sind miteinander verbunden: Entscheidung auf Basis der Urteils
Heuristiken und Urteilsbildung
Amos Tversky & Daniel Kahneman:
Urteile beruhen auf Heuristiken und nicht auf formalen Analysemethoden
- Heuristiken: Kunst, mit unvollständigen Informationen und wenig Zeit zu guten Lösungen zu kommen
- Menschen haben adaptiven Werkzeugkasten entwickelt: Fundus an „schnellen und sparsamen“ Heuristiken, die in überwiegender Zahl der Fälle zu korrekten Urteilen führen
o Zugrundeliegende Behauptung: Fähigkeit, Entscheidungen schnell und mit limitierten Ressourcen zu treffen, trägt zum Überleben bei
Verfügbarkeitsheuristik
- Gründung des Urteils auf Information, die im Gedächtnis leichter verfügbar ist
- Basiert auf zwei Komponenten:
1. Flüssigkeit: Wie schnell können die Informationen abgerufen werden? -> Bsp.: Was ist gefährlicher: Kegeln oder Fallschirmspringen?
2. Inhalt: Welchen Inhalt haben die Informationen? -> Bsp.: Beschreibung von 5 Erinnerungen zum Kegeln – alle negativ -> Kegeln keine geeignete Freizeitbeschäftigung - Problem: Flüssigkeit des Abrufs ist abhängig vom Kontext (Bsp.: Kontext (Arktis, Alkaloide, mikrig, fiktional) -> „Gibt es mehr Worte mit K am Anfang oder an dritter Stelle im Deutschen?“)
- Problem: verzerrte Gedächtnisinhalte (Zeigarnik-Effekt der nicht-abgeschlossenen Aufgaben, z.B. bei MC-Klausur)
Flüssigkeit und Typikalität: Oppenheimer & Frank, 2008
o Probanden schätzen Typikalität von Exemplar einer Kategorie ein
o Teilweise waren Begriffe leicht, teilweise schwer leserlich
o Probanden bewerteten Begriffe als typischer, wenn in leicht zu lesender Schriftart
Beurteilung der Flüssigkeit beeinflusste Beurteilung der Typikalität
Antwortänderungen bei MC: Kruger et al., 2005
o Untersuchung von Antwortänderungen in Multiple-Choice-Examensbögen
o 23% ersetzten falsche Antwort durch andere falsche
o 51% ersetzten falsche Antwort durch richtige
o 25% ersetzten richtige Antwort durch falsche
o 75% gaben an, dass man lieber bei der ursprünglichen Antwort bleiben sollte
Gedächtnis-Bias: mehr Erinnerungen an negative Konsequenzen
o Weiteres Experiment: direkt nach Ausfüllen des MC-Examens Feedback
o Nach 4-6 Wochen Erinnerung an Fälle, in denen sie daran gedacht haben, ihre Antwort zu ändern, wie sie sich entschieden hatten und welche Folgen das hatte
o Durchgängige Verzerrung: Überschätzung von richtigen zu falschen Antworten, Unterschätzung von falschen zu richtigen Antworten
Repräsentativitätsheuristik
- Urteilsbildung aufgrund von Zuweisung zu Kategorien beim Vorhandensein der typischen Merkmale
- Problem: Ignorieren von weiteren relevanten Informationen, die nicht zu den typischen Merkmalen gehören
- Problem: keine richtige Mittelwertsbildung, sondern Mittel aus höchstem Wert und Endwert (Bsp.: „Wie gut war das Konzert?“)
- gilt für negative Erfahrungen („Würden Sie wiederkommen?“ Wortübersetzungen lernen) und positive Erfahrungen („Wie glücklich sind Sie?“ Süßigkeiten)
- Bei negativen Erfahrungen besseres Ende als Spitzenwert davor; bei positiven Erfahrungen Spitzenwert am Ende
Spitzen-End-Regel: Finn, 2010
o Teilnehmer versuchten, englische Übersetzungen für spanische Wörter zu lernen
o Zwei Durchgänge: Eine Gruppe fing mit SD, andere mit ED an, danach jeweils andere
Schnelldurchgang: 30 schwere Übersetzungen
Erweiterter Durchgang: 30 schwere und 15 mittelmäßig schwere
o Anschließend: „Welche Liste würden Sie morgen lieber lernen?“
73% bevorzugten erweiterte Liste (45 statt 30 Wörter!)
o Erklärung: Bildung eines niedrigeren Durchschnitts in erweitertem Durchgang
Spitzen-End-Regel!
Ankerheuristik
- Urteilsbildung aufgrund eines Ausgangswertes
- Bei Schätzungen Beginn mit einem wahrscheinlichen Anker und Anpassen des Wertes, bis er plausibel klingt
Die Rahmung von Entscheidungen
- Rahmung: besondere Beschreibung einer Wahlsituation
- Bezugspunkte sind bei der Entscheidungsfindung wichtig
- Beispiel: Entscheidung zwischen Operation oder Bestrahlung bei Lungenkrebs
o Überlebensrahmung
Operation: von 100 überleben 90 OP, 68 Ende des ersten Jahres, 5 Jahre später leben noch 34 -> 82% entscheiden sich für OP
Bestrahlung: von 100 überleben alle, 77 Ende des ersten Jahres, 5 Jahre später leben noch 22 -> 18%
o Sterblichkeits-Rahmung
Operation: von 100 sterben 10 während OP, 32 sterben bis Ende des Jahres, 5 Jahre später sind 66 verstorben -> 56%
Bestrahlung: von 100 stirbt niemand während Bestrahlung, 23 sterben bis Ende des Jahres, 5 Jahre später sind 78 verstorben -> 44%
Entscheidung für Fleischer: Keren, 2007
o Fleischer A: Fleisch 25% fett
o Fleischer B: Fleisch 75% fettarm -> 82% entschieden sich für Fleischer B
o Zweite Gruppe: Vertrauensurteile
73% vertraut A mehr, der mit wahrem Fettgehalt nicht hinterm Berg hält
-> dieselbe Rahmung kann einen entgegengesetzten Effekt auf unterschiedliche Urteile haben
Rahmung und andere Menschen
- Oft treffen beide Behauptungen zu -> Frage der persönlichen Geschichte, welcher Rahmen einem zwingender erscheint
- Wenn man Handeln anderer Menschen verstehen will, versuchen herauszufinden, wie diese Menschen ihre Entscheidungen gerahmt haben
In welchen Kategorien drücken Menschen größtes Bedauern für ihre Entscheidungen aus?
- Kategorien, in denen Menschen das größte Bedauern ausdrücken, sind Entscheidungen in Bezug auf Schulbildung und Karriere (Roese & Summerville, 2005)
o Grund: besonders große Auswahl an Möglichkeiten in beiden Bereichen
Wodurch wird Bedauern über Entscheidung verstärkt?
Verstärktes Bedauern, wenn man sich über mit Entscheidung verbundenen Kosten bewusst ist (van Dijk & Zeelenberg, 2005)
Putamen und verpasste Chancen: Büchel et al., 2011
o Computerbildschirm mit 8 verschlossenen Boxen (7 „Gold“, 1 „Teufel“)
o Von links nach rechts können so viele Boxen geöffnet werden, wie man will
o Bei Teufel Verlust des Goldes, sonst behalten -> 70 Runden lang
o Bei Entschluss aufzuhören, wurde Box mit Teufel verraten, dabei fMRT-Scan
o Aktivität des Putamens hängt von Größe der verpassten Chance ab
o Bei Erfahrung größerer ausgelassener Chancen = mehr Risikobereitschaft
-> Putamen schien anderen Gehirnregionen Info übermittelt zu haben
Stile der Entscheidungsfindung
o Satisficer: Ziel -> zufrieden sein -> Wahl der besten Alternative bisher
o Maximizer: Ziel -> das Beste rauszuholen -> Wahl der besten Alternative überhaupt
Auswirkungen bei Maximizern und Satisficern: Iyengar et al., 2006
o 548 Studierende auf Jobsuche füllen Fragebogen aus -> Maximizer oder satisficer?
o 3-6 Monate später erneute Befragung:
Maximizer werden 20% besser bezahlt und sind dennoch weniger zufrieden
Untersuchung der Kognition
= Erforschung des geistigen Lebens
- Inhalte: Was weiß ich? (Begriffe, Fakten, Aussagen, Regeln)
- Prozesse: Wie manipuliere ich die geistigen Inhalte?
Hörerbezug
- An welche Hörerschaft ist die Äußerung gerichtet?
- Welches Wissen kann ich als Sprechende/r voraussetzen?
- Regel für Berücksichtigung des Hörerbezugs: „Kooperationsprinzip“ (H. Paul Grice, 1975; angemessene Äußerungen bzgl. der inhaltlichen Ausrichtung und den Randbedingungen)
- 4 Maxime der kooperativen Sprachproduktion