VL9 Flashcards
Welche Aspekte kennzeichnen die Herrschaftsverdichtung im Hochmittelalter?
Neustrukturierung des Militärwesens: Besoldete Krieger, finanziert durch Steuereinnahmen.
Steuersysteme:
Einführung und Ausbau zur Finanzierung der Herrschaft.
Ministerialen:
Neue Beamtenschicht, häufig aus niedrigen sozialen Schichten.
Zunahme von Schriftlichkeit:
Effizientere Verwaltung durch schriftliche Dokumentation.
Interesse am römischen Recht:
Einfluss auf Gesetzgebung und Verwaltung.
Königshöfe: Zentren politischer Macht und kultureller Entwicklung.
Wie trugen Ministerialen zur Herrschaftsverdichtung bei?
Ministerialen waren nichtadlige Beamte, die Verwaltungsaufgaben und militärische Dienste leisteten. Ihre Loyalität gegenüber den Herrschern trug zur Stabilisierung der Macht bei.
Wie beeinflusste das römische Recht die Herrschaftsstruktur?
Das römische Recht bot eine Grundlage für einheitliche Gesetzgebung und stärkere zentrale Kontrolle. Es wurde besonders in Verwaltung und Gerichtswesen eingesetzt.
Welche Rolle spielten Steuersysteme bei der Machtkonzentration?
Steuereinnahmen ermöglichten die Finanzierung von Militär, Verwaltung und Bauprojekten, was die Handlungsfähigkeit der Herrscher stärkte.
Welche Merkmale definieren eine mittelalterliche Stadt?
1. Rechtliche Merkmale:
Stadtrecht:
Städte besaßen ein eigenes Stadtrecht, das ihnen Autonomie gegenüber der Landesherrschaft gewährte (z.B. Markt-, Zoll-, Münzrecht).
Bürgerstatus:
Die Bewohner hatten einen besonderen Rechtsstatus als Bürger, der mit Rechten (z.B. Schutz, Erbrecht) und Pflichten (z.B. Steuerzahlung, Wehrdienst) verbunden war.
Selbstverwaltung:
Städte verfügten über eigene Verwaltungsorgane, wie den Stadtrat, und einen Bürgermeister.
2. Wirtschaftliche Merkmale:
Markt- und Handelszentren:
Mittelalterliche Städte waren Knotenpunkte für Handel und Gewerbe, oft mit regelmäßigen Märkten und Jahrmärkten.
Zünfte:
Handwerker schlossen sich in Zünften zusammen, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu vertreten, die Qualität der Produkte zu sichern und die Ausbildung zu regeln.
Münz- und Zollrecht:
Viele Städte prägten eigene Münzen und erhoben Zölle, was ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit stärkte.
3. Soziale Merkmale:
Städtische Gesellschaft:
Die Stadtbevölkerung war in soziale Gruppen gegliedert: Patrizier (reiche Kaufleute), Handwerker, Tagelöhner, und Randgruppen (z.B. Juden, Bettler).
Bürgerschaft:
Der Bürgerstatus war an Besitz, Beruf und teilweise an die Teilnahme an der Stadtverteidigung gebunden. Frauen hatten meist nur eingeschränkte Rechte.
Freie Stadtluft:
„Stadtluft macht frei“ war ein bekanntes Prinzip, da Leibeigene nach einem Jahr und einem Tag Aufenthalt in der Stadt frei werden konnten.
4. Bauliche Merkmale:
Stadtmauer:
Städte waren von Mauern, Gräben und Türmen umgeben, um Schutz vor Angriffen zu bieten.
Zentralplatz (Marktplatz):
Der Marktplatz bildete das Zentrum des städtischen Lebens, oft mit einem Rathaus und einer Kirche in der Nähe.
Enge Bebauung:
Dichte Bebauung mit Fachwerkhäusern, schmalen Gassen und oft wenig Platz für Grünflächen.
5. Religiöse Merkmale:
Kirchen und Klöster:
Städte hatten bedeutende Kirchen (z.B. Dom, Pfarrkirche) und oft Klöster, die religiöses, kulturelles und soziales Zentrum waren.
Religiöse Vielfalt:
In größeren Städten gab es auch Synagogen und andere religiöse Einrichtungen, obwohl religiöse Minderheiten oft Diskriminierung ausgesetzt waren.
6. Verteidigungs- und Sicherheitsmerkmale:
Wehrpflicht:
Bürger mussten die Stadt im Verteidigungsfall schützen, oft organisiert in Bürgerwehren.
Tore und Türme:
Stadttore regelten den Zugang zur Stadt und dienten der Kontrolle von Personen und Waren.
7. Demografische Merkmale:
Bevölkerungsdichte:
Städte zogen Menschen aus dem Umland an, was zu einem höheren Bevölkerungswachstum führte.
Migration:
Städte waren Anziehungspunkte für Händler, Handwerker, und Menschen, die der ländlichen Abhängigkeit entkommen wollten.
Welche Phasen der Stadtentwicklung lassen sich unterscheiden?
Herrschaftlich gebundene Städte (6.-12. Jahrhundert): Städte unter der Kontrolle von Stadtherren wie Königen, Fürsten oder Bischöfen.
Phase der Kommunenbildung (ab 12. Jahrhundert): Emanzipation von Stadtherren, Gründung eigenständiger Stadtgemeinden.
Was kennzeichnete die Phase der herrschaftlich gebundenen Stadt?
Städte standen unter der Kontrolle eines Stadtherren (z. B. Trier unter dem Erzbischof).
Begrenzte Autonomie, Verwaltung und Rechtsprechung lagen bei der herrschenden Autorität.
Was war der Zweck von Schwureinungen in mittelalterlichen Städten?
Schwureinungen waren Gemeinschaften von Bürgern, die sich gegenseitig Unterstützung schworen, um sich gegen den Stadtherrn zu emanzipieren und die Selbstverwaltung der Stadt zu sichern.
Welche Privilegien erhielten Städte, um ihre Autonomie zu stärken?
Zollfreiheit.
Gerichtsbarkeit über die Stadtbewohner.
Markt- und Steuerrechte.
Recht zur Wahl eigener Stadträte und Bürgermeister.
Was unterscheidet Reichsstädte von Territorialstädten?
Reichsstädte: Unterstanden direkt dem König oder Kaiser (reichsunmittelbar).
Territorialstädte: Unterstanden Landesfürsten und waren in deren Territorien integriert.
Worin unterschied sich deutchland im mittelalter zum Bespiel mit Frankreich oder England (organisation)
Anders als in Frankreich, wo Könige wie Philipp II. August (siehe Bild der königlichen Domäne) durch Zentralisierung und Erweiterung des Territoriums ihre Macht stärkten, war die Herrschaft im Heiligen Römischen Reich stark dezentralisiert. Regionale Fürsten, Bischöfe und Städte hatten erhebliche Autonomie.