VL8 Flashcards
Welche Getreidesorten setzten sich im Frühmittelalter durch?
Hafer und Weizen. Diese wurden aufgrund ihrer besseren Anpassungsfähigkeit und höheren Erträge bevorzugt angebaut.
Was ist die Dreifelderwirtschaft, und warum war sie revolutionär?
Die Dreifelderwirtschaft ist ein landwirtschaftliches System, bei dem das Land in drei Abschnitte unterteilt wird:
Wintergetreide
Sommergetreide
Brache (unbebaut zur Regeneration des Bodens).
Erklärung: Dieses System steigerte die Ernteerträge nachhaltig, da es Bodenermüdung reduzierte und die Anbaufläche effektiv nutzte.
Welche technologischen Innovationen förderten die Agrarrevolution im Frühmittelalter?
Wendepflug: Ermöglichte die Bearbeitung schwerer Böden.
Pferdegeschirr: Steigerte die Zugkraft, wodurch Pferde effizienter als Ochsen eingesetzt werden konnten.
Getreidemühlen mit vertikalen Rädern: Erhöhten die Effizienz bei der Verarbeitung von Getreide und anderen Gütern.
Was war das Polyptychon von St. Germain-des-Près, und warum ist es historisch bedeutsam?
Es ist ein Inventarverzeichnis des Klosters St. Germain-des-Près aus dem Jahr 820. Es dokumentiert die landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen, z. B. Felder, Erträge und Abgaben.
Beispiel: Das Kloster besaß Felder, die 200 Scheffel Hafer abwarfen, und Wälder, in denen 800 Schweine gemästet wurden.
Welche Rolle spielten Großviehzucht und Brache in der Dreifelderwirtschaft?
Die Integration von Großviehzucht erlaubte eine effektivere Nutzung der Brache, da Tiere darauf weiden konnten und durch Dung die Bodenfruchtbarkeit erhöht wurde.
Was versteht man unter einer Grundherrschaft?
Eine Grundherrschaft ist ein wirtschaftliches und gesellschaftliches System des Mittelalters, bei dem ein Grundherr Land und Rechte besitzt und Bauern dieses Land gegen Abgaben und Dienste bewirtschaften. Der Grundherr bot im Gegenzug Schutz und Unterstützung.
Welche sozialen Gruppen waren auf mittelalterlichen Grundherrschaften vertreten?
Freie Bauern: Persöhnlich frei, oft schollengebunden, mussten aber Kriegsdienst leisten.
Halbfreie/Liten: Rechtlich zwischen Freien und Unfreien, mit bestimmten Abgaben belastet.
Unfreie (Knechte/Servi): Persönlich unfrei, verrichteten Feld- und Hofarbeit.
Zensualen: Freigelassene unter klösterlichem Patronat.
Wie beeinflusste der Rechtsstatus der Bauern ihre Abgaben und Pflichten?
Antwort:
Abgaben und Pflichten hingen häufig nicht vom persönlichen Rechtsstatus ab, sondern von der bewirtschafteten Hufe (Landparzelle).
Was sind typische Abgaben und Dienste, die Bauern leisten mussten?
Naturalabgaben: Getreide, Tiere, Eier, Bretter, Schindeln.
Feld- und Hofdienste: Pflügen, Mistfahren, Zäune bauen.
Kopfzins: Geldabgaben je Person.
Heeressteuer: Lieferung von Tieren und Lebensmitteln für das Heer.
Welche Rolle spielten klösterliche Grundherrschaften im Frühmittelalter?
Klöster waren bedeutende Landbesitzer und organisierten Grundherrschaften mit Eigenleuten, Zensualen und abhängigen Bauern. Sie erhoben Abgaben und förderten landwirtschaftliche Innovationen.
Welche Veränderungen in der Grundherrschaft traten im Hochmittelalter ein?
Auflösung großer Grundherrschaften.
Monetarisierung (Naturalabgaben wurden durch Geldzahlungen ersetzt).
Pachtverhältnisse ersetzten oft Frondienste.
Verbesserung der Rechtsposition der Bauern.
Welche Faktoren trugen zur Bevölkerungsexpansion im Hochmittelalter bei?
Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität (Dreifelderwirtschaft, Pfluggespanne).
Verbesserte Ernährungssicherheit.
Erweiterung von Siedlungs- und Nutzflächen durch Rodung und Kolonisation, insbesondere in Osteuropa.
Hinweis: Die Bevölkerung verdoppelte sich von etwa 1000 bis 1300.
Welche ökonomischen Veränderungen prägten das Hochmittelalter?
Verdichtung von Marktorten und Städtenetzen.
Monetarisierung der wirtschaftlichen Beziehungen.
Arbeitsteilung zwischen Stadt und Land.
Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln, während die Löhne real sanken.
Was führte zur Verstärkung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Stadt und Land?
Spezialisierung: Die Stadt versorgte das Land mit handwerklichen Produkten, während das Land die Stadt mit Nahrungsmitteln belieferte.
Monetarisierung: Bauern und Grundherren verkauften Überschüsse auf Märkten und erhielten Geld, das sie für städtische Güter ausgaben.
Warum sanken die Reallöhne trotz wirtschaftlicher Expansion?
Das wachsende Angebot an Arbeitskräften aufgrund der Bevölkerungszunahme führte zu stagnierenden oder sinkenden Löhnen, während die Preise für Grundnahrungsmittel stiegen.
Welche Hauptkrisen prägten das Spätmittelalter?
Versorgungskrisen, z. B. Hungersnöte in Nordwesteuropa (1315-1317).
Erste Pestwelle (1346-1352), die 30-50% der Bevölkerung tötete.
Rückgang der Siedlungen, viele Dörfer wurden verlassen (10-30%).
Wie wirkte sich die Pest auf die Gesellschaft aus?
Massiver Bevölkerungsrückgang.
Arbeitskräftemangel führte zu steigenden Löhnen.
Rückgang der Nachfrage nach Nahrungsmitteln senkte die Preise.
Vermehrte Nutzung des Landes für Viehzucht statt Ackerbau.
Warum kam es im Spätmittelalter zu einem Wandel in der Landwirtschaft?
Sinkende Nachfrage nach Getreide führte zu verstärkter Viehzucht.
Spezialisierungen wie Weinbau, Obstplantagen und Industriepflanzen (z. B. für Tuchmacherei) gewannen an Bedeutung.
Viehzuchtbetriebe profitierten von Produkten wie Milch und Schafwolle.
Welche langfristigen sozialen Veränderungen ergaben sich aus der Krise?
Besserung der rechtlichen und wirtschaftlichen Stellung der Bauern.
Kollektive Organisation durch Dorfgemeinden.
Schwächung der großen Grundherrschaften und Übergang zu Pachtverhältnissen.
Wie veränderte sich das Inzestverbot im Mittelalter?
Das Inzestverbot wurde zwischen dem 4. und 11. Jahrhundert deutlich ausgeweitet.
Heirat mit Bluts-, Heirats- und Taufverwandten war erst ab der 4. Generation bzw. dem 7. Grad erlaubt. (ab dem 12 Jhd.)
5-12 Jhd. war es bis zum 3. Verwandschaftsgrad erlaubt zu Heiraten.
Ziel war die Verhinderung von Clanstrukturen und die Förderung von Exogamie (Heirat außerhalb des Familienverbandes).
Welche neuen Verwandtschaftsformen entstanden im Mittelalter?
Geistliche Verwandtschaft: Begründet durch die Taufpatenschaft. Der Pate wurde als „geistlicher Vater“ betrachtet, der Mitverantwortung für die christliche Erziehung trug.
Künstliche Verwandtschaft: Durch Adoption möglich, eine Praxis, die bereits im römischen Recht existierte.
Warum wurde im Spätmittelalter das agnatische Vererbungssystem wichtig?
Das Erbrecht wurde auf die männliche Linie beschränkt, um Besitz, Titel und Ämter in der Familie zu halten und den Einfluss von Nichtadligen auszuschließen.
Wie veränderten sich die Ehekonzepte im Mittelalter?
Einführung der Konsensehe: Die Ehe basierte auf der freien Zustimmung der Partner.
Die Konsensehe wurde im Laufe des 12. Jahrhunderts als verbindliches Konzept eingeführt, insbesondere durch die Lehren der Kirche. Sie basierte auf der Idee, dass die Ehe durch den freien Willen und das gegenseitige Einverständnis (Konsens) der Partner geschlossen wird, unabhängig von einer kirchlichen Zeremonie oder Zustimmung der Familien.
Ehe wurde zunehmend als Sakrament betrachtet, was ihre religiöse und rechtliche Bedeutung stärkte.