VL13 Flashcards
Was ist Frauengeschichte?
Definition: Historische Disziplin, die seit den 1970er Jahren Frauen als handelnde Subjekte sichtbar macht.
Hintergrund:
Eng verbunden mit der Frauenbewegung.
Methoden:
Sozialgeschichte, Alltagsgeschichte, Mikrogeschichte, Kulturanthropologie.
Welche Entwicklung führte von der Frauengeschichte zu den Gender Studies?
**Frauengeschichte: **
Fokus auf die Sichtbarmachung von Frauen in der Geschichte.
Gender Studies:
Seit den 1990er Jahren Schwerpunkt auf den Beziehungen zwischen den Geschlechtern.
Zentrale Idee:
Geschlechterrollen sind sozial konstruiert und nicht biologisch determiniert
Welche Theorien prägten die Gender Studies?
Judith Butler (1990):
Buch: Gender Trouble
These: Gender ist performativ – es wird durch wiederholte Handlungen erzeugt, nicht angeboren.
Joan W. Scott (1984):
Artikel: Gender: A Useful Category of Historical Analysis
These: Gender ist ein konstitutives Element sozialer Beziehungen, das Machtverhältnisse strukturiert.
Welche Rolle spielte das Christentum für die mittelalterliche Geschlechterordnung?
Religiöse Grundlage:
Das Christentum prägte die Vorstellung von Geschlechterrollen maßgeblich.
Biblische Bezüge:
1 Kor 14,33b-36: Frauen sollen in den Gemeindeversammlungen schweigen und sich unterordnen.
Betonung von Gehorsam und Unterordnung der Frau im religiösen und sozialen Kontext.
Welche Bedeutung hatten Klöster für Frauen
Bildungszentren:
Nonnenklöster mit Bibliotheken und Skriptorien (z.B. Chelles, Quedlinburg, Essen).
Weibliche Autorschaft:
Frauen schrieben historische Werke (z.B. Quedlinburger Annalen).
Hrotsvith von Gandersheim als bedeutende Schriftstellerin des 10. Jahrhunderts.
Spätmittelalter:
Bildungschancen nahmen ab, da Universitäten und Bettelorden den Zugang für Frauen einschränkten.
Welche Faktoren beeinflussten die Handlungsspielräume von Frauen im Mittelalter?
Gesellschaftliche Normen:
Geprägt durch Religion, Rechtssysteme und sozioökonomische Strukturen.
Standeszugehörigkeit:
Unterschiedliche Rechte und Freiheiten für Adlige, Bürgerinnen, Bäuerinnen.
Familienstruktur:
Frauenrollen oft definiert durch ihre Position als Tochter, Ehefrau, Mutter oder Witwe.
Wie war die rechtliche Stellung von Frauen geregelt?
Frühmittelalterliche Gesetzgebung:
Lex Salica (Frankenreich):
Höheres Wergeld (Entschädigungszahlung) für gebärfähige Frauen.
Schutzbestimmungen gegen sexuelle Gewalt, Ehebruch und Misshandlungen.
Status von Schwangeren:
Rechtlich besonderer Schutz in manchen Rechtskreisen.
Grabfunde:
Archäologische Hinweise auf die besondere soziale Rolle gebärfähiger Frauen.
Wie war die Rechtsfähigkeit von Frauen (im Laufe des Mittelalters)?
Römisches Recht:
Patria potestas (Vatergewalt): Frauen standen oft unter der Vormundschaft von Vater, Ehemann oder männlichen Verwandten.
Manus-Ehe:
Frau unter der direkten Kontrolle des Ehemannes.
Frühmittelalterliche Rechtskreise:
Unterschiedliche Regelungen je nach Region (z.B. Langobarden: Vormundschaftspflicht für alle Frauen).
**Handlungsfähigkeit: **
Frauen konnten in bestimmten Fällen Besitz erben, Verträge abschließen und Rechtsgeschäfte tätigen.
S. Wemple:
Bezeichnet das Frühmittelalter als ein „goldenes Zeitalter“ für Frauen mit mehr Rechten als im Hochmittelalter.
Welche Faktoren schränkten weibliche Handlungsspielräume ein?
**Patriarchale Normen: **
Die gesellschaftlichen Erwartungen begrenzten die Rollen von Frauen auf Ehe, Mutterschaft und Haushaltsführung.
Kirchliche Kontrolle:
Die Kirche setzte moralische Normen durch, die insbesondere das Sexual- und Familienleben von Frauen regelten.
Rechtliche Barrieren:
Gesetze zur Vormundschaft, Erbschaft und beruflichen Teilhabe schränkten Frauen zunehmend ein.
Was versteht man unter der Diversifizierung der Geschlechterforschung?
Erweiterung der Geschlechtergeschichte:
Fokus nicht mehr nur auf Frauen, sondern auf Vielfalt von Geschlechteridentitäten und sexuellen Orientierungen.
Interdisziplinäre Ansätze:
Einbeziehung von Kulturwissenschaften, Anthropologie, Rechtsgeschichte und Queer Studies.
Hintergrund:
Einfluss von Poststrukturalismus und Gender-Theorien seit den 1980er Jahren.
Was bedeutete „Sodomie“ im Mittelalter?
Sodomie:
Weit gefasster Begriff für sexuelle Praktiken jenseits des heterosexuellen, zeugungsorientierten Geschlechtsverkehrs.
Frühmittelalter:
Bestimmungen gegen homosexuelle Handlungen in Bußbüchern.
Hochmittelalter (Scholastik):
Systematisierung der Sündenlehre durch Theologen wie Petrus Damian und Thomas von Aquin.
Einordnung von Sodomie als „Sünde wider die Natur“ mit verschiedenen Unterkategorien.
Welche Bedeutung hatte das Laterankonzil (um 1200) für Sexualnormen?
Laterankonzil IV (1215):
Festlegung von kirchlichen Normen zur Sexualmoral.
Verschärfung der Repression gegen als „abweichend“ betrachtete Sexualpraktiken, darunter Homosexualität und „Sodomie“.
Folgen:
Stärkere Verfolgung von Menschen, die gegen die kirchlichen Normen verstießen.
Etablierung von Gerichtsverfahren gegen „sündhaftes Verhalten“.