Informationsverarbeitung bei Depressiven: Theorien und empirische Befunde Flashcards
Welche Untersuchungsergebnisse gibt es bezüglich den Stimmungsgebundenen Erinnerungsleistungen (Mood - State - Dependant - Memory) nach Bower?
- > Gedächtnisinhalte werden dann am besten erinnert, wenn sich Probanden beim Erinnern in demselben emotionalen Zustand befinden, wie beim Lernen
Lernmodus (z.b.traurig) = Erinnerungsmodus (z.b.traurig) -> bessere Ergebnisse
(unabhängig von den inhalten des gelernten, geht z.b. auch bei vokabeln, auswendiglernen von städtenamen etc.)
Was sind die Kernaussagen des Assoziativen Netzwerkmodells der Emotionen (Bower, 1981)?
- EMOTIONEN sind als KNOTEN in einem NETZWERK gespeichert
- Es bestehen ASSOZIATIVE VERBINDUNGEN zu Ereignissen mit derselben Emotion
- > z.T. angeboren, z.T. gelernt oder gemäß individueller Erfahrungen verstärkt - Beim Erleben eines affektiven Zustands werden Knoten sowie assoziativ verknüpfte Inhalte AKTIVIERT (Erregungsausbreitung)
- Wenn die Aktivierung einen SCHWELLENWERT überschreitet, werden entsprechende autonome Reaktionen AUSGELÖST
- GEGENSÄTZLICHE Emotionen (z.B. Angst vs. Freude) HEMMEN sich
- Gleichzeitige Aktivierung nicht gegensätzlicher Emotionen (z.B. Traurigkeit + Überraschung) führt zu MISCHBILDER (hier: Enttäuschung)
Wodurch kann ein “Emotionsknoten” beispielsweise aktiviert werden?
> Aktivierung eines Emotionsknotens durch eine Vielzahl von Reizen möglich
- phyiologische Empfindungen
- Gerüche
- verbales Material
- …
Nenne Elemente des Verbindungsnetzwerks eines “Emotionsknotens”
> Ausdrucksverhalten > typische autonome Reaktionsmuster > andere Situationen/Ereignisse (Zeit, Ort, Handelnde,...) > verbale Labels > andere Emotionen
Wie erklärt das Assoziative Netzwerkmodell der Emotionen die Aufrechterhaltung einer Emotion?
1.) Aktivierung eines Emotionsknotens (z.B. Trauer)
(durch eine Vielzahl von Reizen mögl.)
-> Erregungsausbreitung
2.) Unterschwellige Aktivierung verbundener Gedächtnisinhalte
-> Hinweisreize
3.) Bewusstwerden der Erinnerung
-> dies verstärkt wiederum die Aktivierung des Emotionsknotens (z.B. Trauer), wodurch diese Emotion aufrechterhalten wird
Was besagt die so genannte “Mood congruency”?
Mood congruency: affektiv getöntes Material kann leichter in der dem Material entsprechenden Stimmung gespeichert oder abgerufen werden
Was für Aussagen kann man bezüglich des Effekts der “Mood congruency” für Depressive treffen?
-> Depressive erinnern vermehrt negative Ereignisse
- Experiment: Depressive mit Schwankungen in der Stimmung sollen autobiografische Erinnerungen produzieren, während sie wenig vs. sehr depressiv sind
- Ergebnis: bei depressiver Stimmung werden mehr “unglückliche” autobiografische Ereignisse erinnert
- Bei Remission werden wieder mehr glückliche Ereignisse erinnert
Was lässt sich bezüglich dem Zusammenhang von Gedächtnisverzerrungen und negativen Selbst - Schemata bei Depressiven sagen? (Bradley & Methews, 1983)
-> Depressive erinnern selektiv negative Informationen über sich selbst
- Probanden sollten pos. + neg. Eigenschaften bei sich selbst und bei unbekannten Personen einschätzen
- danach expliziter Gedächtnistest
- Ergebnis: depr. Pat. erinnern bevorzugt negative Beschreibung ihrer eigenen Person
- KG: in beiden Bed. mehr pos. Eigenschaften
-> Gedächtnisverzerrungen
Erweiterung des Netzwerkmodells (Teasdale, ‘83)
-> Warum entwickeln einige Presonen leichte, kurze depressive Stimmung und andere schwere, längerfristige Depressionen/ Wie kommt es zur Verschlechterung bzw. Aufrechterhaltung der Symptomatik?
Teufelskreis: erhöhte Aktivierbarkeit negativer Erinnerungen (globaler Art) -> negative Interpretation von Erfahrungen -> Depressive Stimmung -> erhöhte ...
Grenzen der Netzwerktheorie
> nicht alle empirischen Befunde können vollständig erklären/ausreichend repliziert
> Hauptkritik:
- Emotionen stehen in Verbindung zu mehreren Ereignissen -> Übererregung
- Erinnern & Sprechen über emotionale Zustände ist ohne Empfindung (cold) möglich
Theorie der “Begrenzten Kognitiven Kapazität” (Ingram, 1984)
> Gefühlszustand/Gedanken beanspruchen kognitive Ressourcen -> LEISTUNGSDEFIZITE
je schwerer die Depression & je mehr Kapazität für die externen Anforderungen verlangt wird, desto mehr Leistungseinbußen
empirisch belegt
Wie manifestieren sich die (empirisch abgesicherten) Leistungseinbußen, die bei Depressiven zu verzeichnen sind?
> beeinträchtigte kognitive Leistungen > Verlangsamung psychomotorischer Reaktionen > Verlangsamung bei Entscheidungen > schlechteres freies Erinnern > Schwierigkeiten beim Problemlösen > ...
Begrenzte Kognitive Kapazität: Experiment zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit bei Depressiven.
- > Kann das Experiment die Leistungsdefizite bestätigen?
- > Wenn ja, lässt sich die herabgesetzte Leistung Depressiver verbessern & wie?
- Bestätigung der Leistungsdefizite (erinnern weniger, mehr Fehler)
- Die Leistung Depressiver verbessert sich, wenn sie zusätzlich einfache, kognitive Aufgaben zu bewältigen haben: Ablenkung verbessert die Performanz.
Fazit: begrenzte kognitive Kapazität
- > negative Gedanken beanspruchen Kapazitäten in der Informationsverarbeitung und können zu Leistungsdefiziten beitragen
- > durch konkrete Aufgaben kann die Stimmung (+Leistung?) verbessert werden
Theorie: Prioritäten in der Reizverarbeitung (Williams et al., 1988)
> Fragestellung
Welche Stadien der Informationsverarbeitung werden unterschieden?
Frage: Welche kognitiven Prozesse & Inhalte werden primär verarbeitet?
> 2 Stadien der Informationsverarbeitung
- Vor - Aufmerksamkeits - Stadium
- Elaborationsstadium
Wodurch ist das Vor - Aufmerksamkeits - Stadium gekennzeichnet?
> automatische Aktivierung
vor der Aufmerksamkeitszuwendung
implizit
Wodurch ist das Elaborationsstadium gekennzeichnet?
> tiefere Verarbeitung der Bedeutung
Verbindung zu anderen Gedächtnisinhalten wird hergestellt
explizit (bewusst/strategisch)
Was ist unter der “DOT - Probe” zu verstehen?
> Dotprobe-Aufgaben werden zur Messung von selektiver Aufmerksamkeit auf bestimmte Reize in der Umwelt herangezogen
Vermeidung/Aufmerksamkeitszuwendung bzgl. bestimmter Stimuli (hier: bedrohliches/negatives Material)
—-
A: Depressive Pat.
B: Angstpatienten
C: KG
—
Hinwendung zu neg. Worten:
1. unterschwellig (Phase 1: Vor - Aufmerksamkeits - Phase)
2. überschwellig (Phase 2: Elaborationsstadium)
Ergebnisse “DOT - Probe” -> Empirische Befunde zur Prioritäten in der Reizverarbeitung
-> Lässt sich die Priorität der Verarbeitung & der Stimmungskongruenzeffekt bestätigen?
(I) Vor - Aufmerksamkeits - Stadium
- implizites Gedächtnis wird NICHT durch depressive Stimmung beeinflusst
- keine erhöhte Vor - Aufmerksamkeitszuwendung auf bedrohliches/negatives Material
(II) Elaborationsstadium
- Depressive zeigen AUFFÄLLIGKEITEN im Elaboriationsstadium
- z.B. Depressive erinnerten mehr traurige Wörter
- > negative stimmungskongruente Informationen werden mit höherer Priorität verarbeitet
-> Bestätigung: Priorität der Verarbeitung & Stimmungskongruenzeffekt
Erweiterung des Elaboriationsstadiums (Williams et al., 92)
> Fokus auf autobiographisches Gedächtnis
- Defizite beim Abruf:
- Depressive benötigen LÄNGERE ZEIT, um pos. Erlebnisse zu erinnern
- Depressive erinnern sich sehr GLOBAL, VERNACHLÄSSIGUNG SPEZIFISCHER INFORMATIONEN - Vermutete Defizite beim Endokieren:
- Depressive verarbeiten bevorzugt die EMOTIONALE BEDEUTUNG einer Situation -> VERNACHLÄSSIGUNG SPEZ. UMSTÄNDE
Welche Implikationen für die Therapie lassen sich aus den erweiterten Erkenntnissen zu veränderten Prozessen im Elaborationsstadium bei Depressiven (-> Spezifität) ableiten?
-> Training spezifischer Erinnerungen
Allgemeine Zusammenfassung aller Theorien/Befunde zur Informationsverarbeitung bei Depressiven (7 Pkt.)
- Depressive Patienten erinnern bevorzugt negative Beschreibungen ihrer eigenen Person
- Depressive erinnern bevorzugt negative Ereignisse
- Negative Gedanken im Rahmen einer Depression beanspruchen kognitive Kapazitäten und führen zu Leistungseinbußen
- Depressive Verstimmung bessert sich durch Ablenkung
- Negative stimmungskongruente Informationen werden mit höherer Priorität verarbeitet
- Erinnerungen sind eher globaler Art
- Depressive zeigen Defizite beim Enkodieren, Abrufen & Problemlösen