Reflexe Flashcards
Muskeleigenreflex
- monosynaptisch: Reflexbogen läuft nur über eine Synapse, die zwei Neuronen verbindet (ein afferentes, sensibles und ein efferentes, motorisches) -> Rezeptor- und Effektorgan sind identisch
Fremdreflex
Rezeptor und Effektor liegen i.d.R. nicht im gleichen Organ. Verschaltung läuft über mehrere Synapsen = polysynaptisch. Die Reflexe habituieren (Gewöhnung und Erschöpfung).
Differenzierung zwischen physiologischen und pathologischen Fremdreflexen.
Eigenapparat
Verbindet die verschiedenen Rückenmarkssegmente untereinander, erlaubt dem Rückenmark ohne die Einwirkung des Gehirns eigenständige Funktionen zu vermitteln -> Spinale Reflexe
Verbindungsapparat
System von auf- und absteigenden Bahnen, die das Rückenmark mit dem Gehirn verbinden. Verläuft in der weißen Substanz.
Wichtige sensible (aufsteigende) Bahnen
- Kleinhirnseitenstrangbahn
- Hinterstrangbahn (Lemniskales System)
- Vorderseitenstrangbahn (Anterolaterales System)
Wichtige motorische (absteigende) Bahnen
- Extrapyramidales System
- Pyramidenbahn System
Verschaltung der sensiblen Bahnen
- Neuron: Spinalganglion @ Hinterhorn/ Hinterstamm
- Neuron: Hinterhorn/ Hinterstamm @ Thalamus
- Neuron: Thalamus @ Somatosensibler Kortex
Vorderseitenstrangbahn (Anterolaterales System)
Bahnen: tractus spinothalamicus anterior und lateralis, tractus spinoreticularis
Faserqualitäten: Schmerz, Temperatur, Grobe Druckempfindung
Verlauf: Hinterhorn (Laminae 1 und 2) @ Segmental in Commissura alba anterior (Kreuzung) @ Kontralateraler Thalamus (Nucleus ventralis posterior)
Somatotopische Gliederung: nur Tractus spinothalamicus lateralis (kaudale Afferenzen liegen lateral, zervikale liegen medial)
Hinterstrang (Lemniskales System)
Bahnen: Fasciculus gracilis und Fasciculus cuneatus
Faserqualitäten: Tastsinn und bewusste Propriozeption
Verlauf: Spinalganglion @ Hirnstamm M.O. (Kreuzung) @ Ipsilateraler Ncl. gracilis und Ncl. cuneatus M.O.
Somatotopische Gliederung: Beide Hinterstränge
Kleinhirnseitenstrang
Bahnen: Tractus spinocerebellaris anterior, posterior und superior, Tractus spinoolivaris und Tractus spinovestibularis
Faserqualitäten: unbewusste Propriozeption
Verlauf: Hinterhorn@ effektiv ungekreuzt ipsilaterales Kleinhirn
Somatotopische Gliederung: Nur Tractus spinocerebellaris anterior und posterior (kaudalste Efferenzen liegen dorsal)
!keine bewusste Wahrnehmung!
Isolierte Vorderseitenstrangschädigung
V.a. Ausfall der kontralateralen Temperatur- und Schmerzwahrnehmung unterhalb der Läsion
(Kreuzen bereits auf Segmentebene)
Isolierte Hinterstrangbahnschädigung
Ausfall des ipsilateralen feinen Tast- und Berührungssinns und der Propriozeption unterhalb der Läsion (kreuzen erst im Hirnstamm)
Symtome einer isolierten Kleinhirnstranschädigung
Störungen der feinen Bewegungskoordination, Bsp.: Dysmetrie oder Dysdiadochokinese
Pyramidenbahn
Bahnen: Tractus corticospinalis lateralis (70-90%) und anterior
Faserqualitäten: Motorik v.a. dee stammfernen Extremitäten (insbesondere für feinere Motorik zuständig)
Verlauf: motorischer Kortex @ kreuzt in d. Decussatio pyramidum M.O. (Lateralis)/ zervikales Rückenmark (anterior) @ Motoneuronen im Vorderhorn
Somatotopische Gliederung: Nur tractus corticospinalis lateralis (zervikal Anteil liegt medial, kaudaler lateral)
Extrapyramidale Bahnen
Bahnen: Tractus rubrospinalis, Tractus vestibulospinalis, Tractus reticulospinalis, Tractus tectospinalis, tractus olivospinalis
Faserqualitäten: Grobe Motorik v.a. der stammnahen Extremitäten umd Rumpfmuskulatur
Verlauf: Ncl. Ruber, Mittelhirn (Tractus rubrospinalis) / Ncll. Vestibulares, M.O. und Pons (Tractus vestibulospinalis) / Formatio reticularis, Hirnstamm (Tractus reticulospinalis) @ Kreuzung im Hirnstamm (Tr. RuS)/ Tr. VS ungekreuzt, Tr. RS gekreuzt und ungekreuzt @ Motoneuronen im Vorderhorn
Somatotopische Gliederung: keine
Schädigung des 1. Motoneurons
Muskeltonus: erhöht (spastisch) oder normotroph
Reflexniveau: erhöht
Pathologische Reflexe: Pyramidenbahnzeichen
Beispiele typischer Ursachen: MS, Tumore, Schlaganfall/ Hirnblutung
Schädigung des 2. Motoneurons
Muskeltonus: schlaff, atroph
Reflexniveau: abgeschwächt, nicht auslösbar
Pathologische Reflexe: keine
Typische Ursachen: Läsionen des peripheren Nerven, periphere Neuropathien, Bandscheibenproplaps mit Wurzel- oder Nervenkompression
Brown Séquard Syndrom
Besonder Form des inkompletten Querschnitts, bei dem eine komplette Rückenmarkshälfte mit allen ihren Bahnen geschädigt ist. Auf der Seite der Schädigung werden folgende Bahnen beschädigt: Pyramidenbahn (ipsilaterale Motorik), Hinterstränge (ipsilateraler feiner Tastsinn) und Vorderseitenstränge (kontralateraler Schmerz-, Temperatur- und grobe Druckreize).
Zentrale Querschnittsläsion
Betrifft nur das Rückenmark, äußert sich nach einer Zeit des anfänglichen Schocks in gesteigerten Reflexen und spastischen Paresen unterhalb der Läsion.
Spinaler Reflex
Unwillkürliche und stereotype Antwort eines Effektors, ausgelöst durch den aktivierenden Reiz eines Sensors, verbunden und verschaltet durch das Rückenmark.
Somatische Reflexe
Klassiche Muskel- und Hautreflexe
Viszerale Reflexe
Reizreaktionen von Organen, z.B. der Blasenentleerungsreflex
Ziel: Kontraktion und Entleerung der Blase
Sensor: Dehnungsrezeptoren in der Blasenwand
Adäquater Reiz: Dehnung durch die zunehmende Blasenfüllung mit Urin
Beispiel für einen Eigenreflex: Muskeldehnungsreflex
Sensor: Muskelspindel
Adäquater Reiz: Dehnung
Ablauf: Erregt das afferente Neuron, leitet die Erregung direkt zu einem alpha Motoneuron des Vorderhorns weiter -> Aktivierung, Muskelkontraktion als Reflexantwort
Beendigung: Entdehnung der Muskelspindel, Aktivierung der Renshaw Zellen = rekurrente Hemmung, Aktivierung der Golgi Sehnenorgane = autogene Hemmung (werden erst bei stärkerer Dehnung aktiviert)
Beispiele: Bizepssehnenreflex, Patellarsehnenreflex, Achillessehnenreflex
Beispiel für einen Fremdreflex: Rückziehreflex des Beines
Sensor: Nozisensoren
Adäquater Reiz: Mechanische Gewebsverletzung
Grober Ablauf: Weiterleitung der Erregung zum RM, Aktivierung von Interneuronen im RM -> Aktivierung von ipsilateralen alpha- Motoneuronen (Kontraktion der ipsilateralen Kniebeuger) und kontralateralen alpha- Motoneuronen (Kontraktion der kontralateralen Kniestrecker, Aktivierung/ Hemmung weiterer Neurone
Weitere Beispiele: Analreflex, Bauchhautreflex, Kremasterreflex
Reziproke/ antagonistische Hemmung
Hemmung des Antagonisten bei einem Muskeleigenreflex durch multisynaptische Verschaltung
1a Referenzen aktivieren inhibitorische 1a Interneurone des Antagonisten
M - Welle
Erster Ausschlag bei einem EMG, direkte Muskelantwort auf einen elektrischen Reiz
H - Welle
Zweite Welle bei einem EMG nach elektrischem Reiz, wird durch Erregung der im Nerven verlaufenden Ia - Afferenzen ausgelöst. Diese laufen zum RM, werden dort auf alpha Motoneurone umgeschaltet, die den Muskel innervieren und somit zur H- Wellen Muskelantwort führen.
Ia Afferenzen sind sehr empfindlich und depolarisieren schon bei niedrigen Reizen.
Latenzzeit
Beruht vor allem auf der Strecke, die die Erregung zurücklegen muss (Strecke bei M-Welle < als bei H-Welle) und auf der Zeit, die die Muskelspindeln zur Detektion der Sehnendehnung sowie der Auslösung eines APs brauchen (T-Reflex)
Latenzzeiten: M-Welle (direkte Reizung der Motoneuronen) < H-Welle (direkte Reizung der afferenten Muskelspindeln) < T-Reflex-Reaktion (Aktivierung der Muskelspindeln durch Schlag auf Sehne)
Gemischte Reflexe
Zusammenspiel von somatischen und visceralen Nerven
Bsp.: viscero - cutaner Reflex (Head‘sche Zonen)
- Ziel: Hinweis auf Erkrankungen von Organen durch fortgeleiteten Schmerz
- Sensor: Nozizeptoren an den Organen
- Adäquater Reiz: Reizung der Nozizeptoren im betroffenen Organ
Weitere Beispiele: viscero-muskulärer Reflex (Abwehspannung bei akutem Abdomen), cuti- viszeraler Reflex (Entspannung gereizter Eingeweide durch Wärmeapplikation auf der Haut)