V3 Flashcards
Wie definiert Kohlberg die Stufen der Moralentwicklung?
Kohlbergs Modell = Moralentwicklung
–> universell & kulturunabhängig
–> Abfolge von Phasen = qualitativ & altersabhängig
- autoritätsgesteuerte Moral
–> Kinder tun das, was ihnen von außen vorgegeben wird - Regeln = aushandelbar
- Menschenrechte (höchsten Phase)
–> universellen ethischen Prinzipien
Welche zentralen Merkmale charakterisieren den klassischen Entwicklungsbegriff?
klassische Entwicklungsbegriff
–> Entwicklung in qualitativ unterschiedlichen Phasen/Stadie
–> altersabhängig & universell
jeder Mensch = von einer weniger differenzierten zu einer immer weiter entwickelten Form des Seins gelangt
–> wobei der Abbauprozess spätestens in der Lebensmitte beginnt
Was sind die vier wesentlichen Kritikpunkte am klassischen Entwicklungsmodell?
- Manche Entwicklungsphasen = übersprungen
- Vorstellung eines linearen Auf- & Abbaus ist wertend & nicht objektiv
- Alter ≠ keine hinreichende Erklärung für Entwicklungsprozesse
–> soziale Kontexte spielen eine größere Rolle - Kulturelle Unterschiede werden in diesen Modellen oft vernachlässigt
Welche Bedeutung hat der Ansatz der lebenslangen Entwicklung innerhalb der Entwicklungspsychologie?
lebenslangen Entwicklung = gesamte Lebensspanne hinweg stattfindet & nicht auf die Kindheit beschränkt ist
Persönlichkeitsveränderungen = durch neue soziale Rollen & Herausforderungen in jedem Lebensabschnitt angestoßen werden
Forschung = Weiterentwicklung des Menschen auch im hohen Alter
Wie verändern sich die Persönlichkeitsmerkmale (Big Five) über die Lebensspanne hinweg?
Offenheit für neue Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit & Neurotizismus = stabile Persönlichkeitsmerkmale
Forschung = diese Merkmale verändern sich über die Lebensspanne systematisch
–> besonders in Phasen großer sozialer & beruflicher Veränderungen
Welche Veränderungen zeigen sich in den Big Five über die Lebensspanne, basierend auf aktuellen Studienergebnissen?
emotionale Stabilität & Gewissenhaftigkeit = zunehmend (über Lebensspanne)
Offenheit & Extraversion = zunächst steigen & später wieder abnehmen
Besonders in den ersten drei Lebensdekaden sind die Veränderungen am stärksten
Danach –> die Persönlichkeit wird stabiler & das Rangniveau bleibt größtenteils konstant
Inwiefern variiert die Entwicklung der Big Five in unterschiedlichen Kulturen?
Gemeinsamkeiten & Unterschiede
z.B. Neurotizismus & Extraversion = sinkt in den meisten Kulturen
Gewissenhaftigkeit & Verträglichkeit = nimmt zu
Aber es gibt kulturspezifische Unterschiede in der Stärke dieser Veränderungen
Welche Erklärungsansätze gibt es für die Veränderung von Persönlichkeitsmerkmalen über die Lebensspanne?
Social Investment Principle = Persönlichkeit durch soziale Rollen wird verändert (belohnt & verstärkt) wie etwa berufliche Verantwortung & Familienpflichten
=> Menschen werden emotional stabiler & gewissenhafter
Der Intrinsic Maturation-Ansatz = Persönlichkeitsveränderungen evolutionär vorprogrammiert & sich auch ohne soziale Verstärkung entwickeln
Wie verläuft die Entwicklung des Menschen in unterschiedlichen Dimensionen & welches Beispiel verdeutlicht dies am besten?
Veränderte Dimensionen über die Lebensspanne = Wahrnehmung, Motorik, Physische, soziale & emotionale Entwicklung
=> teilweise voneinander abhängig aber nicht immer
Im Alter ≠ Sehfähigkeit geht runter
=> Verhalten beeinflusst (Oma ≠ Schaukelsprung = schlechtere Sehfähigkeit)
Was bedeutet der Begriff Multidirektionalität in der Entwicklung & wie erklärt das Beispiel der Myelinisierung diesen Prozess?
Multidirektionalität = verschiedenen Bereichen der Entwicklung gleichzeitig Aufbau- & Abbauprozesse
z.B. Pubertät, wo die Myelinisierung von Nervenfasern (Verstärkung der neuronalen Verbindungen) während gleichzeitig Pruning stattfindet
Was ist der ET6-6 Multidimensionalitätstest & welche Informationen liefert er über die kindliche Entwicklung?
ET6-6 = Entwicklungstest
=> testet verschiedene Dimensionen der Entwicklung von Kindern im Alter von 6 Monaten - 6 Jahren
Körper- & Handmotorik, kognitive Entwicklung, Sprachentwicklung, sowie die soziale & emotionale Entwicklung werden getestet
=> bestehen Entwicklungsdefizite?
Was versteht man unter Pruning & was beschreibt das Prinzip „Use it or lose it“? Wie verdeutlicht das Beispiel der Gesichterunterscheidung dieses Prinzip?
Abbau überflüssiger Synapsen
“Use it or lose it” = neuronalen Verbindungen, die regelmäßig genutzt werden, gestärkt & erhalten bleiben
z.B. Fähigkeit von Säuglingen, Gesichter von Menschen & Tieren zu unterscheiden
perceptual narrowing:
6 Monate alte Babys können noch sehr fein zwischen Tiergesichtern differenzieren
–> verlieren diese Fähigkeit im Alter von 9 Monaten (wenn sie nicht weiter gefördert wird)
Welche Vor- & Nachteile birgt das Prinzip „Use it or lose it“?
Anpassungsfähigkeit des Gehirns = Lernen & Anpassung wird ermöglicht durch Nutzung & Stärkung dieser Synapsen.
Nachteil = Synapsenverbindungen gehen dauerhaft verloren
–> Entwicklungspotenziale wird einschränkt
Besonders bei Unterstimulation in der frühen Entwicklung des Kindes
Wie hängen kognitive Fähigkeiten mit dem Konzept der Multidirektionalität zusammen?
Kognitive Leistungen (Problemlösen & geistige Flexibilität)
–> nehmen ab
–> kristalline Intelligenz nehmen zu
Aufbau- & Abbauprozesse = parallel-Verlauf
=> Multidirektionalität
Was sind die zentralen Aspekte der Multidirektionalität im Alter? Ist der Abbauprozess ausschließlich mit dem Alter verbunden?
Abbauprozesse nehmen zwar im Alter zu, betreffen aber nicht ausschließlich das Alter
Aufbauprozesse (emotionale Stabilität & Lebenszufriedenheit) = ins hohe Alter fortgesetzt
komplexes Zusammenspiel von Ab- & Aufbauprozessen = je nach Kontext variieren
Wie sieht die typische Zufriedenheitskurve über die Lebensspanne aus & welche Faktoren beeinflussen sie?
Zufriedenheitskurve
nach einer Delle in der Lebensmitte = tendenziell zufriedener werden (50 Jahren)
Beeinflussende Faktoren = Gesundheit, soziale Beziehungen & finanzielle Sicherheit
Welche Bedeutung haben Kontextfaktoren für die Entwicklung & wie beeinflussen sie den individuellen Verlauf?
Kontextfaktoren
Familie, Schule, sozioökonomischer Status & Kultur
=> enormen Einfluss auf die Entwicklung
=> prägen die Umwelt, in der ein Mensch aufwächst & beeinflussen, wie sich die individuellen Fähigkeiten entfalten
Welche Rolle spielt Plastizität in der menschlichen Entwicklung?
Veränderung & Anpassung
Anpassungsfähigkeit (=Lernen)
=> neue Fähigkeiten zu entwickeln & auf veränderte Umstände zu reagieren, selbst im hohen Alter
Wie unterschieden sich die Entwicklungsstandards der 1950er Jahre von den heutigen Standards?
1950er Jahren = Gehorsam & Unterordnung
Heute = Selbstständigkeit & freier Wille (=veränderte gesellschaftlichen Erwartungen an Kinder)
Inwiefern haben sich die familiären Kontextfaktoren seit den 1950er Jahren verändert?
traditionellen Familienstrukturen zu (z.B.) Patchwork-Familien = Kontext für die Entwicklung
Die Rollen & Erwartungen an Kinder & Eltern sind heute flexibler & weniger autoritär als in den 1950er Jahren
Welches Konzept beschreibt Uri Bronfenbrenner in seinem ökosystemischen Modell & welche Systemebenen umfasst es?
Ökosystemischen Modell
–> verschiedene Systemebenen
1. Mikrosystem = direkte Umgebung, wie Familie
2. Mesosystem = Wechselwirkungen zwischen Mikrosystemen, z.B. Schule & weiterer Familienkreis
3. Exosystem = Einflüsse von außen, wie der Arbeitsplatz der Eltern
4. Makrosystem = Kultur & Gesellschaft
Was sind kulturelle Kontextfaktoren & welche Rolle spielen sie in der menschlichen Entwicklung?
Kulturelle Kontextfaktoren (Werte & Normen einer Gesellschaft) beeinflussen stark, wie Menschen aufwachsen & sich entwickeln
Kollektivistische Kulturen ≠ (andere) soziale Verhaltensweisen als individualistische Kulturen
Was beschreibt die biopsychosoziale Perspektive & wie beeinflusst sie die Zufriedenheit im Alter? Welche Faktoren sind dabei entscheidend?
Biopsychosoziale Perspektive = Alterszufriedenheit durch Gesundheit, psychische Resilienz, soziale Bindungen & Autonomie
Entscheidende Faktoren für Zufriedenheit im Alter = Anpassungsfähigkeit, soziale Unterstützung & der Umgang mit körperlichen, kognitiven sowie emotionalen Herausforderungen im Alter