Persönlichkeitsstörungen Flashcards
Persönlichkeit: Definition (Dittmann)
Gesamtheit der psychischen Eigenschaften und der Verhaltensweisen eines Menschen, die zumindest eine lange Zeit weitgehend stabil sind.
Sie geben einem Menschen eine eigene, charakteristische und unverwechselbare Identität.
Persönlichkeitsstörungen: Definition
- Funktionsstörungen des Selbst und/oder der interpersonellen Beziehungsgestaltung, die über einen längeren Zeitraum (z.B. zwei Jahre oder mehr) andauern.
- Extreme Ausprägungen von bestimmten
Persönlichkeitszügen des Big Five Modells
Wieso gibt es eine Neukonzeptionierung der Persönlichkeitsstörungen?
- Negative Konnotationen zu den Störungen (z.b Psychopathie)
- ICD-10 beruhte auf der kategorialen Klassifikation von mehreren verschiedenen Persönlichkeitsstörungen, obwohl nur die Borderline-Stö empirische Grundlagen hat
- Existenz anderer separater
Persönlichkeitsstörungen: weiterhin wissenschaftlich umstritten–> stellt die Validität eines kategorialen diagnostischen Klassifikationskonzeptes in Frage
Persönlichkeitsstörungen: Das aktuelle Diagnosesystem der GCPN
- dimensionale Klassifikation
- Anfang des diagnostischen Prozesses:”liegt eine Persönlichkeitsstö vor – ja oder nein?”; KEINE weitere kategoriale Einstufung
- Wenn Merkmale einer Persönlichkeitsstö erfüllt: dann drei Schweregraden
Persönlichkeitsstörungen: Bestimmung des Schweregrades
Beachtung von:
- In welchem Ausmass liegen Funktionsbe-einträchtigungen des Selbst und der interpersonellen Beziehungen vor?
- Welche Symptome zeigen sich auf emotionaler, kognitiver und verhaltensbezogener Ebene?
- Sind die Beeinträchtigungen auf psychosozialer Ebene situationsgebunden oder generalisiert?
- Stellt der Betroffene eine Gefahr für sich selbst/andere dar?
Persönlichkeitsstörungen: 3 Schweregrade (ICD-11)
- leichte Persönlichkeitsstörung
- mittelgradige Persönlichkeitsstörung
- schwere Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörungen: leichte Persönlichkeitsstörung (1/3 Schweregrad)
- betrifft einige (nicht alle) spezifische Bereiche der Selbstfunktion und der interpersonellen Funktion.
- Probleme in vielen (nicht alle!) zwischenmenschlichen Beziehungen und/oder in der Erfüllung der erwarteten beruflichen und sozialen Rollen
- kein erheblichen Schaden, ABER erheblichen Belastung/Beeinträchtigung in einzelne/mehrere Bereiche
Persönlichkeitsstörungen: mittelgradige Persönlichkeitsstörung (2/3 Schweregrad)
- Betrifft mehrere Bereiche der Persönlichkeitsfunktion (z.B. Identität oder Selbstbewusstsein, Fähigkeit intime Bezieh. aufzubauen, Fähigkeit Impulse zu kontrollieren und Verhalten zu modulieren
- Probleme in den meisten zwischenmenschlichen Beziehungen
- Beziehungen sind durch Konflikte, Vermeidung, Rückzug oder extreme Abhängigkeit gekennzeichnet
- Spezifische Erscheinungsformen von mittlerer Schwere
Persönlichkeitsstörungen: schwere Persönlichkeitsstörung (3/3 Schweregrad)
- schwere Störungen in der Selbstfunktion (z.B. Selbstgefühl so instabil, dass man nicht weiß wer man ist)
- Selbstverachtung/grossartiges bis hoch exzentrisches Selbstbild
- Schwierigkeiten in alle Beziehungen, wegen Funktionsbeeinträchtigungen im zwischenmenschlichen Bereich
- Fähigkeit und Bereitschaft, die erwarteten sozialen und beruflichen Rollen zu erfüllen fehlt/sind beeinträchtigt
- Schädigung der eigenen Person oder anderer + schweren Beeinträchtigungen in (fast) allen Lebensbereichen
- ausgeprägtem Leiden oder mit völliger Gleichgültigkeit der sozialen Welt gegenüber
Persönlichkeitsstörungen: Persönlichkeitsmuster/-domänen - Definition
Art und Weise wie sich eine Persönlichkeitsstörung (traits) spezifisch äussert
= Persönlichkeitsdomäne, Persönlichkeitsfacetten
Persönlichkeitsstörungen: Fünf Persönlichkeitsdomänen
A) Negative Affektivität
- negative Emotionen, emotionale Labilität, geringes Selbstvertrauen, Pessimismus, …
B) Enthemmung
- impulsives, wenig planerisch, rücksichtloses Verhalten, Verantwortungslosigkeit, …
C) Dissozialität
- Egozentrismus, manipulatives Verhalten, Mangel an Empathie, Aggressivität, …
D) Zwanghaftigkeit
- perfektionistischer+zögerlicher Verhalten, überzogene Ordentlichkeit, Eigensinn, …
E) Distanziertheit
- sozialer Rückzug, mangelnde Selbstbehau-ptung, eingeschränkte Affektivität, Freudlos.
Persönlichkeitsstö.: Nützlichkeit / Ziel der Persönlichkeitsdomänen
- dienen der Beschreibung der zugrunde- liegenden Persönlichkeitsstruktur+ definieren keine spezifischen Störungsbilder
- werden jeweils in ihrer Ausprägung eingeschätzt, so dass ein Profil entsteht
Persönlichkeitsstörungen: Merkmale
- Funktionsstörungen des Selbst (Aspekte der Identität, Selbstwert, Selbstregulation), welche über einen längeren Zeitraum (z.B. zwei Jahre oder mehr) andauern und/oder
- Funktionsstörungen in der zwischenmenschlichen Beziehungs-gestaltung, welche über einen längeren Zeitraum (=>2 Jahre) andauern
- Dysfunkti Kognitionen, dysfunkti emotionale Erfahrungen, dysfunkti emotionaler Ausdruck dysfunktionales Verhalten.
- tritt in mehreren persönlichen und sozialen Situationen auf
- Die störungsbezogenen Verhaltensmuster sind entwicklungsmässig unangemessen.
- Die störungsbezogenen Verhaltensmuster sind nicht primär durch soziale oder kulturelle Faktoren, einschliesslich gesellschaftspolitische Konflikte, erklärbar.
- -> Beeinträchtigungen
Persönlichkeitsstörungen: Merkmale
- Manifestation: meist in der Adoleszenz
- Diagnose vor Abschluss der Pubertät ist problematisch (Persönlichkeit entwickelt sich bis ins junge Erwachsenalter)
- unflexible, dysfunktionale Muster von Kognitionen, Emotionen und Verhalten zeigen nur eine mässige Stabilität auf
Persönlichkeitsstörungen: Unterschiede ICD-11
- beschränkt sich auf eine einzige Störungskategorie, nämlich die
Entscheidung, ob Betroffene die allgemeinen Merkmale einer Persönlichkeitsstörung erfüllen, oder nicht - verzichtet auf aufgeführten narzisstischen und schizotypen Persönlichkeitsstörungen
Borderline-Persönlichkeitsstörung: Merkmale
- Ein Muster instabiler, intensiver und konflikthafter zwischenmenschlicher Bezie.
- Wunsch + Angst vor Nähe+Intimität
- Verzweifelte Bemühungen reales oder imaginäres Verlassenwerden zu vermeiden.
- Identitätsstörungen, im Sinne eines anhaltend instabilen Selbstbildes oder einer instabilen Selbstwahrnehmung (Selbsthass,…)
- Emotionale Instabilität aufgrund ausgeprägter Reagibilität der Stimmung.
- Unangemessene, intensive Wut und Schwierigkeiten diese Emotionen zu kontrollieren.
- Eine hohe Impulsivität und eine Tendenz zu voreiligem Handeln und potenziell selbstschädigenden Verhaltensweisen während negativen Affektzuständen (Glücksspiele, Essanfälle, Substanz-missbrauch, risikoreiches Sexualverhalten,
Suizidversuche/ -drohungen, schneiden,…) - Episoden der Selbstverletzung.
- Chronisches Gefühl der Leere.
- Vorübergehende dissoziative Symptome oder psychotische Merkmale in Situationen hoher affektiver Erregung.
Borderline-Persönlichkeitsstörung: Ziel des selbstverletzendes Verhalten
- bis zu 70% der Betroffene
- sich schneiden
- ->kurzen Auflösung der inneren Anspannung und Unruhe
- ->Gefühl sich wieder selbst fühlen zu können
Borderline-Persönlichkeitsstörung: Warum sind Beziehungen für Betroffene schwierig?
- Abgrenzungsversuche des Gegenübers werden von Betroffenen oft als kategorische Ablehnung interpretiert –>Wut
- Neigung Menschen in ihrer Umgebung gegeneinander auszuspielen
- unklare Situationen des Alltags bereiten grosse Mühe und durch ihr hohes Erregungsniveau reagieren sie häufig mit
unangemessenen Gefühlen und Verhaltensweisen. - Lebensereignisse (z.B. Trennung), führen in der Regel zu heftigen emotionalen Reaktionen+unkontrollierbarem Zorn, häufig
gefolgt von Scham und Schuldgefühlen. - Distanzlosigkeit gegenüber Fremden und regelloses Auswahlverhalten können zu einem häufigen Wechsel der Sexualpartner führen
- Aktivierung sich widersprechender Grundannahmen und Schemata
Borderline-Persönlichkeitsstörung: Verlauf
- Zsmhang zwischen traumatischen biograf.
Erfahrungen und der Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung - Entw. erfolgversprechende Interventionen
- etwa die Hälfte der Betroffenen nach etwa zehn Jahren die Merkmale einer Borderline-Persönlichkeitsstörung nicht mehr vollständig erfüllen
- überdurchschnittlich hohe Suizidrate: 4-10%
–> Risiko im jungen Erwachsenenalter am höchsten und nimmt dann allmählich mit fortschreitendem Alter ab.
Borderline-Persönlichkeitsstörung: Unterschiede DSM-5
A) Führt:
- suizidale Handlungen, Suiziddrohungen oder -andeutungen und
- beim Kriterium der intensiven, aber instabilen Beziehungen den häufigen Wechsel zwischen extremer Idealisierung und Entwertung
auf, die im ICD-11 nicht erwähnt werden
B) Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen