Entwicklungspsychologie Flashcards

1
Q

Was ist: Individualentwicklung (oder einzelner Lebensabschnitte davon)

A

Ontogenese

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2
Q

Was ist: Entwicklung des Psychischen im Rahmen der Stammesentwicklung

A

Phylogenese

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3
Q

Was ist: Entwicklung des psychischen im Rahmen der Herausbildung der Gattung Mensch bis zu ihrem heutigen Entwicklungsstand

A

(Anthropogenese als Ausschnitt der Phylogenese)

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4
Q

Wie kann man psychische Entwicklung definieren?

A

Unter psychischer Entwicklung versteht man zeitlich relativ überdauernde Veränderungen im Erleben und Verhalten einer Person über die gesamte Lebensspanne.

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5
Q

Was sind Aufgaben der Entwicklungspsychologie?

A

Zu den Aufgaben der Entwicklungspsychologie gehört die Beschreibung und Erklärung sowie die Vorhersage und Modifikation menschlichen Erlebens und Verhaltens unter dem Aspekt der Veränderung über die gesamte Lebensspanne.

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6
Q

Welche Einflussfaktoren wirken auf die Entwicklung?

A

Die Entwicklung wird durch die Interaktion von biologischen und ökologischen Einflüssen geprägt, die gemeinsam auf das Individuum einwirken.
Biologische Einflüsse, die auf Reifeprozesse zurückgehen, sind altersbezogen.
Neben biologisch bedingten bzw. altersbezogenen Reifeprozessen wird Entwicklung aber auch durch nicht-normative Einflüsse bedingt.
Schließlich beeinflussen auch historische bzw. kulturwandelbezogene Einflüsse die Entwicklung entscheidend. (wenn z. B. aufgrund eines Krieges wie dem in Syrien einer ganzen Generation von Kindern der Besuch einer Schule unmöglich gemacht wird.)

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7
Q

Wie verändert sich die Bedeutung von Einflussfaktoren der Entwicklung über die
Lebensspanne?

A

Über den Lebenslauf hinweg betrachtet, nimmt der Einfluss nicht-normativer Ereignisse zu, während Alters- und lebenszeitgebundene Einflüsse in der Kindheit höher sind, dann abnehmen und erst im höheren Erwachsenenalter im Zusammenhang mit natürlichen Alterungsprozessen wieder bedeutsamer werden.
Der Einfluss historischer Einflüsse auf die Entwicklung ist dabei im Jugendalter am höchsten, weil in dieser Phase, die in besonderem Maße der schulischen und beruflichen Ausbildung sowie der Identitätsfindung gewidmet ist, entscheidende Weichen für die Entwicklung im Erwachsenenalter gelegt werden.

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8
Q

Wie konnte es zu dem Fallbeispiel Genie (Wolfskind) kommen?

A

Unter Reifung versteht man biologisch (genetisch) bedingte Entwicklungsprozesse, wie das Auftauchen oder Verschwinden verschiedener Reflexe, die frühe Entwicklung der Wahrnehmung oder Motorik oder die fortschreitende Entwicklung des Gehirns. Es lassen sich dabei mitunter bestimmte Zeitfenster, sogenannte sensible Phasen, in der Entwicklung ausmachen, welche die menschliche Entwicklung entscheidend prägen. Während einer meist kurzen, genetisch festgelegten Zeitspanne (sensible Phase) lösen gewisse Reize aus der Umwelt so starke Verhaltensänderungen aus, dass diese durch neue Erfahrungen nicht mehr korrigierbar sind. Man spricht von Prägung. Können innerhalb solcher sensibler Erfahrungen die vorbestimmten Lernprozesse aufgrund widriger Umstände nicht durchlaufen werden, kann es zu Entwicklungsdefiziten kommen, die im Nachhinein nicht mehr oder nur teilweise kompensierbar sind.

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9
Q

Beschreiben Sie das Bio-Psycho-Soziale Modell

A

Betrachtet man die entscheidenden Einflusssysteme auf die Entwicklung genauer, stellen sie sich als Geflecht aus biologischen, psychologischen und sozialen Einflussfaktoren heraus, die wechselseitig miteinander verbunden und aufeinander bezogen sind.

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10
Q

Welche Systeme beschreibt das ökologische Entwicklungsmodell von
Bronfenbrenner?

A
  1. Mikrosystem: unmittelbare Umwelten, in denen das Individuum aufwächst (Familie, Kindergarten, Schule, Arbeitsplatz)
  2. Mesosystem:WechselwirkungvonMikrosystemen
  3. Exosystem: Umwelten, denen das Individuum nicht angehört, die es aber indirekt beeinflussen, vermittelt über Personen, die dem Exosystem und Mikrosystem des Individuums angehören (z. B. Stress am Arbeitsplatz der Eltern kann Eltern-Kind- Beziehung beeinträchtigen)
  4. Makrosystem: Gesamtkultur einer Gesellschaft oder Subkultur, beeinflusst Entwicklung indirekt, über zuvor genannte Systeme
  5. Chronosystem: Gesamtheit der ökologischen Systeme, denen ein Individuum im Laufe seines Lebens angehört.
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11
Q

Welche Theorien von Kontinuität und Wandel finden sich in der Entwicklungspsychologie?

A
  1. Entwicklung als Abfolge von Stufen
  2. Entwicklung als Durchlaufen von Krisen
  3. Entwicklung durch Lösen von Entwicklungsaufgaben
  4. Entwicklung als Durchlaufen von Wendepunkten
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12
Q

Womit beschäftigte sich Lew Wygotski im Rahmen seiner Theorie der soziokulturellen Entwicklung?

A

Er beschäftigte sich vor allem damit, wie die Kultur die kognitive Entwicklung eines Kindes durch Wissensstände und Überzeugungssysteme prägt. Sprache betrachtet er z. B. als Werkzeug einer Kultur, die maßgeblich für die Entwicklung des Denkens ist („Denken ist ohne Sprache nicht möglich“). Er forscht auch dazu, wie sich Kinder eine Kultur im Austausch mit anderen Menschen aneignen, z .B. in Spiel oder Lehrsituationen mit anderen. Sein Ziel war es, unterschiedliche Entwicklungsverläufe bei Menschen aus verschiedenen Kulturen erklären zu können.

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13
Q

Warum werden stufen- und Phasentheorien heute recht kritisch betrachtet?

A

Die meisten dieser Theorien wurden historisch früh entwickelt und halten einer strengen methodischen Bewertung nach heutigen Maßstäben nicht stand. Ihre empirische Basis ist mitunter schwach, da die Theorie nur auf Basis kleiner Stichproben entwickelt wurden. Schwerwiegender ist jedoch, dass die „Vorstellung einer festen und für alle Personen zutreffenden Stufenfolge […] der Multidirektionalität und Plastizität der menschlichen Entwicklung nicht gerecht wird“
Zudem überschätzen die Theorien die Homogenität des Verhaltens von Personen innerhalb der Stufen, dieses verhalten kann in Abhängigkeit von der Situation stark variieren. Außerdem gehen die Theorien nicht auf kulturelle und historische Unterschiede zwischen Geburtskohorten ein und können dahingehend missverstanden werden, dass pro Altersbereich nur ein Entwicklungsthema als wesentlich angesehen wird, während andere in den Hintergrund treten.

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14
Q

Erklären Sie kurz die wichtigsten Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Theorien von Erikson und Havinghurst

A

„Die von Erikson postulierten Themen der psychosozialen Krisen finden sich sinngemäß auch in einigen Entwicklungsaufgaben von Havighurst wieder. Im Gegensatz zu Stufentheorien und der Theorie der psychosozialen Krisen von Erikson nahm aber Havighurst nicht an, dass in jedem Altersbereich nur ein Thema im Mittelpunkt der Entwicklung stehen würde, sondern er formulierte jeweils eine größere Zahl zu lösender Aufgaben. … Diese Entwicklungsaufgaben finden sich oft in den Lebenszielen der Erwachsenen wieder“

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15
Q

Was sind zentrale Grundannahmen der Entwicklungspsychologie über die
Lebensspanne?

A
  1. Entwicklung vollzieht sich während der gesamten Lebensspanne.
  2. Entwicklung beinhaltet über die gesamte Lebensspanne Wachstum und Verluste.
  3. Entwicklung ist multidimensional und multidirektional.
  4. Entwicklung ist plastisch
  5. Entwicklung ist eingebettet in vielfältige Kontexte und abhängig von historisch- kulturellen Bedingungen
  6. Entwicklung ist ein intentionaler, selbstreferenzieller Prozess (Mensch ist aktiver Gestalter seiner Entwicklung)
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16
Q

Was unterscheidet das Konzept der “Wendepunkte” von den anderen Konzepten der Entwicklung (Stufen, Krisen, Entwicklungsaufgaben)?

A

Das Konzept der Wendepunkte wird stärker als die drei anderen vorgestellten Konzepte der Multidirektionalität, Multidimensionalität und Plastizität der Entwicklung über die Lebensspanne gerecht.
Allerdings geht es nicht über eine Beschreibung von relevanten Entwicklungsereignissen hinaus und erlaubt keine Generalisierung, so dass es damit dem Anspruch eine Entwicklungstheorie nicht genügt.
Das Konzept kann zwar sehr gut bereits abgelaufene Entwicklungsprozesse im Nachhinein beschreiben oder erklären, aber eine Vorhersage von Entwicklungsprozessen ist nicht möglich.

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17
Q

Was sind Vor- und Nachteile von Querschnittdesigns?

A
  • Bei einer Querschnittuntersuchung wird eine empirische Befragung einmalig durchgeführt
  • Personen unterschiedlicher Altersgruppen werden zum gleichen Zeitpunkt untersucht und miteinander verglichen

Vorteile:
 Ökonomie
 Effizient, schnell
 Mit wenig Zeit-, Personal –und Kostenaufwand durchführbar
 Bereitschaft zur Teilnahme
 Einfachere Gewinnung von Teilnehmern (größere Stichproben)
 Kein Dropout oder Übungseffekte

Nachteile:
 Konstruierte Entwicklungsverläufe
 Es werden nur Entwicklungszustände abgebildet
 Konfundierung von Alter und Kohorte
 Unklar auf was Unterschiede zurückgehen
 Statistische Ineffizienz
 Vorhersagen sind unpräziser
 Selektive Stichproben
 Stichprobe von 80-jährigen stellt bereits Ergebnis einer gewissen Selektion dar
 Fragliche Generalisierbarkeit
 Andere Messzeitpunkte

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18
Q

Was sind Vor- und Nachteile von Längsschnittdesigns?

A
  • Form der Datenerhebung, bei der dieselben Personen wiederholt zu mehreren Zeitpunkten untersucht werden
  • Teilnehmer werden wiederholt untersucht, es wird festgehalten, wie sie sich verändern, während sie älter werden

Vorteile:
 Messung von Entwicklungsverläufen
 Feststellung der Stabilität von Entwicklungsmerkmalen
 Statistische Effizienz: durch Wiederholungsmessung werden systematische Unterschiede zwischen Personen erfasst und Fehlervarianz reduziert (weniger VP notwendig)

Nachteile:
 Konfundierung von Alter und Messzeitpunkt
 Testungseffekte (Übungseffekte, Gewöhnungseffekte, Sättigungseffekte)
 Hoher Aufwand
 Fragwürdige Generalisierbarkeit auf andere Kohorten
 Dropout / selektive Stichproben
 Alterung der Messinstrumente

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19
Q

Was sind Kohortensequenzstudien? Und was sind die Vor- und Nachteile?

A

• Kombination aus Längs- und Querschnittstudien
 Zunächst Untersuchung mehrerer Altersgruppen mit gleichem Messinstrument zu einem Messzeitpunkt (Querschnitt)
 Dann weitere Untersuchung derselben Gruppe zu wiederholten Zeitpunkten mit gleichen oder vergleichbaren Messinstrumenten (Längsschnitt)

Vorteile:
 Aufdeckung von Alters-, Kohorten-, Messzeiteffekten
 Möglichkeit quer- und längsschnittlicher Altersvergleiche
 Effektiver als pure längsschnittliche Designs
 Flexibilität: In Abhängigkeit von der Problemstellung können jeweils zwei der drei Faktoren für den Versuchsplan ausgewählt werden
 Zeiteffektivität: Veränderungen über 6 Jahre können z.B. in einem Zeitraum von nur 4 Jahren untersucht werden

Nachteile:
 Dropout (Motivation, Tod, Umzug)
 Probleme der Stichprobengewinnung
 Sehr aufwendig (Zeit, Geld)

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20
Q

Was ist die Grundannahme Piagets?

A

• Kind als Wissenschaftler
 Wissen und Denken wird durch ständige aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt konstruiert (aktiver Wissenserwerb)
 Kindliche Förderung
 Kinder müssen aktiv, durch eigene Erfahrungen, Wissen erwerben
 Müssen selber sogenannten Aha-Prozess durchlaufen, der durch bloße Wissensübermittlung nur selten ausgelöst werden kann

• kindliches Denken entwickelt sich durch Ausbildung immer adäquaterer Denkschemata
 = geistige Systeme (wie Muster von Gedanken oder Handlungen), die als überdauernde Wissensbasis angesehen werden können
 ermöglicht Kindern Einordnung von Umweltwelteindrücken + Systematisieren von Erfahrungen
 damit können Kinder Umwelt interpretieren

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21
Q

Piaget: Was sind die zwei angeborenen kognitive Prozesse?

A

 Organisation
 Zusammenfügen verschiedener, schon existierender Schemata zu größeren, sogenannten kognitiven Strukturen
 In S1: nach Gegenständen greifen, in S2: aus angereichter Tasse trinken –> O: Tasse ergreifen und aus ihr trinken

 Adaption
 intrinsisches Bedürfnis, sich so an die Umwelt anzupassen, dass Kinder mit ihr in kognitivem Gleichgewicht (Äquilibrium) stehen
= Passung zwischen eigenen Schemata und Vorkommnissen der Umwelt
(kann durch Assimilation + Akkommodation (Äquilibrationsprozess) erreicht werden)

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22
Q

Assimilation

A

 Prozess, mit dem Kinder probieren, die Umwelt im Sinne ihrer vorhandenen Schemata zu interpretieren
 Anpassung der Umwelt an bereits bestehende Schemata
 Z.B. Kind könnte Löwe aufgrund der 4 Beine das erste Mal als Hund interpretieren

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23
Q

Akkommodation

A

 Anpassung von Schemata an neue Umweltgegebenheiten
 Z.B. merkt Kind schnell, dass vermeintliche Löwe gar nicht bellt, viel größer ist und anderes Fell hat und erfindet vielleicht neuen Namen für unbekanntes Tier

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24
Q

Piaget: 4 Stadien der Entwicklung

A
  • beinhalten charakteristische Weise, wie Kinder Schemata organisieren und anpassen
  • Stadien bauen aufeinander auf
  • können nicht übersprungen werden

Sensomotorisches Stadium (0-2 Jahre)
Präoperationales Stadium (2-7 Jahre)
Konkret-operationales Stadium (7-12 Jahre)
Formal-operationales Stadium (ab 12 Jahre)

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25
Q

Sensomotorisches Stadium

A

(0-2 Jahre)

• durchlaufen von 6 sensomotorischen Stufen
 aus sensomotorischen Erfahrungen (Wahrnehmungseindrücken) und Handlungen werden geistige Prozesse
 zentrale Aspekte des Stadiums

 Kreisreaktionen:
 Bedürfnis, einfache Handlungen zu wiederholen
 Zunächst auf eigenen Körper bezogen, dann richtet sich auf ergreifbare „Außenwelt“
 Ergebnis: Beobachten und Verstehen, dass bestimmte Aktivität zu ganz spezifischem Effekt führt („Wenn-Dann-Zusammenhänge“)

 Objektpermanenz:
 Aufbau interner Repräsentationen von Beobachtetem
 Wissen darüber, dass Objekt auch noch dann existiert, wenn es aus Blickfeld verschwindet

1 Einsatz von Reflexen Geburt bis 1 Monat
• Erste Schemata werden durch Einsatz von Reflexen ausgebildet und an unterschiedliche Objekte angepasst
• Objekte existieren für Säuglinge nur, wenn sie perzeptuell erfahrbar sind
2 Primäre Kreisreaktionen 1 bis 4 Monate
• Aktivitäten, die mit eigenem Körper zusammenhängen und zu interessanten Effekten führen, werden wiederholt, ohne dass Zusammenhänge bewusst erkannt werden
3 Sekundäre Kreisreaktionen 4 bis 8 Monate
• Aktivitäten, die Außenwelt einbeziehen und mit interessanten Effekten verbunden sind, werden wiederholt
• jeweilige Zusammenhang ist jedoch noch unklar
4 Koordination sekundärer Kreisreaktionen 8 bis 12 Monate
• Handlungen werden gezielt zum Erreichen eines spezifischen Effekts eingesetzt
• Kinder zeigen Objektpermanenz
5 Tertiäre Kreisreaktionen 12 bis 18 Monate
• Kinder setzen verschiedene und neuartige Handlungen ein, um spezifischen Effekt zu erzeugen
• können Objekt an verschiedenen Orten wiederfinden, wenn sie Prozess des wiederholten Versteckens beobachtet haben
6 Mentales Schlussfolgern 18 bis 24 Monate
• Kinder können „Wenn-dann-Beziehungen“ auch ohne direktes Beobachten, allein aufgrund eines mentalen Schlussfolgerns, erstellen
• sind zur verzögerten Nachahmung imstande

• 1. Lebensjahr
 Kreisreaktion und Objektpermanenz sind labil und unflexibel
 A-nicht-B-Fehler
 Wird Objekt z.B. aus einem Versteck A herausgeholt und an anderem Ort B versteckt, suchen Kinder Objekt weiterhin an Ort A
• 2. Lebensjahr
 Denken wird flexibler
 A-nicht-B-Fehler verschwindet
 Verzögerte Nachahmung: Kinder können ganze Handlung intern repräsentieren
 „verinnerlichtes Handeln“
 Denken in Form von „Wenn-Dann-Beziehungen“ über intern repräsentierte Objekte und Handlungen hat sich aus kindlichem Handeln heraus konstruiert

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26
Q

Präoperationales Stadium

A

(2-7 Jahre)
• interne Repräsentationen können auch symbolisch sein
 Objekte können in Fantasie neue Funktionen bekommen
 Z.B. Bauklotz wird im Spiel als Telefon verwendet

• Sprache entwickelt sich stark (wichtigstes Symbolsystem des Denkens)

• Entwicklung des Als-Ob-Spiels
 Löst sich immer mehr von realen Umständen, auf denen es basiert (von Mama/Papa zu Prinz/Prinzessin)
 Enthält immer komplexere Kombinationen von Schemata
 Stärkt geistige Fähigkeiten:
Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Denken, Sprache, Schreib- und Lesefähigkeit, Fantasie, Kreativität, Selbstreflektion, Verständnis von Emotionen, Denken in Zeitperspektiven

• Soziodramatisches Rollenspiel (Als-Ob-Spiel mit anderen)
 Fördert Empathieentwicklung
 Kognitive Denkleistung: wie fühlt sich das Gegenüber?

• Grenzen
 Kinder können geistige Operationen noch nicht vollständig durchführen
 Mangelnde Reversibilität des kindlichen Denkens
 Nach Piaget verantwortlich für Denkfehler

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27
Q

Was sind die häufigsten teratogenen Einflüsse?

A
  • Stress in der Schwangerschaft
  • Alkohol/Nikotin (häufigste Drogen..)
  • Medikamente
  • Fehl- und Mangelernährung
  • Infektionskrankheiten
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28
Q

Was sind Teratogene?

A

äußere Einwirkungen, die bereits pränatal die Entwicklung des Kindes schädigen können (griech. teras = „Missbildung“)
• Wirkung abhängig von
 Dosis / Dauer / Zeitpunkt

 Vulnerabilität / Erblichkeit
 Genetische Ausstattung der Mutter und des sich entwickelnden Organismus spielen wichtige Rolle
 Einige Individuen besser in der Lage, schädlichen Umwelteinflüssen während der Schwangerschaft zu widerstehen als andere

 Alter
 Auswirkungen verändern sich mit Alter des betroffenen Organismus zur Zeit der schädlichen Wirkung
 Sensible Phase: begrenzte Zeitspanne, in der ein Körperteil oder eine Verhaltensweise biologisch zur schnellen Entwicklung bereit ist
 Besonders sensible Reaktion auf Umwelt in dieser Phase
 Wenn Umwelt schädlich, tritt Beeinträchtigung ein und Erholung davon ist schwierig bis unmöglich

• Pränatal

 Befruchtete Eizelle
 Kaum Einfluss
 Wenn doch, meist Abortus

 Embryonalstadium
 Strukturelle Veränderungen (Veränderungen der körperlichen Struktur)
 Häufig sehr schwere Defekte

 Fetalstadium
 Funktionale Veränderungen (Veränderungen der körperlichen Funktionen – Gehirn, Ohren, Augen…)
 Schaden meist eher gering

 Anderen negativen Einflüssen
 Einfluss eines einzigen Schadstoffs kann durch Zusammenwirken mit mehreren negativen Faktoren verstärkt werden

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29
Q

Was ist die Apgar Skala?

A

 Untersuchung der Neugeborenen (Dr. Virginia Apgar, 1953)

	Atmung
	Puls
	Grundtonus (Muskel)
	Aussehen
	Reflexe
	Messung nach 1 und nach 5 Minuten nach der Geburt
	Punktevergabe: von 0-2, max. 10 Punkte 
	7-10 Punkte
	guter Zustand des Babys
	< 7 Punkte
	Baby braucht Hilfe zum Atmen
	< 4 Punkte
	Baby braucht lebensrettende Maßnahmen

 nach 10 Minuten Maßnahmen über 4 Punkte: Langzeitbeeinträchtigungen unwahrscheinlich

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30
Q

Plötzlicher Kindstod (SID)

A

• Auch Krippentod oder SID („Sudden Infant Death Syndrome“)
 Keine Krankheit, sondern Diagnose, wenn scheinbar gesundes Baby unter einem Jahr ohne Vorwarnung stirbt
• Stellt häufigste Todesursache des Säuglings jenseits Neugeborenenperiode dar
• Am häufigsten zwischen dem 3. und 6. Monat, danach sinkt Risiko kontinuierlich
• Jungen häufiger betroffen
• Einheitliche Ursache SID ist nicht bekannt, daher als multifaktorielles Geschehen betrachtet
 Risikofaktoren
 Zigarettenrauch, Pränataler Missbrauch von Drogen, auf dem Bauch schlafen (eigene ausgestoßene Atemluft wird eingeatmet o. zu warme Kleidung und Decken)
 = physiologische Belastung, Schlafmangel, Schlaf- „Rückfall“ mit tieferem Schlaf, Kollabieren der Atemwege bei Risikobabys
 bereits aufgetretener, lebensbedrohlicher Zustand (Atemnot)
 an SID verstorbenes Geschwisterkind
 Schlechte Apgar-Scores
 Abnormer Puls

• Prävention
 Schlafen immer in Rückenlage
 Im Schlafsack und ohne zusätzliche Decke
 Möglichst lange gestillt
 Bei Warnzeichen oder mehrtätigen Erkältungsbeschwer unbedingt den Arzt aufsuchen, damit Atemwege freigehalten werden

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31
Q

Was sind die Auswirkungen von Stress in der Schwangerschaft?

A

• Fetale Programmierung = Prägung lebenslanger Krankheitsveranlagungen im Mutterleib

 Pränataler Stress hebt beim Fötus den Stresshormonspiegel dauerhaft an und beschleunigt die Gehirnreifung
 Negative Folgen für Wachstum und Zellreifung
 Fehl- und Frühgeburten, geringeres Geburtsgewicht
 Körperliche und psychische Krankheitsveranlagungen

 Überarbeitung, Erschöpfung, anstrengende Arbeit, Herzrate über 150
 Fördert Frühgeburten

 Regelmäßige, moderate Bewegung
 Fördert Atmung, Hautelastizität, Zirkulation, Muskeltonus
 Verhindert Darmträgheit
 Führt wiederum zu leichterer Schwangerschaft und Geburt

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32
Q

Klassische Denkfehler im präoperationalen Stadium?

A

 Egozentrismus
 Unvermögen, die symbolischen Ansichten anderer von dein eigenen zu unterscheiden
 Drei-Berge-Versuch:
 Kinder sehen Versuchsplatte mit drei Bergen und Tälern mit jeweils spezifischen Merkmalen
 Kinder sollen erst beschreiben, was sie (im Vordergrund) sehen
 Kinder sollen dann Perspektive einer Puppe, die an anderer Stelle der Platte sitzt, beschreiben
 Kinder können sich Blickwinkel der Puppe nicht vorstellen 


(Neue Erkenntnisse:
 Drei-Berge-Versuch mit vertrauten Gegenständen
 Schon 2-4-Jährige zeigen Bewusstsein für Standpunkt anderer
 Kinder stimmen Sprache auf Bedürfnisse und Alter der Zuhörer ab)

 Animismus
 Annahme, dass unbelebte Dinge lebensähnliche Merkmale haben (wie Gedanken, Gefühle, Wünsche und Absichten)
 Erklärungsmuster, die für sich selbst gelten, werden auf Objekte oder Naturereignisse übertragen
 Z.B. Sonne scheint, weil sie sich freut

(Neue Erkenntnisse:
 Schon Säuglinge können zwischen belebten und unbelebten Dingen unterscheiden
 Animistische Reaktionen entspringen unvollständigem Wissen, das mit Konfabulation ersetzt wird
 Glaube an magische Kräfte wird primär zur Erklärung von unerklärbaren Phänomenen herangezogen
 Abnahme des Animismus mit Zunahme physikalischen Wissens (außer in Kultur verankert))

 Konservierung (Erkennen von Invarianz oder Konstanz)
 Erkenntnis, dass bestimmte physikalische Eigenschaften von Gegenständen gleichbleiben, auch wenn sich ihre äußere Erscheinung verändert
 Umschütt-Versuch:
 von zwei gleich gefüllten Gläsern wird eins in ein drittes schmaleres, höheres umgefüllt
„Wasser ist mehr geworden, da Glas höher“
 Konzentration auf nur einen Aspekt (z.B. Wasserpegel) und nicht auf Transformation (Ausdehnung; Invarianz: trotz Transformation bleibt Gegenstand der gleiche)

(Neue Erkenntnisse:
 Leistungsvermögen ist bei vertrauten Aufgaben/Gegenständen höher
 Erkennen physikalischer Veränderungen lässt sich bei Dreijährigen durch Analogieschluss nachweisen 
„Knetmasse verhält sich zu durchgeschnittener Knetmasse wie ein Apfel zu …?“
 kausale Ausdrücke wie „wenn-dann“ und „weil“ werden von Drei- bis Vierjährigen korrekt benutzt)

 Klasseninklusion
 Schwierigkeiten in der Zuordnung von Gegenständen in Klassen und Unterklassen auf Basis von Ähnlichkeiten und Unterschieden
 Im Alter von 4 Jahren Klassifizierung zu Dimensionen (Formen, Farbe), aber Problem der Klasseninklusion
 Blumen-Versuch:
 Kinder werden Blumen gezeigt, von denen 4 blau und 12 gelb sind
 Frage, ob mehr gelbe Blumen sind als Blumen überhaupt
 Kind antwortet, dass es mehr gelbe Blumen sind und geht fehl in der Realisierung, dass sowohl gelbe wie blaue Blumen der Kategorie „Blumen“ zugehören

(Neue Erkenntnisse:
 Klassifizierungssystem zwar nicht komplex, aber hierarchische Kategorien wie „Möbel“ mit den Unterbegriffen Stuhl, Tisch und Schrank vorhanden)

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33
Q

Konkret-operationales Stadium

A

(7-12 Jahre)
• Fortschritte
 es können vollständige Operationen durchgeführt werden, da sie wichtigste Transformation der Reversibilität beherrschen
 Zentrierung auf einzelne Dimensionen, Animismus und Egozentrismus werden überwunden
 Zunächst noch fehlerhafte Integration der Information aus verschiedenen Dimensionen
 adäquateres Wissen über physikalische und numerische Grundkonzepte
 Logik der Klassenhierarchisierung liegt vor
 Aufbau von Systemen von Operationen (Addition, Subtraktion, anschließend auch Multiplikation und Division)
• Grenzen
 Denken bezieht sich auf konkret beobachtbare Inhalte
 Kinder dieses Altersbereiches noch nicht in der Lage (heute: bregrenzt), abstrakt zu denken und Inhalte lediglich aus ihrer Vorstellung heraus in ihre logischen Operationen einfließen zu lassen
 Mental transitives Schlussfolgern ist noch nicht möglich:
 „Mark ist sportlicher als Ben, Thomas ist sportlicher als Mark. Wer ist am sportlichsten?“

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34
Q

Formal-operationales Stadium

A

(ab 12 Jahre)
• Annahme Piagets: dieses höchst rationale Denkstadium wird nicht von jedem erreicht

• Kennzeichen:
 logische Denkoperationen können in hohem Maße abstrakt sein
 logische Denkoperationen oft so beschaffen, dass zur Problemlösung systematisch Hypothesen getestet werden
 Pendelaufgabe
 Jugendliche sollen herausfinden, welche Variablen für die Zeit verantwortlich sind, die ein Pendel benötigt, um einmal hin- und herzuschwingen (Schwere des Gewichts, Länge des Fadens, an dem das Gewicht hängt, oder Höhe, aus der das Gewicht losgelassen wird)
 Jugendliche in diesem Stadium versuchen systematisch, Einfluss der einzelnen Variablen zu isolieren, um festzustellen, dass nur Länge des Fadens auf Zeit des Schwingens Einfluss hat
 ermöglicht, über die eigene Wirklichkeit nachzudenken und sich verschiedene Realitäten vorzustellen
 Begriffe wie Wahrheit und Moral können nicht nur absolut, sondern auch relativ beleuchtet werden

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35
Q

Kritik an Theorie Piagets?

A
  1. Keine Homogenität der kindlichen Kognitionen innerhalb der Stadien
    • beträchtliche inter- und intraindividuelle Unterschiede in der Entwicklung der Konzepte innerhalb eines Stadiums
     Widerspricht Grundgedanken eines Stadienkonzepts
     Piaget sah dies als Ausnahme: horizontale Verschiebung
    • mit Erreichen der letzten Stufe ist die kognitive Entwicklung nicht abgeschlossen
  2. Piaget hat kindliches Denken an zu anspruchsvollen Aufgaben untersucht
    • manche Fähigkeiten zeigen sich viel früher als von Piaget angenommen wurde
    • Säuglinge verfügen schon mit 2-3 Monaten über Objektpermanenz
    • bei anderem methodischen Vorgehen sind schon 14-monatige Kinder zur nicht egozentristischen Repräsentation der Perspektive anderer fähig
  3. Es gibt mentale Repräsentationen ohne Handlungserfahrungen
    • kindliche Denken kommt in sensumotorischen Phase nicht nur durch verinnerlichtes Handeln zustande
     Säuglinge verfügen über mentale Repräsentationen auch ohne Handlungserfahrungen gemacht zu haben

 neue Forschungsansätze (Säuglingsforschung) haben zur Entwicklung domänenspezifischer Theorien geführt

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36
Q

Was ist der Ausgangspunkt der Domänenspezifischen Theorien?

A

 Mensch hat sich im Verlauf der Evolution so an seine Umwelt angepasst, dass er bereits bei Geburt mit Kernwissen und spezifischen Lernmechanismen ausgestattet ist
 Beispiel Kernwissen
 schon Neugeborene können visuelle Struktur eines Gesichts von der, anderer visueller Objekte unterscheiden, indem sie Gesichter gegenüber anderen visuellen Stimuli bevorzugt ansehen
 Beispiel Lernmechanismen
 kindliche Fähigkeit und starkes Bedürfnis, die Sprache der sie umgebenden Kultur zu erlernen
 Säugling ist mit kognitiver Grundausrüstung ausgestattet
 Wissen über Objekte (Physik), Menschen (Psychologie), nicht-menschliche Lebewesen (Biologie)
 Wissensentwicklung in verschiedenen Domänen
• Weitere Vertreter dieser Theorierichtung nehmen an, dass sich auch die an Säuglingsalter anschließende Denkentwicklung weiterhin an einzelne Wissensbereiche oder Domänen gebunden bleibt

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37
Q

Wie Grenzen sich die Domänenspezifischen Theorien von Piaget ab?

A

Piaget:
• Entwicklung von bereichsübergreifenden, stadientypischen kognitiven Strukturen bei Kindern
• Wissen wird in der Auseinandersetzung mit der Umwelt erworben

Domänenspezifische Theorien:
• Säugling besitzt von Anbeginn Wissen oder ist mit angeborener Lernbereitschaft ausgestattet, mit deren Hilfe früh Wissen erworben wird
• Wissen wird in der Interaktion mit der Umwelt angereichert oder gänzlich umstrukturiert
• Neue Annahme:
 gewonnenes Wissen wird mit bestehendem Wissen immer zu einem kohärenten Ganzen organisiert, das für Kinder insgesamt Sinn ergibt

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38
Q

Nennen Sie die Domänen der Domänenspezifischen Theorien

A
  • Intuitive Physik
  • Intuitive Psychologie (Theory of Mind)
  • Intuitive Biologie
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39
Q

Geschlechtskonstanz

A

• = Wissen darüber, dass Mensch das Geschlecht nicht nach Belieben wechseln kann
• Geschlechtskonstanz ist Voraussetzung für Geschlechtsidentität, die Voraussetzung für Geschlechtsrollenidentifikation ist
• Bereits mit 2-3 Jahren sind Kinder in der Lage, Geschlecht der eigenen und anderen Personen zu benennen
 Obwohl Kinder wissen, dass ein Junge später ein Mann wird und ein Mädchen eine Frau, wird aber geglaubt, dass dies änderbar sei
• Mit 5 Jahren wird Geschlechtskonstanz erkannt
• Kognitive Voraussetzungen für Geschlechstkonstanz
 Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen äußerer Erscheinungsform und überdauernder Wirklichkeit
 Erkenntnis der biologischen (genitalen) Grundlage der Geschlechtszugehörigkeit und ihrer Invarianz

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40
Q

Wygotskis soziokulturelle Theorie

A

Das Kind wird in erster Linie als soziales Wesen betrachtet, welches sein Denken im Kontext des Denkens anderer Personen entwickelt. Wygotski geht davon aus, dass das Intermentale, der Austausch zwischen Kind und einer anderen Person, zum Intramentalen, der Gedankenwelt innerhalb eines Kindes wird. Wygotski betrachtet das Kind in der sogenannten Zone der proximalen Entwicklung, die das Entwicklungspotential des Kindes ausdrückt. Er nimmt an, dass sich das Kind mit Hilfe psychologischer Werkzeuge formt. Solche Werkzeuge werden benötigt, um das Denken und Verhalten zu organisieren und zu steuern. Die Sprache ist für ihn das wichtigste psychologische Werkzeug. Denken = innere Sprache. (Andere Werkzeuge: Zahlen- und Schreibsystem, Kunstwerke, technische Geräte)
Andere Auffassung als Piaget: Nach dem 2. Lebensjahr stehen Sprache und Denken unter enger gegenseitiger Beeinflussung zueinander.

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41
Q

Wie kommt nach der Theorie Piagets kindliches Denken in Gang?

A

Nach Piaget kommt Denken in Gang, indem aus sensumotorischen Erfahrungen und Handlungen geistige Prozesse werden. Kreisreaktionen (unermüdliches Wiederholen einfacher Handlungen) vermitteln „Wenn-Dann-Zusammenhänge“, die letztlich Grundbaustein schlussfolgernden Denkens sind.

42
Q

Was bedeutet der Äquilibrationsprozess?

A

Der Äquilibrationsprozess besteht in einer Zusammenarbeit von Assimilation und Akkomodation, welche zum Äquilibrium führt. D.h. es wird durch Interpretation der Umwelt im Sinne bestehender Schemata (Assimilation) und durch Anpassung von Schemata an neue Umweltgegebenheiten (Akkomodation) ein kognitives Gleichgewicht hergestellt.

43
Q

Warum kann die Resistenz kindlicher Irrtümer als ein Beleg dafür gewertet werden, dass das kindliche Wissen theorieähnlich organisiert ist?

A

Neues Wissen kann von den Kindern nur aufgenommen werden, wenn die neuen Inhalte in die bestehende Organisation integriert werden können. Da Kinder dazu in bestimmten Situationen nicht in der Lage sind, halten sie an Irrtümern fest.

44
Q

Worin bestehen die mentalistischen Interpretationen von jüngeren Kindern?

A

Darunter verstehen Kinder zunächst, dass andere Menschen in ihren Handlungen Absichten verfolgen und möglicherweise Wünsche umsetzen. Erst später verstehen sie, dass Menschen sich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten, weil sie eine bestimmte Überzeugung über einen Sachverhalt haben.

45
Q

Was bedeutet nach Wygotsky, dass das Intermentale das Intramentale konstruiert?

A

Nach Wygotsky entsteht und verändert sich kindliches Denken durch die Interaktion zwischen dem Kind und einer anderen Person, und zwar dadurch, dass das Kind den Inhalt der Interaktion internalisiert. Der Austausch zwischen dem Kind und einer anderen Person (das Intermentale) wird zur Gedankenwelt innerhalb des Kindes (das Intramentale).

46
Q

Was besagt der Ansatz der mikrogenetischen Methode nach Wygotsky?

A

Dieser Ansatz besteht darin, das kindliche Denken nicht nur anhand einer Aufgabe zu untersuchen, sondern mit Hilfe von Aufgabenbatterien. Hierdurch soll in unterschiedlichen Aufgabenkontexten und z.B. an eng aufeinander folgenden Untersuchungszeitpunkten der genaue „Moment der Entwicklung“ aufgefangen werden. Wygotsky wollte den Prozess der Veränderung des kindlichen Denkens damit erfassbar machen.

47
Q

Was sind die drei bekanntesten Erklärungstheorien zur Entwicklung diskreter Emotionen?

A

-Biologisch-evolutionäre Ansatz
(Differential Emotions Theory (Izard & Ackermann, 2000))

-Soziokultureller Ansatz
(Internalisierungsmodell)

-Kognitionspsychologischer Ansatz:
(Differenzierungsmodell (Sroufe, 1996))

48
Q

Differential Emotions Theory

A

-Biologisch-evolutionäre Ansatz
 Geht von angeborenen, universellen, diskreten Basisemotionen aus
 meist werden 6-8 (Ekman) oder 10 (Izard) Basisemotionen unterschieden
 Freude, Angst, Trauer, Ärger, Ekel, Überraschung
(Interesse, Scham/Schuld, Distress/Schmerz, Verachtung)
 Jede Basisemotion zeichnet sich durch ein klar identifizierbares (diskretes) Profil aus, das von spezifischen Gehirnstrukturen gesteuert wird
 Diese werden im Verlauf der emotionalen Entwicklung durch Reifungsprozesse und soziale Interaktionen ausgebildet
 Können schon früh im Leben beobachtet werden

 biologisch-evolutionäre Ansatz: Basisemotionen nach Ekman & Friesen (1972)
 universell bei Menschen und Primaten
 Grundemotionen: Freude, Angst, Trauer, Ärger
 eingeschränkt universell: Ekel, Überraschung, Interesse, Scham/Schuld
 dienen dem Überleben (in der Gruppe)
 Der bei Erwachsenen beobachtete Zusammenhang zwischen spezifischen emotionsauslösenden Situationen und dazu passendem Emotionsausdruck ist für das Säuglingsalter empirisch noch nicht eindeutig erkennbar
 Allerdings bleibt hier offen, ob sich Erleben von Emotionen oder nur Emotionsausdruck unterscheidet

49
Q

Internalisierungsmodell (Emotionen)

A

– Soziokultureller Ansatz
 Annahme, dass Emotionen und Emotionsregulation erst im sozialen Miteinander konstruiert werden
 Sozialisation ist der entscheidende Mechanismus emotionaler Entwicklung
 Kultur ist Ursprung der Emotionsbewertung, Sprache ist Werkzeug des Kulturkreises
 In der westlichen Kultur ist soziale Ängstlichkeit mit geringen sozialen Kontakten, negativem Selbstbild und Ablehnung durch Gleichaltrige assoziiert
 in China mit positivem Selbstbild und positiven sozialen Beziehungen
 Zahl der Wörter einer Emotion spiegelt deren kulturelle Bedeutung wider, ist Indikator für Auftreten der Emotion

50
Q

Differenzierungsmodell (Sroufe, 1996)

A

– kognitionspsychologische Ansatz
 Sroufe`s kognitiv-aktionale Differenzierungstheorie
 geht von zunehmender Differenzierung der Emotionen in der Entwicklung aus
 erst nur Ärger, Angst, Freude (3 Basisemotionen) aus denen sich dann weitere herausdifferenzieren
 Emotionen entstehen aus physiologischen Zuständen
 Bei Geburt existieren Emotionen nur als Vorläuferemotionen (Proto-Emotionen: erst Hingezogen fühlen-Zufriedenheit, Rückzug-Unwohlsein, dann Freude, Interesse, Ärger, Angst)
 Bei Neugeborenen tritt zwar schon emotionstypisches Ausdrucksverhalten auf (z.B. Lächeln im Schlaf), jedoch besteht anfangs noch keine dauerhafte Verbindung zwischen auslösenden Situationen und spezifischen mimischen oder Verhaltensreaktionen
 ab dem ca. 6. Lebensmonat werden Emotionen (abhängig von sozialen Erfahrungen) zunehmend subjektiv erlebt und mit Bedeutung versehen (-> „psychologische Emotionen“)
 Durch kognitive Bewertungsprozesse und Sozialisationsprozesse entstehen weitere Emotionsqualitäten
 z.B. Entwicklung von selbstbezogenen Emotionen wie Scham und Schuld zwischen 18 und 36 Monaten aus Basissystem
 Voraussetzungen sind Fähigkeiten des Selbsterkennens und Internalisierung von sozialen Verhaltensnormen
 Ausdifferenzierung der Emotionen ergibt sich aus Veränderungen der Emotionsanlässe und deren Bewertung
 Künftig löst die (unbewusste) Bewertung eines Umweltreizes als motiv- oder zielrelevant Emotionen aus, die sich in bestimmter Handlungs- bzw. Aktionsbereitschaft niederschlagen
 Mit zunehmendem Alter können Kinder durch verbesserte Strategien zur Emotionsregulation Handlungsbereitschaften von tatsächlichen Handlungen abkoppeln
 Prozesse der Emotionsentwicklung nicht auf Herausdifferenzierung neuer Emotionen beschränkt
 Entwicklungen bei diskreten Emotionen ergeben sich somit aus Veränderung der Anlässe und deren Bewertung

51
Q

Was sind die neun Teilbereiche des Emotionswissen?

A

-Erkennen und Benennen des Emotionsausdrucks
 Untersuchte Fähigkeiten in Entwicklungspsychologie
 Unterscheidung zwischen Gesichtsausdrücken
 Erkennung der zum Ausdruck gebrachten Gefühle
 frühe Unterscheidung verschiedener Emotionsausdrücke
 ab 4 Monaten: Unterscheidung von Freude, Ärger und Angst
 positive Emotionen werden früher richtig erkannt als negative
 Schnelligkeit des Emotionserkennens steigt in Kindheit und Jugend
 starker Zuwachs der Nutzung von Emotionsbegriffen im 2. und 3. Lebensjahr

-Wissen über externe Ursachen von Emotionen
 ab 3 Jahren: Wissen über Auslöser von Emotionen wie Freude, Angst, Ärger und Trauer
 ab 7 Jahren: Wissen über Ursachen von komplexeren Emotionen wie Stolz und Scham, Eifersucht, Dankbarkeit oder Besorgnis
 ab 10 Jahren: Wissen über Ursachen von Erleichterung oder Enttäuschung

-Wissen über Wünsche als Ursachen von Emotionen
 ab 3 Jahren: Einbezug von inneren Prozessen in Begründungen dafür, wie sie eine Person beurteilen oder deren Reaktion vorhersagen
 zwischen 3 und 5 Jahren: Aufbau von Wissen darüber, dass Menschen in der äußerlich gleichen Situation verschiedene Emotionen erleben können
 ab 5 Jahren: systematische Einbeziehung von Wünschen als Erklärung

-Wissen über Emotionsregulation
 1. Lebensjahr: bereits einfache Emotionsregulationsstrategien
 Aufmerksamkeitslenkung, Saugen, Nähe zu suchen/vermeiden
 18 Monate: (soziales) Trostverhalten
 6 Jahren: direkte Problemlösung oder Rückzug
 9 Jahre: Ablenkung, Verleugnung
 Entwicklung bis zum Alter von 12 Jahren:
 Zunahme der Anzahl der Strategien
 Beurteilung von Effektivität: Passung von Strategie und Situation

-Wissen über Erinnerungen als Ursachen von Emotionen
 explizites Wissen darüber, dass Gefühle …
 … im Verlauf der Zeit an Intensität verlieren
 … bei Erinnerung an die auslösende Situation wieder entstehen
 besitzen viele Kinder ab 3 Jahren, die meisten 5 Jahren
 Rückgriff auf Denken von Personen als Erklärung für das Auftreten von Emotionen
 selten bei 5-Jährigen
 Erklärung wird erst ab Alter von 8 Jahren häufiger herangezogen

-Wissen über Annahmen als Ursachen von Emotionen

-Wissen über das Verbergen von Emotionen (Wissen über Ausdruckskontrolle von Emotionen)
 Funktion: Erhalt sozialer Beziehungen und des Rangs in der Gruppe
 12 Monate: erste Ausdruckskontrolle, abhängig von Bindungsstil
 4 Jahre: Kontrollieren oder Zeigen von Emotionsausdruck nach Misserfolgserlebnis abhängig von sozialer Bewertung
 4 bis 5 Jahre:
 willentliches Zeigen von Ekel
 Angst und Trauer ohne Emotionen zu empfinden
 gelingt bei Überraschung und Ärger jedoch kaum
 ab 6 Jahren: Wissen über angemessene Strategien der Emotionskontrolle

-Wissen über gemischte Gefühle

-Wissen über Moral und Emotion
 Welche Emotionen treten auf, wenn man sich entscheidet entgegen der geltenden Regeln zu handeln?
 7 bis 8 Jahre: Einhaltung wird mit positiven und Brechen von Regeln mit negativen/ gemischten Gefühlen verbunden
 abhängig von Anzahl und Art der in den Geschichten enthaltenen potenziellen Handlungsmöglichkeiten
 3 bis 11 Jahre: Zuwachs in allen Bereichen des Emotionswissens
 bis 5 Jahre:
 Erkennen von Emotionen
 Erkennen äußerer Ursachen
 Erkennen von Erinnerungen als Auslöser für Gefühle
 bis 7 Jahre
 Einfluss von Wünschen und Überzeugungen
 Kontrollierbarkeit von Gefühlen
 Emotion und Ausdruck können voneinander abweichen
 bis 9 bis 11 Jahren
 Wissen über Emotionsregulationsstrategien
 Wissen über gemischte Gefühle
 Wissen über den Einfluss moralischer Urteile

52
Q

– Was beeinflusst das Wissen über Emotionen?

A

 Sprachentwicklung
 Eltern-Kind-Kommunikation
 Eltern-Kind-Bindung

53
Q

Wichtige Veränderungen im Bereich der Emotionsregulation vom Säuglings- bis zum Jugendalter

A
  1. externale, soziale Regulation der Emotionen wird zunehmend von einer Selbstregulation abgelöst
  2. Zahl der Strategien zur Emotionsregulation steigt an + werden zunehmend mehr aktive Strategien eingesetzt
  3. Durch Nutzung von Sprache und kognitiven Strategien kommt es zu einer Verbesserung der Emotionskontrolle
  4. Es werden zunehmend solche Strategien zur Emotionsregulation ausgewählt, die für die Situation und die auftretenden Emotionen besonders angemessen sind (Effizienz)
54
Q

Welche Grundannahmen über die emotionale Entwicklung treffen die Differential Emotions Theory und das Differenzierungsmodell?

A

Die Differential Emotions Theory nimmt 10 bereits angeborene Basisemotionen an. Es entwickelt sich durch Reifungsprozesse und soziale Interaktionen der typische Gesichtsausdruck für diese Basisemotionen.
Das Differenzierungsmodell geht dagegen davon aus, dass nur allgemeine physiologische Reaktionen angeboren sind, aus denen sich in den ersten Lebensjahren qualitativ unterschiedliche Emotionen entwickeln.

55
Q

Können bereits wenige Tage alte Säuglinge unterschiedliche Emotionen richtig erkennen?

A

Säuglinge können zwar bereits nach wenigen Tagen verschiedene Gesichtsausdrücke imitieren, aber es gibt keinen empirischen Nachweis, dass sie in diesem Alter bereits die Bedeutung der gezeigten Emotionen verstanden haben.

56
Q

Werden positive oder negative Gefühle früher erkannt und die entsprechenden Begriffe in den Sprachschatz aufgenommen?

A

Positive Gefühle – wie Freude – werden früher erkannt als negative und auch der Begriff „Freude“ tritt im Mittel früher im Wortschatz auf als Begriffe für negative Gefühle.

57
Q

Welche Aspekte von Emotionswissen werden vergleichsweise früh und welche spät erworben?

A

Kinder erwerben zunächst bis zum Alter von ca. fünf Jahren Wissen zum Erkennen von Emotionen sowie zum Erkennen von äußeren Ursachen und Erinnerungen als Auslöser für Gefühle. Bis zum Alter von ca. 7 Jahren folgt dann das Wissen darüber, dass Wünsche und Überzeugungen menschliche Emotionen beeinflussen und dass man seine Gefühle kontrollieren kann. Erst etwa mit 9 bis 11 Jahren erfolgt der Aufbau von Wissen über Strategien der Emotionsregulation, gemischte Gefühle und den Einfluss moralischer Urteile auf Emotionen.

58
Q

Welche drei Faktoren beeinflussen in starkem Maße die Entwicklung von Emotionswissen?

A

Wichtige Einflussfaktoren sind das Niveau der Sprachentwicklung, die Qualität der Eltern-Kind-Kommunikation und die Qualität der Eltern-Kind-Bindung.

59
Q

Wie verändert sich die Emotionsregulation im Verlaufe der Kindheit?

A

Es erfolgt zum einen eine Veränderung von der anfänglich dominierenden externalen Regulation durch die Eltern und andere Bezugspersonen hin zur zunehmenden Selbstregulation durch das Kind. Zweitens nimmt die Zahl der zur Verfügung stehenden Regulationsstrategien zu und diese werden zunehmend effizienter eingesetzt.

60
Q

Ab wann können Säuglinge ihren eigenen Namen erkennen und welche Funktion ist damit verbunden?

A

Säuglinge können im Alter von 4,5 Monaten ihren Namen von anderen Namen unterscheiden, und zwar auch von solchen mit vergleichbarer Lautstruktur. Zudem scheinen wichtige Wörter wie der eigene Name oder der der Bezugsperson als eine Art Anker im Wortfluss zu dienen, durch den auch ein neues benachbartes Wort extrahiert und später besser wiedererkannt werden kann.

61
Q

Was bedeutet es, wenn Säuglinge Phoneme kategorial wahrnehmen?

A

Es bedeutet, dass bereits Säuglinge Phoneme nicht entlang eines physikalischen Kontinuums, sondern anhand von Kategorien wahrnehmen. Phoneme, die sich in gleichem Ausmaß physikalisch unterscheiden, können deshalb als gleich wahrgenommen werden, weil sie in dieselbe wahrgenommene Kategorie fallen oder aber als verschieden wahrgenommen werden, weil sie zu unterschiedlichen Wahrnehmungskategorien gehören.

62
Q

Was besagen die constraints des Worterwerbs?

A

Die meisten Kinder (ca. 70%) treffen ihre Schlussfolgerungen über die Benennung eines Objekts unter Zuhilfenahme bestimmter Vorannahmen, sogenannter constraints z.B. der Vorannahme, dass sich die Benennung eines Objekts immer auf das ganze Objekt bezieht (Ganzheitsconstraint). Die Beachtung solcher constraints soll sicherstellen, dass die Kinder eine Vielzahl falscher Schlussfolgerungen zur Benennung gar nicht erst ziehen.

63
Q

Wie sind die Zwei-Wort-Äußerungen der Kinder aufgebaut?

A

Diese Wortkombinationen werden von den Kindern in einem telegraphischen Stil geäußert. Hierbei werden die Wörter aber nicht in eine zufällige Reihenfolge gebracht, sondern in Reihenfolgen wie Akteur – Handlung (Mutter kommt), Handlung – Objekt (waschen Hände), Objekt – Ort (Auto da), Besitzer – Besitz (Mama Schuhe), Objekt – Attribut (Ofen – heiß), Negation – Handlung (nicht malen) oder Wiederauftreten (mehr haben). Ein Wort fungiert meist als sogenannter Angelpunkt (pivot), um den sich ein anderes Wort gruppiert.

64
Q

Worin bestehen die Charakteristiken der Sprachpragmatik des Vorschulalters?

A

Vorschulkinder beachten das Alter des Gesprächspartners und vereinfachen z.B. ihre Sprache, wenn sie mit jüngeren Kindern sprechen. Sie setzen sprachliche Konventionen wie z.B. Höflichkeit ein und verwenden bestimmte pragmatische Sprachkategorien, wenn sie dazu aufgefordert werden. Sie haben aber Schwierigkeiten, sich auf den Wissenstand des Gegenübers einzustellen.

65
Q

Welche Argumente sprechen dafür, dass der Spracherwerb biologische Wurzeln hat?

A

Es gibt Hinweise auf eine angeborene Bereitschaft zum Spracherwerb wie den schnellen und geordneten Spracherwerb, der nicht allein aufgrund von Lernen und kommunikativen Einflüssen zu erklären ist. Kinder äußern sich zudem teilweise auf eine Art, welche sie sicherlich noch nie von Erwachsenen gehört haben. Außerdem findet sich von Geburt an ein extremes Bedürfnis, selbst bei gehörlosen Kindern, sprachähnliche Laute zu äußern. Des Weiteren ist das Entwickeln von Sprache nur Menschen und keinen anderen Lebewesen vorbehalten. Es existieren zwei für die Produktion und Verstehen von Sprache spezifische Hirnareale. Bereits das Gehirn sehr junger Kinder reagiert differenziert auf Sprache (Mismatch Negativity MMN). Es gibt eine angeborene Universalgrammatik und einen angeborenen Spracherwerbsmechanismus.

66
Q

Wie entwickelt sich die Netzhaut des Säuglings?

A

Die Netzhaut des Neugeborenen ist in der stäbchendominierten Peripherie der erwachsenen Netzhaut ähnlich. Sehr unreif ist die Fovea, wo die Zapfen an Anzahl stark zunehmen und sich noch stark entwickeln müssen. Die Dicke der Innensegmente muss abnehmen und die Länge der Außensegmente und damit der Anteil an Sehpigment zunehmen. Innerhalb der ersten 6 Monate entwickelt sich die Netzhaut sehr rasch, so dass sich die Sehschärfe erheblich verbessert. Danach erfolgt eine langsame, aber stete Verbesserung, so dass die volle Sehschärfe mit 1 ½ Jahren erreicht ist.

67
Q

Welche Bedeutung hat Bewegungsinformation für die Wahrnehmung von Objekteinheit und dreidimensionaler Formwahrnehmung?

A

In den ersten Lebensmonaten kann ein Säugling nur dann, wenn sich ein Objekt bewegt, seine dreidimensionale Form und bei teilweiser Verdeckung seine Objekteinheit wahrnehmen, während dies in späteren Lebensmonaten auch ohne Bewegung gelingt.

68
Q

Warum stellt die sogenannte Rekalibrierung für Säuglinge ein Problem bei der auditiven Raumwahrnehmung dar?

A

Das Problem besteht darin, dass das Richtungshören größtenteils auf der Verrechnung des zeitlichen Unterschieds beruht, mit dem der Schall auf beide Ohren trifft. Da mit dem Alter der Kopfumfang zunimmt und sich der Abstand zwischen den Ohren vergrößert, führt dieselbe Richtung eines Objekts bei älteren Kindern zu einer größeren Zeitdifferenz als bei jüngeren Kindern. Daher muss die auditive Raumwahrnehmung laufend rekalibriert werden.

69
Q

In welche Richtung vollziehen sich die Veränderungen in der motorischen Kontrolle?

A

Als Faustregel für die Richtung der Veränderungen in der motorischen Kontrolle gilt, dass sie von oben nach unten, also cephalo-caudal, und von innen nach außen, proximo-distal, erfolgen. Zunächst gewinnen die Kinder ihre motorische Kontrolle also über den Kopf und Nacken abwärts und über den Körperstamm auswärts zu Armen, Beinen, Händen und Füßen.

70
Q

Was sind Gründe für Veränderungen der motorischen Entwicklung nach dem 1. Lebensjahr?

A

Durch die Erhöhung der Muskelkraft, der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und durch die Veränderungen der Körperproportionen verändern sich die motorischen Fähigkeiten nach dem ersten Lebensjahr rapide.

71
Q

Zwischen welchen Sinnesbereichen stellen Säuglinge zuerst Beziehungen her?

A

Beziehungen zwischen zwei Sinnesmodalitäten stellen Säuglinge ab dem 1. Monat her, wobei die ersten Verbindungen zwischen im Mund Gefühltem und Gesehenem beobachtet wurden.

72
Q

Wozu dient die Methode der Ableitung ereigniskorrelierter Potenziale?

A

Die Methode zeigt, ob und wie bestimmte Stimuli neuronal verarbeitet werden, indem nach zeitlichen Zusammenhängen zwischen Stimulation und ereigniskorrelierten Potenzialen im EEG gesucht wird.

73
Q

Wodurch sind die sichere, unsicher-vermeidende und unsicher-ambivalente Bindung charakterisiert?

A

Sicher gebundene Kinder zeigen eine effektive soziale Regulation ihrer Emotionen. Sie sind bei der Trennung von der Mutter nicht übermäßig gestresst und reagieren positiv auf ihre Rückkehr. Unsicher-vermeidend gebundene Kinder lassen sich ihren Stress nicht im Verhalten anmerken, sind aber in Trennungssituationen physiologisch stark belastet. Unsicher-ambivalent gebundene Kinder schließlich zeigen in Stresssituationen widersprüchliche Gefühle gegenüber ihrer Bindungsperson.

74
Q

Welche Faktoren fördern die Entwicklung einer sicheren Bindung an die Eltern?

A

Ein sensitives Elternverhalten fördert die Entwicklung einer sicheren Bindung: Eltern erkennen hier die Gefühle des Kindes und reagieren angemessen und prompt. Soziale Stressoren – wie etwa Armut oder alleinerziehende Mutter zu sein, negatives Elternverhalten – wie Kindesmisshandlung – und ungünstige Temperamentseigenschaften des Kindes – wie hohe Irritierbarkeit – erschweren dagegen die Entwicklung einer sicheren Bindung.

75
Q

Bedeutet die Entwicklung einer unsicheren Bindung am Ende des ersten Lebensjahrs, dass man sein ganzes Leben bindungsunsicher bleiben wird?

A

Nein. Es gibt zwar Hinweise auf Kontinuität der Bindungssicherheit, aber neuartige Erfahrungen mit Bindungspersonen (z.B. nachdem Eltern ein Training zur Erhöhung ihrer Sensitivität absolvierten) können später das Bindungsmuster verändern.

76
Q

Welche Veränderungen treten beim Spiel im Vorschulalter auf?

A

Während Zweijährige noch überwiegend allein oder parallel zu anderen Kindern spielen (Ähnliches tun, aber dabei nicht abgestimmt miteinander interagieren), nehmen ab dem dritten Lebensjahr das kooperative Spiel nach Regeln und das Rollenspiel zu.

77
Q

Wie verändert sich das Ausmaß der Eltern-Kind-Konflikte im Jugendalter?

A

Eltern-Kind-Konflikte nehmen von der Kindheit zum Jugendalter in der Häufigkeit zu und erreichen die größte Intensität im mittleren Jugendalter. Danach kommt es zum Absinken von Konflikthäufigkeit und -stärke.

78
Q

Wie verändert sich das Verständnis von Freundschaften im Kindes- und Jugendalter?

A

In der späten Kindheit wird vor allem der Nutzen der Freundschaften für die eigene Person betont. Am Übergang zum Jugendalter (etwa mit 10 bis 11 Jahren) gewinnt die Wechselseitigkeit der Unterstützung und Loyalität bei der Definition von Freundschaften an Bedeutung. Jugendliche schließlich betonen besonders, dass Freunde einander helfen und loyal sind.

79
Q

Bezüglich welcher Regeln oder Normen erreichen Kinder zuerst die Stufe der autonomen Moral?

A

Kinder erreichen diese Stufe früher in Bezug auf das Verständnis sozialer Konventionen als auf das Verständnis moralischer Normen.

80
Q

Worin unterscheidet sich das moralische Urteil auf dem präkonventionellen und konventionellen Niveau?

A

Auf dem präkonventionellen Niveau wird moralisches verhalten gezeigt, um selbst einen Nutzen zu haben, auf dem konventionellen Niveau dagegen, weil man sozialen Erwartungen von Bezugspersonen oder der Gesellschaft entsprechen möchte.

81
Q

Was ist mit dem Phänomen des „glücklichen Täters“ und dem „unglücklichen Moralisten“ gemeint?

A

Mit 4 bis 6 Jahren wissen die Kinder schon, welches Verhalten gut oder schlecht ist. Allerdings ist ihre Motivation noch gering, sich moralisch zu verhalten. Folglich erwarten sie auch, dass sich andere Menschen nach Regelverstößen gut fühlen werden, wenn sie daraus einen Nutzen erhalten.

82
Q

Wie verändert sich der Zusammenhang von moralischem Wissen und moralischer Motivation in Abhängigkeit von Alter und Kultur?

A

In der westlichen Welt entsteht das moralische Wissen vor der moralischen Motivation und der Zusammenhang beider wächst nach der mittleren Kindheit. Bei chinesischen Kindern besteht dagegen ein solcher Zusammenhang schon in der mittleren Kindheit.

83
Q

Welcher Erziehungsstil fördert die moralische Entwicklung der Kinder?

A

Ein induktiver Erziehungsstil ist hier förderlich, bei dem moralische Normen und die Folgen der Normverletzung erklärt werden und das Kind einen Freiraum bekommt, sich selbst zu entscheiden.

84
Q

Mit welchen schulischen Interventionsmaßnahmen kann man moralische Entwicklung fördern?

A

Bewährt hat sich die Diskussion moralischer Dilemmas im Unterricht, die Nutzung von anderen Schülern als Tutoren und positiven Rollenmodellen für moralisches Verhalten und die Förderung prosozialer Aktivitäten im Rahmen ehrenamtlicher Betätigungen.

85
Q

Wie gut kann man aus Temperamentsmerkmalen in der frühen Kindheit die spätere Persönlichkeit vorhersagen?

A

Es gibt eine gewisse Kontinuität, und von den „Big-5“-Persönlichkeitsmerkmalen steht nur Offenheit für neue Erfahrungen nicht mit Temperamentsmerkmalen in der Kindheit in systematischen Zusammenhang. Allerdings sind die Zusammenhänge im Mittel nur schwach bis mäßig ausgeprägt.

86
Q

Welche Prozesse führen zur Kontinuität der Persönlichkeit in Kindheit und Jugend?

A

Caspi (2006) unterscheidet 6 Prozesse, und zwar Einflüsse des Temperaments auf (a) Lernprozesse, (b) Reaktionen der sozialen Umwelt, die wiederum die Persönlichkeit beeinflussen, (c) die Interpretation der Umwelt, (d) soziale und temporale Vergleiche, (e) die Veränderung der Umwelt sowie (f) die Selektion der Umwelt und damit jeweils verbundene Entwicklungsanregungen.

87
Q

Wie unterscheiden sich Selbstbeschreibungen von Vorschulkindern und Jugendlichen?

A

Selbstbeschreibungen von Vorschulkindern sind anschaulich, konkret, noch nicht organisiert und oft unrealistisch positiv. Später werden die Selbstbeschreibungen abstrakter, kohärenter und auch realistischer.

88
Q

Warum sinkt der Selbstwert in der späten Kindheit?

A

Der Selbstwert ist bei jüngeren Kindern noch unrealistisch hoch, unter anderem weil diese Kinder sich noch nicht systematisch mit anderen Personen vergleichen können. Das Anstellen sozialer Vergleiche lässt etwa ab dem 8. Lebensjahr den Selbstwert auf ein geringeres und zugleich realistischeres Niveau sinken.

89
Q

Kennzeichnen Sie das Identitätsmodell von Marcia und häufig beobachtbare Prozesse der Identitätsentwicklung.

A

Nach Marcia umfasst Identitätsentwicklung Prozesse der Exploration von Alternativen und dem Eingehen von Festlegungen. Darauf aufbauend werden 4 Identitätszustände unterschieden und zwar: diffuse Identität (keine Exploration/keine Festlegung), Moratorium (Exploration/keine Festlegung), vorweggenommene Identität (keine Exploration/jedoch Festlegung) und erarbeitete Identität (Exploration/Festlegung). Im Jugendalter wird die diffuse Identität und übernommene Identität seltener und die erarbeitete Identität häufiger. Das Moratorium ist hierbei ein Durchgangsstadium.

90
Q

Wie verändern sich interindividuelle Unterschiede der Persönlichkeit und des Selbstkonzepts im Kindheit- und Jugendalter?

A

Interindividuelle Unterschiede werden in Kindheit und Jugend stabiler, das heißt die korrelative Stabilität nimmt zu.

91
Q

Erikson Zitat zu Identität (1959 / 1971)

A

“Identität ist der Schnittpunkt zwischen dem, was eine Person sein will, und dem, was die Umwelt ihr gestattet.”

92
Q

Dunedin Längsschnittstudie?

A

Zusammenhang der Persönlichkeit mit drei Jahren mit der Persönlichkeit mit 18 Jahren.

  • Unterkontrolliert
  • Sicher
  • Zurückhaltend
  • Gehemmt
  • Gut angepasst
93
Q

Eriksons Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung?

A

1 - Urvertrauen vs. Urmisstrauen - (1. Lebensjahr)
Sammeln von Erfahrungen über die Verlässlichkeit von Bezugspersonen

2 - Autonomie vs. Scham/Selbstzweifel - (2 - 3)
Entwicklung der Überzeugung, seinen eigenen Willen durchsetzen zu können

3 - Initiative vs. Schuldgefühle - (3 - 6)
Entwicklung der Anfänge des Gewissens

4 - Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl - (6 - Pubertät)
Entwicklung von Selbstvertrauen (z.B. im schulischen Kontext)

5 - Identität vs. Identitätsdiffusion - (Jugendalter)
Entwicklung von Vorstellungen darüber, was die eigene Individualität ausmacht und ich welche Richtung man sein Leben lenken will.

6 - Intimität vs. Isolation - (frühes Erwachsenenalter)
Aufbau einer intimen Beziehung (Partnerschaft)

7 - Generativität vs. Stagnation (mittl. Erwachsenenalter)
Etwas an die folgende Generation weitergeben

8 - Ich-Integrität vs. Verzweiflung - (hoh. Erwachsenenalter)
Eine akzeptierende Haltung zum gelebten Leben finden

Schwierigkeiten:
-Persönlichkeitsentwicklung läuft weniger uniform als von Modell angenommen

  • Nur Teilaspekte der Persönlichkeitsentwicklung
  • Konstrukte haben keinen Bezug zu Big Five
  • Kein Erhebungsinstrument vorhanden
94
Q

Bowlbys Bindungstheorie

A
Normative Bindungsentwicklung (Bowlby, 1969)
4 normative Phasen der Entwicklung selektiver Bindungen

1 - Vorphase - erste drei Monate
– Kontakt zu Bezugspersonen durch angeborene Signale (Greifen, Lächeln, Blickkontakt, Weinen)
 Reaktion beruhigt Säugling, ermutigt Bezugsperson in Nähe zu bleiben
– Säugling signalisiert Bedürfnisse noch nicht personenspezifisch

2- Beginnende Bindungen - ab drei Monaten
– Säugling agiert bei Bezugspersonen anders als bei Fremden (lächelt mehr, plappert, ist schneller zu beruhigen)
– Entwickelt Vertrauen, wenn Bezugsperson auf Signale reagiert
– Protestiert bei Trennung von Mutter noch nicht

3 - Eindeutige Bindung - 6 bis 24 Monate
– Baby wird unruhig, wenn Bezugsperson Raum verlässt
– Beginnt, sich bei emotionaler Belastung an spezifische Bindungspersonen zu wenden
– Explorieren Umwelt dann, wenn Bezugsperson sichere Ausgangsbasis bietet
– Fremdelt bei unbekannten Personen

4 - Reziproke Bindungen - ab 24 Monaten
– Phase der zielkorrigierten Partnerschaft
– Kinder verstehen Absichten von Bezugspersonen und Situationen besser + können Trennung besser verarbeiten
– Bindungsverhalten wird seltener ausgelöst
– Vorübergehende Nichtverfügbarkeit wird nicht als Verlassen werden interpretiert

95
Q

Stufenmodell der Entwicklung von Freundschaftskonzepten von Selman

A

Stufe 0 - ca. 3 - 8 Jahre
Freundschaft als momentane, spielbezogene Interaktion (Freund ist der, mit dem man gerade spielt)

Stufe 1 - ca. 5 - 9 Jahre
Einseitige Hilfeleistung (Freund ist derjenige, der mir hilft)

Stufe 2 - ca. 7 - 12 Jahre
„Schönwetterkooperation“ (Freundschaft als wechselseitig unterstützende, aber leicht brüchige Beziehung)

Stufe 3 - ca. 10 - 15 Jahre
Emotional enge und gegenseitig gestützte Beziehung, die auch kleineren Konflikten standhält + Gewisse Überbetonung der Enge der Beziehung

Stufe 4 - ab ca. 12 Jahren
Autonome, interdependente Freundschaft (enge Freunde als Quelle von Unterstützung und Teil der eigenen Identität + Akzeptanz von Eigenarten des Freundes, die eigenen Wünschen widersprechen können)

96
Q

Entwicklung des Verständnisses von Spielregeln (laut Piaget)

A

 bis 2 Jahre: kein Bewusstsein für feste soziale Regeln (Bewusstsein für Moral, aber noch kein kognitives Bewusstsein für Moral)
 bis 4. Lebensjahr: kein Empfinden von sozialer Verpflichtung zur Einhaltung von Regeln
 4 bis 8 Jahre: Regeln sind bekannt, Kinder halten sie für absolut gültig, unantastbar und von Autoritäten aufgestellt
 ab ca. 9. Lebensjahr: Regeln als Ergebnis wechselseitiger Übereinkunft, können bei Bedarf neu ausgehandelt werden

97
Q

Piagets Stufenmodell des moralischen Urteilens

A
1.	vormoralische Stufe
	bis ca. 4-5 Jahre
	noch kein Regel- und Normbewusstsein
2.	Stufe der heteronomen Moral
	ab 4-5 Jahre bis ca. 7-8 Jahre
3.	Stufe der autonomen Moral
	etwa ab 11 Jahren
98
Q

Merkmale der heteronomen und autonomen Moral

A

Heteronome (fremdbestimmte) Moral:
– Normen und Regeln sind etwas Absolutes
– Regeln und Normen sind nicht veränderbar
– Regeln wurden von Autoritäten aufgestellt (Erwachsenen, Gott etc.)
– Beurteilung des Verhaltens anhand der Handlungsfolgen unabhängig von Handlungsabsicht (objektive Verantwortlichkeit)
– Akzeptanz aller Belohnungen, Bestrafungen und Verteilungen von Gütern durch Autoritäten
– Vertreten einer Sühnestrafe ohne Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit der Strafe
– Bevorzugung einer Strafe durch Autoritäten

Autonome (selbstbestimmte) Moral
– Normen und Regeln sind relativ (Berücksichtigen unterschiedlicher Standpunkte)
– Regeln können einvernehmlich verändert werden
– Man selbst nimmt Teil am Aufstellen von Regeln und Normen
– Beurteilung des Verhaltens anhand der Absicht (subjektive Verantwortlichkeit)
– Belohnungen, Bestrafungen und Verteilungen von Gütern sollen gerecht sein
– Strafe im Sinne der Wiedergutmachung, die einen inneren Zusammenhang zur Tat aufweist
– Bevorzugung der Bestrafung durch das Opfer der Verfehlung selbst

99
Q

Kritik an Piagets Stufenmodell des moralischen Urteilens

A
  1. Zeitpunkt des Übergangs von heteronomen zu autonomen Moral variiert in Abhängigkeit von sozialen Bedingungen und Konventionen sowie moralischen Normen
     Anfang des 3. Lebensjahrs: Kinder halten moralische Verstöße eher für schlecht als Verstöße gegen soziale Konventionen
     Wird nach Verständnis von Recht und Gesetz gefragt, trat Übergang in einzelnen Studien deutlich später auf als von Piaget vermutet
     Allerdings sind diese Studien methodisch umstritten und inzwischen auch veraltet
  2. Auffassung, dass jüngere Kinder nur Folgen und ältere Kinder nur Absichten der Handlung bewerten würden ist falsch
     bei Piaget: immer gute Absicht + großer Schaden, schlechte Absicht + geringer Schaden
     liegen andere Kombinationen vor, können 4- bis 6-Jährige schon zwischen guten und schlechten Absichten unterscheiden
     bei Piaget: zuerst Information über Absicht, dann über Folgen
     Vertauscht man Reihenfolge, werden Absichten früher berücksichtigt
     weitere Aspekte müssen bei Einschätzung der Handlungen beachtet werden
     z.B.: waren Konsequenzen vorhersehbar?
  3. Bestimmte moralrelevante Themen wurden von Piaget nicht untersucht
     keine Untersuchung von Urteilen darüber, wie sich Menschen in moralisch relevanten Situationen verhalten sollten,
     z. B.: Sollte man in bestimmten Situation anderen Menschen helfen oder nicht
  4. Keine Berücksichtigung der weiteren Entwicklung des moralischen Urteils im Jugend- und Erwachsenenalter
100
Q

Was sind die allgemeinen Annahmen der Moraltheorie Kohlbergs?

A

– Moralische Entwicklung ist dadurch gekennzeichnet, dass
 sich Perspektive erweitert, weg von einer egozentrischen Sichtweise hin zur Berücksichtigung der Ansprüche anderer Mitglieder der sozialen Gemeinschaft
 moralische Selbstbestimmung zunimmt, indem Regeln und Normen immer kompetenter hinterfragt werden und
 bessere Begründung der Regeln und Normen erfolgt (weg von drohenden Strafen bei Normverstößen hin zu abstrakten Begründungen)
– Gerechtigkeit ist zentrale Prinzip der Moral (s. Kant)

101
Q

Kohlbergs Stufentheorie der moralischen Entwicklung

A

Niveau I:
Präkonventionelle Moral

Stufe 1:
Orientierung an Gehorsam und Strafe (heteronome Moral)

Stufe 2:
Instrumentell- relativistische Orientierung

Niveau II:
Konventionelle Moral

Stufe 3:
Orientierung an moralischen Erwartungen nahestehender Personen

Stufe 4:
Orientierung an Gesetz und Ordnung

Niveau III:
Postkonventionelle Moral

Stufe 5:
Orientierung am Gesellschaftsvertrag und den individuellen Rechten

Stufe 6:
Orientierung an universellen ethischen Prinzipien

102
Q

Einflüsse auf die moralische Entwicklung

A

– Kognitiver Entwicklungsstand
 Piaget: allgemeine kognitive Entwicklung ist bedeutsam für Entwicklung des moralischen Urteilsvermögens
 Kohlberg: Fähigkeit zur Perspektivübernahme ist bedeutsam
– Geschlecht
 Frauen sind etwas fürsorgeorientierter als Männer
 Frauen haben höhere Motivation, sich moralisch zu verhalten
– Sozioökonomischer Status
 positiver Zusammenhang mit moralischer Urteilsfähigkeit
 auch bei statistischer Kontrolle für Intelligenz signifikant
– Elternverhalten und Eltern-Kind-Beziehung
 Freud: Beziehung zu Eltern wichtig für Entwicklung von Über-Ich oder Gewissen
 Aktuell: Familie als die primäre Instanz der moralischen Sozialisation
 elterliches Erziehungsverhalten
 allgemeine Qualität der Eltern-Kind-Beziehung
 induktiver (erklärender) Erziehungsstil ist förderlich
 höhere elterliche Responsivität (innere Zustände des Kindes erkennen und darauf angemessen eingehen) ist förderlich
– Peerbeziehungen
 Piaget: Symmetrie in Peerbeziehungen –> es ist leichter, sich in andere hineinzuversetzen
 höheres Ausmaß an argumentativen Herausforderungen in Gesprächen mit Freunden ist förderlich
 Unterstützendes Verhalten des Freundes sagte bei der Diskussion realer Konflikte günstige moralische Entwicklung vorher