Vorlesung 3 Flashcards
Welchen Ursprung hat das deutsche Bildungssystem und wodurch zeichnet es sich aus?
Ursprünge in der griechischen Polis
- Frühformen institutioneller Bildung (gymnasion und akademie)
- Wie der Mensch zu seiner Bestimmung komme und
worin diese Bestimmung besteht
Zudem finden sich Dichotomisierungen, die bis heute wirksam sind:
- einfaches Lernen vs. ethisch wertvolle Bildungsprozesse - Ausbildung vs. Menschenbildung
Definiere die erste Ausdifferenzierung im Hoch und Spätmittelalter!
- zunehmende Urbanisierung
- eine Folge ist die Entstehung von Stadtschulen (Realschulen)
- zudem entstehen die ersten Universitäten, mit den Fakultäten Theologie,
Jura und Medizin = höhere Fakultäten (zu denen eine Zugangsvoraussetzung benötigt wird!!) - Bologna 1119
- Paris 1150
- Oxford 1163
- Cambridge 1229
- Prag 1348
- Wien 1365
- Heidelberg 1386
- Jena 1548 hohe Schule/1558 Rechte der Universität
- Vorbereitung sind wieder die septem artes liberalis (Artistenfakultät, die mit baccalarius oder magister endet)
- Differenzierte Schulformen höherer Bildung:
- Stiftsschule
- Artistenfakultät
- Stadtschule (Realschule), erste zurückhaltende Säkularisierung
Was waren die Aufgaben der Gelehrtenschulen, Gymnasien oder Latainschulen?
- Nachwuchs für Kirche und Staat
- Vorbereitung auf das Studium
- Dabei können auch sozial Schwache berücksichtigt werden, weil Schulen über eigene Einkünfte verfügen oder aber Stipendien vergeben werden (gewisse soziale Offenheit)
- Einheitlichkeit im Curriculum
- Latein (Trivium= Rhetorik, Dialektik, Grammatik)
- Wenig Griechisch und Mathematik
- Ziel: „Festigkeit in der Gelehrtensprache und im Bekenntnis“
Wie lautet die Schulordnung von 1469 in Pistoia, Italien?
„Man wähle einen ehrenwerten und gelehrten Grammatiklehrer aus, der die Grammatik lehren, die Autoren in Versen und in Prosa lesen und all das tun kann, was man von einem guten Lehrer erwartet. […] er soll täglich Schule halten und öffentlich jeden unterweisen, der kommt, um zu lernen, sei es ein Einwohner von Pistoia oder nicht.“
Wie lautet die Bilanz für Höhere Schulen in Deutschland zwischen Reformation und 18. Jahrhundert?
- Hohe institutionelle und curriculare Kontinuität der althumanistisch-protestantischen Lateinschule
- Zunehmende Arbeitsteilung zwischen höherer Schule und Universität, Schulbesuch vor dem Studium wird die Regel!
- aber noch keine Zugangsregelung!
- Curriculare Modernitätskrise
- Infrastruktur- und Qualitätskrise
- Funktionskrise (Gelehrten und Stadtschule)
–> Eine Bildungsreform erscheint unumgänglich
Wie gestaltete sich die Schulentwicklung und Bildungspolitik – bis 1806 „Einführung des Abiturs I“ ?
- 1787 Denkschrift des preuß. Justizministers von Zedlitz zur Schulreform
- Neuordnung des gesamten Schulwesens mit dreigliedrigem/dreistufigen Aufbau: Bauern-, Bürger- und Gelehrtenschulen
- Institutionelle Trennung von gelehrten und bürgerlicher Bildung
- Aufbau einer zentralen Schulbehörde
- Gründung des Oberschulkollegiums (OSK) als oberste Schulverwaltungsbehörde mit folgenden Aufgaben
- Bestandsaufnahme zur Schulsituation (miserable Situation in allen relevanten Bereichen, Inhalt, Gebäude, Abschlüsse, Bezahlung
- Prüfungen (Lehrer)
- Maßnahmen zur Schulreform
Wie gestaltete sich die Schulentwicklung und Bildungspolitik – Etablierung des Abiturs bis 1834?
- 1788 Erstes preußisches Maturitätsprüfungsedikt (Selektion innerhalb der bisherigen Lateinschulen, welche Schule darf prüfen?)
- 1794 Allgemeines Preußisches Landrecht übernimmt die bisherigen Regelungen (Flächendeckende Einführung)
- 1812 Edikt zur Neuregelung der Abiturientenprüfung mit immer noch eingeschränkter Verbindlichkeit
- Ab 1813 verbindliche Bezeichnung „Gymnasium“
- 1834 Dritte Abiturientenprüfungsordnung in Preußen: Durchsetzung der Verbindlichkeit der Abiturprüfung für den Hochschulzugang für alle Studienbewerber
- 1837 Durchsetzung des einheitlichen Curriculums
- Lehrerausbildung für höhere Schulen wird ebenfalls geregelt
Was sind die drei Schwerpunkte der preußischen Bildungsreform?
- Neuorganisation der preußischen Schulverwaltung
- Zentralebene: 1817 Preuß. Kultusministerium (Vorläufer Sektion für Kultus und Unterricht, erster Leiter Wilhelm von Humboldt, Feb. 1809-Jun. 1810)
- Mittlere Ebene: Schaffung von Schulbehörden bei den Provinzen und Regierungen
- Lokale Ebene: Einrichtung von Schulbehörden bei Städten und auf dem Land
Was waren die grundlegenden pädagogischen und bildungspolitischen Zielvorstellungen der preußischen Bildungsreform I?
- Eine für alle gemeinsame Schulbildung („allgemeine Menschenbildung“): Modell einer Stufen-Einheitsschule (Humboldts Königsberger und litauischer Schulplan)
- Elementarunterricht (Bedingungen des Lernens erlernen) - Schulunterricht (Lernen und Lernen lernen)
- Universitätsunterricht (forschend lernen)
- Erziehungsziel: individuelle Entfaltung aller im Menschen angelegten Fähigkeiten („geistige und sittliche Kräfte“): Verknüpfung von individueller und formaler Bildung
Was waren bei Ausbau und Normierung – zentrale Schritte?
- Jahrgangsklassen
- Aufnahme- und Versetzungsregelungen werden
vereinheitlicht - Hierarchie von Lehrkräften festgelegt und mit Besoldungsordnungen untermauert
- Ferienzeiten reguliert
- Aufgaben von Direktoren und Schulkonferenz definiert
- Berichtspflicht der Schule bestimmt (Schulprogramm!)
Beschreibe das Erziehungssystem der Gesellschaft!
Eine soziologische Perspektive (Luhmann, 2002)
- Die soeben beschriebene Herausbildung eines gesellschaftlichen Funktionsbereichs (Erziehung) wird als Prozess der Ausdifferenzierung der Gesellschaft begriffen.
- Teilsysteme sind autopoietisch, operativ geschlossen
- Kommunikation im System schließt nur an eigene Kommunikation, die
spezifisch codiert ist, an - Code des Erziehungssystems jedoch unklar
- Primärcode: vermittelbar-nicht vermittelbar
- Zweitcodierung: besser, schlechter (Luhmann, 2002, 73)
In dieser Beschreibung zeigt sich eine der wesentlichen Antinomien des organisierten Schulsystems: Selektion vs. Pädagogische
Hilfestellung für die Bildung der nachwachsenden Generation. Zeugnisse, Noten, Versetzungsregeln, etc. sind Formen organisierter Lebenslaufverwaltung und werden erst ex post legitimationsbedürftig.
Beschreibe das Erziehungssystem der Gesellschaft!
Eine soziologische Perspektive (Luhmann, 2002) II
- Profession (Werte, Handlungsmuster, Deutungsmuster, spezifische Wissensbestände) und Organisation (Schule, Stundenplan, Schulprogramm)
- Zentralsymbol der Kommunikation: „Etwas für den Lebenslauf Brauchbares zu vermitteln“
- Respezifikationsprozesse (Programme, Erziehungsstile und – Denkrichtungen
- Die Frage ist nun: In welchem Verhältnis steht Profession zu Organisation und wie hat sich dieses Verhältnis geändert.
- Interaktion (Unterricht) und Organisation
- Technologiedefizit
- Ihre Verhältnisbestimmung bleibt unklar und wird in Form von
Prozessen der inneren Schulentwicklung bearbeitet.
Übertragen sie dies auf ihr Studium, was ist geregelt was nicht?
Theorie der Schule und Neue Theorie der Schule Soziologische und kulturtheoretische Vorschläge von (Fend, 1980, 2006, 51)

Wie ist der Kreislauf der Steuerung im Bildungssystem?

Was ist das Boundary spanning durch Schulleitung?

Was sind die Bedingungen schulischer Leistungen – Allgemeines Rahmenmodell (PISA 2000)?
Wie stellt sich das Mehrebenentheoretisch erweitertes Angebot-Nutzungs- Modell (Fend 2008: 22) dar?
Erkläre das Modell zur Analyse von Steuerungsversuchen im schulischen Feld (Berkemeyer, 2010)!

Nenne weitere Perspektiven auf das Schulsystem!
- Educational Governance (Altrichter, Brüsemeister, Wissinger)
- Akteurkonstellationen
- Handlungskoordination
- Feldtheorie (Bourdieu)
- Schule als Machtfeld
- Akteure mit unterschiedlichen Kapitalstrukturen
- Schule und Reflexive Modernisierung (Beck und Giddens)
- Nebenfolgen und Risiken von Modernisierung
- Schulreform als Risikomanagement
Was bedeutet Schule als Mehrebenensystem – Educational Governance
?
(siehe Handbuch Neue Steuerung im Schulsystem)
- Profession (Werte, Handlungsmuster, Deutungsmuster, spezifische Wissensbestände) und Organisation (Schule, Stundenplan, Schulprogramm)
- Zentralsymbol der Kommunikation: „Etwas für den Lebenslauf Brauchbares zu vermitteln“
- Respezifikationsprozesse (Programme, Erziehungsstile und – Denkrichtungen
- Die Frage ist nun: In welchem Verhältnis steht Profession zu Organisation und wie hat sich dieses Verhältnis geändert.
- Interaktion (Unterricht) und Organisation
- Technologiedefizit
- Ihre Verhältnisbestimmung bleibt unklar und wird in Form von Prozessen der inneren Schulentwicklung bearbeitet.
Übertragen sie dies auf ihr Studium, was ist geregelt was nicht?