Bronchialkarzinom Flashcards
Fall
Husten und Hämoptysen
Anamnese
Ein 61-jähriger Postbote klagt über produktiven Husten mit bräunlichem Auswurf, der sich seit 2 Monaten hartnäckig halte, sowie über eine neu aufgetretene, belastungsabhängige Atemnot, v. a. beim Treppensteigen. Außerdem habe er an Gewicht verloren. Wie viel wisse er nicht, aber mehrere Bekannte hätten ihn bereits darauf angesprochen. Gestern seien ihm Blutfäden im Sputum aufgefallen, die ihn so sehr beunruhigten, dass er umgehend einen Termin in Ihrer Praxis vereinbarte.
Dem Patienten wurde vor 8 Jahren die Gallenblase entfernt. Ansonsten sei er immer kerngesund gewesen. Er gibt an, seit seinem 16. Lebensjahr täglich ein Päckchen Zigaretten zu rauchen. Alkohol trinke er selten. Bei der körperlichen Untersuchung finden Sie, abgesehen von einem leicht reduzierten EZ und AZ, keine Auffälligkeiten. Sie nehmen dem Patienten Blut ab, schreiben ein EKG und lassen ein Röntgenbild des Thorax anfertigen. Während die Laborbefunde und das EKG unauffällig sind,
Welche Verdachtsdiagnose stellen Sie? Welche Differenzialdiagnosen kommen infrage?
Die Symptome Husten, Belastungsdyspnoe, Hämoptysen (blutig tingierter Auswurf) und Gewichtsabnahme in Kombination mit der Raucheranamnese sprechen für ein Bronchialkarzinom.
Raumforderungen der Lunge (z. B. Chondrom, Neurinom, Fibrom), Lungenmetastasen eines extrapulmonalen Malignoms, Granulomatose mit Polyangiitis sowie ein pulmorenales Syndrom (z. B. Goodpasture-Syndrom).
Symptome
Meist treten Symptome erst in fortgeschrittenem Tumorstadium auf.
- B-Symptomatik
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Typische Symptome
- Chronischer Husten oder rezidivierende Erkältungskrankheiten mit kurzer Anamnese sind bei Patienten ≥40 Jahre immer karzinomverdächtig
- Hämoptysen, Dyspnoe
- Bei chronischer Hypoxie: Uhrglasnägel und Trommelschlägelfinger , Kachexie
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Verdrängungsbedingte Beschwerden
- Dysphagie bei Kompression des Ösophagus
- Heiserkeit
- Obere Einflussstauung
Merke
Das Bronchialkarzinom ist die häufigste Krebstodesursache bei Männern und die zweithäufigste bei Frauen (nach Brustkrebs). Es wird meist in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert, da es keine Frühsymptome verursacht. Jeder Husten, der länger als 4–6 Wochen andauert, sollte unverzüglich abgeklärt werden, ebenso ein veränderter Hustencharakter bei Patienten mit chronischem Husten, z. B. bei COPD. Die Inzidenzrate bei Männern ist rückläufig, bei Frauen nimmt sie derzeit zu.