Vorlesung 6: 3.2 Parlament Flashcards
Kommentar zu den eidg. Wahlen

Frauenanteil im Nationalrat gestiegen:
- 2015: 32.0%
- 2019: 42.0%

3.2 Parlament
- Stellung des Parlaments im politischen System
- Organisation des Parlaments
- Das Parlament als Forum der Nation
3.2.1 Stellung des Parlaments im politischen System
- Oberste Gewalt des Bundes
- Aufgaben und Funktionen des Parlaments:
- Keine Unterstellung unter Verfassungsgerichtsbarkeit:
- Vorstossrecht der Parlamentsmitglieder

3.2.1 Stellung des Parlaments im politischen System
Oberste Gewalt des Bundes
Art. 148 Abs. 1 BV: «Die Bundesversammlung übt unter Vorbehalt der Rechte von Volk und Ständen die oberste Gewalt im Bund aus.»
3.2.1 Stellung des Parlaments im politischen System
Aufgaben und Funktionen des Parlaments
- Wahlbehörde der wichtigsten Bundesbehörden: Bundesrat, Bundeskanzler/in, Richter/innen des Bundesgerichts, General (Art. 168 BV)
- Verfassung- und Gesetzgebung (Art. 163 BV)
- Budget und Rechnung (Art. 101 BV)
- Kontrolle und Oberaufsicht (Art. 169 BV): GPK (PVK), PUK
3.2.1 Stellung des Parlaments im politischen System
Keine Unterstellung unter Verfassungsgerichtsbarkeit
Art. 190 BV: «Bundesgesetze und Völkerrecht sind für das Bundesgericht und die anderen rechtsanwendenden Behördenmassgebend.»
3.2.1 Stellung des Parlaments im politischen System
Vorstossrecht der Parlamentsmitglieder
- Parlamentarische Initiative: ausgearbeitetes Gesetz
- Motion: Bundesrat muss Massnahme treffen
- Postulat: Bundesrat muss Bericht erstatten
- Interpellation: Bundesrat muss Antwort geben
- Anfrage: Bundesrat verfasst schriftliche Antwort
Parlamentarische Initiative
ausgearbeitetes Gesetz
Motion
Bundesrat muss Massnahme treffen
Postulat
Bundesrat muss Bericht erstatten
Interpellation
Bundesrat muss Antwort geben
Anfrage
Bundesrat verfasst schriftliche Antwort
3.2.2 Organisation des Parlaments
- Zweikammersystem
- Vorberatende Kommission: NR 12, SR 11
- Fraktionen
3.2.2 Organisation des Parlaments
Zweikammersystem
-
Art. 148 Abs. 2 BV: «Die Bundesversammlung besteht aus zwei Kammern, dem Nationalrat und dem Ständerat; beide Kammern sind einander gleichgestellt.»
-
Nationalrat:
«200 Abgeordnete des Volkes» (Art. 149 Abs. 1 BV) -
Ständerat:
«46 Abgeordnete der Kantone» (Art 150 Abs. 1 BV) -
Parlamentsbeschlüsse müssen von beiden Räten in identischer Fassung Zustimmung finden.
- Differenzbereinigungsverfahren - > 5.2
- Beide Kammern tagen i.d.R. getrennt, ausnahmsweise gemeinsam:
«Vereinigte Bundesversammlung» (Art. 157 BV)
-
Nationalrat:
3.2.2 Organisation des Parlaments
Vorberatende Kommissionen: NR 12, SR 11
- Seit 1992 9 ständige Sachbereichs-Kommissionen in beiden Räten
- 2 ständige Aufsichtskommissionen in beiden Räten
- Weitere Kommission im NR: Immunitätskom. (IK-N)
- Nicht-ständige Kommissionen
- Gemeinsame Kommissionen
- Besetzung der Kommissionen
- Wichtig für autonome Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit des Parlaments (Lüthi 1997)
3.2.2 Organisation des Parlaments
Vorberatende Kommissionen: NR 12, SR 11:
Seit 1992 9 ständige Sachbereichs-Kommissionen in beiden Räten
- Aussenpolitische Kom. (AP),
- Kom für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF),
- Kom. für Rechtsfragen (RK),
- Kom. für Soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK),
- Sicherheitspolitische Kom. (SiK),
- Staatspolitische Kom. (SPK),
- Kom. für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK),
- Kom. für Wirtschaft und Abgaben (WAK),
- Kom. für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK).
3.2.2 Organisation des Parlaments
Vorberatende Kommissionen: NR 12, SR 11:
2 ständige Aufsichtskommissionen in beiden Räten
- Finanzkommission (FK),
- Geschäftsprüfungskommission (GPK)
3.2.2 Organisation des Parlaments
Vorberatende Kommissionen: NR 12, SR 11:
Weitere Kommission im NR:
Immunitätskom. (IK-N)
3.2.2 Organisation des Parlaments
Vorberatende Kommissionen: NR 12, SR 11:
Nicht-ständige Kommissionen
- Parlamentarische Untersuchungs-Kommission (PUK),
- Legislaturplanungskommission (LPK)
3.2.2 Organisation des Parlaments
Vorberatende Kommissionen: NR 12, SR 11:
Gemeinsame Kommissionen
- Redaktionskom. (RedK),
- Begnadigungskom. (BeK),
- Gerichtskom. (GK),
- Delegationen für int. Beziehungen
3.2.2 Organisation des Parlaments
Vorberatende Kommissionen: NR 12, SR 11:
Besetzung der Kommissionen
- Nationalrat: 25 Mitglieder
- Ständerat: 13 Mitglieder
- Wahlvorschläge der Fraktionen, Sitzzuteilung proportional zur Fraktionsstärke
3.2.2 Organisation des Parlaments
Fraktionen
- Mindestens fünf Mitglieder eines Rates
- Wichtige Rolle bei Vorberatung der Geschäfte
-
Fraktionsdisziplin
- Insgesamt relativ niedrig
- Linke Parteien stimmen geschlossener, FDP und CVP weniger
- Zunahme der Fraktionsdisziplin im Zeitverlauf (Parteienwettbewerb)

3.2 Parlament
Repräsentation
- Substantiell: der politische Wille der Wahlberechtigten soll angemessen vertreten sein
-
Deskriptiv: das Parlament soll relevante sozio-demographische Merkmale der Wahlberechtigen angemessen abbilden
- Geschlecht
- Alter
- Sozio-professionelle Kategorien (‘Schicht’)
3.2.3 Deskriptive Repräsentation 1: Geschlecht
Einführung Frauenwahlrecht (nationale Ebene):
- Finnland 1906; Norwegen 1913, Dänemark 1918, Niederlande 1919; Deutschland 1919; UK 1928; Frankreich 1946; Italien 1946; Schweiz 1971

3.2.3 Deskriptive Repräsentation 2: Bildung / Beruf


3.2.3 Deskriptive Repräsentation 3: das Milizparlament
Milizprinzip: «Leben für die Politik vs Leben von der Politik» (Max Weber)
-
Parlamentarische Immunität:
- Art. 162 BV: Schützt Redefreiheit im Parlament
- Art. 16 ParlG: «Absolute Immunität»
-
Art. 17 ParlG: «Relative Immunität»
-
Mitglieder der eidg. Räte bekommen eine Entschädigung (VPRG)
- Fixum für Vorbereitungsarbeiten und Personalausgaben
- Sitzungsgelder
- Spesen
- Total
- Mitglied des Nationalrats im Durchschnitt: 138’000 CHF p.a.
- Mitglied des Ständerats im Durchschnitt: 155’500 CHF p.a.
Quelle: Bütikofer (2015)
3.2.3 Deskriptive Reüräsentation 3: das Milizsystem

- Zeitaufwand für ein Parlamentsmandat hat zugenommen
Bütikofer (2015): Das Milizparlament ist eine Fiktion!
- Zeitaufwand gestiegen, Parlamentarierarbeit ist komplexer geworden
- Seit den 1970er Jahren: individuelle Professionalisierung aber keine institutionelle Professionalisierung
- Problem der Interessenbindungen!

3.2.4 Die Interessensbindungen
- Pflicht zur Offenlegung gemäss Art. 11 ParlG:
-
Interessenbindungen pro Parlamentsmitglied (BR-Parteien):
- CVP: 7.7,
- FDP: 12.0,
- SP: 5.9,
- SVP: 7.0 (Schwarz 2009)
-
Einfluss der Interessenbindungen auf Abstimmungsverhalten der Parlamentsmitglieder?
- Lüthi et al. (1991): hohe Geschlossenheit unter den Mitgliedern von acht Kategorien verschiedener Interessengruppen.
- Schwarz & Linder (2006): Fälle von höherer Bindung an Interessengruppen besonders bei Landwirtschaft (CVP 37%, SVP 21%), Gewerbe (CVP 37%, FDP 15%, SVP 21%), Arbeitgebern (FDP 27%) und Gewerkschaften (SP 14%).
= > Doppelte Loyalität gegenüber Fraktion und Interessengruppen