Nervengewebe Flashcards
Bestandteile des Nervengewebes
- Nervenzellen (Perikaryon, Neurit, Dendriten)
- Gliazellen
- (gefäßführendes Bindegewebe)
Funktionen des Nervengewebes
- Reizaufnahme aus Körper und Umwelt
- Erregungsbildung und -leitung
- Informationsverarbeitung und -speicherung
- Hormonproduktion
Gliederung des Nervengewebes
- zentrales Nervensystem: Gehirn und Rückenmark
- peripheres Nervensystem: 2x31 Spinalnerven, 12 Hirnnerven, Ganglien
Bestandteile Perikaryon
- Zellkern
- Nucleolus
- Nissl-Schollen
- Sekretgranula
- Zytoskelett
- Pigmente
Zellkern des Nervengewebes
rund, chromatinarm
Nucleolus des Nervengewebes
groß, deutlich sichtbar
Nissl-Schollen des Nervengewebes
raues ER; können mit Methylenblau sichtbar
gemacht werden
Sekretgranula des Nervengewebes
Neurotransmitter, Hormone
Zytoskelett des Nervengewebes
- Neurofibrillen (Aktinfilamente): Membranskelett, Darstellung im Lichtmikroskop durch Silberimprägnation
- Neurofilamente (Intermediärfilamente): Stabilisierung, Formanpassung
- Neurotubuli (Mikrotubuli): Transportschienen
Pigmente des Nervengewebes
Melanin (z.B. Substantia nigra im Mittelhirn), Lipofuszin
Aufbau eines Axons
- variabler Durchmesser zwischen 0,1 und 22 μm, Länge bis zu 1m
- Ursprung am Axonhügel
- Umhüllung von Axolemm und evtl. von Myelinscheide
- innere Bestandteile: Axoplasma, Neurotubuli, Transportvesikel
- baumartige Endaufzweigung: Telodendron -> Bildung von Synapsen
Arten des axonalen Transports
- anterograd
- retrograd
anterograder Transport
Perikaryon -> Peripherie
- Transport von Neurotransmittern
- Beteiligung von Kinesin
retrograder Transport
Peripherie -> Perikaryon
- Transport von Wachstumsfaktoren (NGF = Nerve Growth Factor) und „Müll“
- Beteiligung von Dynein
- Aufnahme von Herpesviren oder Tollwutviren -> Ausbruch von Krankheiten
Aufbau von Dendriten
- relativ kurz im Vergleich zum Axon
- breiter Ursprung am Perikaryon, gleicher Bau wie
Zellkörper (mit Zellorganellen), wird in Peripherie schmäler - keine Myelinscheide
- mehrfache Verzweigung, an Oberfläche befinden sich Fortsätze (Dornen)
Gliederung der Nervenzellen nach Fortsätzen
- unipolar
- bipolar
- pseudounipolar
- multipolar
unipolare Nervenzellen
1 Neurit, keine Dendriten
- Netzhaut (Stäbchen und Zapfen)
bipolare Nervenzellen
1 Neurit, 1 Dendrit
- Netzhaut, Innenohr
pseudounipolare Nervenzellen
1 Neurit, 1 Dendrit mit T-förmiger Aufzweigung -> Information durchläuft aber das Perikaryon nicht
- Spinalganglien
multipolare Nervenzellen
1 Neurit, mehrere Dendriten
- Motoneurone, Purkinje-Zellen des Kleinhirns, Pyramidenzellen der Großhirnrinde
Gliederung der Nervenzellen nach Funktion
- afferent
- efferent
- Interneurone
afferente Neurone
Weiterleitung von Informationen aus der Peripherie zum ZNS
- sensorisch: Erregung in Sinnesorganen (Auge, Ohr, Nase, Zunge)
- sensibel: Erregung in Eingeweiden und Haut
efferente Neurone
Weiterleitung von Informationen aus dem ZNS in die Peripherie
- viszeromotorisch: Erregung zu den Eingeweiden
- somatomotorisch: Erregung zur Skelettmuskulatur (= Motoneurone)
Interneurone
Verschaltung von Neuronen
Bildung der Myelinscheide
- zentrales Nervensystem: Oligodendrozyten
(Unterschied: können an mehreren Axonen gleichzeitig eine Myelinscheide bilden, Schwann-Zellen nur an einem Axon) - peripheres Nervensystem: Schwann-Zellen
markhaltige Nervenfasern
Umhüllung eines Axons von vielen hintereinander gelegenen Gliazellen, die eine Myelinscheide bilden
- Unterbrechung durch Ranvier’sche Schnürringe
- Vorkommen im ZNS und PNS
marklose Nervenfasern
Umhüllung mehrerer Axone von nur einer Gliazelle; kontinuierlich ohne Nodien
- kontinuierliche Erregungsleitung ohne Ranvier’sche Schnürringe
- Vorkommen nur im PNS
markfreie Nervenfasern
Vorkommen in freien Nervenendigungen
Aufbau des Myelins
aus dünnen Lamellen
- 75% Glykolipide
- 20% Proteine, z.B. MBP (myelin basic protein)
Ranvier’sche Schnürringe
- saltatorische Erregungsleitung = sprunghafte Fortleitung der Erregung von einem Schnürring zum nächsten
- Internordium = Abstand zwischen 2 Schnürringen
klinischer Bezug der Myelinscheiden
Multiple Sklerose (MS) - Zerstörung des Myelins durch körpereigenes Immunsystem
Definition Synapsen
= Schaltstellen zwischen 2 Neuronen oder zwischen Neuron und anderen Zellen (z.B. motorische Endplatte mit Muskelzellen)
Arten von Synapsen
- elektrisch
- chemisch
elektrische Synapse
- Verbindung über Gap Junctions
- eher selten im menschlichen Organismus (z.B. Kleinhirnrinde oder Netzhaut)
chemische Synapse
- axosomatisch: Axon – Perikaryon
- axodendritisch: Axon – Dendrit
- axo-axonal: Axon – Axon
Einteilung chemischer Synapsen nach Neurotransmittern
- cholinerge
- aminerge
- peptiderge
- Synapsen mit Aminosäure(abkömmlingen)
cholinerge Synapsen
Acetylcholin
aminerge Synapsen
Monoamine (Serotonin, Dopamin, Noradrenalin)
peptiderge Synapsen
Neuropeptide (Vasopressin, Substanz-P)
• Synapsen mit Aminosäure(abkömmlingen)
Glutamat, Aspartat, Glyzin, GABA
Einteilung chemischer Synapsen nach Wirkung
- erregende (exzitatorische) Wirkung
- hemmende (inhibitorische) Wirkung
erregende Neurotransmitter
Acetylcholin, Glutamat, Serotonin
hemmende Neurotransmitter
GABA, Glyzin
Einteilung der Gliazellen
PNS
- Schwann-Zellen
- Mantelzellen (Amphizyten, Satellitenzellen)
ZNS
- Oligodendrozyten
- Astrozyten
- Mikroglia (Hortega-Zellen, Mesoglia)
- Ependymzellen
Eigenschaften der Schwann-Zellen
- Funktion: Bildung von Myelinscheiden der peripheren Nerven
- Aufbau: ovaler, abgeflachter Zellkern; Intermediärfilamente aus GFAP (glial fibrillary acidid protein)
Eigenschaften der Mantelzellen
Funktion: Umhüllung der Perikaryen von Nervenzellen
(z.B. im Spinalganglion), Schutz- und Ernährungsfunktion
Eigenschaften der Oligodendrozyten
- Funktion: Bildung von Myelinscheiden im ZNS
- Aufbau: kleiner, runder, chromatinreicher Zellkern
Arten von Astrozyten
- fibrilläre Astrozyten/Faserastrozyten
- protoplasmatische Astrozyten
Eigenschaften der fibrillären Astrozyten
- in weißer Substanz des ZNS
- runder Zellkern
- lange, dünne Fortsätze in Kontakt mit Blutgefäßen
Eigenschaften der protoplasmatischen Astrozyten
- in grauer Substanz des ZNS
- großer, runder, chromatinarmer Zellkern
- kurze, dicke Fortsätze
- Funktion: Umhüllung der Perikaryen von Nervenzellen, Bildung der Blut-Hirn-Schranke zusammen mit Endothelzellen (= Membrana limitans gliae perivascularis), Bildung der Membrana limitans gliae superficialis an Oberfläche des Gehirns
Eigenschaften der Mikroglia
- kleine, verstreute Zellen im ZNS
- länglicher Zellkern
- Entstehung aus Monozyten (Teil des MPS) -> Fähigkeit zur Phagocytose
Eigenschaften der Ependymzellen
- kubische oder prismatische Zellen
- kleine, ovale, basale Zellkerne
- apikale Kinozilien zur Versetzung des Liquors in Bewegung
- Auskleidung von Hohlräumen im Gehirn (Ventrikel) und im Rückenmark (Zentralkanal)
graue Substanz im Rückenmark
schmetterlingsförmig
- Gliederung in Vorder-, Hinter- und Seitenhorn (Cornu)
- Verbindung von linker und rechter Seite durch Commissura grisea (darin eingelagert: Canalis centralis)
Definition graue Substanz
Ansammlung der Perikaryen von Nervenzellen
Definition weiße Substanz
Ansammlung von Nervenfortsätzen und Gliazellen
weiße Substanz im Rückenmark
Umgebung der grauen Substanz
- Gliederung in Vorder-, Hinter- und Seitenstrang (Funiculus), Bündelung in Leitungsbahnen (Tractus)
graue Substanz im Großhirn
Bildung des Cortex cerebri/cerebelli
- in Form von Kerngebieten (= Nuclei)
Definition Neuropil
dichtes Geflecht aus Nervenfasern und Glia zwischen den Perikaryen
Wo liegen graue bzw. weiße Substanz im Gehirn bzw. Rückenmark?
- Gehirn: weiß innen, grau außen
- Rückenmark: grau innen, weiß außen
Definition Ganglien
Ansammlung der Perikaryen von Nervenzellen, die in den Verlauf von peripheren Nerven oder Spinalganglien eingeschaltet sind
Eigenschaften der Spinalganglien
an dorsalen Wurzeln der Spinalnerven
- Radix posterior: Neurite von Spinalganglienzellen, die in das Rückenmark eintreten
- Radix anterior: Neurite von Spinalganglienzellen, die das Rückenmark verlassen
Eigenschaften der peripheren Nerven
bestehen aus Nervenfaserbündeln (marklos und markhaltige Nervenfasern)
- Perikaryen liegen im ZNS oder in Ganglien
- Zusammenhalt durch Bindegewebshüllen
Bindegewebshüllen der peripheren Nerven
- Endoneurium
- Perineurium
- Epineurium
Endoneurium
- Umhüllung einzelner Nervenfasern
- lockeres Bindegewebe mit retikulären Fasern
Perineurium
- Umhüllung eines Nervenfaserbündels
- Lamellen von epithelartig angeordneten Bindegewebszellen
- > kleiner peripherer Nerv (z.B. Zunge) besteht nur aus 1 Nervenfaserbündel
Epineurium
- Umhüllung mehrerer Nervenfaserbündel und Oberfläche des Nerven
- gefäßführendes Bindegewebe mit Fettzellen
Arten des Nervensystems (funktionell)
- somatisches (animalisches) Nervensystem
- vegetatives (autonomes) Nervensystem
Eigenschaften des somatischen Nervensystems
- bewusste Steuerung
- immer erregend
Funktionen des somatischen Nervensystems
- Bewegung
- Regulation äußerer Reize durch Verbindung mit zentralen Sinnesorganen
- Assoziationen (Sehen-Bedenken-Impuls)
Eigenschaften des vegetativen Nervensystems
- unbewusste Steuerung
- erregend oder hemmend
Funktionen des vegetativen Nervensystems
- Einstellung der inneren Homöostase
- Regulation der Eingeweide
- Regulation des Gefäßsystems
Bestandteile des vegetativen Nervensystems
- Sympathikus: Aktivitätssteigerungen (fight or flight)
- Parasympathikus: Ruhe- und Regenerationsphasen (rest or digest)
- enterisches Nervensystem: Regulation des Verdauungsprozesses (nur im Gastrointestinaltrakt zu finden)
Eigenschaften des enterischen Nervensystems
- besteht aus vielen einzelnen Plexus, die durch dichtmaschige Netzwerke miteinander verbunden sind
- 2 ganglienhaltige Plexus vom Ösophagus bis zum Rektum durchgehend vorhanden
- intrinsische und extrinsische Verbindungen
ganglienhafte Plexus des enterischen Nervensystems
- Plexus submucosus (in Tela submucosa): Umwandlung eines sensiblen Inputs der Schleimhaut in einen motorischen Reiz -> Weitergabe an Plexus myentericus
- Plexus myentericus (in Tunica muscularis): Peristaltik
intrinsische Verbindungen des enterischen Nervensystems
autonome, eigenständige Regelung der Tätigkeit unabhängig vom ZNS
-> eigener Integrationsapparat zur Steuerung
extrinsische Verbindungen des enterischen Nervensystems
- Beeinflussung der Tätigkeit durch Parasympathikus und Sympathikus
- Parasympathikus wirkt über N. vagus und N. pelvicus direkt auf Plexus myentericus
- Sympathikus: wirkt über prävertebtrale Ganglien direkt auf Plexus myentericus und Plexus submucosus