Epik Flashcards
discours-narratologisch
wie erzählt wird (z.B. Erzählkonstruktion, Konstitution der Erzählinstanz)
histoire-narratologisch
was erzählt wird (z.B. erzählerische Muster/Schemata - Episoden?; Stoffe, Motive, ect.)
Krimi
Dicours und Histoire passt nicht zusammen, da man schon weiß wie es endet und rückgearbeitet wird (z.B. Spiegelgeschichte)
Was ist und was leistet Erzählen?
− Vermittlung von Erfahrungen
− Erinnerung (Autobiographien z. B. „Die weiße Masai“)
− Vergegenwärtigung
− Wissensspeicher, Archiv, Überlieferung
− ‚Welt‘ ordnen (z. B. Kulturelles Einordnen durch Mythologie)
− Identitätskonstruktion, Gruppenbildung (Werther-Effekt: Menschen verkleideten sich als Werther und begangen Suizid)
− Sinnstiftung (Ereignisse können in größere Zusammenhänge eingeordnet werden, die diesem Sinn geben)
→ ‚Modebegriff‘ Narrativ für jegliche konzise sinnstiftende Erzählung oder für ordnende, ggf. auch legitimierende Deutungsmuster (z.B. „Aschenputtel-Effekt/Rags-to-Riches“ Steve Jobs, der in einer Garage beginnt; Rapper brauchen Origin-Story (Narrativ)
Wer erzählt?
− Autor ≠ Erzähler
− Begriffsoptionen
o Erzähler / Erzählerfigur
o Erzählinstanz, Vermittlungsinstanz
− „Geschöpf“, Konstrukt des Autors/der Autorin – der Autor bzw. die Autorin lässt den Erzähler die fiktive Welt auf bestimmte Weise sehen und vermitteln
− Erzähler/Erzähl-/Vermittlungsinstanz ist konstitutiv für Erzählliteratur
Konstitution und Wahrnehmbarkeit des Erzählers/der Erzählinstanz
− Inwiefern ist die Erzählinstanz wahrnehmbar? Wie präsent / markiert / stark (Courasche) oder schwach (Harry Potter) konturiert ist sie?
− Erscheint die Erzählinstanz personenhaft, individuell? (Courasche)
− Wird die Erzählinstanz figuriert? (Namenloser Primärer&Sekundärer Erzähler, im Schimmelreiter, sowie der Tertiäre Erzähler, der nur als “Schulmeister” identifiziert wird => Schimmelreiter)
− Inwiefern ist die Erzählinstanz implizit (z. B. durch die Auswahl, Ausgestaltung und Verknüpfung der die Geschichte ergebenden Elemente, durch die [mehr oder weniger auffallende] sprachliche Darbietung, durch eine [mehr oder weniger offen artikulierte] subjektive Haltung gegenüber den Geschehnissen oder Figuren sowie durch kommentierende oder reflektierende Einschaltungen in das Erzählen) oder auch explizit (z. B. durch Figuration oder durch Selbstpräsentation in Form von „ich“/“wir“-Sagen) dargestellt?
– mündlicher oder schriftlicher Erzählduktus?
…spontan oder geplant anmutendes, umgangssprachliches oder kalkuliert rhetorisches Erzählen?
…mögliche Zuordnung zu einem bestimmten sozialen Milieu oder einer spezifischen geographischen Abstammung?
…Bildungsgrad oder Weltanschauung an Erzählweise ablesbar?
− Kompetenzen (Wissensumfang, ggf. Fähigkeit zur Introspektion)
− Leuchten die Kompetenzen und erzählerischen Griffe der Erzählinstanz ein (Plausibilität)?
− Wird Objektivität oder Subjektivität inszeniert? Lässt sich eine bestimmte Wertungshaltung der Erzählinstanz ablesen?
− Wird Unzuverlässigkeit im Erzählen inszeniert?
Diegesis
Erzählte Welt, Textwelt
Exegesis
“Ebene des Erzählens”, z.B. Kommentare, Reflexionen
Gibt es mehrere Erzählebenen und somit mehrere Erzählinstanzen?
primär // sekundär // tertiär // … [W. SCHMID]
Rahmenerzählg. // Binnenerz. // Binnenerz. 2. Grades // …
Primärer Erzähler
Die Erzählinstanz befindet sich erzählend außerhalb der erzählten Welt.
Sekundärer Erzähler
Erzähler der Binnengeschichte (‚Binnengeschichte ersten Grades‘), der in der Rahmenhandlung als Figur vorkommt und erzählt
Tertiärer Erzähler
Erzähler, der in der Binnengeschichte als Figur vorkommt und die Binnengeschichte zweiten Grades erzählt
Rahmenebene
kann nur am Beginn eines Textes erscheinen oder auch am Ende noch einmal aufgenommen werden oder kann immer wieder die Binnenerzählung unterbrechend eingeblendet werden
=> Schimmelreiter: Primärer Erzähler kommt nie wieder vor, sekundärer Erzähler wird wieder aufgegriffen
nichtdiegetisch
Die Erzählinstanz hat nicht Teil an der von ihr erzählten Welt.
diegetisch
Die Erzählinstanz hat Teil an der von ihr erzählten Welt – als unbeteiligter oder beteiligter Beobachter, als Nebenfigur, als eine Hauptfigur oder als Hauptheld
Hauptheld als Erzähler?
fungiert sowohl auf der Ebene der Exegesis – als erzählendes oder Narrator-Ich – als auch auf der Ebene der Diegesis – als Aktor, als von ihm selbst erzählte Figur, genauer als erzähltes und erlebendes Ich.
→ Möglichkeit von fließenden Grenzen, Vermischungen, Verwischungen innerhalb einzelner Texte
direkte Rede
„Ja, das will ich wirklich“, antwortete sie.
(=> Unterstützt zurückhaltendes Erzählen;
Aber über die inquit formal kann [narratorial/figural perspektivische] Wertung erkannt werden: Ironie, Kritik z.B., die durch das erzählen des Narrators erzählt wird z.B. „,berichtete er unhöflich“)
autonome direkte Rede (ohne inquit-Formel)
„Ja, das will ich wirklich!“ (Ohne inquit gibt es Anzeichen für direkte Rede: mögliche Tempuswechsel, anderer Sprachstil, Absatzwechsel kann Dialog signalisieren, oder sind mit Spiegelstrichen gekennzeichnet)
indirekte Rede
Sie antwortete, dass sie es wirklich wolle.
erlebte Rede
Ja, das wollte sie wirklich!
=> „komplexeste Erscheinungsform der Textinterferenz“ – der Interferenz von Erzählertext und Figurentext
Redebericht
Sie bestätigte es wirklich zu wollen.
bloße Erwähnung der Rede/des sprachlichen Akts
Sie antwortete.
stream of consciousness
Amorph, aufgelöste Syntax, inhaltliche Zusammenhangslosigkeit => Besonders: Gedankenwiedergabe ohne Kohärenz „radikalisierung des inneren Monlogs“
… will ich … echt.
innerer Monolog
Ich-Person, Präsens/Perfekt, z.B. Leutnant Gustl von Arthur Schnitzler (Gedankenbericht ist anders: IM hat keine Anführungszeichen, fließt in den Text ein, keine verba sintienti)
Ja, das will ich wirklich!
Gedankenzitat
„Ja“, dachte sie, „das will ich wirklich!“
Erlebte Rede (von Gedanken)
Ja, das wollte sie wirklich!
Indirekte Gedankenwiedergabe
Sie befand bei sich, dass sie das wolle
Bewusstseinsbericht
Sie dachte darüber nach, ob sie das wollte, und fand, dass es so war.
Perspektivierung
narratorial vs. figural
Parameter für Perspektivierung
- perzeptiv
- zeitlich
- sprachlich
- räumlich
- ideologisch
Perzeptives Perspektivierungsparameter
Ist Introspektion vorhanden?
Zeitliches P.-Parameter?
Zeitlicher Abstand/Zeitliche Nähe zum Erzählten
Räumliche P.-Paramter?
Bleibt der Erzähler immer bei einer bestimmten Figur, oder wird mal von Geschehnissen am anderen Ende der Welt erzählt?
Sprachliche P.-Parameter?
Ist der Erzähler derb und spricht im Dialekt? (Courasche) Oder “neutral” (Schimmelreiter)?
Ideologische P.-Parameter?
Stellt die Erzählinstanz eigene ideologische/wertene Ansichten vor? (Courasche: Liebt Krieg, Sex und Impulshandeln)
Kompetenz
Weitreichendes/Begrenztes Wissen?
Mündliches/Schriftliches Erzählen? (Umgangsprachlich/rhetorisch Kalkuliert?)
Plausibilität - Kann Erzähler das wissen?
Zuverlässiges oder (täuschend/offen) unzuverlässliges Erzählen?
Wird Objektivität oder Subjektivität inszeniert?
auktoriale Eingriffe
Kommentare, reflektierende oder
verallgemeinernde Bemerkungen der Erzählinstanz
Zeitraffung
Erzählte Zeit länger als Erzählzeit
Zeitdehnung
Erzählzeit länger als erzählte Zeit.
Zeitdeckung
Erzählzeit deckt sich mit erzählter Zeit.
Ellipse
ein Zeitraum der innerfiktionalen Zeit wird in der Exegesis ganz übersprungen/ausgelassen (innerfiktional, also in der Diegesis vergeht Zeit, es wird aber keinerlei Erzählzeit dafür aufgewandt)
Erzählpause
z. B. bei Beschreibungen, Kommentaren (innerfiktional vergeht keine Zeit)
Anachronie
Zeitlich falsche Anordnung
Beispiele: Prolepse, Analepse
Prolepse
zukunftsgewisse Voraussagung
z.B. Ankündigung des Simplicissimus von Courasche
Analepse
Rückblende
z.B. Spiegelgeschichte; Fast vollkommen rückwärts erzählt