Vorlesung 1 Flashcards
Was ist eine Wissenschaft?
- “Mit Wissenschaft ist die Intention verbunden, Phänomene und Zusammenhänge verstehbar und erklärbar zu machen. Sie formuliert Wissen über einen Gegenstandsbereich, wobei ihre Herangehensweise in der Regel methodisch gelenkt ist“ (Dörpinghaus/Uphoff)
- In der Erziehungswissenschaft geht es um pädagogische Phänomene und Zusammenhänge
➡️ Ziel der Erziehungswissenschaft: Wissen über pädagogische Gegenstände erlangen
Drei Formen des pädagogischen Wissens
- Alltagswissen
- Wissenschaftliches Wissen
- Professionswissen
➡️ Erziehungswissenschaft geht es um wissenschaftliches Wissen
Pädagogisches Alltagswissen
○ Haben wir alle (Wurden alle erzogen)
○ Beruht auf praktischer Erfahrung
○ Dient Nicht-Fachleuten (z.B. Eltern) zur Bewältigung alltäglicher pädagogischer Probleme
○ Ist i.d.R. Unsystematisch und zusammenhangslos
○ Enthält unreflektierte Normen
§ Pädagogisches Wissen hat immer Normen, ist werthgeleitet: z.B. Handy beim Abendessen - Freiheit vs. Gemeinschaft
§ Diese Werte sind oft unreflektiert - z.B.: Suppe nicht schlürfen
○ Wird nicht durch systematisches Lernen erworben, sondern durch Sozialisation
§ Wir nehmen das mit, was wir in unserer Umwelt erfahren, passen uns dieser an, erlernen so Werte und Prinzipien unser Gesellschaft
○ Bewährt sich im Alltag, hat aber seine Grenzen bei ‚unläsbaren’ Problemen
In diesen Fällen kann Rat bei anderen Formen pädagogischen Wissens gesucht werden, z.B. Erziehungsberatung
Erziehungswissenschaftliches Wissen
• Beruht nicht auf praktischer Erfahrung, sondern auf systematischer Forschung
• Hat keinen praktischen, sondern theoretischen Charakter
• Wird mit spezifischen Methoden hervorgebracht, die selbst Gegenstand theoretischer Reflexion sind (z.Bsp. Fragebögen werden nicht nur ausgewertet, es wird auch hinterfragt, wie sinnvoll ein Fragebogen ist)
• Ist an innerer Widerspruchsfreiheit und intersubjektiver Überprüfbarkeit orientiert
• Ist nicht an praktischen Verwertungsmöglichkeiten orientiert
• Bemüht sich um Trennung von empirischen und normativen Aussagen
○ Empirische Aussage: Familie Meier erlaubt Handys am Abendbrottisch, Familie Müller nicht
○ Normative Aussage: Es ist besser, das Familie Müller keine Handys am Abendbrottisch erlaubt
• Wird erworben durch wissenschaftliches Studium (systematisches Lernen und Forschen)
• Hat seine Grenze in seiner Vorläufigkeit: wissenschaftliches Wissen kann veralten
Pädagogisches Professionswissen
• Ist notwendig, um in einem pädagogischen Beruf kompetent arbeiten zu können
• Gibt Handlungssicherheit auch in schwierigen beruflichen Situationen
• Wird erworben durch:
1) Wissenschaftliche Ausbildung
2) Berufserfahrung
• Enthält Anteile systematisch-theoretischen Wissens sowie praktischen Handlungswissens
• Orientiert sich an professionellen Standards
• Hat normative Anteile (Berufsethos)
• Kann zwar „veralten“, ist aber träge
• Hat seine Grenzen im Kompetenzbereich anderer Professionen (z.B. Therapeuten, Juristen Ärzte)
Was ist Erziehungswissenschaft?
• In sich vielfältig differenziert, ohne dass es eine allgemein verbindliche Systematik gäbe
○ Bsp.: Sozialpädagogik, Schulpädagogik, Historische Bildungsforschung, Berufspädagogik, pädagogische Anthropologie, Empirische Bildungsforschung, Erachsenenbildung, Interkulturelle Pädagogik, Medienpädagogik etc.)
• Die Erziehungswissenschaft bezieht Wissen aus anderen Wissenschaften ein. ○ Bsp.: Psychologie, Soziologie, Philosophie, Kulturwissenschaften, Ethnologie, Neurologie etc.)
➡️ Eine klare Bestimmung der Erziehungswissenschaft und eine klare Abgrenzung von anderen Disziplinen fallen deshalb schwer
Erziehungswissenschaft:
- Gegenstände:
„Erziehung“, „Bildung“, „Sozialisation“ etc. - Es gibt eine Reihe verschiedener Methoden: z.B. Hermeneutik, empirische Forschung, Ideologiekritik