Selbstwertgefühle Flashcards
Selbstwertgefühl: Defintion (Donnellan)
- Subjektive Einschätzung einer Person ihres eigenen Werts
- Teil des Selbstkonzepts einer Person
- Reflektiert nicht notwendigerweise die objektiven Begabungen und Fähigkeiten einer Person oder wie sehr die Person von anderen geschätzt wird
- Gefühl, gut genug zu sein, jedoch nicht notwendigerweise besser als andere zu sein
- Selbstakzeptanz und Selbstachtung, jedoch nicht masslose Selbstliebe and Selbstverherrlichung
Messung des globalen Selbstwertgefühls (Donnellan)
- am häufigsten: eingesetztes Verfahren: Rosenberg Selbstwertgefühl Skala mit 10 Items zur Selbstbeurteilung
Beispielitems:
- “Alles in allem bin ich mit mir selbst
- “Ich besitze eine Reihe guter
- “Ich kann vieles genauso gut wie die meisten anderen
Menschen auch.”
- “Ich fürchte, es gibt nicht viel, worauf ich stolz sein kann.”
(umgekehrte Messrichtung!)
Entwicklung/Stabilität des Selbstwertgefühls: Querschnittliche Altersunterschiede (Robins) - Ergebnisse
- Mittelwertsentwicklung/Normative Entw (Normalerweis): Das Niveau von Selbstwertgefühl wird vom Jugendalter bis zum Erwachsenen begleiten (ziemlich stabil)
- generelle Muster: Von mittleren Kindheit bis Ado gibt es eine grosse Minderung, danach Stabilität und ab 40Jahren +- grosser Anstieg
Entwicklung/Stabilität des Selbstwertgefühls: Längsschnittlicher
Entwicklungsverlauf (Orth) - Ergebnis
Immer steigend bis 60 Jahren (=Peak), danach nimmt AB
Entwicklung/Stabilität des Selbstwertgefühls: Metaanalyse zum Entwicklungsverlauf über die Lebensspanne (Orth) - Ergebnisse
- Kinder (5-8 Jahren) Verschlechterung des Selbstgefühls (wenn überhaupt Anstieg)
- 11-15 Jahren: stagniert (anstatt Verschlechterung wie in anderen Studien): viele haben ein sehr schlechtes Selbstgefühl, andere ein sehr grosses–> se balance
- ungefähr gleich wie vorher; Peak bei 60-70 Jahren (vlt biologische Ursachen? Rollenveränderungen?)
–> Erwachsene können ihr Selbstgefühl über eine sehr längere Zeit behalten
Entwicklung/Stabilität des Selbstwertgefühls: Metaanalyse zum Entwicklungsverlauf über die Lebensspanne (Orth) - Forschungslücken+Vorteile
A) Forschungslücken
- Entwicklungsverlauf in der Kindheit?
- Entwicklungsverlauf in der frühen Adoleszenz?
- Stärke der Verringerung im hohen Alter?
- Interkulturelle Unterschiede?
B) Vorteile
- Kein Publikationsbias
Intraindividuelle Stabilität und Kontingenz des Selbstwertgefühls (Meier) - Methode
- Studie zu Altersunterschieden bei intraindividueller Stabilität.
- Verwendung von Tagebuchdaten über 25 Tage zur Berechnung der intraindividuellen Stabilität und Kontingenz
- Alter: 13 bis 72 Jahre
Intraindividuelle Stabilität und Kontingenz des Selbstwertgefühls (Meier) - Ergebnisse
Von der Adoleszenz bis ins mittlere Erwachsenenalter wird das Selbstwertgefühl nicht nur höher, sondern auch intraindividuell stabiler (= weniger fluktuierend) und unabhängiger von alltäglichen Ereignissen
Wie entwickelt sich intraindividuelle Stabilität allgemein in der Persönlichkeitsentwicklung?
a) Sie steigt
b) Sie sinkt
c) Sie bleibt gleich
d) Die Befundlage ist inkonsistent
a)
Wie entwickelt sich das Selbstwertgefühl in der frühen Pubertät (11-15 Jahre)?
Es stagniert (anstatt Verschlechterung wie in anderen Studien): viele haben ein sehr schlechtes Selbstgefühl, andere ein sehr grosses–> se balance
Theoretische Ansatzpunkte zum Lebensspannenverlauf des Selbstwertgefühls (Roberts+Wood): mögliche Erklärungen
A) Mögliche Gründe für Stabilität:
- Neosozioanalytische Theorie der Persönlichkeitsentwicklung: Plastizitätsprinzip, Reifeprinzip, Soziales Investitionsprinzip
B) Mögliche Gründe für Verringerung im Alter:
- Veränderungen bei sozialen Rollen
- Veränderungen bei sozialen Beziehungen
- Veränderungen bei sozialem Status und Gesundheit
Selbstwertgefühlstabilität: Geschlechtunterschied
- Querschnittlich: Kleiner Mittelwertsunterschied zugunsten
von Jungen/Männern (+- .20)
–> Das heißt NICHT, dass der Niveau des Selbstwertgefühls gleich ist! In diesen Studien, wird nur die Entwicklung in der Zeit geforscht
Geburtskohorte: Generation Me? (Twenge): Thesen
- Geburtskohorten aus den 1970 bis 1990er Jahren sind egoistischer und narzisstischer als frühere Generationen und haben ein höheres (narzisstisch überhöhtes) Selbstwertgefühl
- Kohorteneffekte aufgrund soziokultureller Veränderungen (z.B. grössere gesellschaftliche Bedeutung des Selbstwertgefühls; Bemühen von Eltern und LehrerInnen, das SWG von Kindern und Jugendlichen zu fördern)
Geburtskohorte: Generation Me? (Twenge): Ergebnisse
- Seine Thesen über die Selbstwertgefühle stimmen nicht.
- Jüngere Generationen von früher unterscheiden sich nicht von die der heutigen (was die Entwicklung angeht)
Soziometertheorie (Leary): Definition + These
- Theorie zur Erklärung der Funktion des Selbstwertgefühls (=warum die Menschen Überhaupt ein Selbstwertgefühl haben und sich Gedanken darüber machen.)
- These: es ist ein Teil eines Bedürfnissystems (der Zugehörigkeit), der alarmiert, falls etwas nicht gut ist und sich dann adaptiert. = Das Selbstwertgefühl ist Teil eines internen Systems, welches den eigenen relationalen Wert beobachtet (Monitoringfunktion), Veränderungen und Bedrohungen anzeigt ( Alarmfunktion) und adaptive Verhaltensweisen auslöst (motivationale Funktion)
Soziometertheorie (Leary): relationaler Wert - Definition
subjektive Einschätzung, für wie wertvoll, brauchbar, begehrt
eine Person sich hält für die Gruppen und Beziehungen, zu
denen die Person gehört und gehören möchte
Soziometertheorie (Leary): Evolutionspsychologische Erklärung
- Soziometersystem hat sich im Verlauf der Evolution zur Sicherung des Bedürfnisses nach Zugehörigkeit entwickelt
- Bedürfnis nach Zugehörigkeit: Individuen mit sozialen Beziehungen haben evolutionäre Vorteile bei Überleben und
Nachkommenschaft gegenüber Individuen, die alleine sind
(Wissensaustausch , Arbeitsteilung, Schutz, Kindererziehung)
Soziometertheorie (Leary): Annahmen
- Nach der Soziometertheorie sollten alle Determinanten des
Selbstwertgefühls auf ihre Bedeutung für soziale Zugehörigkeit zurückzuführen sein - Jeder hat eine Referenzgruppe: Individuen orientieren sich an der (realen oder vorgestellten) Wertschätzung einiger weniger Personen, deren Urteil und Standards für sie wichtig sind
Soziometertheorie (Leary): Funktionsweise des Selbstwertsystems
- Der Soziometer überwacht nicht nur aktuelle Akzeptanz und
Zurückweisung, sondern auch antizipatorisch die zukünftige
Bedürfnisbefriedigung (wenn man glaubt, man wird keine Freund machen, dann hat man auch niedriges Selbstwert/-gefühl) - Das Monitoring des relationalen Werts ist ein automatischer
mentaler Prozess (ist effizient: autonom, mühelos, meist
unwillkürlich) (es passiert sehr schnell, man kann es nur schwierig kontrollieren, unbewusst, automatisch) - Affekt (z.B. Reduktion des Selbstwertgefühls) hat Alarmsignal-wirkung, bringt Bedrohung oder Verlust des relationalen Werts ins Bewusstsein und motiviert zu regulativem Verhalten
Soziometertheorie (Leary): Wertvolle soziale Attribute
- Liebenswürdigkeit
- Kompetenz
- Attraktivität
- Moralische Integrität
Soziometertheorie (Leary): Trait Selbstwertgefühl - Definition
Selbstwertgefühl, dass Menschen verspüren, wenn gerade nichts relevantes passiert, was ihr Selbstwertgefühl beeinflusst (nicht positives/negatives erleben)
Soziometertheorie (Leary): Hypersensitives Selbstwertgefühl - Definition
- sehr abhängiges Selbstwertgefühl
- Wenn etwas mittelrelevantes passiert, reagieren sie besonders stark (negative/positiv) und lassen sich somit beeinträchtigen (negativ/positiv) –> angemessene Reaktion findet nicht statt, sondern eine die übertrieben (niedrig/hoch) ist
- -> kommt bei Menschen vor, die ein sehr abhängiges Selbstwertgefühl haben
Soziometertheorie (Leary): Hyposensitives Selbstwertgefühl - Definition
- Menschen, die eine zu niedrige Reaktion zu einem Geschehen haben, z.B: Jemanden macht etwas und sollte sich schämen, aber ihr Selbstwertgefühl wird gar nicht beeinflusst.
–> weder Hyper- noch Hyposensitives Selbstwertgefühl ist gut, weil es ist nicht adaptiv
Entstehung individueller Unterschiede: Genetische Einflüsse (Trzesniewski +Donnellan)
A) Erklären ca. 40% der Unterschiede im Selbstwertgefühl
B) Es gibt kein Selbstwert-Gen, sondern Gene beeinflussen das Selbstwertgefühl indirekt durch ihren Einfluss auf
- Intelligenz (schulische Kompetenzen)
- körperliche Eigenschaften (Attraktivität, sportliche Fähigkeiten)
- Temperament (Extraversion, emotionale Stabilität, Selbstregulationsfähigkeiten)
- usw.
Wie entsteht das Selbstwertgefühl in der frühen Kindheit?
- Bottom-Up-Modell
- Modell der Internalisierung früher sozialer Erfahrungen
–> Modelle/Hypothesen=nicht belegt!
Wie entsteht das Selbstwertgefühl in der frühen Kindheit? Bottom-Up-Modell
- Kinder entwickeln zunächst konkrete bereichsspezifische Überzeugungen zur eigenen Person, z.B. zu schulischen Fähigkeiten, Aussehen und Beliebtheit bei Peers (4-6 Jahre)
- Auf der Basis dieser bereichsspezifischen Selbstbewertungen entwickelt sich später das globale Selbstwertgefühl (7-8 Jahre)
- -> Empirische Ergebnisse legen nahe, dass das globale Selbstwertgefühl jedoch nur zu einem Teil durch bereichs-spezifische Selbstbewertungen erklärt werden kann (das globale Selbstwertgefühl ist also nicht die Summe bereichsspezifischer Selbstbewertungen)
Wie entsteht das Selbstwertgefühl in der frühen Kindheit? Modell der Internalisierung früher sozialer Erfahrungen
- Das globale Selbstwertgefühl wird geprägt durch frühe Erfahrungen in der sozialen Interaktion mit Bezugspersonen
- Bindungstheorie: Sichere Bindung zu Bezugspersonen führt zur Ausbildung eines positiven internen Arbeitsmodells über die eigene Person (Repräsentation, dass das Selbst wertvoll ist und Liebe und Fürsorge anderer verdient)
- Auch wenn Kinder im Alter von 4-6 Jahren ihr Selbstwertgefühl noch nicht verbalisieren können, geht ihr globales Selbstwertgefühl auf frühe soziale Erfahrungen zurück
Stabilität individueller Unterschiede beim Selbstwertgefühl (Trzesniewski)
Schlussfolgerung: die Rangordnungstabilität (wie in den Big Five) erstens einsteigt es (in den ersten 40 Jahren, kommulativen Kontinuitätsprinzip): es wächst in Funktion des Alters (aber keine perfekte Stabilität!).
Ab 60/65 sinkt die Rangordnungstabilität (die in Funktion des Alters ändert).
Rangordnungsstabilität über lange Zeiträume (Kuster & Orth): Ergebnisse
- Die Rangordnungstabilität war +- für Frauen und Männer gleich hoch
- Inhaltlich gesehen ist das Selbstwergefühl eine Eigenschaft, die sich unterschiedlich per Person entwickelt, aber es ist nicht unvöllig unvorhersehbar (es ist vorhersehbar) wie sich die Menschen entwickeln werden
- -> Grundstabilität beim Individuum aber auch bei den Inter-Unterschiede des Selbstwertgefühl
Modell des Trait-factors (Cole): Grundidee
Man kann mit strukturellen Modelle Rückschlüsse dazu ziehen welcher Teil der beobachteten Werte durch ein Trait-Faktor, der perfekt stabil ist, erklärt wird und welcher Teil erklärt werden muss über Faktoren die sich verändern können
Stabilität individueller Unterschiede beim Selbstwertgefühl - Ergebnisse/Zsmfassung
- circa 30-45% der interindividuellen Varianz ist absolut stabil über Jahrzehnte (Traitfaktor)
- Autoregressive Komponente der State-Faktoren trägt zusätzlich zur Stabilität bei
- Traitfaktor im Modell notwendig, um die beobachteten Daten zu erklären
Ist das Selbstwertgefühl eine Zustandsvariable (state) oder
eine relativ überdauernde Eigenschaft (trait) von Menschen?
State (je pense!!)
Sind individuelle Unterschiede beim Selbstwertgefühl über
längere Zeiträume stabil?
Ja
Stabilität individueller Unterschiede: Einflussfaktoren
- Soziale Beziehungen
- Sozioökonomischer Status und Erfolg im Beruf (geringer Einfluss)
- Lebensereignisse
- Kultureller Kontext
Stabilität individueller Unterschiede: Einflussfaktoren - Soziale Beziehungen
= empirisch gestützt, dass es ein grosser Einflussfaktor auf Selbstwertgefühl ist
- Soziale Anerkennung + Beliebtheit steigern das Selbstwertgefühl
- Qualität sozialer Beziehungen (Nähe, soziale Unterstützung, Partnerschaftszufriedenheit, etc.) sagt Verbesserung im Selbstwertgefühl vorher
- Warmherziges und förderndes Elternverhalten hat prospektiven Effekt auf Selbstwertgefühl
- Beziehungstransitionen wie Beginn und Ende von Partnerschaften beeinflussen Selbstwertgefühl
Stabilität individueller Unterschiede: Einflussfaktoren - Sozioökonomischer Status und Erfolg im Beruf
In den verfügbaren Längsschnittstudien sind die Effekte der folgenden Variablen meist sehr klein:
- Einkommen
- Prestige des Berufs
- Erwerbsstatus (erwerbstätig versus arbeitslos)
- Führungsposition (ja versus nein)
- Arbeitszufriedenheit
Stabilität individueller Unterschiede: Einflussfaktoren - Lebensereignisse
Kritische Lebensereignisse:
- z.B. schwerer Unfall, chronische Erkrankung oder kriminelle Viktimisierung
- Können zu Verlusten im Selbstwertgefühl führen
- Trennungen
Stabilität individueller Unterschiede: Einflussfaktoren - kultureller Kontext
Schlussfolgerungen:
- Unterschied zwischen den Ländern, aber vor allem linerare Kurven, die von links nach rechts nach oben gehen
- -> generellen trend der zeigt, dass Selbstwertgefühl immer nach oben geht
- in den meisten Ländern, ist der Selbstwertgefühl von Männer stärker/größer als die der Frauen
- Selbstwertgefühl der Frauen von 16-45 Jahren: Einstieg größer in einigen Länder als in anderen: wegen Gleichstellung/wenige Unterschiede zwischen Frauen und Männer
Einfluss der familiären Umwelt in der frühen Kindheit: Haben frühe Kindheitserfahrungen einen beständigen oder vergänglichen Effekt? - Modelle
A) Modell vergänglicher Effekte (revisionist model)
- Annahme, dass der Einfluss früher Erfahrungen durch spätere Erfahrungen nach und nach “überschrieben” wird (z.B. Kagan)
B) Modell beständiger Effekte (enduring effects model)
- Annahme, dass frühe Erfahrungen das Individuum auch noch nach Jahren oder sogar Jahrzehnten beeinflussen (z.B. Sroufe)
Einfluss der familiären Umwelt in der frühen Kindheit: Haben frühe Kindheitserfahrungen einen beständigen oder vergänglichen Effekt? - Ergebnisse
Es könnte sein, dass ein Effekt (z.B wegen kritisches Lebensereignis) über die Zeit auf 0 absinkt (=vergänglicher Effekte), aber es könnte auch sein, dass das Effekt auf eine asyptotische Ebene sinkt (zwischen 0 und 1 einpendelt) (beständiger Effekte)
Einfluss der familiären Umwelt in der frühen Kindheit: Haben frühe Kindheitserfahrungen einen beständigen oder vergänglichen Effekt? - Theoretischer Hintergrund
A) Bindungstheorie (Bowlby, 1969)
- Responsives und warmherziges Fürsorgeverhalten führt zur Ausbildung eines positiven internen Arbeitsmodells des Selbst
B) Symbolischer Interaktionismus (Cooley, 1902; Mead, 1932)
- Selbstkonzept entsteht in der sozialen Interaktion und wird durch soziale Reaktionen geprägt
C) Familiäre Umwelt ist zentrale Umwelt in den ersten
Lebensjahren (Thompson, 2016)
Einfluss der familiären Umwelt in der frühen Kindheit: Haben frühe Kindheitserfahrungen einen beständigen oder vergänglichen Effekt? - Studie National Longitudinal Survey of Youth 1979: Messinstrumente
A) Familiäre Umwelt
- Variablen basierten auf Interviews mit den Müttern und Verhaltensbeobachtung von Interaktionen zwischen Müttern und Kindern
- 3 Messwellen in den ersten 6 Lebensjahren
- Selbstwertgefühl der Kinder (bzw. späteren Erwachsenen)
B) Selbstberichte
- Längsschnittliche Messung alle 2 Jahre
- Daten verfügbar von 8 bis 27 Jahren
Einfluss der familiären Umwelt in der frühen Kindheit: Haben frühe Kindheitserfahrungen einen beständigen oder vergänglichen Effekt? - Studie National Longitudinal Survey of Youth 1979: Messungen
- Erfassung der familiären Umwelt (0-6 Jahre)
- Qualität des Erziehungsverhaltens
- Home Observation Measurement of the Environment–Short Form (Caldwell & Bradley, 1984)
- Jeweils 18-25 Items (Zahl abhängig vom Alter)
- Qualität der elterlichen Partnerschaft
- Einzel item zur Zufriedenheit der Mutter mit der Beziehung zum Vater (falls Partnerschaft noch besteht - Anwesenheit des Vaters
- Dichotomes Item: Lebt Vater im gleichen Haushalt wie Mutter und Kind?
- Mütterliche Depressivität
7-Item Version der Center for Epidemiologic Studies Depression Scale (CES-D) - Familie unter der Armutsgrenze?
- Variable basiert auf für jedes Jahr berechneten Armutsgrenzen des U.S. Department of Health and Human Services
Erfassung des Selbstwertgefühls: Skalas
A) Alter 8 bis 14 Jahre
- 6-Item Global Self-Worth Scale des Self-Perception Profile for Children (SPPC; Harter, 2012)
B) Alter 15 bis 27 Jahre
- 10-item Rosenberg Self-Esteem Scale (RSE; Rosenberg, 1965)
C) Verwendung beider Skalen
- Literatur legt nahe, dass beide Skalen valide Erfassung des Selbstwertgefühls ermöglichen und ausreichend hoch interkorrelieren (Donnellan)
Altersabhängige Korrelation zwischen der frühen familiären Umwelt und späterem Selbstwertgefühl: Ergebnisse
Effekt von der Qualität des Erziehungsverhaltung auf den Selbstwertgefühl
- Prospektive Korrelation: es sinkt ab, aber nicht sehr stark (besser als linearisches / quadratisches Modell)
–> Es gibt Hinweise (durch prospektive langschnittliche Studien), dass der Erziehungverhalten in den ersten 6 Jahren von Kindern einen Einfluss auf den Selbstwertgefühl hat. (Korrelation nur von .16, aber Effekt vorhanden)
Mediiert die Qualität des Erziehungsverhaltens die Effekte anderer Merkmale der familiären Umwelt?
- Armut, mütterlichen Depressivität, Anwesenheit des Vaters, usw., hat (VLT) ein Einfluss auf die Qualität der Erziehung und somit Einfluss auf den Selbstwert des Kindes
Mediiert die Qualität des Erziehungsverhaltens die Effekte anderer Merkmale der familiären Umwelt?
- Armut, mütterlichen Depressivität, Anwesenheit des Vaters, usw., hat (VLT) ein Einfluss auf die Qualität der Erziehung und somit Einfluss auf den Selbstwert des Kindes
Einfluss der familiären Umwelt in der frühen Kindheit: Haben frühe Kindheitserfahrungen (Erziehung) einen beständigen oder vergänglichen Effekt? - Ergebnisse/ Zsmfassung
- Frühe familiäre Umwelt sagt späteres Selbstwertgefühl
vorher - Ergebnisse unterstützen Enduring-Effects-Modell zu Erfahrungen in der frühen Kindheit
- Qualität des Erziehungsverhaltens ist das wichtigste Merkmal
der familiären Umwelt (stärkster Effekt und mediiert grossen
Teil der anderen Effekte) - Jedoch auch andere Merkmale der familiären Umwelt
bedeutsam
Niedriges Selbstwertgefühl im Jugendalter: Folgen für Erwachsenalter
- Über 50% der Jugendlichen hatten als Erwachsene zwei oder mehr negative Outcomes (depression, anxiety, Tabacabhängig, criminal conviction, …)
(bei hohem SWG–> nur 17%)
Selbstwertgefühl: Folgen für wichtige Lebensbereiche
A) Niedriges Selbstwertgefühl ist prospektiver Risikofaktor für
- Probleme in Partnerschaft und sozialen Beziehungen
- Probleme in Leistungskontexten (Ausbildung, Arbeit)
- Physische Gesundheit
- Psychische Gesundheit
B) Hohes Selbstwertgefühl ist entsprechend ein Prädiktor für
eine günstige Entwicklung bei diesen Outcomes
C) Effektstärken
- Liegen im kleinen bis mittleren Bereich
- Ist jedoch angesichts der multifaktoriellen Bedingtheit vieler Outcomes nicht anders zu erwarten
Zusammenhang zwischen Selbstwertgefühl und Depressivität
- Korrelativer Zusammenhang zwischen niedrigem Selbstwertgefühl und Depressivität gut belegt
- Die genaue Art des Zusammenhangs seit langem debattiert
- Depressivität als kontinuierliche Variable
Niedriges Selbstwertgefühl als Risikofaktor für die Entwicklung von Depressivität: Modelle
- Vulnerabilitätsmodell
- Narbenmodell
- Modell reziproker Effekte
- Vorläufer Modell
- Diathese Stress Modell
- Test von Mediatoren
Niedriges Selbstwertgefühl als Risikofaktor für die Entwicklung von Depressivität: Vulnerabilitätsmodell
Geringes Selbstwertgefühl ist kausaler Risikofaktor für
Depressivität (z.B Beck)
Niedriges Selbstwertgefühl als Risikofaktor für die Entwicklung von Depressivität: Narbenmodell
Geringes Selbstwertgefühl ist eine Folge (und nicht eine Ursache) von Depressivität
Niedriges Selbstwertgefühl als Risikofaktor für die Entwicklung von Depressivität: Modell reziproker Effekte
Vulnerabilitätseffekt und Narbeneffekt sind gleichzeitig
wirksam, dh. niedriges SWG ist sowohl Ursache als auch eine Folge der Depression
Niedriges Selbstwertgefühl als Risikofaktor für die Entwicklung von Depressivität: Vorläufer Modell
Geringes Selbstwertgefühl geht Depressivität zeitlich voraus, beide Phänomene sind jedoch auf die gleiche Ursache zurückzuführen
(= es gibt eine Ursache X, die den SWG erniedrigt + direkt eine Depression macht; Nicht nur Ursache X hat Effekt auf Depression, sondern auch SWG)
Niedriges Selbstwertgefühl als Risikofaktor für die Entwicklung von Depressivität: Diathese Stress Modell
Geringes Selbstwertgefühl ist eine Diathese d.h. eine Prädisposition, die nur beim Auftreten von Stressoren wirksam wird
(dh wenn es ein Stressor gibt, produziert der niedrigen SWG eine Depression)
–> Evidenz spricht gegen Diathese Stress Modell zu geringem Selbstwertgefühl und stressauslösenden Ereignissen: In 3 Studien keine
signifikanten Interaktionseffekte auf spätere Depressivität!
Niedriges Selbstwertgefühl als Risikofaktor für die Entwicklung von Depressivität: Test von Mediatoren
- Ziel: möchte wissen welche Mechanismen verantwortlich für den
Vulnerabilitätseffekt sind - niedrigen SWG hat Effekt auf ‘Rumination’ (grübeln) + direkten Effekt auf Depression (auch Rumination hat direkten Effekt auf Depression)
–> Rumination (= Neigung zum “Grübeln”) ist partieller Mediator des
Vulnerabilitätseffekts
Instabilität und Kontingenz des Selbstwertgefühls
- Ziel: Wird der Vulnerabilitätseffekt durch andere Merkmale des
Selbstwertgefühls (Instabilität, Kontingenz) verstärkt? (=vlt ist es nicht der niedrige, sondern der unstabiler/abhängiger SWG der, der Vulnerabilitätseffekt beeinflussen) - Evidenz: keine Hinweise auf signifikante Interaktionseffekte zwischen
niedriger Höhe und Instabilität/Kontingenz des Selbstwertgefühls
Robustheit des Vulnerabilitätseffekts
Vulnerabilitätseffekt hat Bestand
- für Frauen und Männer
- für alle Altersgruppen über die Lebensspanne
- für affektiv kognitive und somatische Depressionssymptome
- unter Kontrolle inhaltlicher Überlappung bei den Messinstrumenten
Evidenz zum Vorläufer Modell
- Evidenz spricht gegen Vorläufer Modell
- Vulnerabilitätseffekt nicht konfundiert:
- durch Effekte von stressauslösenden Ereignissen
- durch Effekte von mangelnder sozialer Unterstützung und
relationaler Viktimisierung
- durch Effekte von Neurotizismus und der übrigen Big Five
Persönlichkeitsfaktoren
Selbstwertgefühl und Depression: Zusammenfassung
A) Geringes Selbstwertgefühl ist Vulnerabilitätsfaktor für
Depressivität
B)Vulnerabilitätseffekt:
- doppelt so gross wie Narbeneffekt
- unabhängig vom gleichzeitigen Auftreten stressauslösender
Ereignisse
- partiell mediiert durch Rumination
- nicht beeinflusst durch andere Merkmale des Selbstwertgefühls
(Instabilität, Kontingenz)
- auf globales Selbstwertgefühl zurückzuführen
- auf Mangel an authentischem Selbstwertgefühl zurückzuführen
Wie hängen Narzissmus und Depressivität zusammen?
Narzissmus ist weder ein Schutzfaktor noch ein Risikofaktor für Depressivität. Es liegt ein Nulleffekt vor.