Einführung 1 - Studienbrief Flashcards
Womit beschäftigt sich die Entwicklungspsychologie?
- thematisiert intraindividuelle Veränderungen als auch interindividuelle Unterschiede in intraindividueller Veränderung
- Thematisiert Veränderungen innerhalb einer Person über die Zeit hinweg als auch Unterschiede zwischen Veränderungsverläufen verschiedener Personen
- Fragt zudem nach den Bedingungen für Entstehung, Veränderung und Stabilität psychischer Funktionen einerseits und nach den Gründen für differentielle Entwicklungsverläufe andererseits und leitet u.a. aus diesen Erkenntnissen Interventionsempfehlungen bei “abweichender” Entwicklung ab
Was muss gegeben sein, um die Entwicklung eines psychischen Merkmals / einer psychischen Funktion beschreiben zu können?
Das Merkmal / die Funktion muss in der Zeit - und damit mehrfach - registriert werden
In der Entwicklungspsychologie spricht man von einem Längsschnitt
Längsschnitt
Dasselbe Individuum wird im Hinblick auf das interessierende Merkmal zu unterschiedlichen Zeitpunkten “untersucht”, woraus sich der individuelle Entwicklungsverlauf nachzeichnen lässt
Vergleicht man nun viele individuelle Entwicklungsverläufe miteinander, so kann man ggf. Aussagen über einen “allgemeinen Entwicklungsverlauf” treffen, aber auch über subgruppenspezifische, sogenannte differentielle Entwicklungsverläufe
Was ist normalerweise das Einstiegskriterium in einen Längsschnitt?
Das biologische Alter
altersgleiche Individuen werden mehrfach - häufig im Abstand ovn einem oder mehreren Jahren - untersucht
Querschnittgesign
Individuen unterschiedlichen Alters werden zu einem einzigen Zeitpunkt im Hinblick auf ein Merkmal untersucht
Aus den Untersuchungen wird dann auf den Entwicklungsverlauf des Merkmals geschlossen
sind relativ schnell und leicht durchführbar
allerdings, lässt sich aus Querschnittdaten keine Aussage über Entwicklungsverläufe treffen - Querschnittdesigns sagen nichts über Entwicklung im eigentlichen Sinne aus
Gemeinsames Problem von Längs- und Querschnitt
Die Proband*innen müssen nicht nur aus einer bestimmten Altersgruppe, sondern auch einer bestimmten Kohorte angehören
Kofundierung
Wenn Alters- und Kohortenunterschiede miteinander vermischt werden
es bleibt unklar, ob sich die Ergebnisse durch entwicklungsorientierte Veränderung oder aber vorab existierende Kohortenunterschiede - oder durch beides - begründen lassen
Psychologie als empirische Wissenschaft
Psychologie ist eine empirische Wissenschaft
Mit Hilfe sysematischer Methoden (z.B. Experiment, Beobachtung, Befragung) werden psychische Phänomene zugänglich und erforscht
Hypothese
Vorläufig durch Beobachtungen oder theoretische Überlegungen begründete Annahme, die noch nicht hinreichend an der Erfahrung (z.B. durch ein Experiment) geprüft wurde
Geprüfte Hypothese
Eine Hypothese, die sich an Erfahrungen bewährt hat, kann zu einem empirisch untermauerten und damit vorläufig gesicherten Bestandteil einer Theorie werden
widerlegte Hypothese
Eine widerlegte Hypothese muss modifiziert oder verworfen und ersetzt werden
Wahrheitswert einer Hypothese
Wissenschaftstheoretisch betrachtet lässt sich der “Wahrheitswert” einer Hypothese nie beweisen; eine Hypothese kann nicht verifiziert werden
Hypothesen sind lediglich solange gültig, wie sie nicht widerlegt - falsifiziert - werden können
psychische Phänomene beschreiben
In Bereichen, in denen es noch keine Hypothesen oder Theorien im eigentlichen Sinne gibt, müssen psychische Phänomene zunächst einmal beschrieben werden
Viele Phänomene kennen wir noch gar nicht oder sind noch nicht auf sie aufmerksam geworden
Objektpermanenz - von Jean Piaget
Für ein Kleinkind hat ein Objekt nur solange eine Existenz, wie es vom Kind gesehen wird
“Nur was ich sehe existiert auch. Das Objekt hat keine Existenz jenseits seiner Sichtbarkeit”
Volumenkonstanz - Bei Kindern
Gieße ich Wasser aus einem durchsichtigen Behälter in einen zweiten Behälter, der höher, aber weniger breit ist, so weiß ich, dass das Wasservolumen sich nicht verändert hat
Für kleine Kinder jedoch führt das Umschütten zu dem Urteil, dass es sich nun um mehr Wasser (Orientierung an der Höhe des Behälters) oder weniger Wasser (Orientierung an der Breite des Behälters) handelt, da sie die Dimensionen der Breite und Höhe noch nicht miteinander ins Verhältnis setzen können und sich von ihrer visuellen Zentrierung auf eine der beiden Dimensionen leiten lassen
Theorien
Theorien (im weiteren Sinne) enthalten Aussagen über theoretische Konstruktre und deren Beziehungen, die sich unserer direkten Erfahrung und Anschauung entziehen
Konstrukte
Eine gedankliche Hilfskonstruktion für die Beschreibung von Phänomenen, die der direkten Beobachtung nicht zugänglich sind, sondern nur aus anderen beobachtbaren Daten erschlossen werden können
Sind nicht ausschließlich reine Gedankengebäude, sondern beziehen sich auf Phänomene des menschlichen Verhaltens und Erlebens, sind aber nicht mit diesen identisch
Bei maximal abstrakten Konstrukten ist der Bezug zur Phänomenebene allerdings nur schwer erkennbar
Theoretische Konstrukte
nur über “Hilfsmittel” erfahrbar & erforschbar
Operationalisierung
Ich muss - geleitet durch eine Theorie oder “Vortheorie” - angeben können, welche Verhaltens- oder Erlebnisweisen ich als Indikator für ein Konstrukt heranziehen möchte
Damit kann man nie den gesamten Bedeutungsraum eines Konstruktes erfassen, es sei denn man reduziert das Konstrukt auf eine operationale Definition
Operationalisierung eines theoretischen Konstrukts
Zur Operationalisierung eines theoretischen Konstrukts gehört mehr als die Angabe der letzlich verwendeten Indikatoren
Die Operationalisierung umfasst eine Spezifikation der Erhebungsmethode, des Erhebnungsinstruments, der Teile des Instruments, die zur Gewinnung der empirischen Informationen benutzt werden sollen, sowie schließlich der Art der Aufbereitung dieser Informationen für die eigentliche Analyse
Daten
Daten sind nicht die Realität selbst, sonder im semiotischen Sinne Zeichen
Sie können das interessierende Phänomen mehr oder weniger gut abbilden, bleiben dabei aber immer Abstraktionen
Daten haben einen Anschein von Objektivität, man muss sich aber immer kritisch fragen, wie Daten zustande kommen und wofür letztendlich Zahlen stehen
nonverbal leakage
Die “wahren” Gefühle sickern ungewollt durchc und werden minimal sichtbar
Wann macht es Sinn von einer Stichprobe zu sprechen?
Macht strenggenommen nur dann Sinn, wenn diese repräsentativ für eine bestimmte Grundgesamtheit ist, sodass von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit geschlossen oder generalisiert werden kann
Generalisierung von einer Stichprobe
ein kühner Schritt, der nur gelingen kann, wenn die Stichprobe auch tatsächlich eine Zufallsauswahl einer wie auch immer definierten Grundgesamtheit darstellt
Gerade dies scheitert aber häufig in der Praxis
Was ist, wenn die Stichprobe strenggenommen gar keine ist?
Dann macht es eigentlich auch wenig Sinn, später Verfahren der schließenden Statistik anzuwenden
Man würde anhand von Unklarem auf Unklares schließen
Interpretiert man die Ergebnisse danach eher vorsichtig im Sinne von (neuen) Hypothesen und nicht im Sinne von Fakten, mag dieses Vorgehe noch seine Berechdtigkeit haben
Ökologische Validität
Bei psychologischen Untersuchungen - vor allem bei Laboruntersuchungen - muss man grundsätzlich die Frage nach ihrer ökologischen Validität stellen
Es sollte kritisch hinterfragt werden, ob die in mehr oder minder artifiziellen Kontexten hergestellte Erkenntnis auch für das Phänomen “draußen in der Welt” gültig ist
Ökologische Validität oder Gültigkeit, laut Bronfenbrenner - 1981
bezeichnet das Ausmaß, in dem die von den Versuchpersonen einer wissenschaftlichen Untersuchung erlebte Umwelt die Eigenschaften hat, die der Forscher voraussetzt
In diesem Sinne können auch Laborexperimente durchaus ökologisch valide Ergebnisse liefern
Voraussetzung für die Beurteilung der ökologischen Validität ist allerdings die Berücksichtigung der Wahrnehmung der Untersuchungssituation durch die Versuchperson - ein Zeil, das nicht leicht und nie vollständig zu erreichen sein dürfte
Varianzanalyse
ein inferenzstatistisches, also von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit “schließendes” Verfahren
beschreibende Statistik
machdt lediglich Aussagen über die Stichprobe
nomothetische Wissenschaft
Gesetzte aufstellende Wissenschaften
naturwissenschaftliches Vorgehen beim Finden und Aufstellen von allgemeinen Gesetzmäßigkeiten
idiographische Wissenschaften
am Einzellfall (Fallstueide) und an der Einzigartigkeit interessierte Wissenschaften
Beschreiben Personen oder Ereignisse
Sozigenetische Ansätze in der Psychologie
betonen den sozialen Ursprung, die soziale Genese (Genese bedeutet Enstehung) psychischer Funktionen, postulieren jedoch mitnichten eine soziale Determiniertheit
Der Mensch setzt sich aktiv und selektiv mit seiner Welt (und sich selbst) auseinander und “schafft” in dieser Auseinandersetzung sich selbst und seine Welt
Umwelterfahrungen und Menschen
Es macht Sinn, der Person eine aktive und konstruktive Rolle in ihrer eigenen Entwicklung zuzusprechen
Umwelterfahrugnen im weiteren Sinne werden nicht 1:1 übernommen, sonder konstruktiv internalisiert
Ausgangspunkt einer sozial- und kulturwissenschaftlich verorteten Psychologie
ist die Überlegung, dass die menschliche Psyche intrinsisch mit der sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Welt verbunden ist
Die Soziale, Gesellschaftliche und Kuturelle hat keinen “Einfluss” auf psychische Funktionen, sondern wird im Laufe der Entwicklung zum Bestandteil dieser
So wirken Kultur, Gesellschaft und sozialer Kontext denn auch nicht im Sinne von unabhängigen Variablen auf menschliches Verhalten und Erleben, denn Variablen sind nur im Reich der Statistik beheimatet
Die Person ist nicht das Abbild der sie umgebenden Welt
George Herbert Mead und die Soziogenese des Selbst
Die psychische Rezeption von Meads Werk zentriert sich hauptsächlich auf dessen soziogenetsiche Gedanken zum Selbst
George Herbert Mead und die Soziogenese des Selbst
Das Selbst
ganz allgemein betrachtet ein maximal komplexes Konstrukt, das sich in der psychologischen Forschung aber trotzdem großer Beliebtheit erfreut
Entsteht in und durch soziale Austauschprozesse, wird gleichzeitig auch personenseitig konstruiert
I und ME sind unterscheidbare, jedoch aufeinander bezogene Phasen des Selbst
George Herbert Mead und die Soziogenese des Selbst
ME
stellt die strukturelle, konventionelle und über die Zeit stabile Komponente des Selbst dar
Repräsentiert die internalisierten Haltungen “sozialer Anderer”, als generalized other letztendlich Gesellschaft an sich
Entsteht durch die Rollenübernahme, vorrangig im kindlichen (Rollen-)Spiel, durch Kommunikation und andere symbolische Prozesse
George Herbert Mead und die Soziogenese des Selbst
I
Wir reagieren immer wieder auf unsere eigenen Rollen und verändern uns dadurch
Diese dynamische Komponente bezeichnet Mead als I - als die immer wieder neue, immer wieder welchselnde Perspektive, die ich auf mich selbst (respektive auf das ME) und die Welt einnehme, ohne dass mir dies im gleichen Moment bewusst wäre
George Herbert Mead und die Soziogenese des Selbst
ME vs I
ME ist ursprünglich konventionell, während das I immer wieder Neuheit generirt
das I ist dabei reflexiv nicht unmittelbar zugänglich, sonder erst ex post facto, als Teil ienes eben durch das I restruktuierten ME
das ME repräsentiert die Vergangenheit, das I die irreversible Dynamik der Gegenwart, die zur Restrukturierung des ME in der Zukunft führt
Das I ist dabei nicht vorhersagbar, seine Dynamik wird nicht durch die aktuelle Situation determiniert
George Herbert Mead und die Soziogenese des Selbst
Meads Annahmen und die Forschung
Die Komplexität Meadscher Annahmen ließ sich bis heute nur schlecht in die psychologische Forschung umsetzen
Es fehlen Methoden, um Strukturen in ihrer sie gleichzeitig verändernen Dynamik zu beschreiben
Als Konsequenz hat sich die psychologische Forschung weitgehend auf die “Erfassung” des ME - veranden als Selbstkonzept - gerichtet und blieb damit hinter Meads theoretischen Ansprüchen weit zurürck
Georg Simmel und das Kultivationsprinzip
George Simmel hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie Individuelles Kulturelles und Kulturelles wiederum Individuelles hervorbringen kann
Konzipiert dabei die Bezogenheit von Individuum und Welt in nichdt reduktionistischer Form
Georg Simmel und das Kultivationsprinzip
Objektive Kultur
ist für den sich entwickelnden Menschen nur insofern erforderlich, als er sie in subjektive Kutur umsetzen kann
Nur dann trägt Kultur zur Vervollständigung der Entwicklung des Menschen Bei, wird zu subjektiver Kultur
Georg Simmel und das Kultivationsprinzip
Kultivation
Ohne Kultur bleibt menschliche Entwicklung “stecken”, man kann niemals seine Potentiale voll ausschöpfen
In einem Prozess der Kultivation jedoch, kann der Mensch zu etwas werden, was er allein nicht zu werden vermag
Freilich tragen nicht alle Formen objektiver Kultur zur Kultivation bei
Kultivation ist ein wechselseitiger Prozess
Lev Vygotsky: Vom Intermentalen zum Intramentalen und das Konzept der “Zone der nächsten Entwicklung”
Besonders die kulturhistorsiche Perspektive der Entwicklungspsychogie stand im Zentrum von Vygotsky Schaffen, der auch Piaget rezipierte und kritisierte
Lev Vygotsky: Vom Intermentalen zum Intramentalen und das Konzept der “Zone der nächsten Entwicklung”
Mittelpunkt der kultur-historsichen Perspektive
Grundannahme, dass die ontogenetische Entwicklung vom Intermentalen zum Intramentalen verläuft
Das was zwischen Menschen passiert, in Sprache, Kommunikation und Handlung, wird internalisiert und bildet so die Grundlage höherer psychischer Funktionen
Dabei spielen kulturelle Werkzeuge, vor allem Zeichen wie zuvorderst die Sprache als semiotisches Werkzeug eine wichtige Rolle
Aus sozialer, gesprochener Sprache wird die innere Sprache, aus der inneren Sprache der Gedanke
Denken ist demnach sozialen Urpsrungs
Lev Vygotsky: Vom Intermentalen zum Intramentalen und das Konzept der “Zone der nächsten Entwicklung”
Zone der nächsten Entwicklung
Entwicklungsprozesse werden sozial “geleitet”, sind dabei aber kein Abbild der sozialen Welt, sondern werden personenseitig konstruiert
Entwicklung spielt sich in einem Bereich, einer Zone zwischen Gegenwart - der Zone der aktuellen Entwicklung - und Zukunft ab
In dieser Zone der nächsten Entwicklung sind potentielle Entwicklungspfade nur rudimentär angelegt
Lev Vygotsky: Vom Intermentalen zum Intramentalen und das Konzept der “Zone der nächsten Entwicklung”
Wie werden die Entwicklungspfade realisiert?
Die Komplettierung der Entwicklung psychischer Funktionen kann sich auf zwei Wegen vollziehen:
- Individuelle Aktivität*
- soziale Leitung*, die sich in vielfältigster Form realisieren kann
- > als Kanalisierung, Unterdrückung, Anweisung, etc.
Die erste Prämisse - individuelle Aktivität - ist dabei obligatorisch
Das “Biogenetische Grundgesetz” (1866)
Zusammenhang zwischen der Embryonal- oder Keimesentwicklung und der Stammesgeschichte (Phyologenese)
→d.h. die Ähnlichkeit zwischen bestimmten embryonalen Analgen und den “im Reifezustand” ausgebildeten Endorganen anderer Tierarten auf Grundlage der Evolutionstheorie erklären
Das “Biogenetische Grundgesetz” (1866)
Relevanz
Wird in der Fachwelt höchst unterschiedlich beurteilt
Ein Konsens scheint sich dahingehend abzuzeichnen, dass unter Berücksichtigung bestimmter Einschränkungen und Modifikationen wesentliche Teilstücke des Grundgesetzes - heute gefasst als Grundregal oder Rekapitulationstheorie - als gültig anerkannt werden
Argument für die Verallgemeinerung aus Einzelfällen (Preyer)
Er war nicht an der Gewinnung von Altersnormen und an individuellen Differenzen im Entwicklungstempo interessiert, sonder an Entwicklungssequenzen, also an der Reihenfolge, in der Leistungen und Fähigkeiten erworben werden
Kritik an der Tagebuchmethode
Die Beobachter*innen kennen die beobachtete Person und sind deshalb zu involiert, um objektiv zu sein
Die Befunde sind nicht generalisierbar etc.
Gegenargumente zur Kuritik an der Tagebuchmethode
Wissenschaftliches Arbeiten heißt auch, die Handlungen und Gedanken unseres Gegenübers zu deuten
auch im wissenschaftlichen Kontext gelingen Deutungen umso besser, je höher die Interpretationskompetenz des Beobachters ist
Die Tagebuchaufzeuchnungen unterstützen diese Kompetenz in besonderer Weise, denn in der Regel werden
- in erster Linie Beobachtungen spontanten Verhaltens in der alltäglichen Lebenswelt gesammelt
- ist die Stichprobe der Beobachtungen sehr umfangreich
im Extremfall nimmt der Beobachter ständig am Leben der beobachteten Person teil
- kennt der Beobachter die beobachtete Person sehr gut
→kann deshalb deren Handlungen und Äußerungen nicht nur “theoriebezogen”, sondern auch “personenbezogen” einordnen und interpretieren
implizite Schemata über Entwicklung
lenken “unbemerkt” unsere Erwartungen gegenüber der Umwelt, anderen Menschen und auch uns selbst
Subjektive Theorien oder Vorstellungen über Entwicklung können selbst entwicklungswirksam sein
Begriff des “Erwachsenenalters” in der Psychologie
Mit dem Begriff wird weitgehend anders umgegangen
→nicht normativ wertend, sondern vielmehr beschreibend
Es geht nicht um die Frage, wie man als Erwachsene*r im Gegensatz zum Kind oder Jugendlichen sein sollte, sondern vielmehr darum, welche Aufgaben, Probleme und Anforderungen an Erwachsene unterschiedlicher Altersphasen gestellt werden und wie diese bewältigt werden können
Entwicklung unter einem engen Entwicklungsbegriff
Entwicklung wird dann als eine mit dem Lebensalter korrelierte, geordnete, gerichtete und universell gültige Reihe von Veränderungfen verstanden
Die Veränderungsschritte lassen sich dabei als aufeinander aufbauende, unumkehrbare und qualitativ unterschiedliche Stufen oder Phasen in Richtung auf einen dem Ausgangszustand höherwertigen Zielzustand hin beschreiben
Angemessenheit eines eng gefassten Entwicklungsbegriffs
Für ide allermeisten Entwicklungsbereiche ist ein enger Entwicklungsbegriff unangemessen
Nicht immer finden sich Veränderungen, die als systematisch auseinander hervorgehende Stufen beschreibbar sind
Auch die normative Setzung eines im Vergleich zum Ausgangszustand höherwertigen Ziel- oder Endzustandes muss angezweifelt werden
Zudem ist Veränderung nicht immer qualitiativ, sonder auch quantitativ konzipierbar
Von universeller Gültigkeit vieler Entwicklungsprozesse kann im Lichte kultureller und gesellschaftlicher Variation nicht die Rede sein
Weiter Entwicklungsbegriff
blendet umweltabhängige und interindividuelle Variation nicht aus
geht von einem aktiven Individuum-im-Kontext aus, das seine eigene Entwicklung mitgestaltet und äußeren (Umwelt) oder biologischen (Reifung) Einflüssen nicht einfach passiv erliegt
Umwelt hat auch einen Einfluss auf das sich entwickelnde Individuum, aber letzteres sucht auch wiederum aktiv bestimmte Umwelten auf und gestaltet sie im Hinblick auf bestimmte Ziele mit
Entwicklung bedeutet nicht immer “höher, schneller, weiter” oder “besser” - auch Abbau ist Entwicklung
→”Gewinne” in einem Bereich gehen mit Verlusten in anderen Bereichen einher - nur bestimmte Entwicklungsbereiche können “optimiert” werden, während alternative Optionen vernachlässigt oder kompensiert werden müssen
Klassische Entwicklungstheorien

Moderne Entwicklungstheorien

Klassische und morderne Entwicklungstheorien

Leitsätze einer Entwicklungspsychologie der Lebensspanne
Lebenslange Entwicklung
Multidirektionalität
Entwicklung als Gewinn und Verlust
Plastizität
Geschichtliche Einbettung
Kontextualismus
Multidisziplinäre Betrachtung
Leitsätze einer Entwicklungspsychologie der Lebensspanne
Lebenslange Entwicklung
Ontogenetische Entwicklung ist ein lebenslanger Prozess. Keine Altersstufe nimmt bei der Bestimmung dessen, was Entwicklung ist, eine Vorrangstellung ein. Während der gesamten Entwicklung (d.h. in allen Phasen der Lebensspanne) können sowohl kontinuierliche (kumulative) als auch diskontinuierliche (innovative) Prozesse auftreten.
Leitsätze einer Entwicklungspsychologie der Lebensspanne
Multidirektionalität
Die Richtung der ontogenetischen Veränderungen variiert nicht nur beträchtlich zwischen verschiedenen Verhaltensbereichen (z. B. Intelligenz versus Emotion), sondern auch innerhalb derselben Verhaltenskategorie. In ein und demselben Entwicklungsabschnitt und Verhaltensbereich können manche Verhaltensweisen Wachstum und andere Abbau zeigen
Leitsätze einer Entwicklungspsychologie der Lebensspanne
Entwicklung als Gewinn und Verlust
Entwicklung bedeutet nicht nur einen Zuwachs in der Kapazität oder einen Zuwachs im Sinne einer höheren Effizienz. Über die gesamte Lebensspanne hinweg setzt sich vielmehr Entwicklung immer aus Gewinn (Wachstum) und Verlust (Abbau) zusammen.
Leitsätze einer Entwicklungspsychologie der Lebensspanne
Plastizität
Psychologische Entwicklung ist durch eine hohe intraindividuelle Plastizität (Veränderbarkeit innerhalb einer Person) gekennzeichnet. Der Entwicklungsverlauf einer Person variiert in Abhängigkeit von ihren Lebensbedingungen und Lebenserfahrungen. Die Hauptaufgabe der entwicklungspsychologischen Forschung liegt darin, das mögliche Ausmaß der Plastizität sowie deren Grenzen zu untersuchen.
Leitsätze einer Entwicklungspsychologie der Lebensspanne
Geschichtliche Einbettung
Ontogenerische Entwicklung variiert auch in Abhängigkeit von historischkulturellen Bedingungen. Der Ablauf der ontogenetischen (altersbedingten) Entwicklung ist stark von den vorherrschenden sozio-kulturellen Bedingungen einer geschichtlichen Ära und deren spezifischem Zeitverlauf geprägt.
Leitsätze einer Entwicklungspsychologie der Lebensspanne
Kontextualismus
In konzeptueller Hinsicht resultiert jeder individuelle Entwicklungsverlauf aus der Wechselwirkung (Dialektik) dreier Systeme von Entwicklungseinf1üssen: altersbedingten, geschichtlich bedingten und nicht-normativen. Das Zusammenspiel und die Wirkungsweise der drei Systeme kann innerhalb der metatheoretischen Prinzipien des Kontextualismus charakterisiert werden
Leitsätze einer Entwicklungspsychologie der Lebensspanne
Multidisziplinäre Betrachtung
Psychologische Entwicklung muss multidisziplinär gesehen werden, also auch im Kontext anderer Disziplinen (z. B. Anthropologie, Biologie, Soziologie), die sich mit menschlicher Entwicklung beschäftigen. Die Offenheit der LebensspannenPerspektive für eine multidisziplinäre Sichtweise impliziert, dass die „rein“ psychologische Betrachtung der lebensumspannenden Entwicklung diese immer nur ausschnittweise repräsentieren kann
Menschen als lebende Systteme
Menschen sind ohne Zweifel lebende Systeme
Lebende Systeme sind offene Systeme, die vom ständigen Austausch mit ihrer Umwelt abhängen
Offene Systeme kennen keine wirklich stabilen Zustände
Wohl aber kann auf dem Wege städniger ablaufender Prozesse vorgeblich Gleiches und Stabiles generiert werden
Einen im eigentlichen Sinne stabilen Zustand über die Zeit hinweg gibt es in lebenden Systemen nicht
Ontogenese
Der Entwicklungsspychologie geht es in erster Linie um Veränderungen, die in größeren und längeren Wellen von Jahren auftreten und die systematisch mit dem Lebensalter korreliert sind
→Es geht um die Individualentwicklung “von der Wiege bis zur Bahre”, um die Onotgenese
Ontogenese
Zeit
Zeit wird hier in erster Linie als Lebensalter verstanden
Ziel der klassischen ontogenetischen Perspektive
Beschreibung und Erklärung mit dem Lebensalter einhergehenden intraindividuellen Veränderungen und interindividuellen Unterschiede in intraindividuelle Veränderungen
Psychische Phänomene “kennen” jedoch nichdt unsere konventionelle Zeitrechnung, auch wenn sie davon beeinflusst werden können
Alter erklärt nichts
Alter ist kein explikatives Konstrukt - Alter ist “kausal impotent”
Alter erklärt nichts, wohl aber die mit dem Alter einhergehenden oder korrellierten Faktoren, die “eigentlich” für bestimmte Entwicklungsergebnisse verantwortlich sind
Alter erklärt nichts
Warum konnt es zu Veränderungen und/oder Stabilität, warum gibt es diesbezüglich inter- und intraindividuelle Unterschiede?
Die Bedingungen dafür können intern oder extern lokalisiert werden
Interne und externe Bedingungen können dabei additiv wirken oder - realistischer- mit einander interagieren
→Das Erreichen eines bestimmten Alters kann auch Entwicklungsprozesse in Gang setzen
Ontogenese und historsiche/gesellschaftliche Veränderungen & Veränderungen innerhalb der Stammesgeschichdte (Phylogenese)
Dass Entwicklung auch in Prozesse der historischen und gesellschaftlichen Veränderung eingebunden ist, lässt darauf schließen, dass Entwicklungsprozesse nicht (nur) natürlich verlaufen
Man kann unterschiedliche Zeitachsen und Zeitdimensionen Aufmerksamkeit schenken, um Veränderungen zu beschreiben
Die Dimension der Zeit in der Ontogenese
Dem Alter als den “bestimmten Orten des zeitlichen Kontinuums” kommt in der ontogenetsichen Betrachtung eine große Rolle zu
Entwicklung wird - in den allermeisten Fällen - in Abhängigkeit vom Lebensalter betrachtet
In den empirischen Designs spielt Alter dabei die Rolle der unabhängigen Variablen, deren Einfluss auf ein bestimmtes psychisches Phänomen - der abhängigen Variablen - studiert wird
Alter ist im eigentlichen Sinne keine “richtige” Variable
→niemand kann mein Alter variieren, ich habe nur eins
Psyche und die künstliche, physikalische Dimension des Alters
Der Vergleich von Zuständen (Kind kann etwas, vs Kind kann etwas nicht), lassen sich die Fragen nach dem Entwicklungsprozess nicht beantworten!
Die Entwicklungslogik einzelner psychischer Phänomene und Funktionen orientiert sich nicht an Altersgrenzen
Die Dimension der Zeit in der Aktualgenese
Die kürzeste Zeitspanne mit gleichzeitig höchster Auflösung ist dem Konzept der Aktualgenese inhärent
Aktualgenese meint die Entstehung und den Verlauf einer menschlichen Aktivität
die grundsätzliche Logik des aktualgenetsichen Ansatzes ist von hoher Relevanz:
→Einem normalerweise unmittelbar erfolgendem Wahrnehmungsergebnis liegt ein komplexer Prozess qualitativer Veränderungen zugrunde
Das was mit einem Schlag auf einmal “da” ist, unterliegt einem Transformationsprozess
Mikro-, Meso- und Makroebene
Sprung von Mikro- auf Makroebene
Ein Sprung von der Mikroebene auf die Makroeben geschieht in aller Regel nicht unmittelbar, auch wenn es Ausnahmen gibt
→Das Er- und Überleben eines Beinahe-Unfalls oder ein Moment der Erfahrung vollständiger Nähe zu einem anderen Menschen können relevant für den gesamten ontogenetischen Lebensweg werden
Mesoebene
Menschliche Erfahrungen werden auf einer “mittleren” Ebene (Mesoebene) organisiert, gefiltert und kanalisiert, dabei aber nicht strikt determiniert
Mikroebene
Wir machen auf der Mirkoebene subjektive Erfahrungen, die kulturelle durch “Rahmen” und Schemata geleitet werden
So finden einzigartige affektive Momente - erst “vermittelt” durch den mesogenetsichen Organisationsbereich - Eingang in die ontogenetsiche Struktur
→der mesogenetsiche Bereich wirkt dabei als “Blockade”, die einen direkten und unmittelbaren Einfluss einzelner Erfahrungen verhindern kann
Urie Bronfenbrenners “Ökologie der menschlichen Entwicklung”
befasst sich mit der fortschreitenden gegenseitigen Anpassung zwischen dem aktiven, sich entwickelnden Menschen und den wechselnden Eigenschaten seiner unmittelbaren Lebensbereiche
Dieser Prozess wird fortlaufend von den Beziehungen dieser Lebensbereiche untereinander und von den größeren Kontexten, in die sie eingebettet sind, beeinflusst
Urie Bronfenbrenners “Ökologie der menschlichen Entwicklung”
Individumm als “wachsende dynamische Einheit”
Das Individuum ist eine “wachsende dynamische Einheit”, die einerseits ihre Umgebung beeinflsust und verändert und andererseits selbst auch von ihrer Umwelt beeinflusst wird (Reziprozität)
Die Umwelt beschränkt sich dabei nicht auf den unmittelbaren Lebensbereich, sondern besteht aus mehreren Lebensbereichen, den Verbindungen zwischen ihnen sowie auch äußeren Einflüssen aus der weiteren Umwelt
Aus ökologischer Perspektive erscheint die Umwelt “topologisch” als eine ineinandergeschachtelte Anordnung konzentrischer, ineinandergebetteter Strukturen
Diese werden als Mikro-, Meso-, Exo-, Makro-, und Chronosysteme bezeichnet
Urie Bronfenbrenners “Ökologie der menschlichen Entwicklung”
Mikrosystem
Ist ein Muster von Tätigkeiten und Aktivitäten, Rollen und zwischenmenschlichen Beziehungen, wie es von der sich entwickelnden Person in einem gegebenen Lebensbereich erlebt wird
Lebensbereiche (settings) sind z.B. Familie, Klassenzimmer, usw
Zusammen mit den Tätigkeiten und Aktivitäten, die zu einem Lebensbereich gehören, den Rollen, die von der sich entwickelnden Person oder von anderen Personen in diesem Lebensbereich ausgeübt werden, und den Beziehungen zwischen den Personen bildet dieser Lebensbereich ein Mikrosystem
Entscheidend ist dabei die von der Person wahrgenommenen Eigenschaften der Umwelt
Urie Bronfenbrenners “Ökologie der menschlichen Entwicklung”
Mesosystem
Umfasst die Wechselbeziehung zwischen den Lebensbereichen, an denen die sich entwickelnde Person aktiv beteiligt ist
Die Verbindung zwischen den Mikrosystemen können auf vielfältige Art zustandekommen, etwa wenn eine isch entwicklende Person einen Lebensübergang erlebt und in einen neuen Lebensbereich eintritt
Verbindungen entstehen auch durch andere Personen, die an zwei Lebensbereichen teilnehmen, oder auch einfach durch die Kenntnisse, die in einem Lebensbereich über den anderen vorhanden sind
Urie Bronfenbrenners “Ökologie der menschlichen Entwicklung”
Exosystem
Unter Exosystem verstehen wir einen Lebensbereich oder mehrere Lebensbereiche, an denen die sich entwickeldne Person nicht selbst beteiltigt ist, in denen aber Ereignisse stattfinden, die beeinflussen, was in ihrem Lebensbereich geschieht oder die davon beeinflusst werden
Urie Bronfenbrenners “Ökologie der menschlichen Entwicklung”
Makrosystem
Bezieht sich auf die grundsätzliche formale und inhaltliche Ähnilchkeit der Systeme niedriger Ordnung (Mikro-, Meso- und Exo-), die in der Subkultur oder der ganzen Kultu bestehen und bestehen könnten, einschließlich der ihnen zugrunde liegenden Weltanschauungen und Ideologien
Urie Bronfenbrenners “Ökologie der menschlichen Entwicklung”
Chronosystem
Bezieht sich auf langfristige Forschungsmodelle, in denne die zeitliche Veränderung oder Stabilität nicht nur der sich entwickelnden Person, sonder auch des Umweltsystems in Betracht gezogen werden können
Methoden der Entwicklungspsychologie
Wie kann man mit dem Alter einhergehende Veränderungen in der Ontogenese erfassen?
Es gibt zwei klassische Methoden:
Querschnittmethode
→es werden Stichproben unterschiedlichen Alters ein einziges Mal hinsichtlich der Ausprägung eines Merkmalsbereiches untersucht und dann miteinander verglichen
Längsschnittmethode
Es wird eine altershomogene Stichprobe über die Zeit und damit über das fortschreitende Lebensalter hinweg mehrfach hinsichtlich der Ausprägung eines Merkmalsbereiches untersucht
Querschnittmethode
pragmatisch gesehen einfachste und vorallem schnellste Art, Aussagen über ontogenetische Entwicklung entlang des Alters zu machen
Es werden Stichproben von Individuen aus verschiedenen Altersgruppen mit demselben oder einem vergleichbaren Insturument zu einem bestimmten Zeitpunkt jeweils ein einziges Mal im Hinblick auf den interessierenden Merkmalsbereich untersucht
Das Lebensalter wird als unabhängige Variable, die mit dem Instrument erfasste Ausprägung des Merkmalsbereiches als abhängige Variable betrachtet
Unterschiede zwischen den Werten der Stichproben werden auf Unterschiede des Alters zurückgeführt
Unterschiede des Alters wiederum werden unter Rückgriff auf andere, eigentlich interessierende Ursachen erklärt
Querschnittmethode
Kritik
Die unterschiedlichen Stichproben sollen sich nur in einem einzigen Merkmal systematisch unterscheiden, nämlich in ihrem Alter
Dies ist jedoch nicht notwendigerweise der Fall, da Kohorten mit Alterseffekten konfundiert (vermischt) sind oder sein können
→unterschiedliche Generationen
Querschnittmethode sagt nichts über individuelle Entwicklungsverläufe aus, da nicht das Individuum in seinen zeitlichen Verändernungen Bezugspunkt der Erhebung von Altersunterschieden ist, sondern verschiedene Gruppen von Individuen in den verschiedenen Altersstufen
Es liegen nur Angaben über Altersdifferenzen zwischen verschiedenen Stichproben vor. Man schließt aus den altersspezifischen Mittelwerten auf die „typischen“ Entwicklungskurven. Inwieweit allerdings die Durchschnittskurve die individuellen Entwicklungsverläufe beschreibt, muss dabei zwangsläufig offenbleiben. Damit ist weder die Erstellung von intraindividuellen Entwicklungsfunktionen noch die Analyse interindividueller Unterschiede in den intraindividuellen Veränderungen möglich. Insbesondere liefern Querschnittuntersuchungen keine Daten über die Richtung der in den einzelnen Altersgruppen erfolgenden individuellen Veränderungen, sondern nur über die interindividuelle Streuung einer Variablen in den einzelnen Altersgruppen. So können hypothetisch ganz unterschiedliche individuelle Veränderungsverläufe bei einer Querschnittanalyse zum gleichen Ergebnis führen.
Längsschnittmethode
methodischer Königsweg der Entwicklungspsychologie
eine altershomogene Stichprobe wird über die Zeit und damit über das fortschreitende Lebensalter hinweg mehrfach hinsichtlich der Ausprägung eines Merkmalsbereiches mit demselben oder einem vergleichbaren Instrument untersucht
Lebensalter wird als unabhängige Variable betrachtet, die gewonnen Datenwerte als abhängige Variable
→erlaubt individuelle Entwicklungsverläufe nachzuzeichnen
Längsschnittmethode
Nachteile und Kritik
Sobald die individuellen Werte über das Alter hinweg gemittelt werden, treten die gleichen Probleme wie bei der Querschnittuntersucuhung auf
→im Unterschied zu letzterer besteht jedoch die Möglichkeit zu überprüfen, inwieweit die Individualkurven durch die Durchschnittskurve zutreffend wiedergegeben werden
Die Längsschnittuntersuchung ist sehr zeitaufwendig
Wiedergewinnung der immer gleichen Versuchsteilnehmer/innen ist schwierig
Die Stichprobe ist nicht immer eine Zufallsstichprobe, denn in der Regel melden sich zur Teilnahme an einem Längsschnitt nur besonders interessierte oder motivierte Versuchspersonen
Das Auftreten von Testungseffekten ist ein Nachteil
Die Kohortenspezifität oder Generationsspezifität (Kopplung der Gruppe an die historsiche Zeitspanne) ist ein wichtiger Nachteil, was die Generalisierbarkeit auf andere Generationen oder Zeitspannen erheblich in Frage stellt
Wie kann man Fehler von Längs- und Querschnittstudien kontrollieren?
Dazu bieten sich Kombinationsmöglichkeiten zur Kontrolle einzelner Fehlerquellen an
→diese werden in der entwicklungspsychologischen Forschung allerdings kaum genutzt
Das Konzept der Entwicklungsaufgabe
Eine Entwicklungsaufgabe ist eine Aufgabe, die sich in einer bestimmten Lebensperiode des Individuums stellt
Ihre erfolgreiche Bewältigung führt zu Zufriedenheit und Erfolg, ein Versagen zu Unzufriedenheit, Ablehnung durch die Gesellschaft und Schwierigkeiten bei der Bewältigung späterer Aufgaben
Das Konzept der Entwicklungsaufgabe
Quellen der Entstehung einer Entwicklungsaufgabe - Havighurst (1948)
Havighurst unterscheidet zwischen drei Quellen der Entstehung einer Entwicklungsaugabe:
- physische Reife
- kultureller Druck (Erwartung der Gesellschaft)
- individuelle Zielsetzung / Werte
→Diese drei Komponenten lassen sich heute fassen als:
- individuelle Leistungsfähigkeit (incl. körperliche Entwicklung)
- soziokulturelle Entwicklungsnorm
- individuelle Zielsetzung in einzelnen Lebensbereichen
Das Konzept der Entwicklungsaufgabe
Entwicklung nach Havighurst
Beinhaltet ein lebenslanges Überwinden von Problemen, wobei dem Individuum eine aktive Rolle bei der Gestaltung eingeräumt wird
Das Konzept der Entwicklungsaufgabe
Wandel im Laufe der Zeit (früher vs. heute)
Das, was 1948 im westlichen Kontext für Erwachsene gelten mochte, besitzt ganz sicherlich keine universelle Gültigkeit
Wenn man also die Bewältigung von bestimmten Entwicklungsaufgaben in bestimmten Kontexten beschreiben möchte, beschreibt man nicht menschliche Entwicklung ganz allgemein
Ein solcherart generiertes Wissen ist lokal und zeitgebunden
Erik Erikson: Themen und Krisen über die Lebensspanne
Erikson & Freud
Erikson wendet sich in mancherlei Hinsicht von Freud ab
Er beschreibt Entwicklung nicht in Form von psychosexuellen, sondern psychosozialen Phasen
Psychosoziale Entwicklung nach Erik Erikson
- Thema: Vertrauen versus Missvertrauen (1. Lebensjahr)
- Thema: Autonomie versus Scham und Zweifel (2. und 3. Lebensjahr)
- Thema: Initiative versus Schuldgefühl (4. und 5. Lebensjahr)
- Thema: Werksinn versus Minderwertigkeitsgefühl (6. Lebensjahr bis Pubertät)
- Thema: Identität versus Identitätsdiffusion (Adoleszenz)
- Thema: Intimität und Solidarität versus Isolierung (Beginn des Erwachsenenalters)
- Thema: Generativität versus Stagnation und Selbstabsorption (mittleres Erwachsenenalter)
- Thema: Integrität versus Verzweiflung (spätes Erwachsenenalter)
Psychosoziale Entwicklung nach Erik Erikson
- Thema: Vertrauen versus Missvertrauen (1. Lebensjahr)
Vertrauen entsteht aus der Erfahrung, dass zwischen der Welt und den persönlichen Bedürfnissen Übereinstimmung herrscht
Da sich ein Neugeborenes noch nicht selbst regulieren kann, müssen seine Bedürfnisse von anderen befriedigt und reguliert werden
Positive Erfahrungen führen zu Vertrauen gegenüber der Pflegeperson
Jedoch werden auch andere Erfahrungen gemacht:
→Nicht immer kann die Pflegeperson sofort und prompt den Bedürfnissen des Säuglings nachkommen, was in “Missvertrauen” resultiert
Es ist wichtig, dass ein Kind sowohl vertrauens- als auch missvertrauenserzeugende Ereignisse kennenlernt
Entscheidend für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung ist jedoch, dass sich das Vertrauen durchsetzt
Psychosoziale Entwicklung nach Erik Erikson
- Thema: Autonomie versus Scham und Zweifel (2. und 3. Lebensjahr)
Das Kind macht erste Erfahrungen der Selbstständigkeit
Es lernt Regeln kennen und äußeren (Sanktion) und inneren (Scham) Konsequenzen des Regelbruches
Wichtig für eine erfolgreiche Bewältigung dieser Phase ist es, dass die Autonomie-Erfahrungen sich stärker ausbilden als Scham und Zweifel
Psychosoziale Entwicklung nach Erik Erikson
- Thema: Initiative versus Schuldgefühl (4. und 5. Lebensjahr)
Das Kind differenziert sich zunehmend von der Umwelt und versucht die Realität zu erkunden, was sich in unzähligen Fragen äußert sowie im Ausprobieren unterschiedlicher Rollen im Spiel
Es kann seine Umgebung selbstständiger erforschen
Wichtig in dieser Phase ist aber auch die Ausbildung der Schuldgefühle
Die soziale Umgebung sollte jdoch den positiven Pol weitmehr befördern
Psychosoziale Entwicklung nach Erik Erikson
- Thema: Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl (6. Lebensjahr bis Pubertät)
Das Kind ist lernbegierig
Es erlebt Anerkennung durch die Ausübung kognitiver Fähigkeiten
Es entwickelt einen “Werksinn”
Falls hierbei die Erfolgserlebnisse ausbleiben, entwickelt sich mit der Zeit ein Minderwertigkeitsgefühl
Für eine gesunde Entwicklung ist es deshalb nötig, dass den Kindern Erfolgserlebnisse ermöglicht werden, wobei sie durchaus Misserfolgserlebnisse kennenlernen sollten