4. NIÖ Flashcards

1
Q

Was sind Institutionen laut der Neuen Institutionenökonomik (NIÖ)?

A

Institutionen sind Ordnungs- und Regelsysteme, die das Verhalten von Individuen, Gruppen und Gemeinschaften beeinflussen und es erwartbar machen. Sie können formelle Spielregeln (z. B. Gesetze, Verträge, Eigentumsrechte) oder informelle Spielregeln (z. B. Traditionen, soziale Normen, Werte) sein. Douglass North beschreibt Institutionen als „Spielregeln einer Gesellschaft“.

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2
Q

Welche Prämissen liegen der NIÖ zugrunde?

A
  • Unvollkommene Information: Akteure verfügen nicht über alle Informationen, um optimale Entscheidungen zu treffen.
  • Informationskosten: Informationen sind mit Kosten verbunden (z. B. Zeit, Geld).
  • Informationsasymmetrie: Eine Partei hat bessere Informationen als die andere.
  • Begrenzte Rationalität: Menschen sind kognitiv limitiert und handeln oft nicht vollständig rational.
  • Opportunismus: Akteure verfolgen eigene Interessen, auch auf Kosten anderer.
  • Koordinationsprobleme: Interessen verschiedener Akteure sind schwer abzustimmen.
  • kein einheitliches Theoriegebäude sondern mehrere methodologische verwandte Ansätze
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3
Q

Welche Rolle spielen Transaktionskosten in der NIÖ?

A

Transaktionskosten umfassen die Kosten für die Suche, Verhandlung und Überwachung von Transaktionen. Sie sind ein zentraler Bestandteil der NIÖ, da sie die Effizienz wirtschaftlicher Interaktionen maßgeblich beeinflussen. Ziel der NIÖ ist es, diese Kosten zu minimieren, um Ressourcen zu schonen.

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4
Q

Wie unterscheiden sich Märkte, Netzwerke und Hierarchien in der Organisation von Transaktionen?

A
  • Markt: Effizient bei niedriger Faktorspezifität und Unsicherheit; dezentral organisiert.
  • Netzwerk: Effizient bei mittlerer Faktorspezifität; Mischung aus Markt und Hierarchie.
  • Hierarchie: Effizient bei hoher Faktorspezifität und Unsicherheit; zentralisiert mit direkter Kontrolle.
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5
Q

Was versteht man unter Faktorspezifität, und warum ist sie relevant für die Wahl der Organisationsform?

A

Faktorspezifität beschreibt, wie spezifisch ein Gut oder eine Ressource für eine bestimmte Transaktion ist. Hohe Spezifität (z. B. maßgeschneiderte Maschinen) erfordert oft Hierarchien, um Unsicherheiten zu minimieren. Niedrige Spezifität (z. B. standardisierte Rohstoffe) begünstigt Märkte.

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6
Q

Was sind die zentralen Ansätze (Teilgebiete) der NIÖ?

A
  • Transaktionskostentheorie: Minimierung von Transaktionskosten.
  • Prinzipal-Agent-Theorie: Lösung von Interessenkonflikten zwischen Prinzipal (Auftraggeber) und Agent (Beauftragter).
  • Eigentumsrechtstheorie: Einfluss von Eigentumsrechten auf Ressourcennutzung und Effizienz.
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7
Q

Wie tragen digitale Technologien zur Reduktion von Transaktionskosten bei?

A

Digitale Technologien wie KI, Blockchain, Plattformen und Cloud-Dienste tragen erheblich zur Reduktion von Transaktionskosten bei, indem sie:

  1. Such- und Informationskosten senken: Schnellere und präzisere Informationsbeschaffung durch Suchmaschinen, Plattformen und Algorithmen.
  2. Koordination und Kommunikation vereinfachen: Automatisierte Analysen, KI-gestützte Verhandlungsunterstützung, Smart Contracts für automatische Vertragsausführung.
  3. Kontrollprozesse effizienter gestalten: Mithilfe von KI und Big Data können potenzielle Probleme oder Risiken im Voraus erkannt werden.

Dies ermöglicht Unternehmen nicht nur Kosteneinsparungen, sondern auch schnellere und transparentere Abläufe.

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8
Q

Was sind die Folgen der Digitalisierung auf Organisationen und Geschäftsmodelle?

A
  • Neue Technologien verändern Transaktionskosten und stellen traditionelle Organisationsformen in Frage.
  • Es entstehen neue Geschäftsmodelle (z. B. Plattformen wie Airbnb) und Netzwerke, die auf datengetriebenen Entscheidungen basieren.
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9
Q

Wie definiert die Neue Institutionenökonomik (NIÖ) den Begriff „Marktversagen“?

A

Marktversagen tritt auf, wenn wünschenswerte Transaktionen nicht stattfinden oder nicht wünschenswerte Transaktionen stattfinden.

Ziel der NIÖ ist es, Marktversagen zu verhindern und effiziente Transaktionen zu ermöglichen.

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10
Q

Was sind institutionelle Arrangements und wie unterscheiden sie sich vom institutionellen Umfeld?

A
  • Institutionelles Umfeld: Bezieht sich auf die allgemeinen Rahmenbedingungen (Makroebene) wie Gesetze, Verordnungen und soziale Normen, die das Verhalten der Akteure beeinflussen.
  • Institutionelle Arrangements: Umfasst konkrete Mechanismen und Strukturen (Mikroebene), die Transaktionen einzelner Beziehungen organisieren, z. B. Verträge, Partnerschaften oder Netzwerke.
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11
Q

Warum sind Verfügungsrechte für die NIÖ zentral?

A

Verfügungsrechte legen fest, wer über eine Ressource oder ein Gut entscheiden darf. Klare Verfügungsrechte reduzieren Unsicherheiten und Transaktionskosten, während unklare Rechte zu Konflikten und Ineffizienzen führen.

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12
Q

Was ist der Unterschied zwischen Produktions- und Transaktionskosten?

A
  • Produktionskosten: Kosten für die Herstellung eines Guts oder einer Dienstleistung, z. B. Material- und Arbeitskosten.
  • Transaktionskosten: Kosten, die durch die Organisation, Abwicklung und Überwachung von Transaktionen entstehen, z. B. Such-, Verhandlungs- und Überwachungskosten.
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13
Q

Welche Vorteile bietet die Digitalisierung bei der Erfassung von Transaktionen?

A
  • Erhöhung der Effizienz: Transaktionen können schneller und präziser erfasst werden.
  • Neue Monetarisierungsmöglichkeiten: Beispiele sind Erlösmodelle wie Shazam (Musikerkennung) oder OpenTable (digitale Reservierungen).
  • Bessere Entscheidungsgrundlagen: Datenanalyse ermöglicht gezielte Geschäftsentscheidungen.
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14
Q

Was sind Opportunismus und begrenzte Rationalität, und wie beeinflussen sie die NIÖ?

A
  • Opportunismus: Akteure handeln eigennützig, auch wenn sie andere täuschen müssen, um Vorteile zu erlangen.
  • Begrenzte Rationalität: Menschen treffen Entscheidungen basierend auf unvollständigen Informationen und kognitiven Einschränkungen. Beide Faktoren führen zu Unsicherheiten und beeinflussen die Gestaltung von Institutionen und Verträgen.
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15
Q

Welche neuen Geschäftsmodelle entstehen durch digitale Technologien?

A

Digitale Technologien schaffen Plattformen und Netzwerke, die Austauschbeziehungen systematisch erfassen und verwerten. Beispiele:
- Airbnb: Ermöglicht die Vermietung von Wohnraum durch private Anbieter.
- Shazam: Monetarisiert Musikerkennung durch Partnerschaften mit Plattformen.

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16
Q

Wie hilft die Transaktionskostentheorie bei der Gestaltung von Organisationen?

A

Die Theorie erklärt, wann es effizienter ist, Transaktionen über Märkte, Netzwerke oder Hierarchien abzuwickeln. Sie unterstützt Organisationen bei Entscheidungen über Outsourcing, Eigenfertigung und Vertragsgestaltung.

17
Q

Was bedeutet Faktorspezifität, und welche Herausforderungen bringt sie mit sich?

A

Faktorspezifität beschreibt, wie einzigartig ein Gut für eine Transaktion ist. Hohe Spezifität führt zu Abhängigkeiten und erhöhten Transaktionskosten, da spezialisierte Ressourcen schwer austauschbar sind.

18
Q

Wie verändern digitale Technologien traditionelle Unternehmensstrukturen?

A
  • Digitale Technologien machen Austauschbeziehungen messbar und steuerbar.
  • Sie fordern flexible, datengetriebene Organisationsmodelle.
  • Traditionelle Strukturen (z. B. Reisebüros) werden durch Plattformmodelle (z. B. Booking.com) ersetzt.
19
Q

Wie lassen sich Informationsasymmetrien in der Neuen Institutionenökonomik (NIÖ) erklären, und welche Lösungen schlägt die Theorie vor?

A

Informationsasymmetrien entstehen, wenn eine Partei über bessere oder vollständigere Informationen verfügt als die andere. Die NIÖ erklärt Informationsasymmetrien als Hauptursache für Marktineffizienzen und opportunistisches Verhalten.

Lösungen:

  1. Signaling (Signalisierung): Die besser informierte Partei sendet glaubwürdige Signale, um ihre Qualität oder Absichten zu offenbaren. z.B. Ein Unternehmen zeigt durch Zertifikate oder Gütesiegel die Qualität seiner Produkte.
  2. Screening: Die schlechter informierte Partei führt Maßnahmen durch, um mehr Informationen zu erhalten. z.B. Ein Versicherungsunternehmen verwendet Fragebögen oder Gesundheitschecks, um das Risiko eines Kunden einzuschätzen.
  3. Vertragsgestaltung: Verträge werden so gestaltet, dass sie opportunistisches Verhalten verhindern und Anreize für kooperatives Verhalten schaffen. z.B. Ein Logistikunternehmen wird für jede pünktliche Lieferung mit einem Bonus belohnt, während Verzögerungen zu Abzügen führen
20
Q

Welche Bedeutung haben Transaktionskosten bei der Entscheidung über „Make-or-Buy“ und wie beeinflusst dies digitale Geschäftsmodelle?

A

Transaktionskosten sind zentral für die Entscheidung, ob ein Unternehmen eine Leistung intern erbringt (Make) oder extern beschafft (Buy). Digitale Technologien senken diese Kosten durch Automatisierung und Plattformmodelle.

21
Q

Inwiefern beeinflusst die Eigentumsrechtstheorie die Gestaltung von Plattformen in der digitalen Ökonomie?

A

Die Eigentumsrechtstheorie betont die Bedeutung klarer Verfügungsrechte. Plattformen kontrollieren häufig Nutzerdaten und setzen Spielregeln, was Effizienz und Vertrauen fördert, aber auch Abhängigkeiten schafft.

22
Q

Welche Rolle spielt Opportunismus bei der Gestaltung von Netzwerken und Plattformen?

A

Opportunismus bezeichnet eigennütziges Verhalten. Netzwerke und Plattformen nutzen Mechanismen wie Reputationssysteme oder Sanktionen, um opportunistisches Verhalten zu minimieren.

23
Q

Welche Auswirkungen hat die Faktorspezifität auf die strategische Partnerschaft zwischen Unternehmen in digitalen Netzwerken?

A

Hohe Faktorspezifität führt zu Abhängigkeiten zwischen Partnern. Strategien wie Langzeitverträge oder Ko-Investitionen reduzieren Unsicherheiten in digitalen Netzwerken.

24
Q

Warum können Netzwerke eine effektivere Organisationsform als Hierarchien oder Märkte sein?

A

Netzwerke kombinieren die Flexibilität von Märkten mit der Stabilität von Hierarchien. Sie eignen sich besonders für mittlere Unsicherheiten und Faktorspezifitäten und fördern langfristige Kooperation.

25
Q

Wie kann die Transaktionskostentheorie auf digitale Plattformen angewendet werden, und welche neuen Herausforderungen entstehen?

A

Digitale Plattformen reduzieren Transaktionskosten durch Automatisierung und Transparenz. Herausforderungen sind jedoch Datenmonopole und langfristige Preissteigerungen durch Netzwerkeffekte.

Erklärung:

Langfristig führen Netzwerkeffekte oft zu Marktkonzentration, bei der wenige große Plattformen den Markt dominieren (z. B. Amazon, Google, Facebook). Diese Plattformen können ihre Preissetzungsmacht ausnutzen, da es kaum Alternativen gibt.

26
Q

Wie adressiert die Principal-Agent-Theorie Herausforderungen in der Plattformökonomie?

A

Die Principal-Agent-Theorie ist ein wichtiger Ansatz, um die Herausforderungen in der Plattformökonomie zu verstehen und zu adressieren. Sie analysiert Beziehungen, bei denen ein Principal (z. B. Plattformbetreiber) einen Agenten (z. B. Anbieter oder Nutzer) mit der Ausführung bestimmter Aufgaben beauftragt. In der Plattformökonomie gibt es oft asymmetrische Informationsverteilungen und Interessenkonflikte zwischen diesen Akteuren, die zu ineffizientem Verhalten führen können:

a) Informationsasymmetrie: Der Agent hat mehr Wissen als der Principal.
Beispiel: Vermieter kennt die tatsächliche Qualität seiner Unterkunft besser als der Mieter (Airbnb).
b) Moral Hazard: Der Agent zeigt nach Vertragsabschluss weniger Einsatz oder handelt opportunistisch.
Beispiel: Lieferant liefert minderwertige Produkte, obwohl hohe Qualität versprochen war (Amazon).
c) Adverse Selection: Schlechte Anbieter oder Produkte werden aufgrund fehlender Informationen bevorzugt.
Beispiel: Fahrer ohne ausreichende Sicherheitsstandards werden zugelassen (Uber).
d) Hold-up-Probleme: Plattformen nutzen ihre Macht aus, da Anbieter/Nutzer von ihnen abhängig sind.
Beispiel: Anbieter müssen höhere Gebühren zahlen, da es keine Alternativen gibt (Amazon).

Die Principal-Agent-Theorie bietet ein Framework, um typische Herausforderungen der Plattformökonomie zu analysieren und zu adressieren. Sie schlägt konkrete Mechanismen wie Screening, Bewertungs- und Anreizsysteme sowie Vertragsgestaltung vor, um Probleme wie Informationsasymmetrien, moralisches Risiko oder adverse selection zu lösen. Diese Ansätze fördern Transparenz, Vertrauen und Effizienz in der Plattformökonomie.

27
Q

Welche Implikationen hat die Digitalisierung auf das institutionelle Umfeld?

A

Die Digitalisierung verändert das institutionelle Umfeld, etwa durch neue Regulierungen (z. B. DSGVO) und veränderte soziale Normen (z. B. Akzeptanz digitaler Zahlungen).

28
Q

Welche Herausforderungen entstehen durch Marktversagen in der digitalen Ökonomie, und wie kann es verhindert werden?

A

Marktversagen in der digitalen Ökonomie entsteht durch Datenmonopole, starke Netzwerkeffekte, Informationsasymmetrien und fehlenden Wettbewerb. Diese Probleme führen zu Marktkonzentration, eingeschränkter Innovation und einer Abhängigkeit von wenigen Plattformen.

Um Marktversagen zu vermeiden, können staatliche Regulierungen gegen Monopole, die Förderung von Datenportabilität, der Einsatz von Transparenzmechanismen wie Reputationssystemen und dezentrale Technologien wie Blockchain genutzt werden. Diese Maßnahmen sorgen für mehr Wettbewerb, Vertrauen und eine faire Marktstruktur.