KoWI_Einführung Flashcards

1
Q

Wie wird Mediale Kommunikation vermittelt?

A

Mittels verschiedener Medientypen, an verschiedene Publika mit unterschiedlichen Öffentlichkeitsgraden.

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2
Q

Wie wird Kommunikationswissenschaft am IKMZ verstanden?

A

Am IKMZ verstehen wir Kommunikationswissenschaft als eine sozialwissenschaftliche Forschungsdisziplin,
die sich mit den Bedingungen, Folgen und Bedeutungen von medialer Kommunikation befasst.

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3
Q

Welche verschiedenen Ausrichtungen im Feld der Kommunikations- und Medienwissenschaften gibt es?

A
  • die sozialwissenschaftlich orientierte Kommunikationswissenschaft
  • die geistes- und kulturwissenschaftliche Medienwissenschaft
  • die an der Informatik orientierte Medientechnologie
  • die wirtschaftswissenschaftliche Beschäftigung mit Medien u. Kommunikation
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4
Q

Was bedeutet ‘sozialwissenschaftliche Orientierung’ der KoWi?

A

KoWi will gesicherte Erkenntnisse über Mediengesellschaft und darin eingebettete Individuen gewinnen. Dazu zählen z.B. Mediensysteme, -strukturen, -öffentlichkeiten, -inhalte, -akteure, -nutzer sowie deren Wandel
KoWi will Prozesse verstehen und erklären. Dazu verwendet sie Theorien mittlerer Reichweite über spezifische Kommunikationsaspekte. Sie untersucht sie mit systematischen Methoden, die zu empirischen (erfahrungsbasierten), intersubjektiv nachprüfbaren Befunden führen.
Zu den Methoden gehören u.a. Leitfadeninterviews, Dokumentenanalyse, Befragung, Inhaltsanalyse, Experiment, Beobachtung, Digital Tracking, Netzwerkanalyse u.a.
Neben quantitativ-standardisierten Methoden (Fokus auf reliable Messung, statistische Analyse,
Verallgemeinerbarkeit) kommen auch qualitativ-unstandardisierte Verfahren (Fokus auf Tiefenschärfe, Detailinterpretation, Einzelfall) zum Einsatz.

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5
Q

Was wird unter Materialobjekt verstanden?

A

Untersuchungsgegenstände: Welche Objekte untersuchen wir?

Kommunikatoren, Inhalte, Medien, Rezipienten, Effekte

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6
Q

Was wird unter Formalobjekten verstanden?

A

Erkenntnisziel: worüber wollen wir etwas wissen?

Medienbezogene Kommunikationsprozesse, die unterschiedliche Arten bzw. Grade von Öffentlichkeit herstellen

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7
Q

Welche zwei Stränge gelten als Basis für die heutige Kommunikationswissenschaft im DACH-Raum

A

zeitungs- bzw. publizistikwissenschaftliche Tradition des deutschen Sprachraumes -> Mittelpunkt waren Medien und publizistische Persönlichkeiten

Kommunikationswissenschaftliche Tradition angloamerikanischer Herkunft -> Mittelpunkt ist empirische analytische Untersuchung von Kommunikationsprozessen

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8
Q

Mit was befasst sich das Fach?

A
  • Rechtlichen und politischen Bedingungen als Ordnungsrahmen
  • Ökonomische Gesetzmässigkeiten und wirtschaftliche Zwänge
  • Organisationsformen, Medienverfassungen und Strukturen die im System Massenkommunikation und bei Onlinemedien vorzufinden sind
  • Technisch bedingte Funktionsweisen und Eigengesetzlichkeiten der Medien die für Gestaltung und für Rezeption und Wirkung der vermittelten Inhalte von Bedeutung sind
  • Medienschaffende die Inhalte und Programme der Massenmedien produzieren
  • Rezeptionsgewohnheiten und Nutzungsweisen der Medienkonsumenten
  • Kommunikation in den sozialen Netzwerken, Blogs, Kommentaren etc.
  • Individuelle Wirkungen und gesellschaftliche Folgen die von medien- vermittelter Kommunikation ausgehen können
  • Verhältnis von Politik und Medien
  • Public Relations und Werbung und deren Abgrenzung von journalistischer Kommunikation
  • Erforschung der Organisations- und Unternehmenskommunikation
  • Vor- und Nachgelagerte Erscheinungen der Massenkommunikation
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9
Q

Was ist eine mögliche Einteilung der Forschungsfelder in der KoWi, orientiert an Lasswell?

A
Kommunikator-Forschung
Aussagen-Forschung
Medien-Forschung
Rezipienten-Forschung
Wirkungs-Forschung
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10
Q

Welche Ebenen der Theorien gibt es?

A

Makrotheorie => ganzheitliche Betrachtung des Materialobjektes / hoher Abstraktionsgrad
Mesotheorie => Teilausschnitte des Phänomens, Theorien “mittlerer Reichweite”
Mikrotheorie => ausgewählte, hochkomplexe Teilbereiche “geringe Reichweite”

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11
Q

Gegenstand der Kommunikationswissenschaft befindet sich im Wandel, von besonderer Bedeutung sind dabei

A

Digitalisierung
Globalisierung
Mediatisierung
Ökonomisierung

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12
Q

Kommunikation kann laut Maletzke in folgenden Arten erfolgen

A

direkt / indirekt
einseitig / wechselseitig
privat / öffentlich
in Anwesenheit / in Abwesenheit

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13
Q

Entwicklung von Kommunikation und Gesellschaft gem. Luhmann

A

Primitive / archaische Gesellschaftssysteme: klein, jeder kann mit jedem kommunizieren
Städtisch zentrierte Hochkulturen: differenziertere Interaktion, sowohl horizontal als auch vertikal. Es existieren eindeutige territoriale Grenzen zur Sicherung der Geltungsbereiche von Macht und Herrschaft.
Technisch-industriell fundierte Gesellschaftssysteme: Netz von überregionalen Kommunikationsmöglichkeiten ist vorhanden und weitet sich immer mehr aus.
-> Komplexe Gesellschaftssysteme können nicht ohne neuartige Formen der Kommunikation integriert und erhalten werden

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14
Q

Daniel Bell (1976): Wandel zur post-industriellen Gesellschaft:

A

Postindustrielle Gesellschaft, Beginnende Vernetzung der Kommunikationstypen
Informations-und Kommunikationssystem

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15
Q

Manuel Castells (erste Ausgabe 1996): Wandel zur Netzwerkgesellschaft

A

Netzwerkgesellschaft: informationeller Kapitalismus, Vollständig vernetzte Kommunikation
Internet als World Wide Web

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16
Q

Entwicklung der Massenkommunikation als Abfolge von Phasen und Meilensteinen

A
Vorindustrielles Zeitalter (vor 1700)
- 1450: Erste Druckerpresse von Johannes Gutenberg -> ermöglicht Zeitungsdruck

Industriezeitalter (1700 bis 1930)
Erfindung von Telephon, Telegraph, Radio und Schreibmaschine

Die frühen 1900er Jahre: Beginn des Goldenen Zeitalters für Fernsehen, Radio und Kino
Erfindung des Fernsehens, erste Radio-Werbesendungen und TV-Übertragungen -> TV als Massenkommunikation

Elektronisches Zeitalter (1930er bis 1980er Jahre)
Erste tragbare Telefone, Computer, E-Mail
- 1950: Das Schwarz-Weiß-Fernsehen kommt auf den Markt und wird zum Mainstream

Entwicklung der neuen Medien (21. Jahrhundert)
Neue Medien wie Facebook, Twitter, Tumbler entwickeln sich - Basis ist das Internet
- 1991: Das World Wide Web wird ins Leben gerufen: Tim Berners-Lee am CERN, Genf

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17
Q

Disperses Publikum…

A

kennzeichnet die gemeinsame, (weitgehend) zeitgleiche Zuwendung zu Angeboten der Massenmedien
ist ein flüchtigessoziales Gebilde, das immer nur von Fall zu Fall dadurch entsteht, dass sich eine Anzahl räumlich getrennter Menschen denselben Aussagen der Massenkommunikation zuwenden (Bsp.: viele Schweizer Wohnzimmer schauen ‘10 vor 10’)
hat Mitglieder, die verstreutsind, also voneinander isoliert und füreinander anonym. Sie wissen lediglich, dass noch zahlreiche andere Menschen dieselbe Aussage ebenfalls aufnehmen
ist heterogen, mit Personen aus verschiedenen sozialen Schichten, deren Interessen, Einstellungen, Lebens-und Erlebensweise oft sehr weit voneinander abweichen
ist unstrukturiert, unorganisiertund ohne kollektive Identität. Salopp: Die Masse ist aufgelöst und ruhiggestellt
wird durch die Möglichkeit der zeitunabhängigen «On Demand»-Nutzung (z.B. Netflix) noch verstreuter

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18
Q

Kommunikation ist definiert als ein Vorgang zwischen Menschen mit

A

–den Bestandteilen Kommunikator (A, B), Aussage, Medium, Rezipient (A, B) sowie Wechselseitigkeit
–dem grundlegenden Ziel der Bedeutungsvermittlung und Verständigung
–(dem speziellen Ziel der Interessensrealisierung in einer bestimmten Situation)
–der Verwendung eines Kommunikationskanals bzw. Mediums
–der Verwendung eines Zeichen-und Bedeutungsvorrats, der zwischen Kommunikationspartnern geteilt wird

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19
Q

Massenkommunikation wird von Maletzke(1963) definiert als ein Prozess, bei dem Aussagen

A

-öffentlich(d.h. ohne begrenzten oder personell definierten Empfängerkreis),
-indirekt(d.h. bei raum-zeitlicher Distanz zwischen den Kommunikationspartnern),
-einseitig(d.h. in der Regel ohne Rollenwechsel zwischen Kommunikator und Rezipient)
-durch technische Verbreitungsmittel (nämlich Massenmedien)
-an ein disperses Publikum
vermittelt werden.

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20
Q

Eine Mediengesellschaft ist durch folgende Merkmale geprägt (Jarren & Donges, 2011):

A
  1. Hohe quantitative und qualitative Ausbreitung der Massenmedien
  2. Herausbildung neuer Medienformen neben herkömmlichen Massenmedien
  3. Zunahme der Vermittlungsleistung und -geschwindigkeit von Informationen durch Medien.
  4. Die spezifischen Logiken der Medien durchdringen alle gesellschaftlichen Bereiche (Medialisierung) – darauf reagieren anderen mit Ausbau ihrer PR-Aktivitäten
  5. Wegen ihren hohen Beachtungs- und Nutzungswerte erlangen Medien gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeit und Anerkennung
  6. Medien werden zum Taktgeber einer modernen, funktional differenzierten Gesellschaft, wirken integrierend.
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21
Q

‘Wirklichkeit’ in der Mediengesellschaft (nach Luhmann)

A
  1. Die Nachrichtenmedien bestimmen unser Bild von der Realität.
  2. Allerdings: Die Nachrichtenmedien sind ein eigenes Funktionssystem mit eigener Logik.
  3. Zur Berichterstattung wählen sie nicht notwendigerweise das aus, was von einem
    übergeordneten Standpunkt aus für die Gesellschaft gut und vernünftig wäre.
  4. Sie wählen vornehmlich das aus, was für die Medien selbst sinnvoll ist. Ihre «Operationscodes» sind
    Information/Nichtinformation bzw. Aktuell/Nicht Aktuell
  5. Weil jede Information sofort beim Akt der Mitteilung veraltet, sind die Medien darauf angewiesen, immer
    wieder Neues, notwendigerweise Anderes, Abweichendes auszuwählen – und als «die» Realität darzustellen.
  6. Das Normale, Unaufgeregte ist nach diesem Code nicht brauchbar.
  7. Unser aus den Massenmedien bezogenes Realitätsbild ist eine Konstruktion der Medien nach deren eigenen
    Regeln. Dessen sind wir uns bewusst, und orientieren uns dennoch daran (Paradoxie der Mediengesellschaft).
  8. Die Medien liefern eine Beschreibung der Realität; Künstlerinnen und Kommunikationssoziologinnen eine
    andere.  Moderne Gesellschaften leben mit vielen konkurrierenden Realitätsentwürfen..
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22
Q

‘Wirklichkeit’ in der Mediengesellschaft (nach Merten)

A
  1. Reale, faktische Realität (aus erster Hand)
  2. Beobachtete Realität (geformt durch Medien, PR)
  3. Aktuelle Wirklichkeit (aus zweiter Hand), dient einzelnen Rezipienten als Handlungsgrundlage
  4. Beobachtung aktueller Wirklichkeit ( =Reaktionen)
  5. Strategische Wirklichkeit (tertiäre Metawirklichkeit, dient vielen als Wahrheitsersatz) = Beobachtung von beobachteter Wirklichkeit
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23
Q

Strukturen der modernen Kommunikationsgesellschaft

A

Soziale Struktur bezeichnet aus soziologischer Perspektive einen Komplex von Handlungsmustern, die als Regelmässigkeit des sozialen Lebens erkennbar werden. Diese Regelmässigkeiten verändern sich im Kontext historisch-gesellschaftlicher Bedingungen.
Strukturen der Kommunikationsgesellschaft: Muster / Regelmässigkeiten des kommunikativen Handelns stehen im Zentrum der Betrachtung.

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24
Q

Gesellschaftliche Evolution nach Daniel Bell:

A

Problem: Transport von Materie
Lösung: Verkehrsnetze
Gesellschaftstyp: vorindustrielle Gesellschaft

Problem: Transport von Energie
Lösung: Verbungsnetze
Gesellschaftstyp: industrielle Gesellschaft

Problem: Transport von Information
Lösung: Informationsnetze
Gesellschaftstyp: postindustrielle Gesellschaft

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25
Q

Welche allgemeinen Modelle der Massenkommunikation haben wir betrachtet?

A

Lasswell-Formel
Westley & MacLean’s Model
Maletzke Feldschema
Godullas Integratives Modell

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26
Q

Welche spezifischen Modelle der Massenkommunikation haben wir betrachtet?

A

Vom One Step zum Multi Step Flow of Communication

Vom primären Gatekeeping zum sekundären Gatekeeping

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27
Q

Lasswell-Formel

A

Who Says What In Which Channel To Whom With What Effect?”

Stärken des Modells:
einfach, wichtige Elemente, zentrale Forschungsbereiche
Schwächen:
Einbahnstrasse, Feedback fehlt, statische Deskription

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28
Q

Westley & MacLean‘s Model (1957)

A

Der Prozess der Nachrichtenvermittlung wird als einen mehrfach selektiven und dynamisch rückkoppelnden Vorgang dargestellt. Die Faktoren des Modells sind

  • A (Advocacy roles) symbolisieren den Kommunikator
  • B (behavioral system roles) symbolisieren die Rezipienten / das Publikum
  • C (channel roles) symbolisiert das Medium (jene Person welche als Gatekeeper fungiert)
  • f (Feedback-Prozess)

Stärken:
Mehrstufige Selektion von Ereignissen + Botschaften,
Bezüge zwischen Instanzen
Schwächen:
Medien als organisationslos und interessenlos
Kein gesell. Kontext

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29
Q

Maletzke‘s Feldschema (1963)

A

Modell dass die ganzheitliche Struktur des Systems Massenkommunikationen betont, es sieht darin ein Beziehungssystem zwischen den Grundfaktoren Kommunikator, Aussage, Medium und Rezipient.

Stärken:
ganzheitliche Sicht auf Beziehungssystem der
Massenkommunikation Orientierungen, Abhängigkeiten, Zwänge u. Feedback berücksichtigt
Schwächen:
Kommunikatorenrolle unklar Gesellschaftl. Einbettung der Massenkommunikation fehlt

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30
Q

Vom primären Gatekeeping zum sekundären Gatekeeping

A

Primäres Gatekeeping als Nachrichtenauswahl Monopol der Journalistinnen …wird ergänzt um
sekundäres Gatekeeping aktiver Teilnehmer
innen
der Öffentlichkeit als Produser

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31
Q

Vom One Step zum Multi Step Flow of Communication

A

Von der einfachen Konsumation der Medieninhalte,
zur interpersonalen Weitergabe der Inhalte,
hin zur Netzwerkartigen Konsumation und Weitergabe von Inhalten

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32
Q

Funktionen der Medien

A
Informationsfunktion
Bildungsfunktion
Soziale Funktion
Politische Funktion
Ökonomische Funktion
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33
Q

Informationsfunktion

A

Die Informationsfunktion der publizistischen Medien schliesst eine grundlegende Selektionsfunktion und Konstruktion einer Medienrealität ein.

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34
Q

Bildungsfunktion

A

Medien tragen wesentlich zur Tradition von Wissen bei. Die Konstruktion von Medienrealität und die medienvermittelte Tradierung von Wissen bedeutet, dass die Medien auch eine herausragende Bildungsfunktion aufweisen. Schulische und ausserschulische Lernprozesse sind ohne Medien nicht mehr denkbar.

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35
Q

Soziale Funktion

A

Publizistische Medien erfüllen mindestens vier soziale Funktionen
○ Sozialisationsfunktion: Sozialisation = Erlernen und Einüben von Normen und Rollen in der Gesellschaft.
○ Integrationsfunktion: Herstellung eines Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühls.
○ Soziale Orientierung: Alltagsorganisation und Problembewältigung, mitunter treten Medien partiell an die stelle persönlicher Beratungen und Alltagshilfe.
○ Rekreationsfunktion: Wiederherstellung der Kräfte / Ausgleich zur Arbeit

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36
Q

Politische Funktion

A

○ Öffentlichkeitsfunktion: Herstellung von Öffentlichkeit
○ Kritik- und Kontrollfunktion: staatliche Macht wird durch die öffentliche Kommunikation in den Medien kontrolliert.
○ Artikulationsfunktion: Forum der Meinungen in ihrer Vielfalt
○ Korrelationsfunktion: kollektive Willensbildung / rationaler Konsens
○Politikvermittlungsfunktion: Vermittlung der politischen Entscheide und Themen

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37
Q

Ökonomische Funktion

A

○ Reproduktionsfunktion: Steigern der Produktivität, da Medien zur Erholung der Arbeitstätigen beitragen
○ Affirmationsfunktion: nicht nur individuelle Arbeitskraft wird reproduziert, dadurch wird das ganze kapitalistische System stabilisiert. Sie bestätigen die kapitalistische Ideologie (Affirmation).
○ Zirkulationsfunktion: Medien sind auf (Werbe-)Finanzierung angewiesen, haben deshalb entsprechend konsumförderliches redaktionelles Angebot.
○ Transparenzfunktion: Schnellere und bessere Information der Konsumenten dank Medien.
○ Akkumulationsfunktion: Medienbranche gehört zu profitablen / wachsenden Wirtschaftszweigen. Die Chance hier weiteres Kapital “anzuhäufen” (Akkumulation) ist hoch.
○ Beschäftigungsfunktion: Medienorganisationen sind Arbeitgeber

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38
Q

Was ist Öffentlichkeit? (nach Neidhardt, 1994)

A

Öffentlichkeit ist ein offenes Kommunikationsforum für alle, die etwas sagen oder das, was andere sagen, hören wollen. Hier können Meinungen zu Themenmitgeteilt, weitergeleitet und wahrgenommen werden.
Öffentlichkeit als Gesamtforum umfasst verschiedene Öffentlichkeiten, die sich je nach Teilnehmerzahl,
Kommunikationsstruktur, Arena und Macht auf verschiedenen Ebenen von Öffentlichkeit befinden.

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39
Q

Ebenen-Modell

A
  • Basis der Pyramide ist die Encounter-Ebene. Dabei geht es um mehr oder weniger spontane Zusammenkünfte (auf der Straße, am Arbeitsplatz oder im Wohnbereich) mit sehr geringer oder gar keiner Rollenverteilung: Jeder Teilnehmer kann zugleich Sprecher und Teil des Publikums sein, die Rolle eines Vermittlers gibt es auf dieser Ebene noch nicht.
  • Die mittlere Ebene stellt die Themen- oder Versammlungsöffentlichkeit. Dabei trifft man bereits auf ,,thematisch zentrierte lnteraktions- und Handlungssysteme” in Form von Demonstrationen und Veranstaltungen, die zwar auch noch spontan entstehen können, aber bereits eine (wenn auch noch flexible) Rollendifferenzierung (Sprecher, Vermittler, Publikum) aufweisen.
  • Die Spitze der Pyramide bildet die Medienöffentlichkeit. Die Differenzierung in Akteurs- und Publikumsrollen ist hier stark ausgeprägt, das Publikum ist mehr oder weniger dauerhaft vorhanden und es bilden sich ausserdem (überregionale) ,,Leitmedien” heraus, die ,,eine führende Stellung einnehmen und Anschlusskommunikation ermöglichen”
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40
Q

Arena-Modell

A

Galerie: Zuschauer
Arena: Raum der Diskussion
Debatte: Zwischen den Speakern

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41
Q

Normative Ansprüche an ein idealisiertes

Modell politischer Öffentlichkeit

A

Transparenzfunktion: Offenheit: „Öffentlichkeit soll offen sein für alle gesellschaftlichen Gruppen sowie für alle Themen und Meinungen von kollektiver Bedeutung“
Validierungsfunktion: Diskursivität: „Öffentlichkeitsakteure sollen mit den Themen und Meinungen anderer diskursiv umgehen und ihre eigenen Themen und Meinungen unter dem Druck der Argumente anderer gegebenenfalls revidieren“
Orientierungsfunktion: Überzeugung: „Öffentliche Kommunikation, die von den Öffentlichkeitsakteuren diskursiv betrieben wird, erzeugt ‘öffentliche Meinungen’, die das Publikum als überzeugend wahrnehmen und akzeptieren kann“

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42
Q

Problem der “alten” Medienöffentlichkeit

A

Hatte Probleme Transparenzfunktion und Validierungsfunktion zu gewährleisten, deswegen auch ein Fragezeichen bei der Erfüllung der Orientierungsfunktion.
Dies wegen
- zwang zur Selektion
- Kapazitätsgrenzen
- zwang zur Komplexitätsreduktion
- Neigung zur strategischen Kommunikation

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43
Q

Öffentlichkeit in Mediengesellschaft (traditionell)

A

Starke ‘Sprecher’ (Kommunikationsprofis)
Starke‘ Vermittler’ (massenmediale Gatekeeper)
Schwaches‘ Publikum’ (wenig Beteiligungschancen)

Traditionelle Medien spezialisiert auf Massenkommunikation an disperses Publikum.
Öffentlich i.S. von offen für alle, für Fremde

Mythos integrierter Öffentlichkeiten
(Leitmedien im Zentrum der Überlegungen)

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44
Q

Öffentlichkeit in integrierter Netzwerkgesellschaft (traditionell+ web)

A

Starke ‘Sprecher’ (mehr Kommunikationsoptionen)
Geschwächte Journalisten, starke neue Plattformen
Erstarktes ‘Publikum’ (User & Producer = Produser)

Neue Plattformenspezialisiert auf medial vermittelte semi-private und semi-öffentlicheKommunikation.
Öffentlich i.S. von fliessenden Grenzen, Hybridformen

Mythos personalisierter Öffentlichkeiten
(Nutzerpräferenzen und Plattformen im Zentrum der Überlegungen)

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45
Q

Die moderne Gesellschaft ist nach Saxer durch drei besonders wichtige Funktionssysteme charakterisierbar, mit jeweils unterschiedlichen funktionalen Zuständigkeiten

A
  • lm politischen System steht die Ausübung von Macht zur Steuerung der Gesellschaft im Mittelpunkt. Dazu bedarf es der Durchsetzung allgemein verbindlicher Entscheidungen.
  • Das wirtschaftliche System reguliert die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen. Dazu sind Marktgesetze und Wettbewerbsregeln nötig. Es geht um die Definition von Berufen, um die Festlegung von Warenmerkmalen sowie um ,,den Umgang mit Geld”.
  • Das kulturelle System ist schließlich mit den lnstitutionen Erziehung, Kunst und Religion für die gesellschaftliche Bereitstellung von Sinn zuständig.

-> Bei der Wahrnehmung dieser funktionalen Zuständigkeiten bedürfen die Funktionssysteme ,der Publizität, die das Mediensystem zuteilt.

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46
Q

Die Quantitäts- und Aufmerksamkeitsparadoxie

A

Durch das Internet ist eine bislang unvorstellbare Informationsmenge im Prinzip für alle verfügbar. Allerdings sind die meisten Menschen in der Regel weder zeitlich noch von ihrer sachlichen Kompetenz her in der Lage, dieser Vielzahl an Informationsquellen entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen.

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47
Q

Die Qualitäts- und Glaubwürdigkeitsparadoxie

A

Das quantitative Wachstum von lnformationsangeboten im Netz hat auch qualitative Auswirkungen. Es herrscht ,Unsicherheit über die Qualität der Angebote. Bei vielen Online-Quellen existiert überdies keine flächendeckende Qualitätssicherung durch eine Redaktion

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48
Q

Die Vermittlungsparadoxie

A

Wenn Informationen (prinzipiell) für alle verfügbar sind, dann scheint auf den ersten Blick die professionelle Vermittlungsleistung der Journalisten (Gatekeeper) obsolet zu werden. Journalisten könnten sich (unter Nutzerbeteiligung) als Moderatoren öffentlicher Kommunikation im lnternet betätigen und so den Zugang der Nutzer zur Öffentlichkeit unterstützen

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49
Q

Fünf Krisen nach Pörksen

A
  • Wahrheitskrise Der Einzelne verfügt immer weniger ,,über die Möglichkeit privat-persönlicher Authentizitätskontrolle”. So können wir die Quellen von Nachrichten im Netz oftmals nicht angemessen einschätzen, bisweilen 9ar nicht erkennen.
  • Diskurskrise Die Macht der Massenmedien in Gestalt ihrer journalistischen Gatekeeper, die für die tägliche Agenda an Themen verantwortlich sind, ist mit der Digitalisierung zwar nicht verschwunden, aber ihr Einfluss ist durchbrochen worden.
  • Autoritätskrise Weil im digitalen Zeitalter unentwegt beobachtet, fotografiert, gefilmt, gepostet wird, bleibt immer weniger im Verborgenen, die Diskretion verschwindet tendenziell. Die Funktion von Transparenz-und Öffentlichkeit ist allerdings Auch mit einer elementaren Demontage von Autorität(en) verbunden, denn durch permanente Nähe geht die Aura des Geheimnisvollen verloren
  • Behaglichkeitskrise In einer permanent vernetzten Welt können wir uns von verstörenden, irritierenden Nachrichten trotz potentieller Filterblasen und Echokammern nicht wirklich abschotten.
  • Reputationskrise Die Möglichkeit, etwas öffentlich anzuprangern steht heute grundsätzlich jedem offen und auch das Publikum, das in der Welt der offline-Massenmedien noch zur Passivität verurteilt war, hat an Einfluss gewonnen. Unbedeutende Normverletzungen können durch Reaktionen des aktiven Publikums in Hochgeschwindigkeiten zu Skandalen gemacht und die involvierten Akteure nachhaltig in ihrer Reputation geschädigt werden.
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50
Q

Was ist ein Mediensystem?

A

«Der Begriff ‘Mediensystem’ beschreibt die Gesamtheit von Ordnungen oder Strukturen, die Medien in einem definierten Raum –zumeist ein Staat – charakterisieren.»
Mediensystemesind ein Gefüge von Medien (als Organisationen und Institutionen) innerhalb einer Gesellschaft (zumeist Nationalstaat) sowie den Beziehungen

  • der Medien untereinander (intermediäres Verhältnis)
  • der Medien zu Akteuren auf den vor-und nachgelagerten Märkten (z.B. Werbewirtschaft, Kabel, Telekommunikationsunternehmen)
  • zu anderen gesellschaftliche Teilsystemen (z.B. Politik, Wirtschaft, Kultur, etc.)
  • zu anderen Mediensystemen und inter-bzw. supranationalen Organisationen (z.B. Europarat, EU, WTO, Unesco).
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51
Q

Fünf zentrale Aspekte von Mediensystemen

A

Abgrenzung: Welche Elemente gehören zum System und was gehört zur Umwelt des Systems?
Struktur: Elemente des Mediensystems (v.a. Medienorganisationen) und deren Beziehungen zueinander.
Austauschbeziehungen: Wechselwirkungen mit anderen gesellschaftlichen Teilsystemen, mit anderen Mediensystemen oder internationalen Organisationen.
Funktionen und Leistungen: Welche Funktionen und Leistungen erbringen Mediensysteme für eine Gesellschaft und andere Teilsysteme?
Prozesse: Veränderungen und Wandel von Mediensystemen über die Zeit.

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52
Q

Typologien von Mediensystemen

A

Die Besonderheiten eines Mediensystems, aber auch Gemeinsamkeiten mit anderen Mediensystemen lassen sich besonders gut im Vergleich erkennen.
Mögliche Typologien:
– Marktgrösse
– Verhältnis zwischen Medien und Politik

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53
Q

Definition von Kleinstaatlichkeit

A

Anhand von absoluten Indikatoren wie der Anzahl Einwohner*innen, der geografischen Grösse oder der Grösse des Bruttosozialproduktes (absolute approach)

An der subjektiven Empfindung der Kleinheit (attributive approach)

Relational, im Verhältnis zu andern Ländern, meist Nachbarländern (relational approach)

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54
Q

Kleinstaat Schweiz

A
  • Ressourcenknappheit: Die Rezipienten-, Werbe-, Ereignis- und Informationsmärkte sind im Vergleich zu Grossstaaten klein. Dies verschärft sich in mehrsprachigen Ländern. Die Produktion von Medieninhalten ist teurer (hohe Fixkosten), das potential zur Finanzierung ist geringer als in Grossstaaten.
  • Spillover-Effekt: Bevölkerungsreiche Regionen von Kleinstaaten liegen oft nahe an der Grenze zu grossen, gleichsprachigen Nachbarländern. Spillover meint, dass Radio- und Fernsehprogramme aus dem Nachbarland automatisch ins eigene Land einstrahlen und empfangen werden können. Deshalb müssen einheimische Medien mit ausländischen Konkurrieren. Dieser Effekt wird meist durch eine gute (Netz-)Infrastruktur verstärkt.
  • Hohe Ausländische Medienpräsenz: Ausländische Medieninhalte werden in Kleinststaaten in viel höherem Ausmass genutzt als in Grossstaaten.
  • Auslandsorientierung / Next-Door-Giant-Phänomen: In den Nachrichten nehmen Meldungen über grosse Nachbarländer einen wichtigen Stellenwert ein.
  • Abhängigkeit: Kleinststaaten mit hohem Spillover-Effekt sind zum Teil von medienpolitischen Entscheidungen grosser Nachbarländer abhängig. Entscheide in Nachbarländern können den Druck auf eine Reform der Radio- und Fernsehgesetzgebung in Kleinststaaten verstärken.
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55
Q

Drei Modelle von Medien und Politik nach Hallin& Mancini (2004)

A

Demokratisch-korporatistisches Modell
Polarisiert-pluralistisches Modell
Liberales Modell

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56
Q

Demokratisch-korporatistisches Modell

A

Presse hat sich früh entwickelt und hat (noch immer) hohe Marktanteile. Verbindung von Politik und Medien ist eng. Journalismus besteht aus Mischung verschiedener Leitbilder; informationsorientiert, neutral-professionell und zugleich kommentarorientiert. Medien werden für wichtige soziale Institutionen gehalten, entsprechend hoch ist Regulierung / Unterstützung. Öffentliche Rundfunksender nehmen eine wichtige Rolle ein.

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57
Q

Polarisiert-pluralistisches Modell

A

Elektronische Medien geniessen einen hohen Stellenwert, die Presse hat einen eher kleinen Marktanteil und ist Eliteorientiert. Verbindung zwischen Medien und Politik sind eng, Medien werden häufig instrumentalisiert. Autonomie des Journalismus ist gering / oft mit politischer Aktivität verbunden.

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58
Q

Liberales Modell

A

Pressefreiheit und kommerzielle Massenpresse haben sich früh entwickelt, Bedeutung der Presse hat abgenommen. Verbindung von Medien und Politik sind gering, Rolle des Staates im Medienbereich ist limitiert. Journalismus orientiert sich stark an eigenen, professionellen Regeln.

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59
Q

Pressemarkt im Schweizer Mediensystem

A

Herausragende Bedeutung der Presse für die Schweiz

Vergleichsweise geringe Fernsehnutzung
-> Die Schweiz ist ein Presseland

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60
Q

Mediennutzung in der Schweiz nach Alter

A

Junge und alte Schweizer*innen haben unterschiedliche Hauptinformationsquellen für News

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61
Q

Politischer Parallelismus im Schweizer Mediensystem

A

Historisch: lange eher starker Parallelismus der Schweizer Presse
– Zeitungen entstanden im 19. Jahrhundert als Ausdrucksmittel politischer Protestbewegungen
Artikulation und Interessensvertretung durch bewusste gefärbte Meinungsangebote
Journalistische Tätigkeit als politische Arbeit
– Im europäischen Vergleich hat sich die «Partei-oder Gesinnungspresse» am längsten gehalten.
– 1996 Trennung von politischen Amt und journalistischer Tätigkeit durch Schweizer Presserat
– Bis heute haben unabhängige Zeitungen erkennbare politische Profile, die historisch erklärbar sind (z.B. NZZ)

Heute: teilweiser politischer Parallelismus (v.a. in der Presse)
– Presse: vom partei-politischenhin zum politisch-ideologischen Parallelismus
– Der öffentliche Schweizer Rundfunk ist auf parteipolitische Neutralität verpflichtet

62
Q

Professionalisierung des Journalismus im Schweizer Mediensystem

A

Späte Professionalisierung des Journalismus in der Schweiz im internationalen Vergleich
– Späte Trennung von Journalismus und Politik (siehe politischer Parallelismus)
– Gründung von Journalismus-Schulen und -Gewerkschaften erst ab den 1960er-Jahren
– Akademische Ausbildung im Bereich Kommunikationswissenschaft und Medienforschung erst ab den 1970er-Jahren

63
Q

Rolle des Staates im Schweizer Mediensystem

A

Bundesgesetz in allen Kantonen gleichermassen geltend

Zweifache medienpolitische Zielsetzung des Bundes:

  1. Freiheitsrechte (Meinungs-, Informations-und Medienfreiheit) wahren und damit Staatseinfluss limitieren
  2. Hinreichende und hochwertige Medienversorgung gewährleisten (Entwicklung und Förderung)
64
Q

Der demokratische Korporatismus besteht aus drei Komponenten:

A
  • Zentralisation und Konzentration von Interessegruppen: Ein Grossteil von Arbeitgebern und -Nehmern ist in Interessegruppen Eingebunden. Diese führen miteinander Verhandlungen und können die Ergebnisse bei der Basis i.d.R. durchsetzen.
  • Ideologie einer Sozialpartnerschaft von Arbeitnehmern und Arbeitgeber auf nationaler Ebene: Dies kann zu einer etwas ausgeglichenen Teilung von wirtschaftlichen Verlusten und Gewinnen führen.
  • Koordination von Zielkonflikten durch freiwillige, informelle und kontinuierliche politische Verhandlungen: Divergierende Zielsetzungen von Interessegruppen werden koordiniert und ausgeglichen. Zusammenarbeit und Konsens wird durch die relativ geringe Anzahl an Personen begünstigt.
65
Q

Was ist Wettbewerb?

A

– Keine allgemein akzeptierte Definition
– Wettbewerb als Sammelbezeichnung für verschiedenste Vorgänge und Sachverhalte
– Ist Marktgeschehen wettbewerblich? Beurteilt anhand von Kriterien zu Marktstruktur, Marktverhalten & Marktergebnis
– Begriff bekommt Bedeutung durch u.a. Beschreibung von Funktionen sowie von Zielen, die auf wettbewerbspolitischen Leitbildern beruhen

66
Q

Wettbewerbsfunktionen

A

– Freiheitsfunktion
– Entdeckungs- bzw. Fortschrittsfunktion
– Anpassungs- bzw. Allokationsfunktion
– Verteilungsfunktion

67
Q

Zielkonflikt: Schutz von Wettbewerb oder Wettbewerber?

A

Unterschiedliche Wettbewerbskonzepte
– Momentan herrschende Doktrin: allgemeines
Wettbewerbsrecht soll wirksamen Wettbewerb (Prozess) schützen, Ziel ist Konsumentenwohlfahrt und ökonomische Effizienz
– Im Medienbereich: Erhalt von Meinungsvielfalt und
Anbietervielzahl – Schutz von Wettbewerbern
– Schutz von Wettbewerbern u.a. derzeit in USA in
Zusammenhang mit Internet-Plattformen diskutiert

68
Q

Allgemeines Wettbewerbsrecht

A

Auf alle Kommunikationssektoren anwendbar, zielt auf wirksamen Wettbewerb

  • Kartellverbot
  • Missbrauchsaufsicht über marktbeherrschende Unternehmen
  • Zusammenschluss-/Fusionskontrolle
69
Q

Sektorenspezifische Regeln

A

Telekommunikation (rel. Einheitlich)
- U.a.: Zusammenschaltung (Interconnection), Entbündelung, Diskriminierungsverbot, Nummernportabilität, Transparenzvorschriften,
Preiskontrolle

Medien (rel. uneinheitlich)

  • CH: Besondere Missbrauchsaufsicht bei Gefährdung der Meinungs und Angebotsvielfalt
  • A & CH: Begrenzung Anzahl Konzessionen oder Zulassungen, Beteiligungsgrenzen beim Erreichen von Reichweiten
70
Q

Der Drei-Kriterien-Test zeigt, welche Märkte vorab regulierungsbedürftig sind

A
  • Beträchtliche Marktzutrittsschranken
  • Längerfristig nicht zu wirksamen Wettbewerb tendieren
  • Anwendung des allg. Wettbewerbsrecht reicht nicht aus, um dem Marktversagen entgegenzuwirken
71
Q

Bislang gibt es ungelöste theoretische, empirische und methodische Probleme der Medienkonzentrationskontrolle, so die Fragen:

A
  • Inwieweit traditionelle Konzentrationsindizes / Konzentrationsraten für den Kommunikationssektor adäquat sind
  • wie der relevante Markt in einem zunehmend konvergenten Sektor zu definieren ist
  • was überhaupt Medienvielfalt ist und wie sie gemessen werden kann
  • Welche Marktstrukturen welche Inhalte hervorbringen und mit welchen Einfluss auf die Meinungsbildung
  • Wie die Kombinierte Marktmacht zunehmend crossmedial integrierte Unternehmen gemessen werden kann
72
Q

Zwei Grundrechtsfunktionen

A
  1. Abwehrrechte gegen den Staat (gegen öffentliche Gewalt)
  2. Schutzrechte durch den Staat (gegen private Gefahren)
  • Wichtig: Staat ist jeweils alleine verpflichtet; Grundrechte
    binden stets nur den Staat
  • Keine unmittelbare Bindung von Privatpersonen oder (privaten)
    Unternehmen
73
Q

Art. 35 Verwirklichung der Grundrechte

A

1 Die Grundrechte müssen in der ganzen Rechtsordnung zur Geltung kommen.
2 Wer staatliche Aufgaben wahrnimmt, ist an die Grundrechte gebunden und verpflichtet, zu ihrer Verwirklichung beizutragen.
3 Die Behörden sorgen dafür, dass die Grundrechte, soweit sie sich dazu eignen, auch unter Privaten wirksam werden.

74
Q

Funktionen der Kommunikationsgrundrechte

A

Individuelle (menschenrechtliche) Dimension
– Persönliche Entfaltung
Gesellschaftliche (demokratische) Dimension
– Instrumente zum Schutz der Demokratie

75
Q

Art. 16 Meinungs- und Informationsfreiheit

A

1 Die Meinungs- und Informationsfreiheit ist gewährleistet.
2 Jede Person hat das Recht, ihre Meinung frei zu bilden und sie ungehindert zu äussern und zu verbreiten.
3 Jede Person hat das Recht, Informationen frei zu empfangen, aus allgemein zugänglichen Quellen zu beschaffen und zu verbreiten.

76
Q

Art. 17 Medienfreiheit

A

1 Die Freiheit von Presse, Radio und Fernsehen sowie anderer Formen der öffentlichen fernmeldetechnischen Verbreitung von Darbietungen und Informationen ist gewährleistet.
2 Zensur ist verboten.
3 Das Redaktionsgeheimnis ist gewährleistet.

77
Q

Art. 93 Radio und Fernsehen

A

1 Die Gesetzgebung über Radio und Fernsehen sowie über andere Formen der öffentlichen fernmeldetechnischen Verbreitung von Darbietungen und Informationen ist Sache des Bundes.
2 Radio und Fernsehen tragen zur Bildung und kulturellen Entfaltung, zur freien Meinungsbildung und zur Unterhaltung bei. Sie berücksichtigen die Besonderheiten des Landes und die Bedürfnisse der Kantone. Sie stellen die Ereignisse sachgerecht dar und bringen die Vielfalt der Ansichten angemessen zum Ausdruck.
3 Die Unabhängigkeit von Radio und Fernsehen sowie die Autonomie in der Programmgestaltung sind gewährleistet.
4 Auf die Stellung und die Aufgabe anderer Medien, vor allem der Presse, ist Rücksicht zu nehmen.

78
Q

Art. 36 Einschränkungen von Grundrechten

A

1 Einschränkungen von Grundrechten bedürfen einer gesetzlichen Grundlage. Schwerwiegende Einschränkungen müssen im Gesetz selbst vorgesehen sein. Ausgenommen sind Fälle ernster, unmittelbarer und nicht anders abwendbarer Gefahr.
2 Einschränkungen von Grundrechten müssen durch ein öffentliches Interesse oder durch den Schutz von Grundrechten Dritter gerechtfertigt sein.
3 Einschränkungen von Grundrechten müssen verhältnismässig sein.
4 Der Kerngehalt der Grundrechte ist unantastbar.

79
Q

Community Censorship

A

Einschränkungen durch Gesellschaft und Unternehmen, z.B.:

  • Boykott durch Individuen und Unternehmen
  • Öffentliche Entrüstung die zu Konsequenzen führt (z.B. Kündigung)
80
Q

Selbstbeschränkung

A
  • Keine Veröffentlichung bestimmter Inhalte (z.B. zum Schutz der MA)
81
Q

Chilling Effekte

A
  • Abschreckungseffekt bei Informationssuche, 15% empfinden solche Effekte oft oder immer
  • Abschreckungseffekt bei Selbstdarstellung, 26% lassen sich oft oder immer einschränken
82
Q

Was verstehen wir unter Medienproduktion?

A

Die Produktion von Informations-und Unterhaltungsangeboten durch Individuen in Teams, Organisationen, Unternehmen innerhalb von kontextuellen Strukturen.
Vielzahl der Faktoren, die Einfluss auf die Produktion von Medieninhalten haben:
– Wer produziert Medieninhalte?
– Mit welchen praktischen Routinen?
– Innerhalb welcher organisationalen Bedingungen?
– Unter welchen ökonomischen, politischen und kulturellen Bedingungen?
– Mit welchen gesellschaftlichen, ideologischen Zielen?

83
Q

Was verstehen wir unter Medieninhalten?

A

Medieninhalte: das gesamte Spektrum der visuellen und verbalen Informationen, die in den so genannten Massenmedien und zunehmend in kleineren, interaktiven und zielgerichteten Kanälen verbreitet werden (Shoemaker& Reese).

84
Q

Mirror Hypothesis

A

Medieninhalte als objektiver Spiegelder gesellschaftlichen/sozialen Realität

85
Q

Media Bias

A

Voreingenommenheit der Medien, verzerrte Mediendarstellungen -> Diskrepanz zwischen Mediendarstellung und anderer Indikatoren gesellschaftlicher Realität

86
Q

Medieninhalte als soziale Konstruktion

A

Medieninhalte als soziale Konstruktion: medial konstruierte Realität existiert parallel zu anderen gesellschaftlichen und sozialen Konstrukten
- Gatekeeper-Ansatz: journalistische Selektions-und redaktionelle Verarbeitungsprozesse

87
Q

Die zentrale Rolle von Medieninhalten

A

Zentrale Annahme, dass Medienhalte Effekte auf Rezipient*innen haben. -> Medieninhalte als unabhängige Variable
Welche Faktoren beeinflussen die Medieninhalte? -> Medieninhalte als abhängige Variable

88
Q

«HierarchyofInfluences» Modell von Shoemaker & Reese

A

Das Hierarchy of Influence Modell umfasst fünf Einflussebenen, die hierarchisch von der Makro-zur Mikroebene angeordnet sind:

  • Soziale Systeme: beschreibt Einflüsse aus dem System als Ganzes. Diese Perspektive eignet sich auch für länderübergreifende Vergleiche darüber, wie sich der nationale und kulturelle Kontext auf die Medien Leistung auswirken.
  • Soziale Institutionen: beschreibt die Einflüsse die sich aus dem größeren trans-organisatorischen Medienfeld ergeben, wie Medienorganisationen sich zu größeren Institutionen zusammenschliessen, die Teil grösserer strukturierter Beziehungen werden da sie von anderen mächtigen sozialen Institutionen abhängen und mit ihnen konkurrieren.
  • Medien-Organisationen: Beschreibung der Einflüsse von grösseren Organisationseinheiten in denen der Einzelne agiert, berufliche Rollen, Organisationspolitik und Strukturen des Unternehmens.
  • Routinen: umfasst die unmittelbarsten einschränkenden und ermöglichenden Strukturen, innerhalb derer das Individuum agiert.
  • Individuen: umfasst die Eigenschaften des einzelnen Kommunikators

-> Die unterschiedlichen Ebenen sind verknüpft mit unterschiedlichen Ausdrucksformen von Macht.

89
Q

Die Faktoren, die sich auf den Medieninhalt auswirken, lassen sich sinnvollerweise auf mehreren Analyseebenen einordnen. Verschiedene theoretische Perspektiven wurden bereits zur Gestaltung von Medieninhalten dargelegt, darunter die folgenden die vorgeschlagenen Kategorien von Gans (1979) und Gitlin (1980).

A
  • Der Inhalt wird von der Sozialisation und den Einstellungen der Medienschaffenden beeinflusst. Dies ist ein kommunikatorenzentrierter Ansatz, der die psychologischen Faktoren betont die sich auf die Arbeit des Einzelnen auswirken: beruflich, persönlich und politisch.
  • Der Inhalt wird durch Medienorganisationen und -routinen beeinflusst. Dieser Ansatz argumentiert dass sich Inhalte direkt aus der Art und Weise ergeben, wie die Medienarbeit organisiert ist. Die organisatorischen Routinen, innerhalb derer ein Individuum agiert bilden eine Struktur, die das Handeln einschränkt und gleichzeitig ermöglicht.
  • Der Inhalt wird von anderen gesellschaftlichen Institutionen und Kräften beeinflusst. Bei diesem Ansatz liegt der Haupteinfluss auf den Inhalt ausserhalb der Organisationen und des Kommunikators: wirtschaftliche, politische und kulturelle Kräfte. Der Druck des Publikums kann in der “Markt”-Erklärung gefunden werden, die besagt, dass man “dem Publikum gibt, was es will”.
  • Der Inhalt ist eine Funktion der ideologischen Positionen und erhält den Status quo aufrecht. Der sogenannte Hegemonie-Ansatz verortet den Haupteinfluss auf Medieninhalte den Druck, den Status quo zu unterstützen, um die Interessen derjenigen zu die in der Gesellschaft an der Macht sind.
90
Q

Soziale Systeme

A

Medien werden als System verstanden.
Der Fokus liegt auf Einflüssen von sozialen, kulturellen, politischen und ideologischen Kontexten auf Entscheidungen von Medienorganisationen und Medienschaffenden über Inhalte.
-> Es wird stark auf ideologische Einflüsse fokussiert, dies aus einer Kritischen perspektive dass Medieninhalte als Funktion von ideologischen Positionen zur Erhaltung des Status Quo

Wer hat Macht? Worauf basiert sie? Wie wird sie ausgeübt? Inwiefern dienen Medienorganisationen und Medieninhalte den Interessen bestimmter Gruppen?

91
Q

Soziale Institutionen

A

Medien werden als soziale Institutionen verstanden.
Es geht um das Zusammenspiel verschiedener Medienorganisationen als gemeinsame, grössere Institution aber auch um Wechselwirkungen der Medien mit anderen wichtigen gesellschaftlichen Institutionen.
-> Es gibt institutionelle Faktoren, welche die Produktion von Inhalten in allen Medienorganisationen gleichermassen beeinflussen wie z.B. Staatliche Kontrolle, Technologische Entwicklungen oder die Werbebranche

Institutionelle Einflüsse haben v.a. strukturelle Langzeit-Effekte, gelegentlich auch direkt auf spezifische Inhalte.

92
Q

Medienorganisationen

A

Medien werden als Organisationen verstanden.
Die Organisationen kreieren und produzieren Inhalte. Sie verfolgen spezifische Ziele wie z.B. Profit erzielen, Qualitätsprodukt herstellen oder als professionelle anerkannt werden.
-> Medienorganisationen beziehen sich sowohl auf Medienunternehmen als auch auf einzelne Redaktionen

Die Medieninhalte werden stark dadurch beeinflusst, wie die Medienproduktion organisiert ist. Die organisationalen Strukturen, innerhalb derer ein Individuum operiert, schränken das Handeln ein, aber ermöglichen es auch.

93
Q

Routinen & Praktiken

A

Medienroutinen sind jene Verhaltensmuster, die die unmittelbaren Strukturen und Arbeitsweisen der Medienarbeit bilden, inkl. unausgesprochenen, impliziten Regeln und ritualisierten Handlungen. Die (eingespielten) Routinen stammen von drei Bereiche ab, die Arbeitsorganisation, das Publikum sowie die Zulieferer.

Routinen ermöglichen Verarbeitung von Material unter der Bedingung limitierter Ressourcen. Individueller Entscheidungsspielraum bezüglich Medieninhalte wird durch Arbeitsprozesse, -abläufe, auch (stark) limitiert.

94
Q

Individuen

A

Individuelle Einflüsse auf Medieninhalte.
Persönliche und demografische Eigenschaften, Werte und Normen, Berufliche und Professionelle Rollen sowie relative Macht können als individuelle Einflüsse unterschieden werden.

Eigenschaften, Einstellungen, Rollen, Macht und Sozialisation der individuellen Medienschaffenden beeinflussen Medienhinhalte. Dieser Einfluss wird aber durch die übergeordneten Ebenen eingeschränkt.

95
Q

Medienmanagement

A

Medienmanagement umfasst alle zielgerichteten Aktivitäten der Planung,
Organisation, Durchführung und Kontrolle im Rahmen des Erstellungs- und
Distributionsprozesses von informativen oder unterhaltenden Inhalten (Content)
in Medienunternehmen. (Wirtz)

96
Q

Abgrenzung von Medienunternehmen

A
  • Bündelung eigen- und fremderstellter redaktioneller Inhalte
  • Transformation der Inhalte auf Trägermedium
  • Distribution der Inhalte an Rezipienten
97
Q

Medienunternehmen: haben eine zweifache Funktion:

A
  • Sie bieten Inhalte an und richten sich damit unmittelbar an die Rezipienten
  • Sie bieten Werbeplattformen an und richten sich damit an die werbetreibende Wirtschaft
98
Q

Medienunternehmen: Haben drei Funktionen

A
  • Content Creation: Inhalte generieren, durch eigene Redaktion oder durch Zukauf
  • Content Transformation: Übertragung der Inhalte auf speicherfähige Trägermedien
  • Content Distribution: Übermittlung der Inhalte über eigene Kanäle oder mit Hilfe von Intermediaries
99
Q

Generische Medien-Wertschöpfungskette

A

Produktions- oder Inputebene

  • Konzeption
  • Beschaffung
  • Produktion

Publizistische Ebene
- Konfektionierung

Multiplikations- oder Distributionsebene

  • Vervielfältigung
  • Verteilung
  • Nutzung
100
Q

Komplexität von Medienmanagement

A

ökonomische & gesellschaftliche Funktionen von Medien

Technische, kulturelle & soziale Strukturen

101
Q

Komplexität von Medienmanagement: Produkte

A
  • Mehrzweck-Güter: Medienangebote von Rezipient:innen verwendet für vielfältige Zwecke (Entspannung vs. Arbeit, befürworten vs. kritisieren, fragen vs. Antworten)
  • Medien als Verbundprodukte: Content vs. Werbung
  • Einmalige Produkte (z.B. Film, Buch) vs. mehrteilige Produkte (TV-Serie mit 10 Teilen, WM Sportstudio) vs. serielle (fortlaufend produzierte) Produkte (Newswebsite)
  • Genres: Information, Infotainment, Entertainment; auch innerhalb Gattungen (z.B. TV-Nachrichtensendung, Action-Film, Radio Talkshow, Lokalnachrichten Website)
  • Anpassung vom Produkt an einer Vielfalt an Kanälen/Plattformen
  • Online-Produkte: Geringe Zahlungsbereitschaft aber hoher „gefühlter“ Mehrwert
102
Q

Komplexität von Medienmanagement: Märkte

A

Printmärkte
Märkte für elektronische Medien
Märkte für cross-mediale Produkte

Konsumentenmarkt
Werbemarkt

103
Q

Zweiseitiger Absatzmarkt

A
  • Werbemarkt

- Rezipientenmarkt

104
Q

Komplexität von Medienmanagement: Umfeld, Kontext

A

○ Wettbewerb war lange niedrig bis inexistent, Medienmanagement war nicht nötig
○ Webbasierte Medien wachsen, es gibt immer mehr Inhaltsplattformen
○ Neue Intermediäre erreichen Marktdominanz

105
Q

Medienkonvergenz

A

Was? (Sigler)
• …bezeichnet die zunehmende Vernetzung von Medien, Informationstechnologie und Telekommunikation
• …findet auf technologischer und inhaltlicher Ebene statt

Warum? (Wirtz)
• Technologische Innovationen
• Deregulierung der Märkte
• Veränderung der
Nutzungspräferenzen
106
Q

Komplexität von Medienmanagement: Menschen, Stakeholder

A

Medienschaffende versus Stakeholder mit stark divergierenden Charakteristiken

Medienschaffende:
• Kreativitätsmanagement: oft undeutlich wie optimale (erfolgreiche) kreative Arbeit funktioniert
• Widersprüche
- Arbeit: Unabhängigkeit und Zusammenarbeit von Medienschaffenden gleichzeitig
- Inhalte: Informativ aber auch konkurrenzfähig (populär), rechtzeitig aber auch kosteneffizient
produziert
• Change Management: standardisierte Prozesse und Verarbeitungsroutinen
für komplizierte, anspruchsvolle Arbeit mit Deadlines ! Veränderungen zeitraubend, teuer

  1. Produktion: Auslagerung an unabhängige oder fremdkontrollierte Produktionsfirmen
  2. Regulatoren: Subvention/Lizenzierung vs. Ansprüche und Kontrolle
  3. Zivilgesellschaft: Unterschiedliche Interessen mit divergierenden Ansprüchen
  4. Wirtschaft: PR, Unternehmenskommunikation, Lobbyisten ! Druck,
    Partikularinteressen
  5. Werber: Einflussnahme auf Werbeumfeld, Einmischung in Inhalt
107
Q

Sie kennen unterschiedliche Perspektiven und Herangehensweisen, mit denen man den Wandel der Medieninhalte untersuchen kann.

A

Forschungsperspektive 1: Indikatoren und normative Bewertungen
Sensibilisiert, dass Fragen stärker in den Fokus rücken die untersuchen ob eine Änderung “gut” oder “schlecht” ist.

Forschungsperspektive 2: Bewertung der Phasen
Sensibilisiert, dass Entwicklungen unterschiedlich verlaufen können (linear oder diskontinuierlich) und das es von Bedeutung sein kann, welche Phase analysiert wird.

Forschungsperspektive 3: Wandel innerhalb eines Medientitels
Sensibilisiert, dass Veränderungen innerhalb eines Mediums angesehen werden und dies auf die innere Struktur des Mediums zurückgeführt werden soll.

Forschungsperspektive 4: Unterschiede der Medientypen
Sensibilisiert, dass sich mit unterschiedlichen Medien auseinandergesetzt werden soll und wie sich diese verändern. Denn je für sich können sich die Medien nicht stark gewandelt haben, jedoch können sich die Medien voneinander stark unterscheiden, weshalb interessiert wann welche Medien aufkommen (Inhalte auf der System-Ebene).

Forschungsperspektive 5: Länder und Zeitvergleiche
Sensibilisiert, dass je nachdem was verglichen wird, andere Resultate erzielt werden. Über den Zeitverlauf innerhalb eines Landes können sich die Medien stark gewandelt haben, beim Vergleich von Ländern kann es sein dass sich trotz starkem Wandel innerhalb eines Landes die unterschiede gegenüber anderen Ländern nach wie vor gegeben sind.

108
Q

Medienmanagement Praxis: Unhaltbare Trennung inhaltlicher/ geschäftlicher Orientierung

A
  • Druck auf inhaltliche Entscheidungen, Geschäftsüberlegungen dominieren (zu) stark
  • Aggregierung von Inhalten statt Produktion
  • Einförmigkeit, Qualitätsverringerung
  • Widerstand bei Inhaltsproduzenten gegen Einfluss der Kommerziellen
  • Gegenseitige Abhängigkeit von inhaltlichen und geschäftlichen Tätigkeiten und Bereichen
109
Q

Medienmanagement Praxis: Überwindung der Trennung notwendig (Lowe)

A
  1. Medienunternehmen sollen ethische Dilemmas anerkennen und sich nicht vor gesellschaftlicher Verantwortung scheuen
  2. “Corporate responsibility” von Medien für Gesellschaft ist traditionell gegeben und wird weiter bestehen, auch in neuer Medienlandschaft
  3. Nachvollziehbare, transparente, erklärbare Trennung und Gewichtung von geschäfts- und inhaltlich-organisatorischen Interessen notwendig
110
Q

Vier-Dimensionale Konzeptualisierung der Medialisierung von Politik (Strömbäck)

A
  • Wichtigste Informationsquelle werden die Medien
  • Medien werden unabhängig von politischen Institutionen
  • Die Logik der Medieninhalte folgt der Medienlogik
  • Politische Aktoren handeln nach der Medienlogik

-> wichtig Dimension 2&3

111
Q

Wandel hin zur «Medienlogik»

Strukturelle Ursachen

A
  • Unabhängigkeit der Medien / Professionalisierung
  • Kommerzialisierung
  • Technologischer Wandel
112
Q

Wandel hin zur «Medienlogik» Strukturelle Ursachen / Presseären

A
  • Ära der Parteipresse: Enge Beziehung zwischen Medien und Politik, lose zu Wirtschaft
  • Ära der Forumspresse: Lose Beziehung zwischen Medien, Politik und Wirtschaft
  • Ära der Kommerzialisierung: Lose Beziehung zwischen Medien und Politik, starke zur Wirtschaft
113
Q

Riepisches Gesetz (Riepl)

A

„Andererseits ergibt sich gewissermassen als Grundsatz der Entwicklung des Nachrichtenwesens, dass die einfachsten Mittel, Formen und Methoden, wenn sie nur einmal eingebürgert und brauchbar befunden worden sind, auch von den vollkommensten und höchst entwickelten niemals wieder gänzlich und dauernd verdrängt und ausser Gebrauch gesetzt werden können, sondern sich neben diesen erhalten, nur dass sie genötigt werden können, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete aufzusuchen

114
Q

Sie kennen Beispiele von Studien, die Medieninhalte untersuchen und dabei einen relativ langen Zeitraum abdecken.

A
  • Kommerzialisierung der Medien in DE nimmt zu
  • Popularisierung nimmt zu, nach wie vor bestehen (grosse) Unterschiede zwischen den Ländern
  • Über Bundesratswahlen wird im laufe der Zeit immer mehr berichtet, Schlussfolgerung: Bundesratswahlen entsprechen Medienlogiken, da Fokussierung auf Personen und Konflikt
  • Privatisierende Elemente sind in Deutschsprachigen Medien wenig verbreitet und nimmt so gut wie nicht zu (in Qualitätszeitungen), im Angelsächsischen Raum nimmt Privatisierung zu
115
Q

Die Möglichkeiten zur Popularisierung von Nachrichten

A
  • Sensationalisierung
  • Skandalisierung
  • Emotionalisierung
  • Erzählung des gemeinen Volkes (Bürger-Narrativ)
  • Privatisierung von Personen des öffentlichen Lebens
116
Q

Diese Indikatoren hängen von kontextuellen Bedingungen ab, dabei werden folgende Faktoren als besonders relevant für die Unterschiede in der Popularisierung von Nachrichten gehalten:

A
  • Kommerzialisierung
  • Tradition der Boulevardpresse
  • Kommunikationskultur
  • Professionelle Autonomie
  • Art des Mediums
117
Q

Wandel der Mediennutzung

A
  • Der Umfang der Mediennutzung ist im Vergleich zu 2015 insgesamt stabil, bei den 14- bis 29-Jährigen weiter steigend. -> eine sättigungsgrenze scheint erreicht.
  • Der Wettbewerb um die Zeitbudgets der Menschen führt zu einer Verdichtung der Mediennutzung mit steigender Parallelnutzung, vor allem bei den Jüngeren.
  • Der Anteil der Bewegtbildnutzung am gesamten Medienzeitbudget ist gewachsen.
  • Die Mediennutzung über das Internet und damit das Bedürfnis nach orts- und zeitsouveränem Medienkonsum nimmt zu.
  • Fernsehen und Radio sind in der Gesamtbevölkerung nach wie vor die reichweitenstärksten und nutzungsintensivsten Angebote. Bei den 14-29 Jährigen findet eine deutlich sichtbare Verschiebung der Ausspielplattform von Medieninhalten statt: Physische Datenträger, wie CDs, DVDs, Bücher und Zeitungen treten ebenso wie das lineare Fernsehprogramm in den Hintergrund. Die Mediennutzung findet immer mehr über das Internet statt.
  • Streamingdienste und Videoportale haben an Bedeutung gewonnen. Die Corona-Epidemie hat diesen Effekt vor allem in der jüngsten Zielgruppe verstärkt (was u.a. mit dem Lockdown zusammenhängen dürfte)
118
Q

Sie kennen die wichtigsten Veränderungen der Mediennutzung der letzten 50 Jahre.

A
  • Starke Zunahme der Mediennutzung (ca. Verdreifachung)

- Print verliert, digitale Medien (Fernsehen, Radio Internet) legen stark zu

119
Q

Kohorteneffekt

A

Unterschied zwischen verschiedenen Geburtsjahrgängen. Die verschiedenen Generation nutzten die Medien zu einem vergleichbaren Lebenszeitpunkt (z.B. im Alter von 20 Jahren) anders.

120
Q

Alterseffekt

A

Wenn Menschen Älter werden, verändert sich ihre Mediennutzung. Das Alter ist mit gewissen Lebenssituationen verbunden, welche die Mediennutzung beeinflussen.

121
Q

Periodeneffekt

A

Veränderungen im Zeitverlauf, welche nicht auf Kohorte oder Alter zurückgeführt werden. Veränderungen, welche sich auf alle Alters-und Geburtskohorten gleichermassen auswirken.

122
Q

Kommunikative Phasen

A

Präkommunikative Phase
Kommunikative Phase -> Gegenstand der Rezeptionsforschung (Wie?)
Postkommunikative Phase -> Gegenstand der Medienwirkungsforschung (Was?)

123
Q

Verlauf der Rezeption von Medieninhalten

A

Kognition
Emotion
Narratives Erleben & Präsenz
Soziale/kulturelle Dimension der Rezeption

124
Q

Rezeptionsforschung

A

Rezeptionsprozesse können sowohl emotional, kognitiv als auch konativ (verhaltensbezogen) sein.

125
Q

Kognitive Prozesse

A
  • Niedere kognitive Prozesse: Aufmerksamkeit und Wahrnehmen, einfaches Verstehen und Verarbeiten der Informationen.
  • Höhere kognitive Prozesse: komplexere Verstehensprozesse und Wissensproduktion, Denken & Elaborieren, Schlussfolgern, Problemlösen
126
Q

Emotionale Prozesse (auch Affekt)

A
  • Gefühle, Stimmungen

spontane (affektive) Reaktionen und Bewertungen, - auch physisch (Schwitzen, Herzschlag)

127
Q

Konative Prozesse (bereits sehr nah an der Wirkungsforschung dran)

A
  • Verhalten, Handeln (zB Selektionshandeln während der Rezeption)
128
Q

Medienwirkungsforschung (Bilandzic)

A

Die Medienwirkungsforschung erklärt individuelle und soziale Folgen von [Massen]kommunikation

129
Q

Wofür werden Massen- und Soziale Medien verantwortlich gemacht?

A

1) Einstellungen zu verändern (zB Wahlentscheidung beeinflussen)
2) Einstellungen verstärken (zB Radikalisierung)
3) Negative individuelle Effekte (zB Depression)
4) Positive individuelle Effekte (zB Entspannung)
5) Negative soziale Effekte (zB Diskriminierung)
6) Positive soziale Effekte (zB Identität stiften)
7) Kulturerfahrung vermitteln (zB Wissenserwerb)

130
Q

Ursprüngliches Konzept der «Persona» (Horton & Wohl)

A
  • Echte Personen/Menschen, die direkt das Publikum adressieren
  • Keine Stars, keine Fantasiefiguren, auch keine fiktiven Rollen in Filmen sondern «Menschen wie du und ich»
  • Rolle des «Erzählers», nicht Teil einer Geschichte, sondern in direktem Austausch mit dem Publikum
  • Zentral: Blickkontakt, Verlässlichkeit, Vorhersagbarkeit
131
Q

Weiterentwickeltes Konzept der Personas

A
  • «authentische Medienfiguren»

- Direkte Ansprache/Adressierung des Publikums durch die Persona ist in der Folgeforschung (häufig) nicht gegeben

132
Q

Parasoziale Interaktion als dynamischer Rezeptionsprozess (Hartmann, Schramm & Klimmt)

A
  • «ein vom Bewusstsein der medialen Vermitteltheit geprägtes interpersonales Involvement von Rezipientinnen und Rezipienten mit einer Medienperson,
  • das sich in kognitiven, affektiven und konativen Teilprozessen und Erlebensweisen manifestieren kann
  • und dessen Intensität im Rezeptionsverlauf dynamischen Schwankungen unterliegen kann.
  • Struktur und Intensität der PSI werden dabei sowohl von den Eigenschaften der Rezipienten
  • als auch von den Medienpersonen bzw. ihrer Darstellung beeinflusst.»
133
Q

parasoziale Interaktion vs. parasoziale Beziehung

A

Die unmittelbare, während der Rezeption stattfindende Begegnung zwischen Rezipient und Medienakteur wird als parasoziale Interaktion und die über die einzelne Begegnung hinausgehende Bindung des Zuschauers an eine Persona als parasoziale Beziehung bezeichnet.

134
Q

PSB: Abgrenzungen und Konsequenzen

A
  • PSB: Medienperson als Freund, nahbar und nicht fehlerlos
  • Fandom: Makellose Menschen, «Modelle der Perfektion», Distanz zu dem Rezipienten
  • > Rezipienten können zu Prominenten sowohl PSB entwickeln oder sie als Fans verehren
  • PSB ähneln in vielen Zügen interpersonalen Beziehungen (z.B. Beziehungsaufbau, das Gefühl, den anderen zu kennen, Insiderwissen), sind allerdings einseitig!
135
Q

Das Media Effects Template nach Potter

A

Welches sind die grundlegendsten Möglichkeiten, wie die Medien ihren Einfluss ausüben können?

  • Aktivierung (triggering): Schon vorhandenes Wissen, vorhandene Einstellung, Emotion wird aktiviert
  • Aneignung (acquiring): Lernprozesse, neue Wissenseinheiten werden erlernt
  • Veränderung (altering): Einstellungen, Emotionen, Wissen werden angepasst
  • Verstärkung (reinforcing): Einstellungen, Emotionen oder Reaktionsmuster werden verstärkt und weniger veränderbar/stabiler/stärker
136
Q

Wirkungsverläufe: Baseline und Fluktuation

A

Baseline: Zeigt den grundsätzlichen Zustand/das Level eines Individuums bezüglich einer Eigenschaft (z.B. Aggressionspotential, Wissen über ein Thema)
Fluktuation: Abweichung von der Baseline mit drei zentralen Eigenschaften:
- Dauer: Dauer der Fluktuation, bevor die Baseline wieder erreicht wird
- Höhe: Differenz von der Baseline
- Richtung: Verstärkung oder Abschwächung des Zustands/Levels

137
Q

Agenda Setting

A
  • Thema / Issue: Politische Streitfrage oder politisches Problem auf der Ebene von abstrakten Politikfeldern (Umweltpolitik, Innere Sicherheit, Wirtschaftspolitik usw.) oder auf der Ebene konkreter politischer Probleme und Einzelereignisse (Reaktorunfall in Fukushima, Terroranschläge vom 11. September 2001, Finanzkrise seit Ende 2008)
  • Agenda: Rangfolge der Themenprioritäten
    ○ in den Medien (Medienagenda),
    ○ bei den Rezipienten (Publikumsagenda)
    ○ bei politischen Akteuren (Policy-Agenda)
  • Agenda-Setting: ursprünglich Einfluss der Medienagenda auf die Publikumsagenda, später auch wechselseitige Beeinflussung von Medien-, Publikums- und Policy-Agenda
138
Q

Agenda-Setting-Modelle von Shaw & McCombs

A
  • Das Awareness-Modell (Aufmerksamkeitsmodell) ist das einfachste Modell und unterstellt lediglich, dass die Rezipienten durch die Medienberichterstattung auf bestimmte Themen aufmerksam werden.
  • Das Salience-Modell (Thematisierungsmodell) unterstellt darüber hinaus, dass die Themen, über die in den Medien unterschiedlich häufig berichtet wird, von der Bevölkerung auch als unterschiedlich wichtig empfunden werden.
  • Das Priorities-Modell (Themenstrukturierungsmodell) unterstellt wiederum darüber hinaus auch, dass sich die Themen-Rangfolge der Medienagenda exakt in der Themenrangfolge der Publikumsagenda widerspiegelt.
139
Q

Issue

A

wird verstanden als politische Streitfrage oder politisches Problem, dies sowohl auf Ebene von abstrakten Feldern als auch von konkreten Problemen

140
Q

Agenda

A

Eine Agenda ist die Rangfolge der Themen (d.h. Issues) in den Medien (Medienagenda), bei den Rezipienten (Publikumsagenda) und bei politischen Akteuren (Policy-Agenda)

141
Q

Ziel Agenda-Setting-Ansatz

A

Welchen Einfluss hat die Medienberichterstattung auf das Problembewusstsein für unterschiedlicher Themen/Streitfragen in der Bevölkerung?

142
Q

Was meinen McCombs und Shaw bezüglich des Agenda-Setting-Ansatzes?

A

Auch wenn die Massenmedien nur einen geringen Einfluss auf die Richtung oder die Intensität der Einstellungen haben, so wird doch angenommen, dass die Massenmedien das Ziel einer jeden politischen Kampagne sind und die Wahrnehmung der Einstellungen gegenüber dem politischen Thema beeinflussen.
-> Massenmedien beeinflussen nicht so sehr unsere Meinung, eher die Themenstrukturierung und damit die Gewichtung derer

143
Q

Drei Modelle der AS-Forschung

A

Awareness-Modell (Aufmerksamkeitsmodell)
Aufmerksamkeitsfunktion der Medien: Das Publikum wird auf ein Thema aufmerksam, wenn die Medien darüber berichten

Salience-Modell (Thematisierungsmodell)
Themengewichtungsfunktion der Medien: Das Publikum findet Themen wichtiger, über die Medien häufiger berichten.

Prioritäten-Modell (Themenstrukturierungsmodell)
Themenstrukturierungsfunktion der Medien: Das Publikum übernimmt die in den Medien suggerierte Themen-Rangordnung, so dass die Medienagenda zur Publikumsagenda wird.

-> Allen ist eine lineare Wirkungsannahme gemeinsam. Z.B.: Rezipienten finden ein Thema umso wichtiger, je häufiger die Medien darüber berichten.

144
Q

Urheber des Agenda-Setting-Ansatzes

A

Walter Lippmann / Public Opinion (1922)

  • „Pictures in our heads“ bestimmen unsere Wahrnehmung der Realität
  • Medien formen diese „Pictures“, da meist kein Primärzugang zu Ereignissen möglich.

Bernhard C. Cohen (1963), legte die theoretische Grundlage für Agenda-Setting
(…) Die Presse ist wesentlich mehr als nur ein Lieferant von Informationen. Sie ist vielleicht nicht immer erfolgreich darin, den Menschen zu sagen, was sie denken sollen, aber sie ist erstaunlich erfolgreich darin, ihren Lesern zu sagen, worüber sie denken sollen.

McCombs & Shaw, Chapel Hill-Studie (1972) [Kontext: Präsidentschaftswahl Nixon]

  • Befragung von Wählern -> Erstellung Themenrangliste
  • Inhaltsanalyse der am meisten genutzten Medien -> Erstellung Themenrangliste
  • Berechnung Rankorrelation
145
Q

Was wird unter Quer- und Längsschnittdesign verstanden?

A

Querschnittdesign: Vergleich der Agenden (z.B. der Medien-mit der Publikumsagenda) zu einem Zeitpunkt
Längsschnittdesign: Erhebung und Vergleich der Agenden zu mindestens zwei Zeitpunkten

146
Q

Was wird unter Aggregat- und Individualanalyse verstanden?

A

Aggregatanalysen:

  1. Themenprioritäten einzelner Rezipienten werden zu einer Publikumsagenda zusammengefasst
  2. Themenprioritäten unterschiedlicher Medien werden zu einer Medienagenda zusammengefasst
  3. Ermittlung des Zusammenhangs der medialen Themengewichtung insgesamt mit dem Problembewusstsein innerhalb einer Gesellschaft
    - > Gefahr: Fälschlicher Schluss von der Aggregat-auf die Individualebene

Individualdatenanalysen:

  1. Befragung der Rezipienten nach i) individuellen Themenpräferenzen und ii) Mediennutzung
  2. Medieninhaltsanalyse
  3. Ermittlung des Einflusses individuell genutzter Medieninhalte auf die individuelle Agenda der Rezipientin
  4. Ideal: Im Längsschnittdesign (aber sehr ressourcenaufwändig)
    - > Einschränkung: Es können nie alle rezipierten Beiträge inhaltsanalytisch erfasst werden, individuelle Medienagenda ist nie vollständig erfassbar; Näherungsmessung
147
Q

Pros des AS-Ansatzes

A
  • Erweiterung der Medienwirkungsperspektive auf Wirkungen jenseits der Persuasion –Effekte auf Aufmerksamkeit und Wichtigkeitseinschätzungen
  • Methodische Weiterentwicklung im Bereich der Längsschnittanalysen und im Bereich der Verknüpfung individueller Befragungs-und Inhaltsanalysedaten massgeblich gefördert
148
Q

Contras des AS-Ansatzes

A
  • Teilweise Mängel in der methodischen Umsetzung (viele Studien bleiben Querschnittanalysen)
  • Kritik am linearem Übernahmemodell
  • Geringe Effekte auf Individualdatenbasis noch unzureichend erklärt -> ökologischer Fehlschluss?
  • Wenig Einbezug der Rolle interpersonaler Kommunikation im AS-Prozess
149
Q

Nicht-lineare Übernahmemodelle (Brosius& Kepplinger)

A

Trägheitsmodell: Unterproportionaler Anstieg des Problembewusstseins bei Intensitätssteigerung der Berichterstattung.

Beschleunigungsmodell Die Rezipienten reagieren sehr sensibel auf die Zunahme der Berichterstattung über ein Thema (AS-Effekt ist «überproportional»)

Schwellenmodelle: Hin und wieder in den Medien behandelte Themen rufen keine Zunahme der wahrgenommenen Wichtigkeit hervor. Erst ab bestimmter Schwelle!

Echomodell: Eine hohe Intensität der Berichterstattung in einem kurzen Zeitraum ruft enorme und stabile Veränderungen in der Bedeutungszuweisung hervor (Bevölkerung wird „wachgerüttelt“, es gibt ein Echo, das lang anhält)

150
Q

drei Komponenten des AS-Prozesses

A

Publikumsagenda: Beschreibt «klassisches» Agenda-Setting als Einfluss von der Medien-auf die Publikumsagenda.

Medianagenda: Untersucht Voraussetzungen für die Entstehung von Medienagenden, Selektion und Hervorhebung von Themen.

Policyagenda: Themenprioritäten von öffentlichen Körperschaften, Angehörigen der Regierung oder der Opposition

151
Q

Mitte der 1980er-Jahre wurde die Agenda-Setting-Forschung um zwei neue Überlegungen ergänzt.

A

○ Priming-Ansatz, dieser postuliert, dass die Rezipienten die Themen, über die die Massenmedien besonders häufig berichten, nicht nur für besonders wichtig halten, sondern darüber hinaus auch verstärkt zur Urteilsbildung über Politiker und als Kriterien für die Wahlentscheidung heranziehen
○ Framing-Ansatz, dieser postuliert, dass die Art und Weise, wie in der Medienberichterstattung
bestimmte Aspekte präsentiert oder betont werden, die Urteile der Rezipienten beeinflusst

152
Q

Ausweitung des Ansatzes auf andere Wirkungsphänomene: Seit Mitte der 1990er-Jahre erweiterte McCombs den Agenda-Setting-Ansatz um neue Überlegungen, die über die Annahme von Medieneinflüssen auf die wahrgenommene Themenrelevanz der Rezipienten weit hinausgehen

A

○ Second-Level Agenda-Setting: Demnach rücken die Massenmedien bestimmte Attribute, z.B. Eigenschaften eines Politikers, in den Vordergrund. Die Rezipienten ziehen diese Attribute dann in der Folge besonders stark zur politischen Urteilsbildung heran.
○ Third-Level Agenda-Setting: Der Ansatz geht davon aus, dass die Rezipienten politische
Sachthemen als zusammengehörig wahrnehmen, wenn sie in Medienbeiträgen häufig gemeinsam auftreten.