METHODEN DER EMPIRISCHEN SOZIALFORSCHUNG Flashcards
Was ist eine Empirische Sozialforschung?
- stammt vom altgriechischen “empeiria” ab, und bedeutet etwa”Erfahrungswissen” bzw.”auf Erfahrung beruhend”
- Erforschung sozialer Phänomene, die erfahrbar sind
- ist in den modernen Gesellschaften allgegenwärtig.
Beispiele: Wahlvorhersagen, Meinungsreport, Marktforschung, Zufriedenheitsumfragen, Erwerbstätigkeit von Geflüchteten
Werkzeuge
Vielfältige Methoden stehen zur Verfügung, deren Anwendung fundiertes Fachwissen erfordert.
Daten
Alle Informationen, die durch sozialwissenschaftliche Methoden gewonnen werden.
Methoden
Gesamtheit der Techniken zur Erhebung und Auswertung von Daten.
(Vergleichbar mit einem „Werkzeugkasten“ (Diekmann, 2007) für die empirische Sozialforschung.)
Arbeitsort
Soziales Feld
Was ist das Ziel der empirischen Forschung?
Erkenntnisgewinn
(systematische Informationen über das menschliche Handeln zu erheben, um daraus gesellschaftliche, demographische, politische sowie sozioökonomische Zusammenhänge abzuleiten)
Datenerhebung
Sammlung bestehender Daten und Gewinnung neuer Daten
Zwei Teilgebiete der Grundlagen der empirischen Sozialforschung?
Datenerhebung und Datenanalyse
Qualitative Forschung
(Fallzahl, Daten, Empirischer Prozess)
Fallzahl:
▪ z.T. nur eine einzige, meistens weniger als 30 und selten mehr als 50.
Daten:
▪ Ein Sachverhalt wird verbal erhoben, indem Personen erzählen.
▪ „gegenstandsnah“ und „ganzheitlich“ (Krüger 1997).
Empirischer Prozess:
▪ i.d.R. (in der Regel) parallel/adaptiv: Die Konstruktion von Fragen-/ Fragebogen- bzw. Leitfadenkonstruktion, Stichprobenziehung, Datenerhebung und Datenauswertung häufig Abhängigkeit voneinander.
▪ Fragen des Leifadens/Stichprobe können jederzeit verändert werden
Datenanalyse
Auswertung der erhobenen Daten mittels statistischer Prozeduren
Quantitative Forschung
(Fallzahl, Daten, Empirischer Prozess)
Fallzahl:
▪ oft 1000 und mehr
Daten:
▪ Sachverhalt wird in Form von Messanweisungen (Skalen, Messniveaus) erhoben, in Zahlen
umgewandelt und beschrieben → Rechnen
Empirischer Prozess:
▪ sukzessive Schritte:
1. Fragebogenentwicklung
2. Stichprobenziehung
3. Pretest, ggf. Korrektur
4. Datenerhebung
5. Datenauswertung
▪ Der standardisierte Fragebogen sollte während der Datenerhebung idealerweise nicht mehr verändert werden
Nenne die Gemeinsamkeiten von Qualitative Forschung und Quantitative Forschung
- Analytische Strategie:
Verwendung einer systematischen Herangehensweise zur Analyse von Daten. - Formal aufgebaut:
Intersubjektive Nachvollziehbarkeit, Dokumentation und Replikation der Ergebnisse sind erforderlich. - Theory-driven approach:
Theoriegeleitetes Vorgehen zur Weiterentwicklung von Theorien.
Ziel: Weiterentwicklung von Theorien → Erprobung der theoretischen Sätze in der Realität (Bortz, 1984) durch Methoden der empirischen Sozialforschung.
Herausforderungen
▪ Vorhandensein vieler schlecht gemachter/unseriöser Ansätze
▪ Problematik von Fake News
▪ Abhängigkeit von Teilnahmebereitschaft und sinkende Teilnehmendenquoten
Nenne Konzepte der empirischen Sozialforschung
Explorative Untersuchung
(* Vorstudien zur Ideengewinnung bzw. Hypothesenbildung
* oft Experteninterviews, unstrukturierte Beobachtungen, z.B. von Subkulturen)
Deskriptive Untersuchung
(* Vorwissen zur Konstruktion der Indikatoren wichtig
* i.d.R. Beschreibungen von Häufigkeiten, Durchschnittswerten, Einstellungen, Zusammenhängen
* Fokus weniger auf kausalen Abhängigkeiten bzw. die Ursachenforschung, Erklärung und Theorieprüfung
Konfirmatorische Untersuchungen
(Prüfung von Theorien und Hypothesen)
(* Gutes Vorwissen über mögliche Zusammenhänge und über geeignete Auswertungsverfahren relevant (wann ist ein Zusammenhang statistisch signifikant?
* Zu sehen als die vorrangige Aufgabe wissenschaftlicher Sozialforscher – die Überprüfung von behaupteten Zusammenhängen zwischen sozialen Phänomenen
Beispiele: Untersuchung über den Zusammenhang zwischen liberalen Scheidungsgesetzen und der Verheiratetenquote in einem Land; Zusammenhang zwischen Herkunftsland und Integrationsverhalten von Migranten)
Evaluationsforschung
( * Wirkungsanalysen: Wann haben bestimmte Maßnahmen einen Erfolg, z. B. Aussagen und Maßnahmen von Politikern auf bessere Wahlergebnisse oder höhere Einnahmen (fairer verteilte Abgaben) und führen Geschwindigkeitskontrollen und erhöhte Bußgelder zu langsamem Fahren?
* Ergebnisse sind messbar
* Ermittlung der Wirksamkeit und Unwirksamkeit praktisch-politischer oder sozialplanerischer Maßnahmen bezüglich eines oder mehrerer Erfolgskriterien
* Besonders wichtig ist darüber hinaus die Abschätzung der unbeabsichtigten positiven und negativen Nebenwirkungen einer Maßnahme
Beispiele: Analyse der Auswirkungen sozialer Projekte oder neuer Gesetze oder der Vergleich traditioneller Gymnasien mit Gesamtschulen bezüglich Lernerfolg und Chancengleichheit – z.B. die Auswirkungen des Zentralabiturs
Methoden der Datenerhebung
Interviews/Befragungen:
Qualitativ und quantitativ.
Arten: face-to-face, schriftlich (auch online) und telefonisch.
Beobachtungsverfahren:
Systematische Beobachtungen von Verhalten.
Experimentelle Designs:
Durchführung von Experimenten zur Überprüfung von Hypothesen.
Inhalts- und Dokumentenanalyse:
Analyse von Texten und Dokumenten.
Gruppendiskussionsverfahren:
Diskussionen in Gruppen zur Meinungsbildung.
Reaktiv vs. Non-reaktiv:
Reaktive Methoden beeinflussen das Verhalten, non-reaktive nicht.
Digitale Daten:
Erhebung von Daten aus digitalen Quellen.
Querschnitt vs. Längsschnitt:
Querschnittstudien erfassen Daten zu einem Zeitpunkt, Längsschnittstudien über einen längeren Zeitraum.
Was sind die Funktionen von Forschungsfragen?
- Regulatives Ideal:
Forschungsfragen sollten ergebnisoffen sein und frei von Wertungen, Vorurteilen und Vorbehalten. - Kommunikationsinstrument:
Sie verbinden Neugier und Offenheit und fördern den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn für alle. - Brücke zwischen Theorie und Empirie:
Forschungsfragen schaffen eine Verbindung zwischen theoretischen Konzepten und empirischen Daten. - Entscheidungskriterium:
Sie dienen als übergeordnetes Kriterium für das Design und die Auswahl der Methoden.
Was sind die Merkmale einer guten Forschungsfrage?
- Beantwortbar: Die Frage muss durch Forschung beantwortet werden können.
- Verständlich: Sie sollte für ein breites sozialwissenschaftliches Publikum leicht verständlich sein.
- Begründet: Umfassende theoretische Fundierung ist erforderlich.
- Reichweite: Sie gibt die erwarteten Befunde klar wieder.
- Interesse: Die Forschungsfrage sollte interessant und relevant sein.
Nenne Arten von Sätzen und Aussagen
- Normative Aussagen:
○ Vermitteln allgemein akzeptierte Normen und Verhaltensempfehlungen.
○ Beispiel: „Man darf nicht stehlen.“ - Kontraktorische Aussagen:
○ Logisch falsch und widersprechen sich gegenseitig.
○ Beispiel: „Es schneit und es sind 30 Grad im Schatten.“ - Analytische Aussagen:
○ Sind nicht widerlegbar.
○ Beispiel: „17 × 17 = 289.“ - Theoretische Aussagen:
○ Basieren auf Annahmen, die wahr oder falsch sein können, und sind nicht-normativ.
○ Beispiel: „Wenn politische Maßnahmen XY durchgeführt werden, dann wird es Effekt Z haben.“
Theoretische Aussagen kann in zwei Formen betrachtet werden. Welche sind das?
- Empirische Aussagen/Beobachtungsaussagen (Nicht-singuläre Sätze):
○ Behauptungen über spezifische Merkmale zu einem bestimmten Zeitpunkt und Ort. ○ Beispiel: „Bei der letzten Bundestagswahl haben 20,5% der Wähler die SPD gewählt.“ ○ Diese Aussagen sind wahr oder falsch.
- Allaussagen/Universalaussagen (Nicht-singuläre Sätze):○ Generalisierungen ohne Raum- und Zeitbezug.
○ Beispiel: „Je höher die Anzahl der Studierenden, desto höher das Budget der Universitäten.“
○ Empirisch überprüfbar, falsifizierbar bzw. validierbar.
- Allaussagen/Universalaussagen (Nicht-singuläre Sätze):○ Generalisierungen ohne Raum- und Zeitbezug.
Warum wird eine Hypothese abgeleitet?
die Theorie ist zu komplex für eine vollständige Überprüfung
Nomologisches Netz(werk)
Aussagen oder Gesetze verstanden, die die “Beziehung zwischen Konstrukten”, aber auch zwischen “Konstrukten und Beobachtbarem” beschreiben.
Hypothesen
Widerspruchsfreie, überprüfbare Gesetze, die empirisch noch nicht bewährt sind.
Hypothesenprüfung
Überprüfung des Zusammenhangs zwischen unabhängigen Variablen (UV) und abhängigen Variablen (AV).
Was sind die Kriterien einer wissenschaftlichen Hypothese?
- Bezug zu einem empirisch
überprüfbaren Sachverhalt.- Allgemeingültigkeit (nicht nur
Einzelfall). - Formalstruktur eines
Konditionalsatzes (z.B. „wenn- dann“).- Potenzielle Falsifizierbarkeit.
- Allgemeingültigkeit (nicht nur
Was ist das zentrales Ziel der empirischen Sozialforschung und womit dient sie?
Hypothesenprüfung ist Zentrales Ziel der empirischen Sozialforschung; dient der wissenschaftlichen Erklärung und Prognose.
Was sind die Modelle Merkmale?
○ Erfassen Hauptmerkmale der Wirklichkeit hinsichtlich des Erklärungsziels (Relevanzprüfung).
○ Erforderlich ist eine klare Theorie über relevante Zusammenhänge (Theory-driven approach).
○ Modelle sind Instrumente zur Prüfung von Hypothesen über Zusammenhänge in der Realität.
Was ist Hempel-Oppenheim-Schema?
Es geht darum, Hypothese in die richtigen Form auf zu bringen. Die Punkte, die ich rausbekommen habe, soll ich mit den Hypothese vernünftig überprüfen können, indem ich diese in der Struktur reinkriege.
Was versteht man unter Kritischer Rationalismus & Falsifikationismus?
Der Kritische Rationalismus umfasst die Idee der ständigen kritischen Überprüfung.
Der Falsifikationismus beschreibt konkret das Prinzip der Falsifizierbarkeit von Theorien.
Was ist die Grundidee von Kritischer Rationalismus & Falsifikationismus?
Deduktion statt Induktion
(Theorie erst betrachten und dann den einzelnen speziellen Fall)
Wie lautet das Falsifikationsprinzip? Was ist das Ziel?
Hypothesen gelten solange, bis sie falsifiziert werden.
Ziel: Nachweis der Ungültigkeit von Hypothesen.
Nenne das Problem des Prinzips Falsifikationismus und deren Folge
Es können nie gleichzeitig alle Fälle (relevante und zukünftige) antizipiert werden.
Deshalb bleibt immer eine gewisse Restirrtumswahrscheinlichkeit (→Signifikanzniveau)
Folge: Wissenschaftliche Hypothesen können deswegen nicht bewiesen/verifiziert werden!
Was will Kritischer Rationalismus & Falsifikationismus erreichen? (Ergebnis)
Kumulativer Wissenszuwachs und Erkenntnisfortschritt.
Was sind zentrale “Probleme der Empirie” bzw. Grundvoraussetzung für Empirische Hypothesenprüfung?
- Basissatzproblem:
○ Beobachtungen müssen die realen
Gegebenheiten adäquat erfassen.
2. Korrespondenzproblem:
○ Beobachtungen müssen mit den
theoretischen Konstrukten
übereinstimmen.
Diese Probleme betreffen die Validität der empirischen Forschung und die Überprüfung von Theorien.
Was ist die Herausforderung der “Probleme der Empirie”?
Wie kann die Realität theoretisch erfasst und sprachlich vermittelt werden?
(Zur Überprüfung von Theorien muss Beobachtungssprache so übersetzt werden, dass sie zu den realen Gegebenheiten passen.)
Beschreibe kurz das Basissatzproblem und das Korrespondenzproblems
- Basissatzproblem:
Dieses Problem bezieht sich auf die Frage, ob Beobachtungen tatsächlich die Realität korrekt widerspiegeln. Es geht darum, ob die empirischen Aussagen (Basissätze) verlässlich sind. Da alle Beobachtungen theorieabhängig sind, besteht immer die Möglichkeit, dass sie falsch oder unvollständig erfasst werden. - Korrespondenzproblem:
Es geht um die Schwierigkeit, theoretische Konzepte korrekt in die empirische Forschung zu übertragen. Theoretische Konstrukte müssen so operationalisiert werden, dass sie durch Messungen oder Beobachtungen repräsentiert werden können. Dies ist oft schwierig, da die Theorie und die Realität nicht immer eindeutig übereinstimmen.
Beschreibe kurz das Vorgehen von Theorie bis zum Modell
Aus Theorien werden Hypothesen abgeleitet, die dann in Modellen getestet werden
(Wissenschaftliche Hypothesen sollten nach Möglichkeit deterministisch sein, damit ihre Gültigkeit überprüft werden kann.
Hypothesen können nie endgültig bewiesen oder bestätigt werden!!)