Kapitel 1 Flashcards

1
Q

Definition von Psychologie

A

Wissenschaft vom Verhalten und Erleben

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2
Q

Mit welchen Methoden sind Erleben (Bewußtseinspsychologie) und Verhalten (Verhaltenswissenschaft) verbunden?

A
  • Erleben mit Selbstbeobachtung (Erste-Person-Perspektive)
  • Verhalten mit Fremdbeobachtung (Dritte-Person-Perspektive)
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3
Q

Schwierigkeiten der Anwendung der psychologischen Methode “Selbstbeobachtung”?

A
  • Erleben kann nicht von aussen beobachtet werden, sie ist subjektiv und nicht überprüfbar. Selbstbeobachtung ist nicht objektiv.
  • Es kann nicht genau erklärt werden, wie Introspektion funktioniert: Das zu Beobachtende und der Beobachter werden beide vom Beobachter erzeugt und sind auf schwer entwirrbare Weise miteinander verbunden - müssen beide aufmerksam beachtet werden.
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4
Q

Abb. Gegenstand und Grundbegriffe der Psychologie

A
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5
Q

Umspringbild: Was ist der Ursprung diskrepanter Erfahrungen?

Was beinhaltet die diskrepante Erfahrung?

A
  • Ein und dasselbe physikalische Muster gibt Anlaß zu zu zwei völlig verschiedenen Wahrnehmungen.

Diskrepante Erfahrung lehrt, dass ein Erleben, wie das Sehen eines S/W-Musters, nicht ausschließlich mit der unveränderten physikalsichen Reizgrundlage im phänomenalen Draussen erklärt werden kann.

Abb. Kippbild Rubinscher Pokal

  • dieselbe Vorlage ermöglicht zwei gänzlich verschiedene Wahrnehmungseindrücke: beide Eindrücke sind gleich “richtig”.
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6
Q

Definition diskrepante Erfahrung

A
  • Unterschied zwischen subjektiver Wahrnehmung (Inneres) eines Gegenstandes aus dem physikalischen Draussen und der physikalischen Reizgrundlage dieses Gegenstandes (phänomenales Draussen)
  • Derselbe äußere physikalische Reiz kann zu völlig verschiedenen Wahrnehmungen führen durch Mitwirkung eines produktiven inneren Faktors.
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7
Q

Bei Wahrnehmung spielt “Einstellung” eine Rolle:

A

Äußeres plus produktiver innerer Faktor: Etwas geht mit dem Außen eine Verbindung ein.

Das, was wir sehen, deuten wir aufgrund unserer Erfahrungen, vergangener Wahrnehmungen und Deutungen.

Sehen ist von Erkennen zu unterscheiden.

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8
Q

Größenkonstanz / Definition Konstanzleistungen:

A

Psychische Leistungen, die in der Wahrnehmungspsychologie als Verrechnung unterschiedlicher Größeneindrücke mit Bewegungen interpretiert werden.

Größenkonstanz: Objekte, die aus weiterer Entfernung auf der Netzhaus kleiner abgebildet werden, werden noch immer als gleich groß wahrgenommen. Wir nehmen nicht an, eine Tasse auf dem Tisch wird kleiner, wenn wir weiter vom Tisch weggehen.

Reizgrundlage auf der Netzhaut ändert sich, Wahrnehmungseindruck bleibt gleich.

Wahrnehmung macht den wahrgenommenen Gegenstand besser als es die physikalischen Verhältnisse sind.

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9
Q

Welche Bedeutung haben Konstanzleistungen für das Verständnis des Psychischen?

A

Konstanzleistungen sind Beispiele für die Realität des Psychischen: trotz variierender Größe des Netzhautbildes nehmen wir einen Gegenstand innerhalb einer bestimmter Entfernungsgrenze als gleich groß war -> psychische Leistung.

Fähigkeit trotz veränderlicher Sinnesreize etwas Unverändertes wahrzunehmen.
Konstanzleistungen sind das Ergebnis einer Verrechnung unseres inneren produktiven Faktors von Größeneindrücken und der Veränderung der Entfernung zum Gegenstand (=Bewegung).

Der Wahrnehmungseindruck bleibt gleich, durch die unterbewußt ablaufende Konstanzleistung ist garantiert, dass wir uns in der physikalischen Welt zurechtfinden.

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10
Q

optische Täuschung, Müller-Lyersche Täuschung

A

Pfeillänge wird als unterschiedlich lang wahrgenommen. Stabile Wahrnehmung, jedoch steht der Wahrnehmungseindruck in Konflikt mit Wissen (erworben durch intersubjektive Messpraxis).

Visuelle Wahrnehmung unterscheided sich von derjenigen (intersubjektive Messpraxis) mit dem Lineal im Aussen:

Extraorganismische vs. intraorganismische Bedingungen - es besteht kein einfacher und direkter Zusammenhang

(intersubjektiv… von verschiedenen Personen gemacht worden und für gut befunden)

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11
Q

Diskrepanzerfahrungen

A

Wahrnehmungen können sich verändern, während die Dinge unverändert bleiben.

Wahrnehmungen können gleich bleiben, während die Dinge sich verändern.

Mischung aus Äußerem und Innerem - > das Wahrnehmungsobjekt ist psychisch verarbeitet worden.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was wir sehen und dem, was es ist.

Kritisches Wirklichkeitsdenken - Unterscheidung von Sein und Schein

-Perspektivabhängig

Doppelstatus der Außenweltobjekte

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12
Q

Begriffe für Psychisches (Erleben und Verhalten),

die gleichzeitig die diskrepanten Erfahrungen illustrieren

A

Vergleichsurteil

Erinnerung

Erwartung

Überraschung

VEEÜ

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13
Q

Kausale Wirksamkeit der mentalen Zustände im Alltag

Was sind mentale Zustände?

A

Die kausale Wirksamkeit der mentalen Zustände im Alltag kann man im Allgemeinen daran erkennen, dass Personen den mentalen Zustand einer anderen Person einschätzen und ihr Verhalten daran anpassen, um ihre Absichten umzusetzen.

Mentale Zustände sind Ursache von Handlungen und anderen mentalen Zuständen.
Sowohl in der Introspektion, wie in der Fremdbeobachtung kann man die kausale Wirksamkeit bei jedem Gefühlsausbruch oder planvollem Handeln beobachten.

Mentale Zustände: Gefühle sind eigene Zutat und nicht dem Außen anhaftend, damit hat jeder eine eigene Innenwelt, die man zu verstehen und zu beeinflussen versucht, um eigene Ziele zu erreichen.

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14
Q

Innen-Außen-Unterscheidung

A

Sie ermöglicht, die Außenwelt als bewußtseinsunabhängig wahrzunehmen und den Doppelstatus der Außenobjekte (bsp. der optischen Täuschungen/Diskrepanzerfahrungen) zu akzeptieren.

Doppelstatus: Dinge sind nicht so, wie sie im naiven Realismus erscheinen.

Kritische Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und Realität.

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15
Q

Innenwelt der Anderen

A

Erkenntnis: andere Menschen haben wie ich ein Innenleben und

  • erinnern sich
  • beabsichtigen etwas
  • wollen
  • bevorzugen
  • freuen sich
  • werden traurig
  • sehen etwas gleich oder anders als man selbst

Verstehen lernen, was sie tun und lassen und Innenwelt der anderen beeinflussen

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16
Q

variierende Erscheinung

A

Man wird von anderen in bestimmter und unterschiedlicher Weise wahrgenommen, verstanden und interpretiert.

Bemühen, bestimmte Erscheinung abzugeben, je nach dem, bei wem man wie erscheinen will.

Dies kann man umso besser, je mehr und je spezifischer man über eigenes und fremdes Erleben und Innenleben Bescheid weiß.

Wie lernen also, unsere Sinne aneinander zu messen, indem wir verschiedene Erfahrungsweisen ein und desselben Objektes, ein und derselben Person in ein System von einander wechselseitig stützenden und fordernden Bezügen einordnen.

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17
Q

Bewußtseinsunabhängige Außenwelt

A

durch physikalische Gesetzmäßigkeiten veränderte Darstellung der Außenwelt - hier spielt kein seelischer Faktor eine Rolle:

Lichtbrechung - Ast im Wasser

Doppler-Effekt - Martinshorn im Vorbeifahren

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18
Q

Diskrepanztheorie verdeutlicht, wie die Psychologie zu ihren Erkenntnissen kommt:

A
  • aus (insb. experimetellen) Beobachtungen wird indirekt auf Psychisches geschlossen
  • unmittelbar Psychisches, z.B. Erleben, ist nur jedem einzelnen zugänglich

–> alles, was erforscht wird, braucht öffentliche Kriterien, denn Wissenschaft ist eine intersubjektive Praxis und öffentliche Erkenntnisgewinnung und -bewertung. Wissenschaftlich ist also auch Erleben und Verhalten nur anhand öffentlicher Kriterien zugänglich.

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19
Q

Mit welchen Phänomenen wird die Realität des Psychischen begründet?

A

Mit Hilfe von solchen Phänomenen wie

diskrepante Erfahrungen

Konstanzleistungen

optischen Täuschungen.

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20
Q

Welche verschiedenen Deutungen sind mit dem Begriff “Seele” verbunden?

A

Mehrdeutigkeit:

theologisch / ethisch: Beleg für die Unsterblichkeit des individuellen Menschen / Träger des ethischen Zentrums des Menschen (metaphysisch: bezeiht sich auf das, was jede mögliche Erfahrung überschreitet)

theologische und ethische Gesichtspunkte wurden aus der wissenschaftlichen Psychologie ausgeklammert ( >Franz Brentano, Wilhelm James, Wilhelm Wundt)

Deutung wissenschaftliche Psychologie:

Seele als (logischer) Sammelbegriff für seelische Funktionen und Eigenschaften.

–> eine „arbeitende funktionale Form“ (Busche 2001)

Grundlegende seelische Funktionen sind z.B.:

sensomotorischer Funktionskreislauf: Wahrnehmung, Bewegungsregulation, Handeln

aber auch:

Streben, Spüren, Gefühle und Emotionen, Wünschen, Wollen und Entscheiden, Vorstellen, Denken.

Seelenbegriff als grundlegendes Merkmal dessen, was ein Wesen zu etwas Lebendigem macht.

Die Arbeit des Systems Seele zeigt sich in zahlreichen psychischen Leistungen. Seele ist nicht identisch mit der Person oder dem Körper, sondern das Insgesamt der seelischen Funktionen, deren Leistungen Ausdruck der psychophysischen Einheit der Person sind.

Als logischer Kollektivbegriff kann “Seele” genauso benutzt werden wie “Intelligenz”, “Gesellschaft”, “Leben”.

Seele ist das Insgesamt der seelischen Eigenschaften und Zustände, der seelischen Funktionen sowie der seelischen Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Seele als Reflexionsbegriff: erlaubt uns, unsere Erfahrungen kritisch zu analysieren.

— aus Forum: –

Der historische Seelenbegriff ist mehrdeutig:

Große Bedeutung im Abendland (theologische und ethische Gesichtspunkte)

  • Beleg für die Unsterblichkeit des Individuums
  • Träger des ethischen Zentrums des Menschen
  • Ort, an dem Motive, Gründe und Gewissen angesiedelt sind
  • V.a. im anglo-amerikanischen Raum wird der Begriff „soul“ theologisch genutzt

Deutung der wissenschaftlichen Psychologie:

  • Seele als logischer Begriff: Sammelbegriff für seelische Eigenschaften und Funktionen, wie Erleben, Verhalten, Handeln

In der Bewusstseinspsychologie (nach Descartes) ist „Seele“ mit „Bewusstsein“ gleichzusetzen (Bewusstsein ist aber ebenso mehrdeutig)

Der Positivismus (nach Kant) hält die „Seele“ für metaphysisch und damit für nicht erfahr- und erforschbar

Heute ist „Seele“ ein Sammelbegriff: Ein System von seelischen Funktionen, Fähigkeiten, Fertigkeiten –> eine „arbeitende funktionale Form“ (Busche 2001)

  • Seele als Reflexionsbegriff: Ermöglicht die Unterscheidung von Innen und Außen und das Nachdenken darüber (unsere Erfahrungen kritisch zu analysieren)
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21
Q

Definition “psychische Eigenschaften”

A

relativ stabile und generelle Merkmale eines psychischen Prozesses, oder einer psychischen Funktion (Wahrnehmung, Gedächtnis), die relativ unabhängig von situativen und zeitlichen Randbedingungen sind.

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22
Q

Definition “psychische Funktion”

A

Sammelbezeichnung für Prozesse und Strukturen, auf die sich jegliche Aktivität von Menschen stützt und durch die Menschen zu einem flexiblen, adaptiven Verhalten in einer vielfältigen, sich verändernden Umgebung befähigt werden.

Z.B. Wahrnehmung, Denken, Gedächtnis, aber auch

Streben, Spüren, Gefühle und Emotionen, Wünschen, Wollen und Entscheiden, Vorstellen, Denken.

Diese Auswahl deutet darauf hin, dass

a) psychische Funktionen sich mit Hilfe unseres mentalen Vokabulars voneinander unterscheiden lassen, aber ihre funktionelle Verschränkung empirisch untersucht werden muss
b) dass sich psychische Funktionen zwar methodisch isolieren lassen, aber stets mehr oder weniger zusammenwirken

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23
Q

Definition Fähigkeiten (abilities)

A

Stellen verfestigte Systeme verallgemeinerter psychischer Prozesse dar, die den Tätigkeitsvollzug steuern und Leistung ermöglichen.

Sie betreffen hauptsächlich kognitive Vorgänge, Gedächstnisleistungen sowie gedanklich analysierende und synthetisierende Vorgänge.

Sie sind nicht beobachtbar, allenfalls können sie erschlossen werden.

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24
Q

Definition Fertigkeiten (skills, Geschicklichkeiten)

A

Aufgabenbezogene individuelle Aktivitäten, die als eingeübte und automatisierte Bewegungsabläufe realisiert werden, z.B. (senso-) motorische Fertigkeiten sind Tischtennisspielen, Schwimmen.

25
Q

Nachfolgebegriffe für Seele

A

Bewusstwein

“Selbst”

“Ich”

Person

William James / George Herbert Mead

I” (self knower) Ich-als-Subjekt / sehe, kenne das Me

Me” (self-as-known) Selbst-als-Objekt

26
Q

Was bedeutet “Psychologie ohne Seele”?

A

aus Forum:

„Psychologie ohne Seele“ ist ein von F.A. Lange geprägter Ausdruck, der verdeutlichen soll, dass im Sinne Kants eine rationale Seelenlehre nicht möglich ist, da sich im Gegebenen nichts beobachten lässt, was den Begriff rechtfertigt. Im Zuge des Positivismus und gestärkt durch Kants Kritik der rationalen Psychologie wurde der Seelenbegriff in der Metaphysik verortet und für die empirische Psychologie abgelehnt.

F.A.Lange (1828-1875) prägte den Begriff der “Psychologie ohne Seele”. Er erkannte die Untauglichkeit des (theologisch, ethisch gefärbten) Begriffs der Seele als Forschungsgegenstand einer empirischen Wissenschaft. Deshalb forderte er, neben vielen Anderen, den Forschungsgegenstand der Psychologie präziser zu benennen.

Der Ausdruck “Psychologie ohne Seele” wurde geprägt von F. A. Lange. Er schloss sich dem Verständnis Kants - Seele ist etwas Metaphysisches - an und verzichtet darauf. Für ihn lässt sich Seelisches nicht ausreichend beobachten und damit empirisch auch nicht überprüfen.

27
Q

Mit welchen psychologischen Fragestellungen ist das Verständnis der Person als “Objekt-Mich” verbunden (Me) ?

A

Mit psychologischen Fragestellungen aus der Selbstkonzeptforschung:

Wenn ich das Me (Ich als Objekt) betrachte, frage ich mich:
Wer bin ich?

Was macht mich aus?

Wie sehen mich andere?

Warum handle ich in bestimmten Situationen gerade so?

Das Me, das Selbst-als-Objekt ist das selbst bezogene, sozial vermittelte Wissen über sich selbst: Wer man selbst ist: der sozial vermittelte und generalisierte “Andere”, von dem her man sich selbst deutet.
Verortung sozialer Rollen und Funktionen im objektiven Selbst

Ich weiß etwas über mich (Selbstkonzept) und handle in einem sozialen Kontext. Durch Selbstbeobachtung und Fremdbeobachtung (Fremdwahrnehmung wird mitgeteilt) verändert sich das Me. Diese Veränderungen sind empirisch erklärbar. Aber auch das I (Ich als Subjekt) verändert sich. Was aber genau passiert ist nicht geklärt, also unbewusst.

28
Q

Was ist das “self” (William James)?

A

Das “Self” unterteilt sich in I und Me

  • *Self:** aktives Tätigkeitszentrum - es ist die für das Seelenleben einer Person zentrale Instanz, nicht objektivierbar, nur durch Erleben erfahrbar
  • *I:** bewusstseinshabendes Ich, entspricht transzendentalen Ich (Kant)
  • *Me:** das Selbst als Objekt, Gedächtnis, Eigenschaften, die sich das I selbst zuschreibt, das sozial vermittelte Wissen, ist objektivierbar, empirisch erforschbar.

Das Me kommt durch Selbstreflexion ins Bewusstsein - Selbstkonzeptforschung.

Das ‚Ich‘ (Subjekt) ist nicht von außen zu erforschen/zu beobachten, da es sich im Inneren abspielt. Eine empirische Erforschung ist daher nicht möglich.

Sobald ich es aber mitteile in irgendeiner sozial geteilten Form sind wir beim ‘Me’

Das „Me“, ( Ich als Objekt - ist das was ich über mich weiss) lässt sich somit auf Basis von sozial geteilten Codes (Sprache/ Mimik/ Gestik/ Ausdruck) beobachten und somit empirisch erforschen.

29
Q

Was bedeutet Intentionalität in Bezug auf seelische Funktionen?

A

Begriff geprägt durch Franz Brentano

Psychisches <—> Physisches

Gerichtetheit seelischer Funktionen

seelische Funktionen stehen im Dienst des Handelns, welches auf zukünftige Veränderungen in der Umgebung des Akteurs gerichtet ist.

Diese Gerichtetheit hat Franz Brentano als Intentionalität bezeichnet.

Erleben und Handeln kann nicht ohne die Umgebung des Menschen verstanden und erklärt werden.

Beim Wahrnehmen wird etwas wahrgenommen, beim Denken etwas gedacht und beim Handeln wird mit Absicht auf die Realisierung eines bestimmten Zieles hin etwas in der Welt verändert.

30
Q

Soziale Definition des Handelns

A

Zentral für das Verständnis des Handelns ist das Handeln mit oder gegen andere Menschen, die soziale Umgebung des Menschen also.

P1 (Annika) kann von P2 (Sandra) zum Handeln aufgefordert werden.

Dieser “Fremdaufforderung” entspricht die “Selbstaufforderung” durch Willens-, Absichts- und Vorsatzbildung.

weiteres Definitionsmerkmal von Handeln: Handeln kann auch unterlassen werden, wobei P2 (Sandra) wiederum P1 (Annika) zur Unterlassung auffordern kann, z.B. im Rahmen der Berufung auf Normen, aber auch P1 (Annika) sich selbst auffordern kann, eine Handlung H nicht zu tun.

31
Q

Warum bezeichnet die moderne Psychologie jeden Organismus als informationsverarbeitendes System?

A

Biologische und psychologische Funktionen sind Aktions- und Reaktionsmuster relativ zu den Gegebenheiten und Anforderungen ihrer Umgebung: Das Sehen kann man nicht ohne das Objekt des Sehens erforschen.

Organismus muss aus der Umgebung Energie gewinnen können –> er muss Regelmäßigkeiten und Ordnung in seiner Umgebung erkennen können

Das Maß für Regelmäßigkeit ist Information, deshalb informationsverarbeitendes System.

Welche Information ein Organismus zu welchem Zweck mit welchem Erfolg verarbeitet, kann nur unter Einbezug der Umgebung erschlossen werden.

Psychologie ist immer auch Ökologische Psychologie.

Die Organisation eines Organismus muss regelmäßig an die Gegebenheiten und Anforderungen, der Ordnung, seiner Umgebung angepasst werden. Die eigene Organisation kann anders nicht aufrechterhalten werden. D.h., er muss konstant die Regelmäßigkeiten und Ordnungen seiner Umgebung erkennen. Das Maß hierfür ist Information, daher kann der Organismus als informationsverarbeitendes System betrachtet werden.

Forum:

Jeder Organismus muss sich mit den Regelmäßigkeiten und Ordnungen seiner Umwelt auseinandersetzen und abstimmen. Dafür benötigt er Informationen über diese Regelmäßigkeiten und Ordnungen. Die Auseinandersetzung mit diesen Informationen innerhalb der psychologischen Funktionen kann man als Informationsverarbeitung bezeichnen.

32
Q

Natürliche und kulturelle Gegebenheiten der menschlichen Umgebung

A

Sowohl natürliche als auch kulturelle Gegebenheiten bilden die menschliche Lebenswelt und üben somit eine wechselseitige Wirkung auf psychische Funktionen aus.

natürliche Gegebenheiten: Lichtverhältnisse, Luftdruck, Schwerkraft der Erde

kulturelle Gegebenheiten:

von Menschen hergestellte Dinge (Artefakte)

von Menschen hergestellte soziale Einrichtungen (Institutionen wie das Recht oder die Wirtschaft)

die in Tradition entstandenen Einrichtungen wie:

verschiedene Sprachen

Sitten

Sprechhandlungen, über die Zugang zu Natur und Kultur vermittelt wird. Das durch Sprechhandlungen erzeugte Wissen, das in Wissensträgern steckt (Werkzeuge oder Artefakte), und bestimmte Weisen des Handelns möglich und notwendig macht

33
Q

Definition semiotische Kompetenz

A

zentrale Kompetenz von Lebewesen

Fähigkeit des Menschen, ein Zeichensystem für kognitive und kommunikative Ziele

zu erlernen,

zu gebrauchen, an künftige Generationen weiterzugeben und andere Menschen zu beeinflussen.

neben den anatomischen und psysiologischen Voraussetzungen

Artikulieren,

Dekodieren von Sprachlauten,

Verarbeiten von sprachlichen Äußerungen etc.)

beruht der Aufbau der semiotischen Kompetenz auf den psychologischen Fähigkeiten:

kognitive und kommunikative Fähigkeiten, sowie Fähigkeit zu sozialen Bindungen.

Karl Bühler, Sprachtheorie, in Ausinandersetzung mit Wundts Sprachpsychologie.

bezieht sich auf sprachliche wie auch nichtsprachliche Kommunikation

34
Q

Warum sollte die Psychologie sowohl mit naturwissenschaftlichen als auch mit geisteswissenschaftlichen Methoden forschen?

A

Die Psychologie befindet sich in einem großen theoretischen, methodischen und forschungspraktischen Spannungsfeld.

Psychologische Funktionen werden zwischen Kultur (Geisteswissenschaften) & Natur (Physik, Biologie, Medizin) verortet

naturwissenschaftlich, sehr biologienah, erforschen lassen sich:

seelische Funktionen wie

Raum- Farbwahrnehmung oder Sinnessschwellen

geisteswissenschaftliche (z.B. hermeneutische) Methoden bei:

kulturell verfasster Lebenswelt der Menschen

Biographieforschung

aus Forum:

Naturwissenschaftlichen Methoden dienen der Erforschung der biologisch nahen Funktionen wie z.B Farbwahrnehmung, Raumwahrnehmung, Tastsinn mit Tests, physiologischen Experimenten oder in der Neuropsychologie mittels moderner technischer Geräte

Geisteswissenschaftliche/Kulturwissenschaftliche Methoden werden angewandt, um die kulturell verfasste sowie subjektiv erlebte Lebenswelt des Menschen zu erforschen (Hermeneutik, Beobachtung, sozialpsychologisches Experiment, Interview)

Die psychologische Fragestellung bestimmt die anzuwendende Methode.

35
Q

Mit welchen Wortarten werden seelische Fähigkeiten oder Dispositionen gekennzeichnet?

A

mit Eigenschaftswörtern wie

intelligent

freundlich

eine solche Dispositionsbehauptung bedarf weiterer Beobachtungen und Evidenzen.

Dispositionale Erklärungen sind in der Psychologie sehr verbreitet - denn ein Großteil des psychologischen Testens besteht im Testen von Dispositionen, von seelischen Eigenschaften.

36
Q

Wie funktioniert der Prozess der Zuschreibung von Eigenschaften im Alltagsleben?

A

Die Zuschreibung von Eigenschaften geschieht im Alltagsleben oft durch dispositionale Behauptungen, wobei diese Behauptungen allgemeingültige personale Eigenschaften darstellen. Hier wird ohne genaue Überprüfung anhand einer Stimmungslage oder eines äußeren Einflusses “geurteilt”.

Situativ bedingte Umwelteinflüsse werden dabei oft nicht gesehen bzw. vernachlässigt.

Statt beschreibend zu sagen “Frau X hat mich heute im Treppenhaus gegrüßt und nach meinem Befinden gefragt” (Verhalten), schreiben wir ihr schlussfolgernd zu “Sie ist freundlich” (Eigenschaft).

37
Q

Beispiele für seelische Funktionen

A

Sehen Riechen

Hören Tasten

Fühlen Schmerzempfinden

———–

Vorstellen Denken

Wählen Wollen

Beabsichtigen

Begriff seelische Funktion darf nicht mit Wahrnehmungsfunktionen gleichgesetzt werden

38
Q

seelische Funktionen, die übergeordneten Charakter haben und unabhängig von der Modalität einer seelischen Funktion sind

A

Vorstellen Denken

Wählen Wollen

Beabsichtigen

39
Q

Zweckmäßigkeit seelischer Funktion

A

Funktion, Relation, Zuordnung mit mindestens zwei Relata.

  1. das Gesehene
  2. das Erlebnis des Gesehenen

Die Zweckmäßigkeit einer seelischen Funktion (eines komplexen Teilsystems), wie dem Sehen, bedeutet, dass ähnlich dem mathematischen Funktionsbegriff, die Funktion eine Relation ist, eine Zuordnung zwischen mind. zwei Relata (z.B. Sehen: Das Gesehene und das Erlebnis des Gesehenen). Somit hat eine seelische Funktion stets eine Intentionalität, eine Gerichtetheit auf etwas.

40
Q

Ein Grundproblem visueller Wahrnehmung besteht darin, das visuelle Feld zu ordnen.

A

Die psychische Funktion der visuellen Wahrnehmung zeigt sich u.a. in Entscheidungen darüber, was zusammengehört -

Bindungsproblem

und was nicht zusammengehört - Segmentierungsproblem

Gestaltpsychologen untersuchen dies erstmalig systematisch.

41
Q

Gruppierende Prinzipien aus der Gestaltpsychologie

A

Gestaltgesetze:

Gesetz der Nähe

Gesetz der Geschlossenheit

—> Geschlossenheit schlägt Nähe

Beispiel für die Interaktion von Gestaltgesetzen

Abb 1.4 Gestaltgesetze “Nähe” und “Geschlossenheit”

42
Q

Was wird mit dem Begriff “Phänomen” in der Psychologie gekennzeichnet?

A

Ein Phänomen ist “das, was uns in der Erfahrung gegeben ist”, ohne Erkenntnis, aber bewusst, trotzdem reflexionsfrei.

Phänomen (bewusste Wahrnehmung)

+ Wahrnehmungsurteil (Erkenntnis)

= Phänomenales Bewußtsein

Ich gehe durch den Wald, höre einen Laut, er ist mir bewusst - aber ich versuche nicht, ihm einen “Namen” zu geben…sobald ich mir innerlich sage, das war ein Ast, auf den ich getreten bin, dann ist das Phänomen weg und ich habe stattdessen ein Wahrnehmungsurteil gefällt.

(ohne Urteil: wie Kamera (sehen), wie Aufnahmegerät (hören)

Die bewusste Wahrnehmung (das Phänomen) und die Erkenntnis (das Wahrnehmungsurteil) bilden zusammen unser phänomenales Bewusstsein.

Ich bin beim Gegebenen, das mit erscheint. Erst im Denken wird mir dieses Gegebene zur Erscheinung.

43
Q

Welche Rolle spielen das Wissen und die semiotische Kompetenz beim Zustandekommen einer Erkenntnis?

A

Unterscheidung von “Etwas sehen” und “Etwas als Bestimmtes - Sehen”.

Wenn ich einen Tisch sehe, handelt es sich um ein Wahrnehmungsurteil, das eigentlich keine Wahrnehmung beschreibt, sondern eine Erkenntnis, also eine Interpretation einer Wahrnehmung. Die dadurch abschliessende Erkenntnis kommt durch die Verbindung der Wahrnehmung mit unserem Wissen und unserer semiotischen Kompetenz zustande, Begriffe und Zeichen zu bilden, verknüpfen und anzuwenden.

44
Q

Woraus besteht eine Wahnehmungsepisode?

Abb. Wahrnehmungsepisode

A

Abb. 1.5: Schematische Darstellung einer Wahrnehmungsepisode

Objekt

Umweltreiz nicht bewußte Wahrnehmung

Phänomen bewusste Wahrnehmung zielgerichtet, um weitere Informationen üner das Objekt zu erhalten –> Erscheinung

Erkenntnis Wahrnehmungsurteil bzw. propositionale Einstellung

Abschließende Interpretation der durch Wahrnehmung gewonnenen Information

Phänomen + Erkenntnis = Phänomenales Bewußtsein

45
Q

Welche Denkprozesse werden als besondere Charakteristika des phänomenalen Bewusstseins gekennzeichnet?

A

Das phänomenale Bewusstsein beginnt, wenn wir anfangen etwas bewusst wahrzunehmen (Phänomen) - dazu benötigen wir unsere fünf Sinne (oder zumindest den ein oder anderen davon).

Die in Frage stehenden Denkprozesse (oder besser: kognitiven Prozesse) treten in Aktion, wenn wir das sinnlich Wahrgenommene interpretieren, um zu einem Wahrnehmungsurteil zu gelangen. Für diese Interpretation bilden wir gedanklich Verknüpfungen, die zum Identifizieren, Unterscheiden und letzten Endes zum Erkennen (i.S.v. Erkenntnis) führen.

Eine Wolke erscheint am Himmel…durch unsere sinnlichen Empfindungen wird sie zum Phänomen…solange wir sie nicht benennen oder kategorisieren (also denkend ein Wahrnehmungsurteil fällen), bleibt sie das…fangen wir an, über das “Phänomen Wolke” nachzudenken, wird es zu einer manifesten Erscheinung (in Form einer Erkenntnis).

46
Q

Woraus „besteht“ die phänomenale Welt eines Menschen?

A

Es sind zum einen die Phänomene, die uns aus dem Außen “gegeben” werden (vermittelt über Umweltreiz und unsere Sinne) und zum anderen die Phänomene, die “in uns” sind, also im Prinzip jegliche Erlebensweise.

Diese Phänomene „Wie ist es, X zu sein oder X zu haben“ werden in der Philosophie als Qualia bezeichnet: Sie stellen den subjektiven Erlebnisgehalt eines mentalen Zustandes dar, sind nicht zielgerichtet (z.B. traurig sein) <-> Intentionalität seelischer Funktionen

47
Q

Welche sprachlichen Ausdrücke deuten darauf hin, dass es bei einer Formulierung um eine propositionale Einstellung geht?

A

In einer propositionalen Einstellung wird eine bestimmte Beziehung zwischen der urteilend Bezug nehmenden Person, ihrem Wissen und einem davon zu unterscheidenden Sachverhalt zum Ausdruck gebracht.

Wenn Wahrnehmungserlebnisse urteilend geäußert werden –> es wird dann kein “sehen” beschrieben, sondern ein “Erkennen im Modus des Sehens”: “Ich sehe einen Tisch”

Ich (Subjekt/Erste Person Perspektive) + sehe/höre/erkenne/fühle (Verb/ drückt mentale Einstellung aus) einen Tisch (Proposition, die Information (der Inhalt), welche im Bewusstsein vorhanden ist)

48
Q

erkenntnistheoretischer Alltagsrealismus

A

Man geht davon aus, nicht in einer eingebildeten Welt zu leben, sondern davon, dass wir es mit einer Wirklichkeit zu tun haben, die unabhängig von unseren seelischen Funktionen ist, wie der Lauf des Mondes.

Es entspricht diesem erkenntnistheoretischen Alltagsrealismus, dass Vorstellungen, Eingebildetes nicht direkt auf die Welt einwirken, sondern nur über den Umweg unseres Handelns, indem wir unseren Körper entsprechend regelhaft bewegen, Arbeit leisten und Kraft ausüben.

49
Q

Welche Rolle wird der Introspektion im Zusammenhang mit der Erforschung von inneren Erlebnissen eines Individuums zugeschrieben?

A

Fähigkeit zur inneren Beobachtung

typisch menschliche Erfahrung, dass man in sein Inneres “gehen” kann: sich etwas vorstellen, sich erinnern. Von Außen nicht feststellbar.

Sie ist gleichzeitig ein priviligierter Zugang zu inneren Erlebnissen aus der Erste-Person-Perspektive und eine wissenschaftliche Methode zur Erforschung innerer Erlebnisse.

Galt einmal als die dominante Methode in der Psychologie.

Methode der Selbstbeobachtung. Für die Erforschung des Erlebens notwending und nicht zugunsten der Dritte-Person-Perspektive eleminierbar. Selbstbeobachtung ist subjektiv, nicht von außen beobachtbar.

Als wissenschaftliche Methode hatte die Introspektion in den verschiedenen Epochen der Psychologiegeschichte verschiedene Einsatzzwecke und Stellenwerte, sie wurde zwischen den verschiedenen psychologischen „Schulen“ und Strömungen z.T. heftig diskutiert - man denke hier an die Bühler-Wundt-Kontroverse

Auch die Beantwortung standardisierter Fragebögen (Selbstauskunft) funktioniert nicht ohne ein gewisses Maß an Introspektion(sfähigkeit) - um z.B. die Frage authentisch beantworten zu können, ob ich ein geselliger Mensch sei, muss ich Zugang zu meinem eigenen inneren Erleben haben. Ob ich allerdings eine ehrliche, also meinem eigenen inneren Erleben entsprechende Antwort gebe, steht auf einem ganz anderen Blatt.

50
Q

Was wird unter dem öffentlichen Kriterium der Erkennbarkeit einer privaten Erkenntnis verstanden?

Welche Funktionen hat Sprache an dieser Stelle?

A

Ohne Mitteilung über die innere Beobachtungen / private Erkenntnisse weiß niemand etwas darüber und diese Mitteilung erfolgt sprachlich.
Die Anwendung der Sprache, aber auch das “äußere” Beobachten lernt man nicht privat, alleine, sondern im sozialen Wechselhandeln.

Die privat gewonnene Erkenntnis ist in ein Medium zu übertragen, welches die Übertragbarkeit vom Privaten ins Öffentliche, Mit-Teilbare, möglich macht. Erkennbarkeit des Privaten setzt somit ein öffentliches Kriterium voraus.

Seelisches ist nur in der intersubjektiven Form interpretierbar. Sprache als Medium ist öffentlich, kommunikativ, also Gemeinsamkeiten vermittelnd, herstellend und bewahrend. Selbst innerlich in der “stillen Selbstrede” mit einem verinnerlichten sozialen Deutungssystem.

Wir brauchen dazu öffentliche Interpretationsmittel (z.B. Sprache) und deuten damit auch unsere inneren Erlebnisse mit Hilfe sozial vermittelter Erkenntnismittel.

—> private Erkenntnis ist keine wissenschaftliche Erkenntnis, da Wissenschaftlichkeit nur Erkenntnissen zugeschrieben wird, die öffentlichen und damit kritisierbaren Erkenntnisstandards genügen.

Selbst eine Person P1 muss öffentliche Standards auf die Erkenntnis seiner eigenen Vorkommnisse in seiner eigenen Innenwelt anwenden - wie soll sonst erkannt werden, dass Innenweltvorkommnis X mit dem Innenweltvorkommnis X am nächsten Tag identisch ist? (Wittgensteins Kritik am Privatsprachenargument)

51
Q

Erklären Sie, worin die Problematik der Unterscheidung zwischen dem Inneren und Äußeren für die psychologische Forschung besteht.

A

Unterscheidung zwischen Innenwelt und Außenwelt ist keineswegs trennscharf, wie es das phänomenale Erleben des Inneren und des Äußeren nahe legt.

Konflikt Wahrnehmung <—> Interpretation

von Ausdrucksverhalten.

Inneres, Seelisches spielt sich nicht nur im Innern ab. Vielmehr kann es nach Außen beispielsweise über Mimik oder Gestik ausgedrückt werden.

Sprachliches Selbstbewußtsein als dialektische Grenze zwischen Innen und Außen.

Die Humanpsychologie ist zu großen Teilen auf die Selbstauskunft der Menschen sowie über die Angabe von Gründen für ihr Handeln angewiesen. Damit wird vorausgesetzt, dass Menschen zutreffend über sich selbst Auskunft geben können. Eine kritische Überprüfung dieser Voraussetzung z.B. in der Sozialpsychologie ergab, dass Einstellungen (Inneres) und Handlungsweisen (Äußeres) nur gering zusammenhängen können, dass also Menschen nicht durchgängig gemäß ihrer Überzeugungen bzw. Präferenzen handeln. Menschen neigen dazu, anders zu handeln, wenn sie sich beobachtet fühlen bzw. bei der Kommunikation über Inneres zu berücksichtigen, wem sie dies kommunizieren und wie sie sich selbst präsentieren wollen.

Einstellung und Handlungsweise können nur gering zusammenhängen :

  • Wenn mich jemand beobachtet, handle ich anders
  • Wenn ich mit jemandem spreche, berücksichtige ich, mit wem ich kommuniziere

Unbewusste Motive und unbewusste Informationsverarbeitung beim Handeln und Urteilen:

Bestimmte Informationen aktivieren bestimmte soziale Stereotype (Stereotype: bestimmte verallgemeinerte Urteilsmuster, mit denen wir soziale Informationen über z.B. Eigenschaften, Erwartungen klassifizieren und automatisch mit uns dazu passend erscheinenden Information ergänzen.)

Verwandte Phänomene: Urteilsfehler

  • *Halo – Effekt:** Es wird nicht differenziert geurteilt. Einzelne Eigenschaften einer Person (z. B. Attraktivität, Behinderung, sozialer Status) erzeugen einen positiven oder negativen Eindruck, der die weitere Wahrnehmung der Person „überstrahlt“ und so den Gesamteindruck unverhältnismäßig beeinflusst.
  • *Attributionsfehler:** Aufgrund weniger Informationen über eine Person werden weitere Informationen zugeschrieben, ohne dass die Einflüsse unterschiedlicher Lebenskontexte berücksichtigt werden.

Es ist diese oft unbewusste Tendenz, das Handeln von Menschen durch die Zuschreibung von “inneren Eigenschaften” (Dispositionen) zu erklären als durch die Einflüsse der Situation und der Umwelt.

Zu Selbsttäuschungen kann es dann kommen, wenn man sich selbst auf diese Weiser Eigenschafte zuschreibt, z.B. die äußeren Umstände eines persönlichen Erfolges unter- und die “inneren Eigenschaftem” wie Intelligenz überschätzt.

52
Q

Wie unterscheidet sich die Beobachtungsperspektive im Falle eines inneren Erlebnisses von einer Verhaltens- oder Handlungsweise?

A

Das Erleben bezieht sich zunächst auf das phänomenale Bewußtsein, aber auch auf das Wissen um die eigene Innerlichkeit.

Mit dem Erleben wird das Besondere der Ersten-Person-Perspektive betont. Nur in der Erste-Person-Perspektive ist es möglich, über das eigene Erleben sprachlich Auskunft zu geben.

Verhalten und Handeln sind besondere Körperveränderungen, Körperbewegungen, die von außen, also in der Dritten-Person-Perspektive, beobachtet werden können.

Sprache, Mimik, Gestik geben Auskunft über seelische Eigenschaften der sich äußernden Person. Das Erleben wird über die Vielzahl der Ausdrucksbewegungen mitbeobachtbar.

Die Erste-Person-Perspektive und die Dritte-Person-Perspektive, aber auch der Wechsel dieser beiden Perskeptiven im Wechselhandeln sowie der verbalen und paraverbalen Kommunikation, ist der Ausgangs- und Zielpunkt der wichtigsten Methoden der Psychologie, der Selbst- und der Fremdbeobachtung.

53
Q

Welche Ebenen der psychologischen Erklärung sind ausreichend für die Beschreibung der Verhaltensweise eines Tieres?

A

Beschreiben und Erklären eines Verhaltens macht die Zuschreibung einer Ersten-Person-Perspektive nicht erforderlich, beispielsweise wenn das Farbunterscheidungsvermögen von Tauben untersucht wird.

Die Erklärung solchen Verhaltens bezieht sich zwar auf mentale Zustände und Modelle, da auch Tiere Umgebungsrepräsentationen für adaptives Verhalten benötigen, aber man bekommt keine Selbstauskünfte über Erleben, wie im übrigen auch nicht von Humansäuglichen.

Die Selbsterforschung als Datenquelle kann bei der Erforschung des Verhaltens von Lebewesen, die nicht humansprachlich kommunizieren, nicht verwendet werden.

54
Q

Welche Ebenen der psychologischen Erklärung sind notwendig für die Beschreibung menschlichen Handelns?

A

Die Funktion “Orientierung” ist eine psychische, funktionelle Funktion, die nur basierend auf der Beobachtung des verhaltens sowie der Anatomie und Physiologie des Lebenwesens erklärt werden kann. Im Falle des Handelns, das wir nur Menschen zuschreiben, ist eine kausale und funktionale Erklärung nicht ausreichend.

Vielmehr müssen die mentalen Vorläufer einer Handlung, die Wünsche, Absichten, Bedürfnisse und Überzeugungen berücksichtigt werden, aber vor allem die Gründe, die jemand angibt, warum er, sie so gehandelt hat. Daher muß die kausale, funktionale Erklärung zu einer rationalen erweitert werden. Ohne die Berücksichtigung von propositionalen Einstellungen, der Intentionalität, kann also menschliches Handeln nicht erklärt werden.

55
Q

Begründen Sie, warum dem Handeln als einem der Gegenstände der psychologischen Wissenschaft ein ausgeprägter sozialer Charakter zugeschrieben wird.

A

Leitende Annahme der Psychologie ist, dass der Mensch essentiell ein soziales Wesen ist.

  • wird durch die Definition der Wissenschaft vom Erleben und Verhalten verdeckt, kommt aber über das Handeln ins Spiel.

Jeder Mensch kann sich nur über Interaktion und Kommunikation gedeihlich entwickeln, d.h. alle typischen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausbilden, die einen Menschen kennzeichnen.

Handeln kann man nur sozial lernen, denn nur durch das Geben, Fordern, Akzeptieren, Zurückweisen und Einschränken von Handlungsgründen können wir beanspruchen, Menschen und uns selber zu verstehen. (Wobei Verstehensansprüche nur eingeschränkt möglich, da man nicht über einen oder alle Menschen vollständiges Wissen hat. Gilt auch fürs Selbstverstehen, andere können einen durchaus besser verstehen –> hohe Nachfrage nach Beratung, Therapie und Selbsterfahrung)

Das Geben von Gründen, die Forderung nach Rationalisierbarkeit der Handlungserklärung ist integraler Bestandteil der Interaktion, das miteinander und gegeneinander Handelns von Menschen.

56
Q

Ziele der Psychologie als Wissenschaft

A

Beschreiben

Erklären

Vorhersagen

Verändern

des menschlichen Erlebens, Verhaltens und Handelns

57
Q

Welchen Zweck erfüllen die psychologischen Forschungsmethoden?

A

–> Finden von Regelmäßigkeiten und Gesetzmäßigkeiten im Erleben, Verhalten und Handeln

–> die Beobachtung in all ihren Varianten gilt als grundlegend

–> die Methoden dienen dazu, wissenschaftliche Behauptungen mit guten Gründen so zu rechfertigen, dass sie als wahr/bewährt bezeichnet werden können. (Falsifikation!)

Das Überprüfen von psychologischen Fragestellungen geschieht mit Hilfe von psychologischen Forschungsmethoden.

58
Q

Welche Rolle spielen ethische Aspekte in psychologischen Untersuchungen?

A

Ethische Normen sind das Verbot, Menschen Schaden zuzufügen, aber auch das Gebot, vor allem im Falle wissenschaftlicher Anwendungen, einen Beitrag zur Lösung von lebensweltlichen, arbeitsweltlichen und gesellschaftlichen Problemen zu leisten.